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Für mich ist die Welt voller Muster

Mitten in Golling betreibt Textildesignerin Evelin Wittek Salzburgs letzte Maschinenweberei. Im Gespräch mit der SW-Redaktion schildert Wittek, die aus der Textilhochburg Oberfranken stammt, ihre Leidenschaft zum Beruf, die in ihren außergewöhnlichen Webstoffen spürbar ist. 

Die Textildesignerin Evelin Wittek betreibt mitten in Golling Salzburgs letzte Maschinenweberei.
© WKS/ Herbert Rohrer Die Textildesignerin Evelin Wittek betreibt mitten in Golling Salzburgs letzte Maschinenweberei.

Was hat Sie nach Salzburg geführt?

Das gemeinsame Vorhaben, mich mit meinem Mann in Österreich selbstständig zu machen. Mein Mann war Wiener und auch Textildesigner. Wir haben uns beruflich 1986 in einem Atelier in Wirsberg in Oberfranken kennengelernt, wo ich gearbeitet habe. Kurz darauf haben wir uns mit einem eigenen Textil-Atelier selbständig gemacht, wo wir Entwürfe an die Textilindustrie in ganz Europa verkauft und auch gleich die passende Technik dazu geliefert haben. Mein Mann wollte dann wieder zurück nach Österreich. Da haben wir nach einem Ort gesucht, der gut gelegen ist und von dem aus wir unsere Dienstreisen machen konnten – so sind wir dann ins Salzburger Land gekommen.  

Was hat Sie dazu ­motiviert, 2004 Salzburgs letzte Maschinenweberei zu übernehmen?

Die Liebe zu unserem Beruf. Als wir damals Herrn Heger, den früheren Besitzer der Maschinenweberei, kennengelernt haben, meinte dieser, warum wir jetzt erst kämen, denn er suche dringend einen Nachfolger. Auch wenn wir längere Zeit darüber nachgedacht haben, ob wir das machen sollen, war der Schritt logisch, unsere Entwürfe nicht nur am Papier zu verkaufen, sondern auch selbst zu produzieren. Obwohl wir bereits unsere Kontakte hatten und von Herrn Heger auch ein kleiner Kundenstock da war, auf den wir aufbauen konnten, war es anfangs trotzdem schwierig: Wir mussten uns erneut beweisen, dass wir lieferzuverlässig sind und nach wie vor gute Qualitäten abliefern. 

Vor zweieinhalb Jahren ist Ihr Mann bei einem Verkehrsunfall tödlich verunglückt. Wie haben Sie diesen Schicksalsschlag gemeistert?

Sie müssen sich vorstellen, dass wir 24 Stunden am Tag zusammengelebt und -gearbeitet haben. Als mir die Nachricht überbracht wurde, dass er tödlich verunglückt ist, blieb die Welt für mich zunächst stehen. Aber die nächste Reaktion war dann doch die, dass ich mir gesagt habe, dass ich weitermachen muss, damit zumindest ein wenig Normalität vorhanden ist. Das war eine Art Selbsterhaltungstrieb, aufzustehen, um nicht verrückt zu werden.  

Was hat Sie motiviert, weiterzumachen?

Das Gefühl, dass es auch der Wunsch meines Mannes Walter gewesen wäre, und weil ich es schade fände, wenn dieser Handwerksbetrieb schließt und damit das Wissen dieses Handwerks verloren gehen würde.

Kann man den Beruf des Webers erlernen?

Ja, das kann man, aber der Meister wurde uns genommen. Das sollte geändert werden, um den jungen Menschen, die Interesse für dieses Handwerk haben, eine Perspektive zu geben. Mein Mann war einer der Letzten, die in unserem Gewerbe noch die Meisterprüfung ablegen konnten. Sein Meisterstück – eine Kalligraphie, die das Alphabet darstellt – wird gerade als Design in den neuen Dom-Messgewändern, deren Stoffe wir produzieren, verarbeitet. 

Wie kommt es zu solchen Spezialaufträgen?

In diesem Fall ist die Domschneiderin Renate Kurz auf uns zugekommen. Ursprünglich hatten die Verantwortlichen der Dommessnerei eine moderne Interpretation des Lebensbaumes im Sinn. Aber plötzlich ist mir das Meisterstück meines Mannes eingefallen. Die Symbolkraft dieser Arbeit im Sinne von „Am Anfang war das Wort“, vom Leben von A bis Z, aber auch von Worten, die Trost spenden, ist mir sofort bewusst gewesen. Dass dieses Design jetzt Verwendung findet, macht mir eine große Freude. 

Wie wird man ­Textildesignerin?

Ich habe klassisch im Atelier als Textilzeichnerin eine Lehre gemacht und dann auf der Textilfachschule die Bindungstechniken erlernt. Da steckt sehr viel Wissen dahinter. Man muss die Einstellungen der Maschinen berücksichtigen. Das ist alles sehr komplex. Es braucht eine visuelle Kraft, eine Vision, wie man das umsetzen möchte. Das Muster wird am Computer berechnet und dann in die Maschine eingespeist. 

Die Wertigkeit und die Qualität unserer Stoffe sind mir wichtig.
Textildesignerin Evelin Wittek

Woher holen Sie sich Ihre Inspirationen?

Für mich ist die Welt voller Muster. Ich sehe überall Muster und Farben. Wenn ich in der Natur unterwegs bin, dann inspirieren mich ungewöhnlich schöne Farbkombinationen, die ich dann ausprobiere.

Was ist das Erfüllende an Ihrer Arbeit?

Es sind die Materialien, aber letztendlich das Endprodukt, das ich vor mir sehe – eine neue Kollektion in verschiedenen Strukturen, Farben und Mustern, die zum Berühren verführen und die untereinander kombinierbar sind. Insbesondere bringen mir meine eigenen Kollektionen die Freiheit, mich nicht mehr verbiegen zu müssen. 

Seit zwei Jahren bringen Sie auch Ihr eigenes Wittek-Design heraus. Warum erst jetzt?

Letztendlich ist es der Kostenfaktor: Der Vorteil, für Verlage zu arbeiten, ist, dass man die Musterbücher nicht selber machen muss und auch keinen eigenen Vertrieb braucht. Nach all den Jahren möchte ich mir aber das leisten, weil ich es auch brauche, mal nur das machen zu können, was ich will. Ich arbeite so viel, darum ist es auch schön, nicht immer andere fragen zu müssen, ob die Stoffe ins Musterbuch passen oder sich gut fotografieren lassen. Jeden meiner Stoffe produziere ich in höchster Qualität.

Welche Materialien ­verarbeiten Sie?

Neben der Wolle und Leinen möchte ich als nächstes Hanf ausprobieren, den es bis dato nur aus Asien gab. Jetzt habe ich einen Lieferanten gefunden, der diesen in Europa anbaut. Für spezielle Projekte, wie bei der Bestuhlung im Großen Festspielhaus und im Mozarteum verwende ich flammfestes Polyester. 

Sie sind 64 Jahre. Haben Sie schon einen Nachfolger im Auge?

Aktuell habe ich noch keinen Nachfolger. Ich bin aber zuversichtlich, dass sich jemand findet, der das in meinem Sinne weiterführt. Mein Nachfolger sollte kreativ sein, von der Technik eine Ahnung haben und weiterhin den Kunden beste Qualität bieten. Ich bin jederzeit offen für ein Gespräch.

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