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Wachstumsvorsprung gegenüber Deutschland wieder zurück

Österreichs Wirtschaft hat ihren Wachstumsvorsprung früherer Jahre gegenüber Deutschland zurückgewonnen - zwar nicht mehr in dem Ausmaß, wie das im Zeitraum 1997 bis 2009 der Fall war, "aber im Durchschnitt wachsen wir derzeit um 0,3 Prozentpunkte schneller als unser großer Nachbar Deutschland", sagte Doris Ritzberger-Grünwald, Direktorin der Hauptabteilung Volkswirtschaft in der OeNB am Freitag.

Zu erklären sei dieser mit Beginn des aktuellen Aufschwungs im Jahr 2016 zurückgewonnene Vorsprung vor allem durch die Exporte, weil Österreich deutlich stärker als Deutschland mit Osteuropa verwoben sei. "Hier hilft uns die gute Wachstumsperformance von vielen osteuropäischen Ländern", sagte Ritzberger-Grünwald.

Zugleich räumte die Oesterreichische Nationalbank (OeNB) in ihrem heutigen Bericht ein, dass die im 3. Quartal 2018 beobachtete Wachstumsdelle des wichtigsten Handelspartners, Deutschland, als temporäres Phänomen im Zusammenhang mit den neuen Abgasanforderungen der dortigen Autoindustrie zu sehen sei.

Der für Österreich ebenfalls wichtige Handelspartner Italien sei das Land mit dem niedrigsten Wachstum in der Eurozone, sagte Notenbankgouverneur Ewald Nowotny bei der Präsentation der Gesamtwirtschaftlichen Prognose der OeNB. "Italien ist eines der Problemkinder in der EU", sagte Ritzberger-Grünwald, es werde auch in den nächsten Jahren das Wachstumsschlusslicht bleiben. Allerdings könne man für Österreich Entwarnung geben, weil nur noch 5,9 Prozent der österreichischen Exporte nach Italien gingen, während es nach Osteuropa bereits 17 Prozent seien. "Unsere Exportmärkte werden in den nächsten Jahren um durchschnittlich 4 Prozent wachsen. Dazu trägt Deutschland bei, aber genauso stark, nämlich mit 1,1 Prozentpunkten, auch Osteuropa."

Der aktuelle Wirtschaftsaufschwung sei, anders als jene der Jahre 1998 bis 2000 und 2005 bis 2007, vor allem durch Ausrüstungsinvestitionen und den Wohnbau getragen, sagte Ritzberger-Grünwald.

Den jüngten Konjunkturhöhepunkt hat Österreich zum Jahreswechsel 2017/18 aber schon überschritten. Der aktuelle Aufschwung sei übrigens auch schwächer ausgefallen als die letzten zwei Hochkonjunkturphasen davor, erklärte die Notenbank. Nun kehre man schrittweise zu durchschnittlichen Wachstumsraten zurück. Begünstigt bleibt das Wachstum wohl auch die nächsten drei Jahre durch den privaten Konsum. Das Jahr 2018 war bereits das dritte Jahr in Folge, in dem der private Konsum relativ kräftig wuchs - gestützt ist die Entwicklung zuletzt auch durch die höheren Lohnabschlüsse. Bei der Lohnsumme kam es heuer damit zur stärksten Zunahme seit dem Jahr 2008, schreibt die OeNB.

Dass die Wachstumsvorschau für 2018 gegenüber der Sommer-Prognose um 0,4 Prozentpunkte auf real 2,7 Prozent (wie auch 2017) zurückgenommen wurde, hatte zum größten Teil mit Statistik-Effekten zu tun. Für Nowotny ist dies ausdrücklich "kein Ausdruck einer Konjunkturverlangsamung." Das habe sich ergeben, weil die Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung der Statistik Austria ab 2016 revidiert wurde.

Gute Signale kommen vom Arbeitsmarkt. Anders als früher würden derzeit nämlich vor allem Vollzeitarbeitsplätze geschaffen, berichtete die Ökonomin Ritzberger-Grünwald. "Sowohl die Köpfe als auch die Stunden sind um jeweils 2,2 Prozent gegenüber 2017 gewachsen." Die Arbeitslosenquote wird laut OeNB-Prognose heuer bei 4,9 Prozent liegen, in den kommenden Jahren leicht weiter sinken und am Ende des Prognosezeitraums 2021 4,5 Prozent betragen. "Viel weiter wird es nicht nach unten gehen", hier komme schon der Fachkräftemangel zum Tragen.

Mit Blick auf die aktuellen Ereignisse in Frankreich sagte Nowotny, dass man auf Dauer weder Stabilitätspolitik noch Umweltpolitik erfolgreich betreiben könne, wenn man nicht auch die sozialen Effekte berücksichtige. Ökologisch gesehen sei etwa eine Erhöhung der Treibstoffpreise sinnvoll, sie treffe aber vor allem die unteren Einkommensgruppen. Wenn das ohne Kompensation erfolge, etwa bei den Pensionen oder Sozialabgaben, dann gebe es dagegen Widerstand. "Ich hoffe, das wird auch berücksichtigt bei den jetzt laufenden Verhandlungen beim Klimaschutzabkommen in Kattowitz."