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Mein WKO

Werkstatt mit Wohnzimmerflair

Die Salzburger Federkiel-Stickerei ist im Ortszentrum von St. Martin am Tennengebirge angesiedelt. Firmenchef und Gründer, gemeinsam mit Walter Grübl, ist Herbert Klieber.

Das Bild zeigt ein Foto von der Familie Klieber.
© privat Herbert, Josua, Philipp und Fabian Klieber (v. l. n. r.) im WorkVision Interview mit Chris Holzer.

Herbert Klieber arbeitet gleich mit allen drei Söhnen zusammen. Fabian, Philipp und Josua Klieber haben alle Matura und Lehrabschluss, zwei davon haben auch schon die Meisterprüfung. Alle vier stellen echte, wunderschöne und bodenständige Produkte her. Seit 2019 ist die österreichische Federkielstickerei immaterielles UNESCO-Welkulturerbe. Vater und Söhne Klieber arbeiten mit voller Leidenschaft, mit Muße und Hingabe. Ein Vorzeigemodell an selbstbestimmtem Arbeiten. Wie entsteht etwas derart Echtes, wollte WorkVision-Experte Chris Holzer wissen? Senior Herbert und Junior Fabian Klieber gaben Antworten.

Was macht die Federkiel-Stickerei genau?

Herbert Klieber: Ein herzliches Grüß Gott aus der Federkiel-Stickerei. Der Name kommt vom Material, das wir versticken. Lange Pfauenstoßfedern werden der Länge nach zerteilt und dann als Fäden mit einer Ahle ausschließlich per Hand verstickt. 

Hat euch Söhne der Vater überreden müssen, das Gewerbe in Angriff zu nehmen?

Fabian Klieber: Ich bin jetzt 24 Jahre alt. Wir Brüder haben in der Hauptschulzeit alle mit dem Sticken begonnen und sind in den Betrieb hineingewachsen. Ich habe genauso wie mein Bruder Philipp die Matura gemacht, damit uns viele Möglichkeiten offenstehen. Josua hat dann schon die Lehre mit Matura absolviert. Ich habe eine verkürzte Lehre nach der Matura als Sattler und Taschner absolviert. Ich habe das seither nie bereut.

Wie kam es zur Idee, ein traditionelles Gewerbe Mitte der 1980er Jahre aufleben zu lassen?

Herbert Klieber: Wir waren junge Burschen beim Trachtenverein in Eben. Die gesamte Bekleidung, Schuhe und Hut wurden uns zur Verfügung gestellt. Aber zur Lederhose gehört auch ein Ranzen, und solche waren nur begrenzt vorhanden. Um nicht durch die Finger zu schauen, haben wir Jungen beschlossen, uns selbst Ranzen zu machen. Es ist aber eine sehr spezielle Arbeit, die viel Geduld und Genauigkeit erfordert. Walter Grübl, der mittlerweile im Ruhestand ist, und ich sind als Firmengründer übrig geblieben. Aus heutiger Sicht waren wir 1986 sehr mutig. 2015 sind wir mit dem Betrieb nach St. Martin, unser jetziger Wohnort, ins alte Gemeindehaus übersiedelt.

Fabian, warum teilst du die Leidenschaft Deines Vaters?

Fabian Klieber: Mit immenser Anstrengung wurde damals der Betrieb aufgebaut. Wir hatten Vorbilder, von denen wir viele Tricks gelernt haben, damit die Stickerei schön wird.

Herbert Klieber: Unsere Firma gibt es nun 35 Jahre, und ich habe eine große Freude, dass die Jungen im Betrieb arbeiten. Sie geben Gas, packen an und führen das seltene Handwerk weiter.

Bei euch in der Werkstatt riecht alles nach Leder, es ist hell, Volksmusik ist im Hintergrund zu hören …

Herbert Klieber: Man könnte sagen, wir haben das Betriebsgebäude als Wohnzimmer hergerichtet. Für mich ist dieser Beruf Erfüllung. 10 Stunden am Tag auf seinem eigenen Hintern sitzen, das kann nicht jeder. Aber welche Freude, wenn am Ende ein Werkstück herausschaut, das man am liebsten selbst behalten würde. Wir restaurieren mitunter Gürtel, die 200 Jahre alt sind und immer noch getragen werden können.

Welche Tipps habt ihr für junge Menschen in Bezug auf die Freude an der Arbeit?

Fabian Klieber: Es ist tatsächlich das Erlebnis, dass der Kunde das fertige Stück abholt und eine Freude an meinem Werkstück hat. Es braucht Ausdauer, damit man ein gutes Qualitätsmaß erreicht. Viele Kunden sind aus der Region, wir agieren aber auch auf dem Weltmarkt. Vor kurzem haben wir eine Ziehharmonika bestickt, die in die USA gegangen ist. Wir sitzen zwar in der Arbeit viel, sind aber sonst sehr naturverbunden. Das sorgt für Bewegung.

Wie sehr spielt das Umfeld eine Rolle, damit ihr eine derartige Echtheit entwickelt?

Herbert Klieber: Seit Generationen wird bei uns gerne musiziert und gesungen. Diese Lebensart haben wir übernommen. Tracht ist für mich Wohlfühlen und nicht Kostümierung. Es gibt nichts Besseres, als im Sommer eine kurze Lederhose zu tragen.

Fabian Klieber: Für uns spielt das Umfeld eine große Rolle. Wir treten als Familie auch als Musikgruppe auf. Die Tracht wird bei uns jungen Leuten wieder öfter privat getragen.

Echtheit und Digitalisierung, traditionelles Handwerk und elektronische Medien, passt das zusammen?

Herbert Klieber: Ich kenne wenige Betriebe, die keine Internetseite hätten oder nicht auf Facebook wären. Die Leute sollen sich über uns ein Bild machen können.

Fabian Klieber: Instagram ist derzeit das Social-Media-Tool schlechthin. Wir erzielen Reichweiten, die wir sonst nie hätten, obwohl wir die digitalen Möglichkeiten nicht bis ins Letzte ausreizen. Eine Social-Media-Gefahr sehe ich in der verdrehten Darstellung der Realität.

Seid ihr Gewinner in einer schnelllebigen Zeit, mit geerdeten Produkten, die lange Zeit halten?

Fabian Klieber: Wir merken schon, dass Leute etwas wollen, was echt ist. Bei uns hat man auf Produkte eine Wartezeit. Handarbeit kann man nicht von einer Stunde auf die andere herstellen und sofort kaufen. Eine Geldbörse besteht bei uns aus mehr als 30 Einzelteilen. Genau diese Qualität ist auch Teil der Kundenfreude. 

Die Prominenz trägt eure Ranzen?

Herbert Klieber: 2017 hat Red Bull Geschenke für die gesamten Formel-1-Fahrer anlässlich des Rennens in Spielberg gesucht. Es ist für uns eine große Ehre, für namhafte Persönlichkeiten etwas machen zu dürfen. Höchst erfolgreiche Sportler aus der Region tragen unsere Ranzen: Hannes Reichelt, Marcel Hirscher und Hermann Maier beispielsweise haben zu besonderen Siegen dieses Präsent von deren Gemeinden bekommen.

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