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Dem Arbeitskräftemangel nicht nur zuschauen: Politik muss an allen Schrauben drehen!

Salzburgs Arbeitsmarkt im Umbruch: Trotz schwieriger Rahmenbedingungen bleibt Beschäftigung auf hohem Niveau — Offene Stellen auf Rekordniveau — Lehre zieht wieder an

Symbolbild
© stock.adobe.com

Salzburgs Wirtschaft beschäftigt so viele Menschen wie noch nie, was in Salzburg übers Jahr 2022 zur niedrigsten Arbeitslosenrate Österreichs geführt hat. Gleichzeitig suchen sehr viele Arbeitgeber in Salzburg so viele Arbeitskräfte wie selten zuvor. „Der Arbeitsmarkt ist total im Umbruch“, zieht WKS-Präsident Peter Buchmüller Bilanz über das Jahr 2022. Er fordert angesichts der massiven Probleme der Betriebe, ausreichend Personal zu finden, ein „Zukunftssicherungspaket für den Arbeitsmarkt“. 


„Wir müssen am Arbeitsmarkt, und das nicht nur in Salzburg, einen massiven Paradigmenwechsel zur Kenntnis nehmen. Die demografische Entwicklung, die Defizite in der Arbeitsmarktpolitik und nicht zuletzt ein Einstellungswandel zur Arbeit treiben den Unternehmer:innen — zusätzlich zu den Energiepreisen — die Sorgenfalten auf die Stirn“, verweist WKS-Präsident Buchmüller auf jüngste Umfrage der WKS:  

  • Demnach suchen derzeit 43% aller Betriebe nach zusätzlichen Arbeitskräften — und haben größte Mühe, diese auch zu bekommen.  
  • Das begrenzt die Möglichkeiten der Betriebe zur Expansion, weshalb (auch angesichts der generellen Lage) die Hälfte der Salzburger Unternehmen überlegt, bei den Investitionen einzusparen, was wiederum einen notwendigen Aufschwung behindert.  

Trotz Krise, Krieg und Teuerung Beschäftigungsrekord! 

Wie sehr sich die üblichen Muster in der Beschäftigung ändern, zeigen die Entwicklungen und Wendepunkte am Arbeitsmarkt 2022 in Salzburg: 

  • Trotz Wirtschaftsabschwung ab Herbst 2022 und einer Rezession in der Industrie erzielte Salzburg 2022 mit 3,7% die niedrigste Arbeitslosenquote im Bundesländervergleich, vor Tirol und Oberösterreich mit jeweils 4%. Einen so niedrigen Wert hat es im Bundesland zuletzt im Jahr 1991 gegeben. Österreichweit lag die Arbeitslosenquote bei 6,3%.  
  • Gleichzeitig waren noch so viele Salzburger:innen unselbstständig beschäftigt: Im Dezember waren rund 273.000 Personen in Salzburg unselbständig beschäftigt (2021: 261.000)  
WKS-Präsident Peter Buchmüller
© WKS/Neumayr/Leopold WKS-Präsident Peter Buchmüller.

Peter Buchmüller: „Inmitten einer der heftigsten geopolitischen Krisen der letzten Jahrzehnte mit massiven wirtschaftliche Auswirkungen werden dennoch nicht Arbeitsplätze abgebaut! Angesichts der enormen Nachfrage nach Arbeitskräften fürchten Unternehmen, keine Kräfte mehr zu bekommen, wenn diese einmal den Betrieb verlassen haben. Denn gleichzeitig werden so viele offene Jobs wie noch nie angeboten.“ 

Mehr offene Stellen als Arbeitslose 

  • Auch hier zeigte sich 2022 ein neues Phänomen: Erstmals in der Geschichte des Salzburger Arbeitsmarktes gibt es seit Mai 2022 mehr beim AMS gemeldete offene Arbeitsplätze als Arbeitslose. Rund 10.200 im Jahresschnitt im Bundesland Salzburg arbeitslos gemeldeten Personen standen rund 11.800 offene Stellen gegenüber. Tatsächlich dürfte die Nachfrage nach Arbeitskräften aber noch viel höher sein, da nicht alle offenen Stellen dem AMS gemeldet werden.  
  • In dieser Situation werden alle Potenziale am Arbeitsmarkt ausgeschöpft. So ist die Zahl der Langzeitarbeitslosen bzw. bei älteren Arbeitslosen in Salzburg deutlich gesunken. Dies zeigt, dass unsere Betriebe nunmehr auf das gesamte Arbeitskräftepotential zurückgreifen und auch Personen, welche auf den ersten Blick vielleicht nicht den gestellten Anforderungen entsprechen, eine Chance geben.  

Weiterer Wendepunkt: Mehr Jugendliche starten wieder eine Lehre 

  • Mehr denn je setzen in dieser Lage die Unternehmen auf Ausbildung, was eine erfolgversprechende Strategie ist. Denn in ganz Österreich — und auch in Salzburg — ist die Zahl der Lehranfänger:innen wieder gestiegen. In Salzburg sind mit Jahresende 2.452 Lehrlinge in die Ausbildung gestartet, um 6,2% mehr als im Jahr zuvor. Damit wurde 2022 fast wieder das Niveau von 2019 mit 2.497 Lehranfängern erreicht.  
  • Dennoch könnte noch viel mehr ausgebildet werden. Im Jahresschnitt 2022 konnten in Österreich rund 10.000 Lehrstellen nicht besetzt werden, weil es zu wenige Bewerber:innen gab. In Salzburg sind bis Jahresende 1.899 Lehrstellen unbesetzt geblieben. 

Es wird insgesamt weniger gearbeitet 

Die Ursachen für die zahlreichen Wendepunkte am Arbeitsmarkt sind vielschichtig: ein enormer Aufschwung 2021 nach den Lockdowns sorgte für eine rasche Erholung der Wirtschaft und eine starke Nachfrage nach Arbeitskräften. Durch Pensionierungen geburtenstarker Jahrgänge, während gleichzeitig geburtenschwächere Jahrgänge auf den Arbeitsmarkt kommen, verstärkt sich der Mangel. Zusätzlich kommt es zu einer Änderung in der Arbeitsmentalität, Stichwort 30-Stundenwoche und verstärkter Wunsch nach Teilzeitarbeit.  

Insgesamt werden heute weniger Arbeitsstunden geleistet als vor der Pandemie. Im dritten Quartal 2022 leisteten die Österreicher (Voll- und Teilzeit) tatsächlich im Schnitt 28,1 Stunden pro Woche, im dritten Quartal 2019 waren es 29,2 Stunden. Der Rückgang ist bei Männern (-1,7h) weit stärker als bei Frauen (-0,5h).  

Der Rückgang ist auf den steigenden Anteil von Teilzeit und auf weniger Überstunden zurückzuführen. Im dritten Quartal wurden in Summe 15 Mill. Überstunden weniger geleistet als drei Jahre zuvor, also ca. 4 Stunden weniger je Arbeitnehmer. 

„Wenn aber rund 4 Mill. Arbeitnehmer um eine Stunde kürzer arbeiten, entspricht das einem Rückgang um 120.000 Vollzeitkräfte. Das wird zu einer enormen Herausforderung für die Leistungsfähigkeit und Wettbewerbsfähigkeit der österreichischen Wirtschaft“, fasst WKS-Präsident Peter Buchmüller zusammen. 

Absage der Arbeitsmarktreform ist vertane Chance 

Das Scheitern der Arbeitsmarktreform ist für WKS-Präsident Peter Buchmüller daher eine vertane Chance, im System der Arbeitslosenversicherung mehr Beschäftigungsanreize zu verankern. „Wir setzen zu wenig Anreize für die Arbeitsaufnahme, sondern fördern eher den Verbleib in der Arbeitslosigkeit. Unser System weist zu viele Inaktivitätsfallen auf, welche dringend beseitigt werden müssten“, kritisiert Buchmüller. „Dass ausgerechnet im größten Fachkräftemangel aller Zeiten die Arbeitsmarktreform abgesagt wurde, schadet außerdem der Standortqualität!“ 

Denn gleichzeitig plant Deutschland eine wirksame Öffnung der Zuwanderung für Fachkräfte. Währenddessen wird in Österreich die Mangelberufsliste immer länger. In Salzburg sind schon 26 Berufe aus allen Branchen auf der Liste. Zwar nimmt die Zahl der über die Rot-Weiß-Rot-Card ins Land kommenden Fachkräfte leicht zu, das ist aber nur ein Tropfen auf dem heißen Stein.  

Österreich hat damit im Wettbewerb um Talente und Fachkräfte die schlechteren Karten. Buchmüller fordert daher ein Zukunftssicherungspaket für den Arbeitsmarkt. „Es ist zu wenig von politischer Seite, den Arbeitskräftemangel nur zu moderieren. Die Bundesregierung muss in der fundamentalen Frage der Arbeitskräfte wesentlich aktiver werden. Wir müssen alle Potenziale im Wettbewerb um Talente ausschöpfen. Es braucht einen neuen Anlauf für Verbesserungen.“

Die Forderungen der WKS: 

  • Neuordnung des Arbeitslosengeldes: Notwendig ist ein degressives, kostenneutrales Arbeitslosengeld, das anfangs höher ausfällt, dann aber geringer wird, um eine Arbeitsannahme anzustoßen. Insgesamt darf das Modell nicht mehr kosten als jetzt. Eine immer wieder geforderte generelle Erhöhung des Arbeitslosengeldes ist kontraproduktiv.
  • Keine Zuverdienstmöglichkeiten in der Arbeitslosigkeit: Sie haben sich als Inaktivitätsfalle erwiesen, länger als notwendig im Arbeitslosengeldbezug zu verharren. 
  • Die überregionale Vermittlung (auch jene von Asylberechtigten) ist weiter auszubauen und zu verbessern. Erste Vermittlungsversuche von Asylberechtigten von Wien nach Salzburg waren ein Fehlschlag.   
  • Forcierung der Eingliederungsbeihilfe. Sie ist ein unbürokratisches und sehr effektives Instrument, Salzburg hat österreichweit bei der Arbeitsmarktintegration durch die Eingliederungsbeihilfe die besten Werte.  
  • Weitere Verbesserungen bei der Rot-Weiß-Rot-Card. In Anpassung an die zu erwartenden deutschen Regelungen muss die RWR-Card weiter liberalisiert werden. 2022 wurden in Salzburg 400 positive Gutachten für eine RWR-Card erstellt. Selbst wenn sich diese Zahl verdoppelt, bewegen wir uns noch im einstelligen Promillebereich gemessen am Arbeitskräftepotential.   
  • Flexiblere Arbeitszeitmodelle: Zwar braucht es keine Arbeitszeitverkürzung, aber ein liberaleres Arbeitszeitreglement und mehr Flexibilität, um attraktive Arbeitszeitmodelle zu ermöglichen.  
  • Rechtsanspruch für Kinderbetreuung: Um die Erwerbsarbeit für Frauen (und Männer) attraktiver zu machen, braucht es eine besser ausgebaute Kinderbetreuung. Ein Rechtsanspruch auf Kinderbetreuung würde die Schaffung ausreichender räumlicher und personeller Voraussetzungen in der Kinderbetreuung beschleunigen. 
  • Weiterarbeit nach dem Pensionsantritt: Die WKS fordert eine Prüfung all jener Varianten, welche die Weiterarbeit nach Antritt der Regelpension attraktiv machen. So könnten etwa die Pensionsversicherungsbeiträge sowohl für Arbeitgeber als auch Pensionist:innen gestrichen werden. Rund 20% der (angehenden) Pensionist:innen sind laut Umfragen bereit, auch nach Erreichen des Regelpensionsalters etwas für den Arbeitsmarkt zu leisten — wenn es sich entsprechend lohnt.  
  • Ohne qualifizierte Zuwanderung wird Salzburg die Arbeitskräfte-Lücke nicht schließen können. Daher sollte sich das Bundesland Salzburg als Standort für qualifizierte Fachkräfte profilieren, wofür es ausreichend Ressourcen braucht.  

„Österreich steht an einem Wendepunkt: Wir haben die Corona-Krise, Abschwung und Teuerung mit all ihren Verwerfungen halbwegs gut bewältigt. Jetzt müssen grundsätzliche Weichen gestellt werden, in der Energiefrage, vor allem aber am Arbeitsmarkt. Es braucht auch eine neue Leistungsdebatte. Denn mit ‚weniger arbeiten‘ werden wir den Wohlstand und die soziale Sicherheit nicht halten können“, fasst WKS-Präsident Buchmüller zusammen.

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