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Wärmeversorgung mit erneuerbarer Energie bis 2050 möglich

© APA (dpa) Kritik an der mäßigen Besteuerung von Heizöl

Die Wärmversorgung mit erneuerbarer Energie ist laut einer TU-Studie bis 2050 technisch möglich und bringt wirtschaftlich Vorteile. Dies sei nur möglich, wenn ein ganzes Bündel von politischen Maßnahmen gesetzt werde, so Studienautor Lukas Kranzl. Er nennt unter anderem das Aus der steuerlichen Bevorzugung von Heizöl. Voraussetzung ist laut Studie die umfassende Sanierung des Gebäudebestandes.

Von vier großen Bereichen Verkehr, Industrie, Strom und Wärme sei der Bereich Raumwärme "die härteste Nuss der Energiewende", so Peter Püspök, Präsident des Dachverbandes Erneuerbare Energie Österreich (EEÖ), am Mittwoch in einer Pressemitteilung zur Präsentation der Studie "Wärmezukunft 2050" der Energy Economics Group der TU Wien. "Ohne Wärmewende sind die Energiewende und die Ziele des Pariser Klimaabkommens aber nicht erreichbar."

Aktuell würden mehr als ein Drittel des österreichischen Energieeinsatzes und rund ein Fünftel des heimischen CO2-Ausstoßes für das Heizen aufgebracht, weil noch 60 Prozent der Wärme aus fossiler Energie erzeugt würden, heißt es in der Mitteilung. Die Studie zeige, dass die Dekarbonisierung der Wärmeerzeugung technisch möglich sei und wirtschaftlich Vorteile bringe. An Heizkosten könnten pro Jahr 3 Mrd. Euro eingespart werden. Die zusätzlichen Investitionen in thermische Sanierungen sowie der Umstieg von fossilen Heizsystemen auf Erneuerbare bringe in diesen Branchen einen jährlichen Beschäftigungszuwachs von 2,5 Prozent im Zeitraum 2020 bis 2030 und von 2,4 Prozent zwischen 2030 und 2040.

Der Endenergiebedarf für die Wärmebereitstellung werde sich bis 2050 halbieren - von derzeit 100 Terawattstunden (TWh) auf 50 TWh. Der Holzverbrauch werde sinken, obwohl sich die Verkaufszahlen von Biomassekesseln vom derzeitigen Stand aus bis 2030 beinahe vervierfachten. Der Stromverbrauch im Wärmesektor werde in Summe sinken, obwohl Wärmpumpen 2050 ein Drittel der Wärmeversorgung bereitstellen, so Michael Hartner von der TU.

Zu den wichtigsten politischen Maßnahmen zum Umbau der Wärmeversorgung zählen laut Kranzl Änderungen der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen wie das Ende der steuerlichen Bevorzugung von Heizöl. Die Mineralölsteuer für Heizöl betrage - obwohl technisch derselbe Stoff wie Diesel - nur ein Viertel der Steuer auf Diesel.

Wichtig seien auch eine verbesserte und verpflichtend wiederkehrende Überprüfung von Heizanlagen sowie der Beschluss der Entwicklung von Sanierungsplänen für Gebäude. Laut Studie ist die umfassende Sanierung des Gebäudebestandes, die die thermische Sanierung ebenso umfassen müsse wie die Erneuerung der Heizanlage, die Voraussetzung für die Wärmewende. Nur so könne der Gesamtenergieverbrauch halbiert, der Stromverbrauch gesenkt, die Biomasseverbrauch konstant gehalten und der Gasverbrauch auf Biogas und Power-to-Gas umgestellt werden.

"In Summe sind die langfristigen Einsparungen höher als das nötige Investitionsvolumen", so Andreas Müller von der TU Wien. Insgesamt zeige sich, "dass die Nutzung von Kohle und Heizöl gänzlich ausläuft und der Einsatz von Erdgas kontinuierlich reduziert werden muss sowie der verbleibende Anteil sukzessive durch Biogas und Wasserstoff zu ersetzen ist."

Der Biomasseverband wies in einer Aussendung darauf hin, dass der Studie zufolge mehr als die Hälfte der österreichischen Gebäudefläche mit Biomasse beheizt werden könnte. Zunehmen würden neben der Nutzung von Biomasse-Brennstoff wie Scheitholz, Hackgut und Pellets die Fernwärme aus Biomasse-Heizwerken sowie Biomasse-Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen (KWK). Ab 2030 werde auch Biomethan an Bedeutung gewinnen. "Die nachhaltig verfügbaren zusätzlichen Bioenergiepotenziale werden selbst bei einer massiven Forcierung der Biomasse-Einzelfeuerungen sowie einer Steigerung der Biomasse-Fernwärme- und -KWK-Anlagen nur etwa zu einem Drittel ausgenutzt", so Rudolf Freidhager, Bundesforste-Chef und Präsident des Österreichischen Biomasse-Verbandes.

Im Strombereich sei eine zur Gänze erneuerbare Versorgung bis 2030 möglich, betonte IG-Windkraft-Geschäftsführer Stefan Moidl. Die Studie habe ergeben, dass die Umstellung der Wärmeversorgung ganz andere Voraussetzungen zeige als der Strommarkt - Heizsysteme seien meist sehr langfristige Investitionen von Privaten oder ganzen Städten. Daher sei es notwendig, Planung und Horizont für alle Nutzer "möglichst klar zu definierten, um zu vermeiden dass uns die falschen Wärmetechnologien langfristig an fossile Importstrukturen fesseln".