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Fahrradhändlern fehlt es an Nachschub

Weil die Lieferketten weltweit unter Druck geraten sind, profitiert der Sportartikelhandel nur bedingt vom anhaltenden Fahrradboom. or allem bei E-Bikes ist die Nachfrage wesentlich größer als die verfügbare Menge. 

Norbert Dornik – im Bild mit Sohn Patrick und Mitarbeiter Karl Wurz – hat erst vor kurzem ein neues Geschäft in Wals-Siezenheim eröffnet.
© Radsport Dornik Norbert Dornik (Mitte) – im Bild mit Sohn Patrick und Mitarbeiter Karl Wurz (v. l.) – hat erst vor kurzem ein neues Geschäft in Wals-Siezenheim eröffnet.

In einem normalen Jahr verkauft Sport 2000 Günther etwa 300 Fahrräder. "Diese Zahl werden wir heuer sicher nicht erreichen“, sagt Seniorchef Peter Günther. Vor allem bei E-Bikes könne die Verfügbarkeit bei weitem nicht mit der großen Nachfrage mithalten. "Damit müssen momentan alle leben, auch die großen Händler.“ 

In seinem Fachgeschäft in Uttendorf seien Fahrräder nahezu ausverkauft, so Günther: "Ein Hersteller hat die angekündigte Lieferung bereits vier Mal verschoben. Allein von dieser Firma fehlen uns noch an die 60 Räder.“ Der Umsatz des Vor-Corona-Jahres 2019 sei heuer außer Reichweite. "Das liegt aber auch daran, dass im Winter der Skiverleih und -verkauf praktisch komplett ausgefallen sind.“

Lieferungen verspäten sich

Mit Lieferproblemen hat auch Händler Norbert Dornik zu kämpfen. "Die Räder, die wir im vergangenen August bestellt haben, sind zum Großteil noch immer nicht eingetroffen. Wenn wir in der Lage wären, den Bedarf zu decken, könnten wir wesentlich mehr Geschäft machen“, erklärt der Geschäftsführer von Radsport Dornik in Wals-Siezenheim. Lieferzeiten von 14 Monaten seien keine Seltenheit. Bei E-Bikes gebe es deshalb Umsatzeinbußen von rund 60% gegenüber den vergangenen Jahren. "Das ist für unser Unternehmen, das erst vor kurzem in ein größeres Geschäft übersiedelt ist, natürlich alles andere als angenehm.“

Die Werkstatt bei Sport 2000 Günther ist gut ausgelastet.
© Sport Günther Die Werkstatt bei Sport 2000 Günther (im Bild Mechaniker Ernst Hochstaffl) ist gut ausgelastet.

Der aktuelle Engpass sei ein globales Problem. "Die Lager der Fahrradhersteller sind überall leer. Sie können die Kapazitäten aber nicht ausbauen, weil sie von ihren Zulieferern, die zum Großteil aus Asien kommen, kaum Bauteile bekommen. Außerdem sind Rohstoffe wie Aluminium knapp“, erklärt Dornik.

Der Fachhändler rechnet damit, dass die Fahrradkäufer schon bald tiefer in die Tasche greifen müssen. "Wir merken bei der Beschaffung von Ersatzteilen, dass die Preise anziehen. Zum Teil gibt es auch hier Wartezeiten von bis zu sechs Monaten. Das wirkt sich natürlich auch auf das Service- und Reparaturgeschäft aus.“

Nicht viel besser geht es Christoph Bründl, Geschäftsführer von Bründl Sports. "Ersatzteile sind zum Teil nicht erhältlich. Bei gewissen Bremsbelägen haben wir deshalb schon annähernd den kompletten Bedarf für nächstes Jahr gebunkert.“ 

„Wir könnten um 20 bis 30% mehr Bikes verkaufen, wenn sie verfügbar wären.“
Christoph Bründl

Bründl betreibt in neun Orten in Salzburg, Tirol und der Steiermark insgesamt 31 Sportgeschäfte. Die momentanen Lieferschwierigkeiten der Fahrradhersteller seien für das Unternehmen schmerzhaft, meint der Händler: "Ich schätze, dass wir bei entsprechender Verfügbarkeit um 20 bis 30% mehr Bikes verkaufen könnten. Da geht es um hohe Umsätze. Schließlich geben die Kunden bis zu 12.000 € für ein E-Bike aus.“

Zu ersten Engpässen sei es bereits im Vorjahr gekommen, heuer habe sich die Lage aber massiv verschlechtert, so Bründl: "Seit Jahresbeginn wurden bei weitem nicht die Mengen geliefert, die wir bestellt haben. Bikes, die jetzt in die Geschäfte kommen, sind zu einem beträchtlichen Teil schon vorreserviert.“

Björn Korell verkauft in seinem Geschäft im Salzburger Stadtteil Maxglan "derzeit nicht sehr viele Fahrräder, weil es kaum Angebot gibt. Dafür sind wir im Reparatur- und Servicebereich mehr als ausgelastet.“ Neben E-Bikes seien auch City- und Trekkingräder mit und ohne Motor gefragt. "Wir verkaufen dem Kunden nicht irgendein Rad, es muss auch zu ihm passen. Bei Größe und Passform machen wir keine Kompromisse“, betont Korell.  

Angespannt ist die Versorgungslage auch bei Bergspezl. "Der Fahrradboom beschert uns zwar eine gute Umsatzentwicklung, aber leider können wir nicht alle Kundenwünsche sofort erfüllen“, erklärt Geschäftsführer Alfred Eichblatt. "Viele Räder kommen nicht zu den versprochenen Terminen. Es gibt auch keine Garantie, dass die Liefertermine, die man uns heute avisiert, eingehalten werden können.“

Eichblatt ortet einen Trend hin zu teureren E-Bikes mit starken Akkus sowie zu Fahrrädern mit hochwertiger Ausstattung und geringem Gewicht. Der Wert der verkauften Räder habe sich gegenüber 2019 nahezu verdoppelt. Besonders groß sei die Nachfrage bei Mountain- und bei Gravelbikes, den aus den USA kommenden, geländetauglichen Rennrädern. "Auch das vollgefederte Mountainbike erlebt wieder einen Aufschwung.“

Bergspezl-Geschäftsführer Alfred Eichblatt
© wildbild „Die Warenversorgung wird auch im nächsten Jahr noch mangelhaft sein“, befürchtet Bergspezl-Geschäftsführer Alfred Eichblatt.

Für die kommenden Monate ist der Bergspezl-Chef "sehr zuversichtlich, was die Kundennachfrage anlangt, und relativ vorsichtig, was die Versorgungslage betrifft“. Eichblatt: "Die Warenversorgung wird zumindest im kommenden Jahr noch mangelhaft sein.“

Entspannung ist nicht in Sicht

Ähnlich sieht es Christoph Bründl: "Die Produktionskapazitäten werden auch nächstes Jahr nicht so stark steigen wie die Nachfrage. Das wird aus heutiger Sicht erst 2023 der Fall sein. Die Lieferanten sagen uns jetzt schon, dass wir die Mengen, die wir jetzt bestellen, nicht bekommen werden.“ Norbert Dornik hofft, dass sich die Lage im Lauf des kommenden Jahres entspannen wird. "Die Lieferketten werden frühestens Mitte 2022 wieder halbwegs funktionieren.“ 

Björn Korell sieht die weitere Entwicklung deutlich pessimistischer: "Man kann heute nicht sagen, dass in zwei Jahren alles vorbei sein wird. Die Hersteller und die Zulieferer müssen erst einmal alles abarbeiten, was sich im vergangenen Jahr und heuer aufgestaut hat.“

Fahrradmarkt in Österreich

  • Im Vorjahr wurden in Österreich rund 496.000 Fahrräder verkauft. Das bedeutet ein Plus von 13% im Vergleich zu 2019.
  • Der aus Fahrradverkäufen resultierende Umsatz ging um 26% auf knapp 878 Mill. € nach oben. 613 Mill. € oder 70% entfielen auf Fahrräder mit Elektromotor.
  • Die Zahl der verkauften E-Bikes betrug erstmals mehr als 200.000. Das entspricht einem Marktanteil von 41%.  
  • Für ein Fahrrad werden im Schnitt 1.769 € ausgegeben, bei E-Bikes sind es durchschnittlich 3.012 €.

Quelle: Verband der ­Sportartikelerzeuger und Sportausrüster Österreichs (VSSÖ)


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