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Aufbruchsstimmung: Frankreich in Bewegung

Ein ambitioniertes Wirtschafts- und Reformprogramm hat seit dem Amtsantritt von Präsident Emmanuel Macron einen Investitions- und Jobboom ausgelöst. Die „Salzburger Wirtschaft“ hat Mag. Christian Schierer, Wirtschaftsdelegierter in Paris, um seine Einschätzung der aktuellen Situation gebeten.

Frankreich
© WKÖ

Frankreich ist im Umbruch - was hat sich geändert?

Der französische Markt ist für österreichische Firmen jahrzehntelang unattraktiv gewesen. Warum? Geredet und geschrieben wurde großteils über die Steuern, über die 35-Stunden-Woche, über die Streiks und dann kam auch noch der Terror dazu. Selten erwähnt wurden dagegen die vielen positiven Entwicklungen der vergangenen Jahre, denn wenn ich mir anschaue, was sich seit dem Amtsantritt von Macron alles bewegt hat, dann kann man sagen, der Champagnerkorken, der bislang zurückgehalten wurde, ist herausgeknallt. Ich bin jetzt drei Jahre in Paris. Zu Beginn haben wir 275 österreichische Firmen in Frankreich gezählt, jetzt sind wir bei 430. Also ein enormer Anstieg. Wir haben beim Export jährlich Zuwachsraten zwischen 7 und 10%, das ist beträchtlich und zeigt, dass auch österreichische Firmen vermehrt nach Frankreich drängen. 

Stichwort Reindustrialisierung in Frankreich: Was passiert hier gerade?

Derzeit tut sich viel. Es werden Großprojekte initiiert wie „Le Grand Paris“ – das ist das größte Stadterweiterungsgebiet Europas mit 30 Mrd. €. 2023 kommt die Ski-WM, die für Österreich sehr wichtig ist, weil es hier einen hohen Infrastrukturaufwand gibt, und 2024 werden die Olympischen Sommerspiele veranstaltet. Stichwort Reindustrialisierung: Hier werden 10 Mrd. € investiert. Macron hat begriffen, dass man nicht so weitermachen kann wie die Briten, die in Wirklichkeit nur mehr eine reine Dienstleistungsgesellschaft geworden sind. Dort wird fast nichts mehr produziert und es muss viel importiert werden. Daher soll die Industrieproduktion nach Frankreich zurückgebracht werden. Und das ist auch für uns in Österreich wichtig, denn wir sind Anlagen- und Maschinenbauer. Wir haben viele KMU und können Nischenprodukte anbieten. Macron hat nicht nur die Lokomotive angefeuert, sondern gleichzeitig auch Steuerentlastungen herbeigeführt und das Arbeitsrecht entrümpelt. 

Mag. Christian Schierer, Wirtschaftsdelegierter in Paris.
© WKÖ Mag. Christian Schierer, Wirtschaftsdelegierter in Paris.

Frankreich hat sich auch zu einer europäischen Start-up-Nation entwickelt?

Macron möchte, dass Frankreich die Start-up-Nation Nummer Eins in Europa wird. Und das wird er schaffen, weil viel Energie da ist und eine Menge Geld investiert wird. So hat er vor kurzem angekündigt, einen eigenen Fonds für Start-ups einzurichten, und zwar in Höhe von 5 Mrd. € für die 400 wichtigsten Start-ups, und das ohne Steigerung der Staatsverschuldung. Alle fliegen ins Silicon Valley und machen Selfies vor den Firmenzentralen wie Google und Co und keiner weiß, dass es seit 1967 genau dasselbe auch in Europa gibt, nämlich „Sophia Antipolis“. Das ist ein Technologie- und Wissenschaftspark bei Antibes an der Côte d’Azur, wo viele große Telekommunikations-, Informationstechnik-, Medizin- und Biotechnologieunternehmen forschen. Wir haben auch österreichische Firmen vor Ort, weil hier enorm viel Know-how und Intelligenz konzentriert vorzufinden ist. Der größte Start-up-Hub der Welt ist jedoch die „Station F“ in Paris. Sie ist einer von 220 Standorten im Großraum Paris. Es ist enorm, was sich da tut. Insgesamt hat sich das Image von Frankreich in Österreich völlig verändert. Es ist auch ein High-tech-Markt geworden. Frankreich ist nach Deutschland der zweitgrößte Autobauer in Europa, es ist ein High-tech-Markt in der Aironautik und es ist das Land mit der höchsten Forschungs- und Entwicklungsquote.

Was ist mit den vielen Streiks?

Natürlich gehen die Leute auf die Straße, aber eine Demonstration in Frankreich kann man nicht mit einer in Österreich vergleichen. In Frankreich ist eine Demonstration fast ein Kulturgut und gelebte Demokratie. Die Leute gehen gern auf die Straße, das ist ein Teil ihres Ausdrucks. 

Wo gibt es für Salzburg die größten Markt- bzw. Exportchancen?

Salzburg ist gut aufgestellt im mechanischen Bereich, im Maschinen- und Baubereich, auch im Nahrungsmittel- und vor allem im Biosegment. Die Biozuwachsraten liegen in Frankreich bei 20% pro Jahr. Es ist gewaltig, was sich da tut. Möglichkeiten gibt es auch im Design. Wir planen in Bezug auf die Olympischen Spiele im April nächsten Jahres eine Zukunftsreise zum Thema „The Future of Skiing“ und vor allem zur Weltmeisterschaft 2023 in Courchevel und Méribel. Da zeigen wir, welche neuen Innovationen es zum Thema Ski gibt. Zudem nehmen wir an der weltweit zweitgrößten Messe im Wintersportbereich, der „Mountain Planet“ teil. Dabei stellen wir österreichische Infrastruktur, Ski- und Bergsportunternehmen vor und zeigen den österreichischen Unternehmen, welch toller Markt vor der Tür steht. Salzburg kann in diesem Bereich viel Know-how einbringen. 

Was sollten Unternehmer bei Geschäftsbeziehungen mit Frankreich beachten?

Der Franzose liebt es, zu diskutieren und zu analysieren. Nehmen Sie sich Zeit und sprechen Sie mit ihrem Gegenüber auf Augenhöhe ohne Arroganz. Der Franzose ist ein guter Zuhörer und stellt viele Fragen. Er will abklären, wie gut man sich auskennt. In Frankreich gibt es fast keinen KMU-Mittelbau. Und durch dieses Manko brauchen sie viel aus Österreich, denn wir haben zu 90% KMU, das heißt, wir schieben den fehlenden Legostein hier schön rein. Französisch sollten Sie schon ein bisschen können, um Respekt vor der Kultur zu zeigen. Frankreich ist sicher auch ein Preismarkt, aber wenn man in den Markt hineinkommt, dann hat man auch hohe Gewinnspannen. Diese sind wesentlich höher als in anderen europäischen Ländern. Lassen Sie sich nicht schocken von der Bürokratie, die ist manchmal überbordend, aber an einer Änderung wird derzeit gearbeitet. Und es zahlt sich auch aus, einen Handelsvertreter vor Ort zu haben, oder eine Niederlassung, dann kommt man viel leichter in den Markt mit 67 Millionen Leuten. Das Land bietet schon was. 

Weitere Informationen zu Frankreich unter www.wko.at/service/aussenwirtschaft/frankreich.html

 

Zahlen: Frankreich – Salzburg

Frankreich ist der drittwichtigste Exportmarkt Österreichs und hat sich in den vergangenen Jahren stark verändert. Aktuell liegt das Exportvolumen von Salzburg nach Frankreich bei 448 Mill. € (Stand 2017). Damit ist Frankreich unter den Top-Ten der Exportdestinationen und liegt an fünfter Stelle. Im Vergleich zu 2015 konnte beim Exportvolumen eine Steigerung von 26% verzeichnet werden. Exportiert werden vorwiegend Getränke, Zahntechnikprodukte, Maschinen und Anlagen, Möbel, Holz und Zutrittssysteme.


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