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Viel Dynamik in boomender Baubranche

Auf der einen Seite volle Auftragsbücher, auf der anderen Seite Baustoffknappheit und damit einhergehend stark steigende Preise. In diesem Spannungsfeld befindet sich aktuell Salzburgs Bauwirtschaft.

Moargut
© Moargut

Im Interview mit SW-Redakteur Koloman Költringer nehmen Bau-Innungsmeister Ing. Peter Dertnig und Holzbau-Innungsmeister Friedrich Egger zur aktuellen Lage Stellung.

Was sind die Gründe für den aktuellen Bauboom?

Egger: Der aktuelle Boom wurde sicher durch Corona ausgelöst. Einerseits wirken die von der Politik geschnürten Investitionsprämien, andererseits hatten lange geschlossene Branchen wie der Tourismus jetzt Zeit, Neu- und Umbauten anzugehen. Das wäre während einer normalen Wintersaison nicht passiert. Darüber hinaus sind es natürlich auch viele Private, die jetzt ihre Immobilie in Schuss bringen oder in diesem Bereich investiert haben.
Dertnig: Das sieht im Massivbau nicht viel anders aus. Gerade im Tourismussektor wurden im ersten Quartal Investitionen gemacht, die es sonst während einer laufenden Saison nicht gegeben hätte.

Ist durch diesen Effekt des Vorziehens ab Herbst mit einem Auftragseinbruch am Bau zu rechnen?

Dertnig: Das ist zum jetzigen Zeitpunkt schwer abschätzbar. Durch die stark anspringende Wirtschaft in China und den USA könnte die Wirtschaft in Europa derart mitgezogen werden, dass die Auftragsdelle nur gering ausfällt oder gar nicht kommt. Viel mehr machen uns derzeit die Verknappung und die damit verbundene starke Preissteigerung bei Baustoffen bzw. Rohstoffen zu schaffen.
Egger: Ich befürchte heuer noch zwei konjunkturelle Dellen für den Holzbau. Einerseits werden einige Investitionen der Tourismus- und Seilbahnwirtschaft aufgrund der desaströsen Wintersaison sicher fehlen, andererseits wird es durch die weltweite Materialknappheit zu verstärkter Kurzarbeit in unseren Betrieben kommen.

Was sind die Gründe für die aktuelle Materialknappheit und die damit verbundenen Preissteigerungen?

Dertnig: Wie erwähnt, wachsen die USA und China derzeit wieder stark und saugen viele Rohstoffe vom internationalen Markt ab bzw. brauchen ihre im Land produzierten Baustoffe selber. Andererseits haben viele österreichische Hersteller wie etwa die Voest ihre Kapazitäten durch die Kurzarbeit zurückgefahren. Dass das bei einer gleichzeitigen starken Baukonjunktur rasch zu einer Verknappung und damit Teuerung (Anm.: bei Baustahl bis 40%) führt, darf keinen wundern. 
Egger: Auch der Holzbau ist speziell bei großen Bauteilen wie Leimbindern von der Industrie abhängig, die sich längere Zeit in Kurzarbeit befunden hat. Hier hätte man sicher rascher reagieren müssen. Dadurch liegen wir beim Schnittholz von lokalen Sägewerken bei einer Preissteigerung bis 25%, im verbundenen Bereich bei bis zu 100%.

Wie reagiert die Bauwirtschaft auf die sich verändernden Rahmenbedingungen?

Egger: Wir werden in Zukunft sicher längere Vorlaufzeiten für Bauprojekte brauchen. Wenn etwa ein Tourismusbetrieb im Herbst einen Umbau plant, sollte der Projektplan bereits im Frühjahr stehen, damit die Baustoffe zeitgerecht bestellt werden können. Denn die längeren Lieferzeiten werden auch nach Corona Alltag in der Bauwirtschaft bleiben. Zusätzlich werden wir uns als Branchenvertretung überlegen müssen, ob wir den Betrieben nicht eine flexible Anpassung der Materialpreise in den Bauaufträgen empfehlen sollten, um künftigen Preisexplosionen Rechnung zu tragen. Ein Richtwert wäre hier eine Steigerung von mehr als 5% zum Vorjahrespreis.
Dertnig: Auch ich plädiere für längere Vorlaufzeiten. Eine flexible Anpassung von Bauverträgen bei stärkeren Preissteigerungen sehe ich eher skeptisch. Denn was ist, wenn die Materialpreise sinken? Passe ich dann auch nach unten hin an? Generell war und ist etwa Stahl immer Preisschwankungen unterworfen. Das muss ich als Massivbauer laufend einkalkulieren. Bei den lokal verfügbaren Baustoffen wie Zement oder Sand hat es auch jetzt kaum Steigerungen gegeben. Die haben von dieser Corona-Preisrallye gar nichts mitbekommen. Viel besser wäre etwa, dass die Politik endlich die Normen für Baustahl an die europäischen Bedingungen anpasst (Anm.: in Europa gilt eine Stahlhärte von 500 HBW, in Österreich sind es 550 HBW). Denn ob 500 oder 550 HBW, das macht in der Verarbeitung keinen Unterschied. In der Corona-Zeit ist 550er-Stahl allerdings zu einer extremen Mangelware geworden, die vor allem aus den unterschiedlichen Vorgaben resultiert.

Wie sehen Sie die weitere Entwicklung, sowohl ­global als auch im regionalen ­Baubereich?

Egger: Wir haben jetzt eine Nachfrage- bzw. Preisspitze, die sich ab Herbst wieder einpendeln sollte. An längere Lieferzeiten durch die Industrie werden wir uns allerdings gewöhnen müssen. Das zwingt, wie erwähnt, aber auch die Auftraggeber zu einer genaueren Planung und zu frühzeitigen Entscheidungen, was ja für uns als Ausführende auch positiv ist. Entscheidungen und Änderungen in letzter Minute wird es in Zukunft wohl nicht mehr geben. Ein großes Anliegen ist speziell den holzverarbeitenden Betrieben, dass der Rohstoff Holz, der in unserem Land mehr als ausreichend vorhanden ist, für die heimische Verarbeitung auch entsprechend gesichert wird. Wir Holzbauer verbrauchen im Jahr gerade mal ein Drittel des in Österreich eingeschnittenen und weiterbearbeiteten Holzes. Da darf es keine Knappheit geben! In diesem Sinne sollte man überlegen, ob es in Zukunft etwa eine Exportförderung im Holzbereich überhaupt braucht?
Dertnig: Auch im Massivbau werden die Kunden zu einer längerfristigen Planung und Entscheidungsfindung kommen müssen. Bei unseren großen Zulieferern hoffe ich, dass das grundsätzlich positive Mittel der Kurzarbeit in Zukunft behutsam und nur wenn unbedingt nötig eingesetzt wird.

Zu den Personen:

Friedrich Egger ist Geschäftsführer der Zimmerei Holzbau Egger in Dorfgastein mit 20 Mitarbeitern. Als Innungsmeister vertritt er die Anliegen von 230 Salzburger Holzbaubetrieben.
Peter Dertnig ist Geschäftsführer der Wagrain Bau GmbH in Wagrain mit 120 Mitarbeitern. Als Innungsmeister der Landesinnung Bau steht er 1.300 Mitgliedsbetrieben vor.

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