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Tiefstand bei Firmeninsolvenzen und weniger Privatpleiten

© APA (dpa) Privatinsolvenzen dürften 2018 zunehmen

Das heurige Jahr hat bei den Firmeninsolvenzen den tiefsten Wert seit 20 Jahren und eine Unternehmens-Insolvenzhäufigkeit von einmalig niedrigen 1,2 Prozent gebracht. Laut KSV-Hochrechnung gingen nur 5.030 Unternehmen pleite, um 3,8 Prozent weniger als 2016. Auch bei den Privatpleiten gab es 2017 ein deutliches Minus von 17 Prozent auf 6.662 Fälle.

Hauptthema bei den Kreditschützern ist weiterhin eine Novelle des Gesetzes für Privatinsolvenzen, die im November Gültigkeit erlangte, Erleichterungen für insolvente Private beinhaltet und mit der sie keine Freude haben. Der starke Rückgang bei den Anträgen auf Privatinsolvenz heuer wird hauptsächlich damit erklärt, dass es ein Zuwarten auf die neuen Regeln gegeben habe. Nach Inkrafttreten der Novelle (Insolvenzrechtsänderungsgesetz, IRÄG, 2017) habe es auch einen Anstieg der Insolvenzanträge geben, erläuterte KSV-Experte Hans-Georg Kantner am Mittwoch vor Journalisten in Wien.

"Der Anstieg ab November ist von Schuldnern mit hohen Verbindlichkeiten verursacht, die erst nach Inkrafttreten der neuen Rechtslage ihre Anträge gestellt haben", so Kantner. Demnach wurden alleine im November 2017 Insolvenzverfahren mit rund 157 Mio. Euro Schulden eröffnet. Der Durchschnitt der Verfahren im Jahr 2016 lag bei lediglich 86 Mio. Euro pro Monat. "Generell ist auch der Rückgang der Gesamtanzahl der Fälle über das Jahr 2017 dieser überfallsartig beschlossenen und wenig ausgefeilten Novelle des Privatkonkurses geschuldet, die ein Zuwarten vieler Schuldner mit ihren Anträgen nach sich zog", so Kantner.

Rechnen die Kreditschützer nun im kommenden Jahr mit einem starken Anstieg bei der Zahl der Privatpleiten? Ausgegangen wird davon, dass heuer wegen des Zuwartens um rund 1.200 Anträge weniger gestellt wurden. "Diese sind im Jahr 2018 als Nachholbedarf zusätzlich zu einem moderaten Anstieg zu erwarten, der der Erleichterung des Verfahrens und Öffnung auch für leistungsschwache Personen geschuldet ist", erklärte Kantner. Insgesamt erwartet der KSV 2018 die Eröffnung von rund 9.300 Privatinsolvenzen. Das wäre ein Zuwachs gegenüber heuer von knapp 40 Prozent. "Mittelfristig ist voraussichtlich ein Einpendeln zwischen 8.500 und 9.500 Verfahren pro Jahr zu erwarten", prognostiziert Kantner.

Der Tiefstand bei den Firmeninsolvenzen kam für die Kreditschützer überraschender als der Rückgang bei den Privatpleiten: "Die Erwartungen haben sich nicht erfüllt, an der Insolvenzfront blieb es ruhig." Insgesamt wurde über 2.997 Unternehmen ein Insolvenzverfahren eröffnet. Über das Vermögen von 2.033 insolventen Unternehmen wurde kein Verfahren eröffnet, ein Minus von 1,5 Prozent gegenüber 2016.

Betroffen waren gut 16.000 Dienstnehmer (minus 16 Prozent). Die Verbindlichkeiten nahmen gegenüber 2016 sogar um 38 Prozent auf 1,8 Mrd. Euro ab, besagt die Hochrechnung fürs Gesamtjahr von KSV 1870.

Die gut 5.000 insolventen Unternehmen 2017 bedeuten den niedrigsten Wert seit 1998. In diesem Jahr hatte es aufgrund einer Insolvenzrechtsreform (IRÄG 1997) nur 4.816 Fälle gegeben. Grund war damals eine wesentlich längere und aufwendigere Prüfung durch die Gerichte. Bereits im Folgejahr stiegen die Insolvenzen aufgrund eines Nachzieheffekts wieder an.

Besonders deutlich wird der Rückgang aber heuer, misst man ihn an der Zahl der etwa 430.000 aktiven Unternehmen (ohne Ein-Personen-Unternehmen) in Österreich: Dieser Vergleich ergibt eine Insolvenzhäufigkeit der österreichischen Unternehmen von einmalig niedrigen 1,2 Prozent.

Die Firmenpleiten dürften auch kommendes Jahr moderat bleiben, denn der Konjunkturmotor schnurrt. Erst wenn die Zinsen wieder steigen, rechnet Kantner wieder mit einem bemerkbaren Anstieg bei den Unternehmensinsolvenzen.