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Salzburger Makler wehren sich gegen „Bestellerprinzip“

Die Abschaffung der Maklerprovisionen für Mieter bei der Vermittlung von Immobilen wird das Wohnen nicht verbilligen, betont der Fachgruppenobmann der Salzburger Immobilien- und Vermögenstreuhänder, KommR Mag.(FH) Dr. Gerald Hubner. Er wehrt sich vehement gegen den Vorschlag der SPÖ.

Nach einer von marketagent.com durchgeführten österreichweite Umfrage sind Maklerkunden grundsätzlich mit den Maklerleistungen zufrieden.
© Fotolia Nach einer von marketagent.com durchgeführten österreichweite Umfrage sind Maklerkunden grundsätzlich mit den Maklerleistungen zufrieden.

Sollten die Maklerprovision für Mieter abgeschafft werden, fürchten die Immobilienmakler tiefgreifende Verwerfungen am Mietwohnungsmarkt und innerhalb der Branche. Das sog. „Bestellerprinzip“ habe schon in Deutschland zu enormen Problemen geführt, wie Fachgruppenobmann Gerald Hubner im Interview ausführt.

Starke Unterstützung für Gerald Hubner und Salzburgs Immobilientreuhänder gibt es auch von WKS-Präsident Manfred Rosenstatter, der sich in den vergangenen Tagen auf Wiener Ebene massiv für einen fairen Umgang mit der Branche einsetzte. Weitere Unterstützung erfolgte auch durch LAbg. Michaela Bartel, Obfrau der Bezirksstelle Salzburg-Stadt der WKS, und dem Salzburger Immobilienmakler Michael Denkstein. Manfred Rosenstatter: „Diese Branche darf nicht einer populistischen Politik zum Opfer fallen. Ich fordere die Politik auf, mit den Branchenvertretern sofort Gespräche zu führen. Hier geht es um zahlreiche Unternehmen und Arbeitsplätze. Statt einer ganzen Branche die wirtschaftliche Grundlage zu entziehen, sollten besser die rigiden Gesetze vereinfacht werden.“

Interview mit Dr. Gerald Hubner

Im Nationalrat liegt ein von der SPÖ eingebrachter Initiativantrag, mit dem die Maklerprovision abgeschafft werden soll. Nur noch der Vermieter sollte für die Bezahlung der Maklerprovision zuständig sein. Damit würde also das sog. „Bestellerprinzip“ eingeführt werden soll. Wie nimmt das die Branche der Immobilienmakler auf?

Hubner: Wir sind absolut vor den Kopf gestoßen, wie hier leichtsinnig eine ganze Branche mit vielen Arbeitsplätzen gefährdet werden soll. Wir fühlen uns hier als Opfer des Wahlkampfes. Das Verteilen von vermeintlichen Wahlzuckerln zu Lasten einer Branche sollte eigentlich der Vergangenheit angehören. 

Bestellerprinzip, was heißt das?

Hubner: Im österreichischen Immobilienmaklerrecht gilt bisher der Handelsbrauch der Doppelmaklertätigkeit, d.h. der Immobilienmakler hat die Interessen von Mieter und Vermieter zu vertreten und schließt auch mit beiden einen Maklervertrag. Das jetzt diskutierte Bestellerprinzip geht davon ab. Bezahlt werden soll der Immobilienmakler nur von demjenigen, der den Makler beauftragt bzw. bestellt, das ist dann regelmäßig der Vermieter.

KommR Dr. Gerald Hubner: „Die Abschaffung der Maklerprovisionen für Mieter wird das Wohnen sicher nicht verbilligen!“.
© Bryan Reinhardt KommR Dr. Gerald Hubner: „Die Abschaffung der Maklerprovisionen für Mieter wird das Wohnen sicher nicht verbilligen!“.

Manche in der Politik gehen davon aus, dass damit Wohnen billiger wird. 

Hubner: Da liegt die Politik daneben. Beim Immobilienmakler haben diese Kosten bisher die Vertragsparteien getragen, die die Leistung auch in Anspruch genommen haben. Wenn diese Kosten jetzt nur mehr an den Vermieter verrechenbar sind, werden sich vermutlich viele Immobilienmakler aus dem Markt zurückziehen müssen. Weil die Vermieter nicht ohne weiters die zusätzlichen Vertriebskosten übernehmen werden. Entweder werden sie versuchen, diese in den Mietzins einzupreisen, was die Immobilienpreise weiter nach oben treiben wird, oder sie werden den Vertrieb selbst übernehmen. Am Ende zahlen die Mieter die Zeche – und eine Branche, deren Geschäftsgrundlage zerrüttet wird.

Das Bestellerprinzip gilt in Deutschland schon seit 2015, was sind dort die Erfahrungen?

Hubner: Insgesamt ist in Deutschland der professionell vermarktete Mietwohnungsmarkt um etwa ein Drittel eingebrochen, und aus den oben genannten Gründen steigen die Mieten überproportional. Der positive Effekt für einzelne Mieter, die keine Provision mehr bezahlen müssen, werden als Kosten auf den gesamten Markt übertragen. Das liegt einfach daran, dass Immobilienvertrieb immer etwas kostet, egal ob durch einen Makler, dem Vermieter oder die öffentliche Hand (z. B. Wohnungsämter). Die Frage ist nur wer die Kosten trägt, durch das Bestellerprinzip werden sie vom Verursacher auf die Allgemeinheit überwälzt.

Kein Anlass, das Bestellerprinzip einzuführen

Welche Leistungen erbringen Makler üblicherweise bei Mietwohnungen?

Hubner: Das geht von der Erhebung der relevanten Unterlagen über die Aufbereitung der Immobilien zur Vermarktung, die Durchführung von Besichtigungen bis zum Führen der Verhandlungen und das Vorschlagen eines ausgewogenen Mietvertrages.

Alle, die jetzt das „Bestellerprinzip“ einführen wollen, gehen von der abwegigen Annahme aus, dass, nur weil die Zahlungspflicht wegfallen könnte, für Wohnungsmieter auch der Bedarf an Beratung und Service bei der Mietwohnungssuche wegfällt. Der Bedarf ist ja gegeben: Immobiliengeschäfte sind für die meisten Mieter nicht alltäglich. Ohne Unterstützung eines Fachmannes kann hier viel schiefgehen, nicht zuletzt auch durch das sehr komplexe österreichische Mietrecht. Hier waren die Makler bisher ein Regulativ, da sie die Interessen als Doppelmakler ausgewogen vertreten haben.

Darauf muss man schon stark hinweisen: In Österreich ist der Immobilienmakler ein mittels Befähigungsprüfung staatlich qualifizierter Dienstleister mit mehrjähriger Praxis, d.h. ich kann mich als Maklerkunde darauf verlassen, dass der am Markt auftretende Berater auch qualifiziert ist und eine fachlich versierte Dienstleistung erbringen kann. Nach einer von marketagent.com durchgeführten österreichweite Umfrage sind Maklerkunden grundsätzlich mit den Maklerleistungen zufrieden. 87 Prozent der befragten Personen waren mit der Dienstleistung des Maklers eher oder sogar sehr zufrieden. Acht von zehn hatten den Eindruck, dass der Makler ihre Interessen ausgewogen oder überwiegend vertritt. Es gibt somit einfach überhaupt keinen Anlass, das höchst problematische Bestellerprinzip einzuführen. Hier geht die Politik in die Irre.

Wir fordern von der Politik Gespräche mit der Branche, um unsere guten Argumente einbringen zu können!
Dr. Gerald Hubner

Die Maklerkosten sind für Mieter aber erheblich.

Hubner: Erst 2010 wurden die Maklerkosten für Mieter um bis zu 50% gesenkt, für einen Drei-Jahresvertrag beträgt die Mieterprovision maximal eine Bruttomonatsmiete, das ist für die dahinterstehende Dienstleistung und Rechtssicherheit absolut gerechtfertigt. Auch als Branchenvertretung haben wir dazu in den letzten Jahren viele Initiativen gestartet, wie neue Standesregeln, die Immobilien-Card, eine Vermögenschadenhaftpflichtversicherung für alle Immobilientreuhänder, auch umfangreiche Ausbildungsprogramme. Die Erwartungen der Kunden sind heute hoch, gewünscht ist meist eine rechtsichere, umfassende Dienstleistung aus einer Hand und die Branche liefert das.

Was fordern Sie nun von der Politik?

Hubner: Das Bestellerprinzip ist keine geeignete Maßnahme um Wohnkosten zu dämpfen, vielmehr wird es bei den Mietern zu einem erheblichen Verlust an Rechtssicherheit führen. Diese Kosten wird die Allgemeinheit tragen müssen, etwa durch öffentliche Beratungsstellen und vermutlich auch durch eine Zunahme gerichtlicher Auseinandersetzungen. Die professionelle Mietwohnungsmarkt wird einbrechen und viele Immobilienmaklerunternehmen werden massiv an Umsatz verlieren. Wir fordern Gespräche mit der Branche, um unsere guten Argumente einbringen zu können. Wir haben hier ein funktionierendes System, das die Kosten ausgewogen auf die Verursacher verteilt, das sollte man nicht aus wahltaktischem Kalkül einfach demontieren.

 

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