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Brexit als Belastungsprobe

Großbritannien verlässt am 29. März die EU – mit oder ohne Brexit-Deal. Die Zeit der innerbetrieblichen Vorbereitung nimmt täglich ab. Gleichzeitig ist noch völlig unklar, auf welche Situation sich die Firmen überhaupt vorbereiten sollen.

Brexit
© WKS/Fotolia

Zwei Szenarien sind möglich:

Deal-Brexit: Ein Austrittsabkommen kommt zustande, das Vereinigte Königreich wird aufgrund von Übergangsbestimmungen mindestens bis zum 31. Dezember 2020 wie ein EU-Mitglied behandelt. Danach wird das Vereinigte Königreich zum Drittstaat und verlässt den Binnenmarkt und die Zollunion der Europäischen Union.

No-Deal-Brexit: Ein Austrittsabkommen kommt nicht zustande. Die Briten sind ab 30. März 2019 kein EU-Mitglied mehr und verlassen Binnenmarkt und Zollunion. Die handelspolitischen Beziehungen fallen auf WTO-Niveau zurück. 

Egal, welches Szenario auch eintreten wird, Mag. Thomas Albrecht, Leiter des WKS-Fachbereichs Handelspolitik und Außenwirtschaft, stellt den Salzburger Betrieben bei der Brexit-Vorbereitung ein gutes Zeugnis aus: „Ich habe angesichts eines möglichen No-Deal-Brexits wenig Bedenken, weil der Großteil der UK-Exporteure auch mit anderen Drittstaaten Geschäftsbeziehungen unterhalten und dadurch Profis bei der Zollabfertigung sind. Auch die Kundenteams der Zollämter sind auf einen möglichen No-Deal vorbereitet und bieten Beratungen an.“ 

„Wir stellen fest, dass viele Firmen aus England abwandern und sich andere Absatzmärkte suchen.“
Thomas Renzl, Gruppenleiter Zoll und Sondergeschäfte, Lagermax

Die Speditionen bringt ein Brexit nicht ins Schwitzen schildert Thomas Renzl, Gruppenleiter Zoll und Sondergeschäfte von der Lagermax Internationale Spedition GmbH: „Wir bei Lagermax sind gut auf einen möglichen Brexit vorbereitet. Das stellt für uns keine größere Herausforderung dar. Wir stellen jedoch fest, dass viele Firmen aus England abwandern und sich andere Absatzmärkte suchen. Jene Unternehmen, die in Großbritannien bleiben, stehen vor verfahrenstechnischen Herausforderungen beim Zoll. Fraglich ist vor allem, wie die Engländer bei der Einfuhr von Waren aufgestellt sind. Welche zeitlichen, räumlichen und personellen Ressourcen sie haben, um das abzuwickeln.“

Auch Salzburger Unternehmen mit Standorten und Lieferanten in Großbritannien haben bereits Vorkehrungen für einen möglichen Brexit getroffen. Die Liebherr-Werk Bischofshofen GmbH hat in Großbritannien eine Schwesterngesellschaft, die 3% des Exportumsatzes ausmacht, schildert Geschäftsführer KommR Manfred Santner: „Wir haben aus Großbritannien ein Dutzend Lieferanten. Großbritannien ist für uns ein wichtiger, aber nicht zentraler Markt. Sollte es zu einem ‚hard brexit' kommen, haben wir uns auf der Beschaffungsseite bereits vorbereitet, indem wir schon jetzt unsere Liefermengen erhöht haben, um einen entsprechenden Pufferwarenbestand zu haben. Denn bei plötzlich nötigen Zollabwicklungen dürfte es zu zeitlichen Verzögerungen kommen. Mit einem erhöhten Warenbestand sind wir diesbezüglich besser abgesichert. Aber egal wie es mit dem Brexit weitergeht, ist das für uns beherrschbare Routine“, betont Santner. 

Negative Konsequenzen für die Wirtschaft

In Großbritannien gibt es rund 250 Niederlassungen österreichischer Firmen. Bereits im Vorfeld der Brexit-Verhandlungen ist klar, dass ein Brexit für Großbritannien einen wirtschaftlichen Schaden bringen würde. Betriebe werden abwandern, die Industrie fährt bereits jetzt die Produktion zurück und der Verlust von Arbeitsplätzen ist eine logische Folge. Auch wenn der Ausgang der Brexit-Verhandlungen noch unklar ist, stehen laut Albrecht einige Fakten fest: Der Brexit bringt Zollgrenzen mit sich, damit entsteht administrativer Aufwand durch Zollverwaltungen. In Österreich wird es um 350.000 mehr Zollanmeldungen geben. Damit würden Zusatzkosten von ca. 25 Mill. € entstehen. Zudem ist mit längeren Lieferzeiten zu rechnen, weil der Warenverkehr beim Zoll einen Stopp einlegen muss. 

In Großbritannien hat der Brexit folgende Konsequenzen: Es würde beim Pfund zu einer Abwertung gegenüber dem Euro kommen. Weitere Folgen wären eine hohe Inflationsrate, sinkendes Realeinkommen, steigende Armut, sinkende Kaufkraft und Unternehmen, die eine Abwanderung in Erwägung ziehen.

Was tun bei einem harten Brexit?

Am 29. März wird Großbritannien aus der EU austreten. Auch wenn die Ausgestaltung des künftigen Verhältnisses zwischen der EU und Großbritannien noch offen ist, steht bereits heute fest: den reibungslosen Handel wie bisher wird es nicht mehr geben. Die heimischen Betriebe sind gut beraten, sich auf mögliche Veränderungen bestmöglich vorzubereiten. Hier eine Checkliste:

  • Warenverkehr: Bei einem harten Brexit ist das Vereinigte Königreich ab dem Austrittstermin ein Drittstaat. Für Warenlieferungen benötigt man Aus- und Einfuhranmeldungen, auf beiden Seiten würden Zölle erhoben. Unternehmen, die bisher nur an Kunden im EU-Binnenmarkt geliefert haben, sollten bis Ende März Exportwissen aufbauen und sich mit der Erstellung von Zollanmeldungen vertraut machen. Bereits exporterfahrene Unternehmen sollten prüfen, ob die vorhandenen Kapazitäten ihrer Export- und Versandabteilung ausreichen, um hinzukommende Exporte/Importe nach Großbritannien ebenfalls abwickeln zu können. 
  • Gewerbliche Schutzrechte: Nach einem „No-Deal-Brexit“ oder nach Ende der Übergangsphase eingetragene Marken und Muster werden nicht mehr automatisch geschützt. 
  • Lieferkette überprüfen und anpassen: Noch nicht absehbar sind die Engpässe, die bei der Abwicklung der Zollverfahren in Großbritannien entstehen dürften. Zulieferer sollten über Pufferlager zum Sicherstellen ihrer Just-In-Time-Lieferungen nachdenken. Bezieher britischer Produkte sollten Auswirkungen von Zeitverzögerungen prüfen und mögliche alternative Bezugsquellen ermitteln. 
  • Umsatzverluste ausgleichen: Je gravierende ein Umsatzverlust ist, umso wichtiger wird der Ausbau des Geschäfts mit Neukunden in anderen Märkten.
  • Dienstleistungserbringung: Bei eine harten Brexit ist von einem Ende der Personenfreizügigkeit auszugehen. EU-Bürger bräuchten dann Aufenthalts- und Arbeitsgenehmigungen, um im Großbritannien Dienstleistungen erbringen zu können. Der Zusatzaufwand und die damit verbundenen Mehrkosten sollten bei der Angebotskalkulation berücksichtigt werden. 
  • Verträge mit britischen Geschäftspartnern: Unternehmen sollte laufende Verträge kontrollieren und falls erforderlich nachverhandeln. In vielen Fällen wird es um die Verteilung von Mehrkosten gehen, die durch den Brexit verursacht werden. 

Weitere Informationen und Checklisten zum Brexit gibt es unter www.wko.at/brexit sowie im WKS-Fachbereich Handelspolitik und Außenwirtschaft bei Mag. Thomas Albrecht, Leiter des WKS-Fachbereichs Handelspolitik und Außenwirtschaft, Tel. 0662/8888, Dw. 255, oder E-Mail: talbrecht@wks.at


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