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Kein Talent zur Frustration

Im Jahr der Pandemie hat es Festspielpräsidentin Dr. Rabl-Stadler mit ihrem starken Willen ermöglicht, dass die Salzburger Festspiele im 100. Jahr stattfinden konnten. Nach 27 Festspielsommern wird es heuer der letzte als Präsidentin sein. Im SW-Interview "Erfolgswege" gibt sie einen Einblick in ihre Erfolgsgeschichte.

Festspielpräsidentin Dr. Helga-Rabl-Stadler
© SF/Doris Wild Festspielpräsidentin Dr. Helga Rabl-Stadler - eine Mutmacherin für Generationen.

Wohin sie auch immer kam, war sie die erste Frau ihres Fachs. Im SW-Interview spricht sie über ihre Rolle als Mutmacherin, Politikerin, Journalistin, Unternehmerin, Wirtschaftskammerpräsidentin und Kulturmanagerin und darüber, wie es ihr gelingt, auch in schwierigen Zeiten optimistisch zu bleiben.

Was war die Quelle für Ihren Mut und Ihre Zuversicht, dass der Festspielgedanke stärker sein würde als das Virus?

Es war der Mut unserer Gründerväter, der uns ein Vorbild war. Die Festspiele wurden von Max Reinhardt, Hugo von Hofmannsthal und Richard Strauß in der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg gegründet, und sie wurden sofort nach dem Zweiten Weltkrieg wieder zum Leben erweckt. Es wäre Kleinmut gewesen, wenn wir gesagt hätten: nein, das geht nicht. Ja, es war ein Risiko, aber kein Roulette. Es war ein kalkuliertes Risiko, denn wir haben immer gesagt, Vorrang für die Gesundheit und nur, wenn diese gewährleistet ist, dann machen wir es. Lukas Crepaz hat ein wunderbares Sicherheitskonzept erstellt, das er dann an über 50 Institutionen in der ganzen Welt weitergeschickt hat. Also die haben dann auch von unserem Wissen profitiert.

In Ihrer Karriere waren Sie oft die erste Frau in Ihrem Fach – und als solche Mutmacherin für viele ­Generationen nach Ihnen. Ist es Ihr Selbstverständnis oder steckt eine bewusste Entscheidung dahinter?

Ich glaube, es ist eine gute Mischung: Ich habe das Glück, dass ich gute Gene von beiden Elternteilen geerbt habe. Meine Mutter war immer berufstätig und sehr energisch. Sie hat eines der großen Modehäuser in Österreich aufgebaut. Und mein Vater, der legendäre Generalintendant des ORF, war einer, der nie den Konflikt gescheut hat, wenn er der Meinung war, dass es wichtig war. Und es spielt ein Sicherheitsfaktor mit, der mir in vielen Situationen hilft, an eine Sache zu glauben. Das war auch letztes Jahr so. Ich wusste, dass wir das gut können, da wir ein eingespieltes Team sind – der Intendant Markus Hinterhäuser, Lukas Crepaz, der kaufmännische Direktor, und ich. Ich habe einfach gesehen, dass es wichtig ist, dass jemand Optimismus ausstrahlt. Das fällt mir nicht schwer, weil ich sehr positiv denke. 

Sie waren ja selbst viele Jahre Unternehmerin. Inwieweit hat Sie die mütterliche Geschäftswelt geprägt?

Die Idee, dass ich etwas nicht kann, weil ich eine Frau bin, wäre mir dank meiner Mutter nie gekommen. Meine leistungsorientierte Erziehung hat mich sehr geprägt. Mir wurde aber auch die Zuversicht gegeben, wenn frau etwas will, kann frau alles erreichen. Das ist schon ein Riesenvorteil. Wir hatten ein großes Familienunternehmen, das auf seinem Höhepunkt etwa 70 Angestellte hatte. Meine Mutter hat mir vorgelebt, dass man nur durch das eigene Beispiel gut führt und dass Dienstleistungsgesinnung nichts Demütigendes ist, sondern Freude bereitet. 

Seit 27 Jahren stehen Sie an der Spitze der Salzburger Festspiele. Wann kann man mit dem Erscheinen Ihrer Erinnerungen rechnen?

Ich glaube eher nicht, dass ich etwas schreiben werde, weil ich das, was ich wichtig finde, ohnehin immer gesagt habe. Es gibt so viele schlechte Bücher. Ich möchte kein weiteres schreiben. Dazu bin ich zu selbstkritisch. 

Wie lautet Ihr Lebensmotto?

Kein Talent zur Frustration. Aber es gibt noch ein zweites: Trau dir selbst etwas zu, dann wird man dir etwas zutrauen. Und das gilt für jeden. Das gilt auch für jeden Unternehmer. Das gilt besonders für uns Frauen.  

Haben Sie Vorbilder gehabt?

Ich habe keine gehabt. Ich empfand auch meine Mutter nicht als Vorbild, sondern als „Mutmacherin“. Oder Persönlichkeiten wie die Gräfin Dönhoff, die Herausgeberin und Chefredakteurin der „Zeit“. Ja, so wollte ich werden, aber Vorbild würde ich dazu nicht sagen. Mir ist der Ausdruck „Mutmacherin“ lieber. Ich will ja die Leute nicht nach meinem Ebenbild formen, sondern ich will ihnen Mut machen, aus sich etwas zu machen. 

Gibt es in Ihrer Karriere einen Leitgedanken, der Sie antreibt?

Mir war es immer wichtig, das ganze Team auf ein Unternehmensziel einzuschwören. Diesen Grundsatz habe ich in allen meinen Stationen verfolgt: als Unternehmerin, als Wirtschaftskammerpräsidentin und auch als Präsidentin der Salzburger Festspiele.

Worin sehen Sie aktuell die Aufgabe der Salzburger ­Festspiele?

Die Salzburger Festspiele wurden als eines der ersten Friedensprojekte nach dem Ersten Weltkrieg gegründet. Der Gedanke tut sich auf: Kunst als Friedensbringer, Kunst als Brückenbauer. Das ist aktueller denn je. Da wir am Tiefpunkt der Debattenkultur angelangt sind, finde ich es umso wichtiger, dass Kunst zum Denken und Diskutieren anregen soll. 

Festspielpräsidentin Dr. Helga Rabl-Stadler mit Stargeigerin Anne-Sophie Mutter und Maestro Riccardo Muti.
© SF/Marco Borelli Festspielpräsidentin Dr. Helga Rabl-Stadler mit Stargeigerin Anne-Sophie Mutter und Maestro Riccardo Muti.

Was verbinden Sie mit Erfolg?

Es gibt nicht bloß einen Weg zum Erfolg. Ich glaube, man hat nur Erfolg – ein mit Sinn erfülltes Leben –, wenn man immer wieder bereit ist, neue Wege zu beschreiten. Auch ich war auf meinem Karriereweg angehalten, immer wieder Neues dazuzulernen. Ich habe Jus studiert, dann war ich Kauffrau, Politikerin und jetzt Kulturmanagerin. Es ist wichtig, zu wissen, dass man nie ausgelernt hat und dass sich die Prämissen sehr stark ändern, ohne dass wir sie zum Teil beeinflussen können. Nur, wenn man das weiß, wird man erfolgreich bleiben. Erfolgreich bedeutet für mich, Gestaltungsmöglichkeiten zu haben und glücklich zu sein. Und natürlich braucht man dazu auch Macht. Insofern ist Erfolg auch Macht.

Was waren Ihre größten Erfolge?

Ein großer Erfolg war die Nationalratswahl 1983, bei der die ÖVP ein fünftes Mandat bekam und der Landeshauptmann gemeint hat, dass es auch mein Verdienst gewesen wäre. Das hat mich wahnsinnig gefreut.

Und dann in unserem Modegeschäft, wo Menschen aus der ganzen Welt bei uns eingekauft haben, weil sie der Meinung waren, dass meine Mutter und ich eine besonders gute Auswahl bei Giorgio Armani und Yves Saint Laurent, bei Akris und Gianni Versace treffen. Das war auch so ein Erfolg, der mir sehr wichtig war.

Und in Bezug auf die ­Festspiele?

Bei den Festspielen bin ich eigentlich nie auf die Idee gekommen darüber nachzudenken, was mein Anteil am Erfolg der Festspiele ist. Denn ich sehe mich als Wegbereiterin, um die vielen wunderbaren Ideen der Intendanten verwirklichen zu können. Das Mozartjahr 2006 gehört auch dazu. Das war vielleicht bis zum letzten Jahr das schönste für mich in der Geschichte der Festspiele. Das war in Wahrheit der Erfolg des Intendanten Peter Ruzicka. Nur ich habe ihn gestützt, indem ich an das Konzept geglaubt habe, nur Mozart zu spielen, während die anderen gemeint haben, da würde kein Mensch kommen. Und vergangenes Jahr, wo es uns gelungen ist, mit einem starken Team und Willen die Festspiele im Jubiläumsjahr trotz der Pandemie zu realisieren.

Und um noch Privates zu sagen: Als größten Erfolg meines Lebens sehe ich meine zwei Söhne. Max ist 1977 geboren und Sebastian 1978. Und auch die gute Beziehung, die ich zu beiden habe. Dafür bin ich dem Schicksal sehr dankbar. 

Es heißt, die diesjährigen SF könnten die letzten unter Ihrer Leitung sein: Wollen Sie dazu etwas sagen?

Es sind für mich sicher die letzten Festspiele. Es ist – so glaube ich – ein sehr guter Moment aufzuhören, weil sich dieses Hundertjahr-Jubiläum jetzt rundet, und weil meine Kollegen Markus Hinterhäuser und Lukas Crepaz ein super Team sind, die auch dem oder der Neuen helfen können.

Rabl-Stadlers Reden und Empfänge sind legendär. Oben u. a. mit Bundespräsident Alexander van der Bellen und LH Wilfried Haslauer
© Franz Neumayr Rabl-Stadlers Reden und Empfänge sind legendär. Oben u. a. mit Bundespräsident Alexander van der Bellen und LH Wilfried Haslauer

Welche Fähigkeiten benötigt eine Festspielpräsidentin?

Als Festspielpräsidentin muss man Probleme als Herausforderungen und nicht als unverdiente Hindernisse des Schicksals sehen. Es passiert jeden Tag etwas anderes – nicht nur in Pandemiezeiten. Es ist ein Managementjob. Das war ja so seltsam: Am Anfang ist mir ein großer Gegenwind entgegengekommen. So ganz nach dem Motto: Sie spielt ja nicht mal Klavier, und jetzt will sie Festspielpräsidentin werden. Aber hier wird kein Ersatz für einen Pianisten gesucht, und auch das Programm schlägt der Intendant vor. Der möchte überhaupt nicht, dass ich mich da einmische. Der will, dass ich ihm helfe, seine Programmideen organisatorisch und finanziell zu verwirklichen. Was sehr wichtig ist, sind Sprachkenntnisse. Wir sind das internationalste Festival der Welt. Wir verzeichnen Besucher aus 80 Ländern, davon 35 nicht europäische. Also man muss Sprachen können. Ich kann Englisch, Italienisch und Französisch.

Wie schätzen Sie die wirtschaftliche Entwicklung von Österreich nach Corona ein?

Diese Pandemie hat uns alle sehr getroffen. Die Regierung hat meines Erachtens ziemlich gut reagiert. Es gab sehr viel finanzielle Hilfe. Nur die, die sie erhalten haben, reden davon nicht groß, sondern es jammern nur die, die keine bekommen haben. Ich glaube, wir müssen uns darüber klar sein, es kommen Jahre, in denen wir sehr hart arbeiten werden müssen. Denn es war unser Steuergeld, das hier verteilt wurde. Und es wird wieder unser Steuergeld sein, mit dem die Schulden zurückgezahlt werden. Und ich glaube, das sind wir den Jungen wirklich schuldig. 

Welchen Titel würden Sie als erfahrene Publizistin Ihrer eigenen Erfolgsgeschichte verleihen?

Kein Talent zur Frustration.

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