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Wiener Börse will "direct market" für KMU bald starten

© APA Börse-Vorstand Christoph Boschan wartet auf regulatorische Grundlage

Spätestens Anfang 2019 will die Wiener Börse mit dem "direkt market" und "direct market plus" ein neues Marktsegment starten, das sich an KMU und Jungunternehmen richtet. Wenn wie bereits angekündigt der Gesetzesgeber im Herbst die regulatorische Grundlage schafft, dann könne das Segment spätestens Anfang 2019 starten, sagte Wiener-Börse-Vorstand Christoph Boschan am Freitag in Alpbach.

Derzeit gebe es an der Wiener Börse kein niedrig reguliertes Börsensegment, weil die Inhaberaktie nicht zur Verfügung stehe, so Boschan. Man habe das Einstiegssegment vorbereitet und warte nur mehr, dass der legistische Prozess abgeschlossen werde. "Jeder börsliche Markt ist eine Transparenzinitiative", betonte der Börse-Chef bei den Finanzmarktgesprächen beim Forum Alpbach. "Die Wahrheit kommt im Kurs zum Ausdruck."

Zusätzlich zu den bestehenden Segmenten "prime market", "standard" und "global market" soll es künftig einen "direct market" und "direct market plus" geben. Um Zugang zum "direct market" zu haben, muss ein Unternehmen eine Aktiengesellschaft (AG) sein und einen gewissen Streubesitz herstellen. Es muss jedenfalls gewährleistet sein, dass ein Aktien-Handel stattfinden kann.

Beim "direct market plus" kommen weitere Voraussetzungen dazu, unter anderem ein veröffentlichter Jahresabschluss, ein Halbjahresbericht, die Veröffentlichung eines Unternehmenskalenders im Internet und Begleitung des Unternehmens durch einen Capital Market Coach.

OeNB-Gouverneur Ewald Nowotny verwies bei der gemeinsamen Diskussion mit dem Wiener-Börse-Chef darauf, dass in Österreich im Vergleich zu anderen Ländern gemessen an der Wirtschaftsleistung wenige heimische Unternehmen an der Börse gelistet sind. In Österreich beträgt die Marktkapitalisierung der börsennotieren Unternehmen rund 36 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP), in Deutschland sind es 62 Prozent und in Belgien (89 Prozent), Großbritannien (134 Prozent) und USA (166 Prozent). Der niedrige Anteil in Österreich liege an der Dominanz der Bankenfinanzierung und dass sich viele große erfolgreiche österreichische Familienunternehmen nicht den strengen Börsenregeln unterwerfen wollen würden, so Nowotny. "Die wirkliche Funktion" der Börse sei das Bereitstellen von Risikokapital.