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Startup-Leben in der Hochschaubahn

„Ja keinen Fehler machen – sonst Harakiri!“. Mit dieser Denkweise kann Business-Angel Michael Altrichter wenig anfangen. Sie hat in der Startup-Szene auch wenig Sinn, erklärte der bekannte Investor bei der „Investors Lounge“ von Startup Salzburg.

Business-Angel, Investor und Serial Entrepreneur Michael Altrichter bei der 5. „Investors Lounge“.
© Fabian Vogl Business-Angel, Investor und Serial Entrepreneur Michael Altrichter bei der 5. „Investors Lounge“ von Startup Salzburg.

Die 5. „Startup Salzburg Investors Lounge“, veranstaltet in Kooperation mit den Venture-Capital-Experten von Next-Floor und der Salzburg AG, widmete sich Dienstagabend der Fehlerkultur im Startup-Business – und holte sich dazu einen der bekanntesten Investoren Österreichs. Michael Altrichter, bekannt aus „2 Minuten – 2 Millionen“, weiß, wovon er spricht: Der Mitbegründer von paysafecard und payolution hatte vor dem erfolgreichen Exit an das englische Unternehmen Skrill genügend heikle Situationen zu bewältigen, bevor es aufwärtsging. Heute werden Paysafe-Cards in 46 Ländern angeboten und am Standort Wien 280 Mitarbeiter beschäftigt. Altrichter, der sich als Business Angel und Impact Investor versteht, hat in derzeit 35 Startups investiert und ist Aufsichtsratsvorsitzender der Startup-Schmiede startup300. Nicht zuletzt ist er als „Kämpfer für die Startup-Szene“ unterwegs, wie WKS-Startup-Experte Lorenz Maschke in seiner Begrüßung erklärte.

Fehlerquelle Gründer-Team

„Jedes Startup-Gründung ist eine Hochschaubahn“, erläuterte Altrichter, der unter Startups disruptiv agierende, innovative Unternehmen mit hohem Wachstum versteht, die letztlich einen Exit anstreben. Fehler sind hier nicht zu vermeiden, bis hin zum Scheitern. „Alle Startups holt irgendwann die Realität ein“. Dann komme es aber darauf an, die richtigen Schlüsse zu ziehen: „Die guten Gründer erkennen, wenn sie pivotieren müssen“ – also gezwungen sind, ihr Geschäftsmodell oft auch radikal zu wandeln. Denn immerhin scheitern auch rd. 90% aller Startups, sofern sie nicht rechtzeitig die Weichen stellen. Für Altrichter ist dabei eine wesentliche Fehlerquelle ein falsches Gründer-Team, bei dem Team-Chemie, Kompetenzverteilung oder unterschiedliche Vorstellungen nicht zusammenpassen. Generell jedoch ortet Altrichter nach wie vor eine falsche Einstellung in Österreich: eine enorme Aversion vor möglichen Fehlern, „weil dann gleich Harakiri von dir erwartet wird“.  

Im Bild von links: Thomas Bodmer (Next Floor), Lorenz Maschke (WKS), Michael Altrichter (startup300), Tobias Schrott und Lukas Schmelcher (Giggle), Marcus Salzmann (Next Floor).
© Fabian Vogl Im Bild von links: Thomas Bodmer (Next Floor), Lorenz Maschke (WKS), Michael Altrichter (startup300), Tobias Schrott und Lukas Schmelcher (Giggle), Marcus Salzmann (Next Floor).

Aufgeben war nie ein Thema

Das hat Tobias Schrott Gott sei Dank nicht getan. Der Gründer von Giggle, ein junges Unternehmen, das Hotels dabei hilft, den Gästen Tourismuserlebnisse zu vermitteln, ist in einer ersten Runde falschen Versprechungen eines Investors auf den Leim gegangen. „Wir hatten ein tolles Tool, aber das Investment ist ausgeblieben“, erzählte der Tiroler Schrott. War die App anfangs auf Erlebnisse für Millenials in Berlin ausgerichtet, haben Schrott und sein Team jedoch einen radikalen Wechsel im Geschäftsmodell vorgenommen: „Wir wollten zurück in den Tourismus, wo wir uns gut auskennen“, erzählt der Sohn von Tiroler Tourismusberatern und Absolvent einer Tourismusschule. „Denn aufgeben war nie ein Thema“. Heute hilft Giggle mit Sitz in Innsbruck und Berlin den Hotels, Urlaubserlebnisse vor allem in Hinblick auf jüngere Zielgruppen mobil und in den sozialen Medien besser zu vermarkten. Außerdem plant man auf Basis vieler hochwertiger Views zum größten touristischen Werbenetzwerk in Europa zu werden.

Der Tourismus ist auch ein zentrales Thema für Next Floor, wie Thomas Bodmer von Next Floor betonte. Das Unternehmen koordiniert ein Netzwerk von Experten und Investoren, die durch Kapital, Expertise und unternehmerisches Know-How Startups und Investoren zum Erfolg verhelfen wollen. Next Floor startet demnächst mit einem eigenen Startup-Akzelerator im Bereich Tourismus, kündigte Bodmer an. Der Investor und Business-Angel brach in seinem Statement eine Lanze für das Gründen. Schiffe seien im Hafen zwar sehr sicher, aber eben nicht für den Hafen gebaut: „Das Risiko des Schiffbruchs auf hoher See besteht, aber ohne Risiko gibt es keinen Erfolg!“.  

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