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Führen nach Yin und Yang

Mit Sandra Kolleth ist 2018 erstmals eine Frau in die Führungsetage von Miele Österreich eingezogen. Im SW-Interview erzählt sie, warum der Satz eines Mentors ihren Karriereweg maßgeblich beeinflusste.

Sandra Kolleth, GF Miele Österreich, Slowenien und Kroatien
© WKS/Probst Sandra Kolleth will als Führungskraft Frauen dazu motivieren, sich mehr zuzutrauen.

Was hat Sie überzeugt, nach 23 Jahren nicht nur das Unternehmen, sondern auch die Branche zu wechseln?

Ich habe schon immer gesagt: Wenn ich einmal wechsle, will ich mal etwas ganz Anderes machen. Das Geschäftsmodell, die Kultur eines familiengeführten Unternehmens hat mich gereizt, die Chance zu ergreifen. Nach 23 Jahren diese Möglichkeit zu erhalten, ist nicht selbstverständlich. Dass es eine Marke wie Miele war, hat meine Bereitschaft zum Erstgespräch deutlich erhöht.  

Welche Veränderungen hat der Wechsel mit sich gebracht?

Es gibt deutliche Unterschiede im Geschäftsmodell, in der Unternehmensstruktur- und -kultur der beiden Unternehmen: Xerox ist ein amerikanisches, börsenorientiertes IT-Unternehmen, das ausschließlich im
B2B-Bereich tätig ist. Im Vergleich dazu Miele, ein deutsches, familiengeführtes Unternehmen im Hausgeräte- und Professional-Geschäft, das überwiegend im B2C- bzw. B2C2C-Geschäft wirkt. Die Unternehmenskultur bei Miele ist sehr familiär. Das unterscheidet sich schon deutlich vom Rhythmus eines börsenorientierten Unternehmens. Es gibt aber auch gemeinsame Schnittmengen: Diese finden sich in meiner Leidenschaft sowohl für Menschen und Kommunikation als auch für die Transformationsprozesse in den Unternehmen und in der Gesellschaft wieder.

In einem Interview haben Sie erzählt, dass ein holländischer Mentor für Ihre Karriere sehr wichtig war. Inwiefern?

Ja. Ich war ganz frisch bei Xerox, als ein holländischer Vorgesetzter während eines Young-Potential-Programms einen Satz gesagt hat, der mir immer in Erinnerung geblieben ist und der sich für mich erst im Nachhinein als sehr wegweisend herausgestellt hat: „Versprich mir eines, wenn du Geschäftsführerin bei Xerox Österreich bist, dann lädst du mich zur Einstandsfeier ein.“ Ich kam damals frisch von der Uni und habe überhaupt nicht in diese Richtung gedacht. Diese Position war außerhalb meiner Denkweite. Aber ich glaube schon, dass er mit diesem Satz unbewusst einen Rahmen aufgemacht hat, der sich 20 Jahre später realisiert hat, weil dieser immer ein bisserl im Hinterkopf war. Ich habe ihn dann auch tatsächlich eingeladen, als es so weit war. 

Welchen Führungsstil ­pflegen Sie?

In der Regel steht bei mir ein partizipativer Führungsstil im Vordergrund. Es gibt aber auch Situationen, wo man alleine Entscheidungen treffen muss.

Ich setze auf ein Management nach Yin und Yang: Die Dualismus-Vorstellung ist, dass sich entgegengesetzte Kräfte scheinbar widersprechen, sich aber tatsächlich ergänzen und miteinander verbunden sind. Und wenn sie miteinander in Beziehung stehen, wächst jeder. Sie stehen für einen kontinuierlichen Fluss und ein Wechselspiel. Ich finde, dass es eine wesentliche Aufgabe einer Führungskraft ist, Anforderungen des Unternehmens sowie die der Mitarbeiter auszubalancieren. 

Haben Sie von Beginn an eine Karriere in der Management-Etage angepeilt?

Nein, ich muss sagen, ich hatte gar keine Karrierepläne oder Zielsetzungen in diese Richtung. Dass mir einmal eine Führungsrolle Spaß machen würde, habe ich schon gewusst. 

Wie definieren Sie persönlichen Erfolg?

Für mich ist es dann Erfolg, wenn ich das Gefühl habe, dass ich positiv etwas bewegen kann und Zufriedenheit verspüre. Dass es einen Unterschied macht, ob ich da bin oder ob ich nicht da bin. Nämlich ich als Persönlichkeit, aber auch mit meinem Fachwissen. Da gibt es das schöne Zitat von Antoine de Saint-Exupéry: „Geh nicht nur die glatten Straßen. Geh Wege, die noch niemand ging, damit du Spuren hinterlässt und nicht nur Staub.“  Das bedeutet für mich, langfristig Erfolg zu haben.

Und auf unternehmerischer Ebene?

Wirtschaftlich  gesehen hat Erfolg immer etwas mit Wachstum zu tun, weil das eben die Dynamik ist, in der wir leben. Wachstum ist ja auch etwas, das Spaß macht und Motivation gibt – auch den Mitarbeitern. Was ich schon auch als Erfolg sehe – gerade im heutigen wirtschaftlichen Umfeld, das sehr zahlengetrieben ist, ist, dass ich mich für alles, was ich beruflich wie privat gemacht habe, im Spiegel anschauen kann.  

Wie sehen Sie das Thema Chancengleichheit?

Vorweg darf ich sagen, was ich bei Xerox gelernt habe: Wirklich angekommen bist du in dem Thema, wenn es kein Thema mehr ist. Ich habe bei Xerox nie das Gefühl gehabt, ich werde das nicht, weil ich eine Frau bin. Aber auch nicht, dass ich es werde, weil ich eine Frau bin. Das war bei uns völlig natürlich, dass das so ist. Diese Sonderstellung hast du nur draußen am Markt gemerkt. Das war dort schon seit den 70er- Jahren ein Thema: Da gab es im Hintergrund eine Reihe an Programmen, die man aber so nicht mitgekommen hat. Meistens sind diese auch am besten. 

Wie können Sie diese als Führungskraft beeinflussen?

Was es unbedingt braucht – und darin sehe ich jetzt meinen stärksten direkten Impact –, ist das Ansprechen, das Mutmachen von Frauen, sich was zu trauen. Wenn bei drei Finalkandidaten auf einem Besetzungsvorschlag einer Managementposition nicht mindestens eine Frau dabei ist, muss man die Suche neu aufsetzen. 

Miele gibt es seit über 120 Jahren: Was macht eine erfolgreiche Marke aus?

Glaubwürdigkeit. Eine Marke muss das tun, was sie sagt, dass sie tut und wofür sie steht. Was Miele ist und immer bleiben wird: eine Marke mit einem extrem hohen Qualitätsanspruch.  

Inwiefern hat sich Corona auf die Geschäfte von Miele ausgewirkt?

Die Fokussierung auf das Zuhause, die Hygiene, auf den Komfort hat eine deutlich erhöhte Nachfrage in unserem Haushaltsgeschäft gebracht.  

Welche Zukunftsprojekte stehen an?

Miele wird eine wesentliche Rolle in der Ökologisierung aber auch in der Digitalisierung spielen. Eine eigene Business Unit beschäftigt sich mit Aufgaben, die heute nicht unser Kerngeschäft sind. Das umfasst digitale Themen aber auch Life-Cycle-Geschäftsmodelle mit angrenzenden Servicebereichen: Das geht von Apps, die rund um den Kochprozess entstehen, bis hin zu Geräten, die Vertical Farming ermöglichen. Wir haben z. B. die größte deutsche Koch-App Captain Cook, Otto Wilde Grillers im Outdoor Cooking oder Agrilution im Vertical Farming übernommen. Wir motivieren Mitarbeiter, ihre Geschäftsidee in Start-ups umzusetzen. Im Bereich unserer Dialoggarer-Technologie gibt es ein Unternehmen, das Spitzengastronomie mittels eines Cateringservices zum Kunden bringt. Das sind ganze Ökosysteme, die rund um unsere Produkte entstehen.  

Wie könnte der Titel Ihrer Erfolgsgeschichte lauten?

Spuren statt Staub.

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