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Blackout - gewappnet sein für den Ernstfall

Blackout-Experte Herbert Saurugg und Landeskatastrophenreferent Markus Kurcz informierten bei einem WKS-Webinar darüber, wie sich Betriebe auf Strommangellagen und Blackouts vorbereiten sollten.

Webinar-Organisator Martin Kronberger im Webinar-Studio der WKS.
© WKS Webinar-Organisator Mag. Martin Kronberger im Webinar-Studio der WKS.

Gerhard Christiner, Vorstand der Austrian Power Grid (APG) und Klimaschutzministerin Leonore Gewessler informierten kürzlich über einen Stresstest für die heimische Stromversorgung. Aus APG Sicht wird die "energiewirtschaftliche Gesamtsituation für den kommenden Winter  als herausfordernd aber beherrschbar" bezeichnet. „Es ist trotz dieses Stresstests meiner Meinung allerdings zu früh Entwarnung zu geben“, erklärt der internationale Blackout-Experte Herbert Saurugg, beim WKS-Webinar am ­­­­18. November und lud die Teilnehmer:innen zu einem Gedankenexperiment ein: "Was würden Sie tun, wenn jetzt der Strom ausfallen würde?" Alleine die Frage, wie man mit den Mitarbeiter:innen verfährt, wirft schon eine Reihe von Fragen auf, über die man besser im Vorfeld Überlegungen angestellt haben sollte. Generell gilt, je besser man sich auf den Ernstfall vorbereitet und diese Pläne auch in schriftlicher Form vorliegen hat, desto besser kann man gerade in der ersten Phase - der plötzlichen Stillstandphase -  reagieren. Heikle Geräte müssen kontrolliert abgeschaltet werden und womöglich ein Notbetrieb für bis zu 14 Tage eingerichtet werden. um größeren Schaden vermeiden zu können. All das sollte im Ernstfall mehr oder weniger automatisch ablaufen. "Ich kann allen Betrieben nur empfehlen: üben, üben und noch einmal üben. Denn nur so findet man heraus, was vielleicht doch nicht so gut läuft und noch an die Situation angepasst werden muss," rät Saurugg.    

Flächenabschaltungen machen Gesamtsystem instabil

Auch wenn von Teilen der E-Wirtschaft die Gefahr eines Blackouts als eher gering eingeschätzt wird, so räumen die Experten doch ein, dass eine Strommangellage im heurigen Winter durchaus möglich sein könnte. Die Folge wären unter anderem flächendeckende Stromabschaltungen. „Den Akteuren ist allerdings nicht bewusst, was diese Maßnahmen bedeuten. Denn wenn in mehreren Ländern in Europa Flächenabschaltungen durchgeführt werden müssen, dann wird dadurch auch das gesamte europäische Verbundsystem instabil“, gibt Saurugg zu bedenken. Denn selbst bei Flächenabschaltungen käme es laut dem Experten zu massiven Schäden in Infrastruktur, Produktion und Logistik, die das heimische Versorgungssystem schwer belasten können. „Die Auswirkungen können ähnlich schwerwiegend sein wie nach einem Blackout“, betont Saurugg.

Wie dramatisch der Strommangel ausfallen wird, hänge auch stark von den Wetterbedingungen ab. Wird der Winter eher mild mit viel Niederschlag, könnte man vielleicht sogar ohne gröbere Problem durchkommen. Kritischer werde es laut dem Blackout-Experten, wenn es recht trocken und kalt wird, wie etwa in den Wintern 2012 oder 2017.

Seriös voraussagen lässt sich ein großflächiger Stromausfall, der zumindest mehrere Staaten betreffen und auch die gesamte Infrastruktur und Versorgung für längere Zeit lahmlegen könnte, nicht. Aber bereits am 8. Jänner 2021 ist Europa haarscharf an einem Blackout vorbeigeschrammt. Damals wären weite Teile der Bevölkerung und der Wirtschaft weitgehend unvorbereitet gewesen. Durch die aktuelle geopolitische Lage ist das Thema nun verstärkt in das Bewusstsein gerückt. Man sollte jedenfalls kühlen Kopf bewahren und sich nicht von Panikmache anstecken lassen. Denn auch Betriebe können sich auf einen derartigen Ernstfall vorbereiten.

Notfallpläne und ­Notbetrieb

Da unterschiedliche Ursachen wie starke Netzschwankungen, technische Ursachen, Cyberangriffe oder Naturkatastrophen zu einem Blackout führen können, lässt sich nicht vorhersagen, wann der Strom ausfällt und das Licht ausgeht. Deshalb sollten Betriebe vorab einige wichtige Fragen klären:
  • Gibt es einen Notfallplan?
  • Benötigt man einen ­Krisenstab
  • Wie kann kritische Infrastruktur (Maschinen, Computersysteme) kontrolliert abgeschaltet werden, damit es zu keinen größeren Schäden kommt und Gefahrenquellen beseitigt werden
  • Mitarbeiter:innen: Wie kommen sie nach Hause? Können sie im Betrieb übernachten
  • Welche Schlüsselkräfte sollten vor Ort sein?
  • Wie wird die Kommunikation sichergestellt?
  • Ist ein Notbetrieb notwendig bzw. möglich
  • Wie bereitet man den Neustart des Unternehmens vor?

Herbert Saurugg ist ehemaliger Berufsoffizier und Experte für die Vorbereitung auf den Ausfall lebenswichtiger Infrastruktur sowie Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Krisenvorsorge. Als international anerkannter Blackout- und Krisenvorsorgeexperte ist der Autor auch ein gefragter Interviewpartner in in- und ausländischen Medien sowie als Vortragender. Saurugg warnt schon seit längerem davor, dass die Gefahr eines Blackouts in Österreich unterschätzt wird.

Markus Kurcz ist ebenfalls Berufsoffizier des österreichischen Bundesheeres und war zehn Jahre lang Bürgermeister der Flachgauer Gemeinde Elixhausen. Er leitet das Referat für Kataststrophenschutz des Landes Salzburg und ist in dieser Funktion ein Kenner der Notfallpläne des Landes Salzburg für Ernstfälle wie einen Blackout.

Herbert Saurugg im Interview: "Die Bevölkerung ist entscheidend"


Herbert Saurugg Internationaler Blackout- und Krisenvorsorgeexperte.
© Businessfoto Wien Herbert Saurugg Internationaler Blackout- und Krisenvorsorgeexperte.


Das Thema Blackout wird derzeit viel diskutiert. Sind wir dadurch besser auf den Ernstfall vorbereitet?
Grundsätzlich gibt es jetzt mehr Aktivitäten und das Bewusstsein wurde geschärft, das stimmt schon. Aber solange nicht ein Großteil der Bevölkerung darauf vorbereitet ist, sich vierzehn Tage selbst zu versorgen, sind wir nicht wirklich vorbereitet. Denn man kann nicht Millionen Menschen notversorgen.

Entscheidend ist also die Eigenverantwortung der Bürger:innen. Wie sieht es mit den Betrieben aus?
Leider haben sehr viele Betriebe noch keine Notfallpläne für derartige Fälle. Wenn Betriebe durch zu wenig Vorsorge Schäden erleiden, kann das auch gesellschaftliche Auswirkungen haben, besonders, wenn sie in der Grundversorgung der Bevölkerung tätig sind.

Wie sollen sich Betriebe vorbereiten? 
Das Wichtigste ist, dass das eigene Personal sensibilisiert und zur Eigenvorsorge aufgefordert wird. Dann braucht es Notfallpläne – möglichst in gedruckter Form – damit Schäden vermieden werden können.

Markus Kurcz im Interview: "Nicht auf Hilfe hoffen!"


Markus Kurcz Leiter Referat für Katastrophen­schutz Land Salzburg.
© Neumayr/Leopold Markus Kurcz Leiter Referat für Katastrophen­schutz Land Salzburg.
Wie schätzen Sie die ­Situation im kommenden Winter ein?

Wenn es uns gelingt, auf freiwilliger Basis Strom, aber auch Gas zu sparen, und wenn es uns gelingt, jene Schmerzgrenzen beim Stromsparen zu definieren, die wir in einer nächsten Stufe von der öffentlichen Hand verordnet bekommen könnten, dann kommen wir vielleicht ohne Flächenabschaltungen durch den Winter, denn die wären die Ultima Ratio.

Was können die Betriebe beitragen?
Die Betriebe helfen am besten, indem sie selber noch freiwillige Einsparpotenziale heben. Ich bin mir sehr wohl bewusst, dass viele Branchen ihren Energieverbrauch bereits optimiert haben und dass sie natürlich alle im Wettbewerb stehen.

Was sollten Betriebe noch beherzigen?
Man sollte sich der Verletzlichkeit des eigenen Betriebes bei einem Stromausfall bewusst werden: Was kann kaputt gehen und was kann Probleme verursachen? Man sollte sich aber auch von der Illusion verabschieden, dass Hilfe kommen wird, denn auch die Einsatzorganisationen werden vom Blackout betroffen sein. 


Webinar 18.11.2022


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