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Österreich Land mit extrem hohem Anteil an Wohnungsmietern

© APA (Symbolbild/dpa) Im Vergleich zum Nettoeinkommen wird Wohnen immer teurer

In Österreich ist der Anteil der Wohnungsmieter mit 44,3 Prozent im internationalen Vergleich extrem hoch. Europaweit liegen die Mieter hierzulande damit an dritter Stelle - hinter der Schweiz (56,6 Prozent) und Deutschland (48,1 Prozent), wie aus einer Erhebung der US-Immobilienplattform RentCafe hervorgeht, bei der 30 bevölkerungsreiche Industrieländer verglichen wurden (Datenbasis: 2015).

Weltweit belegen die Österreicher mit diesem ausgeprägt hohen Mietanteil immer noch Platz fünf. Weniger Mieter in Relation zur Gesamtbevölkerung gibt es nur in der Schweiz, Hongkong, Deutschland und Südkorea. In 29 der 30 untersuchten Länder ist die Mehrheit der Bevölkerung Eigentümer der eigenen Wohnung. Nur auf die Schweiz trifft das nicht zu.

Der Mietanteil ist im Erhebungszeitraum 2010 bis 2015 in gut zwei Drittel der Länder gestiegen - so auch in Österreich. Hier gab es innerhalb dieses Fünfjahreszeitraums einen Zuwachs von 3,9 Prozentpunkten. Das war deutlich mehr als in der Schweiz (plus 1,8 Prozentpunkte) und in Deutschland (plus 2,7 Prozentpunkte).

Auffallend ist, dass es in Südeuropa spürbar mehr Wohnungseigentümer gibt als in vielen "reicheren" europäischen Ländern mit weitaus niedrigeren Arbeitslosenraten. Einen Mieteranteil von nur 20 bis 30 Prozent gibt es etwa in Spanien (21,8 Prozent), Griechenland (24,9 Prozent), Portugal (25,2 Prozent) und Italien (27,1 Prozent). Im übrigen Europa bewegen sich Tschechien (22 Prozent), Slowenien (23,8 Prozent), Finnland (27,3 Prozent), Belgien (28,6 Prozent) und Schweden (29,4 Prozent) in dieser Größenordnung.

Die meisten Eigentümer gibt es europaweit in der Slowakei, wo der Mieteranteil bei nur 10,7 Prozent liegt. Aber auch in Polen und Norwegen leben nur 16,3 bzw. 17,2 Prozent der Bevölkerung in einem Mietverhältnis. Die weltweit meisten Eigentümer der eigenen Wohnung gibt es in Singapur - mit einem Mietanteil von nur 9,7 Prozent. Dieser verringerte sich zwischen 2010 und 2015 sogar um 13 Prozentpunkte. Aber auch die Russen sind gern Eigentümer ihres Domizils, nur 12,9 Prozent mieten sich eine Wohnung. Der Anteil ging dort mit einem Minus von 28 Prozentpunkten im untersuchten Fünfjahreszeitraum weltweit am schärfsten zurück.

Europaweit am stärksten zugelegt hat der Anteil der Mieter in der Untersuchungsperiode in Großbritannien - um 21,6 Prozentpunkte auf 36,5 Prozent. In Irland stieg er um 12,3 Prozentpunkte auf 30 Prozent am zweitdeutlichsten. In den USA beträgt der Mieteranteil 36,2 Prozent, in Australien 30,9 Prozent und in Japan 38,7 Prozent.

Im Vergleich zum Nettoeinkommen wird Wohnen hierzulande immer teurer. 2017 mussten die Österreicher 35 Prozent des Haushaltsnettoeinkommens für ein Dach über dem Kopf (Eigentum oder Miete) budgetieren, 2014 waren es erst 31 Prozent, wie aus dem aktuellen "Erschwinglichkeitsindex" des Online-Portals ImmobilienScout24 hervorgeht. Darin noch nicht enthalten sind die Neben- und Betriebskosten für die Immobilie.

Im abgelaufenen Jahr wurde also um 4 Prozentpunkte mehr für das Wohnen ausgegeben als drei Jahre davor; im selben Zeitraum sank in Österreich das durchschnittliche Jahresnettoeinkommen pro Haushalt um 2,2 Prozent auf rund 41.400 Euro, wie das Immobilienportal unter Verweis auf Einkommensdaten von Checkmyplace.com angab. Eine gebrauchte Wohnung kostete 2017 im österreichweiten Schnitt rund 3.590 Euro pro Quadratmeter, eine neue rund 4.660 Euro.

Überdurchschnittlich kostspielig ist Wohnen in den Bundesländern Tirol und Salzburg, wo 42 bzw. 36 Prozent des Nettoeinkommens pro Haushalt dafür aufgebraucht werden. Am günstigsten wohnt man - nach Bundesländern betrachtet - in der Steiermark (mit einem Kostenanteil von 23 Prozent), im Burgenland (24 Prozent) sowie in Oberösterreich (27 Prozent) und Kärnten (28 Prozent).

In entlegeneren Gegenden wie etwa in Gmünd, Waidhofen/Ybbs oder Zwettl in Niederösterreich, in Freistadt oder Rohrbach in Oberösterreich und im steirischen Murtal liegt der Wohnkostenanteil mit 12 bis 15 Prozent freilich noch deutlich unter diesen Durchschnittswerten. Ein gebrauchtes Haus in Gmünd ist beispielsweise bereits um 820 Euro pro Quadratmeter zu haben, während der Österreich-Schnitt bei 2.370 Euro liegt.

Extrem hoch ist der Wohnkostenanteil hingegen in einigen Tiroler Skigebieten wie etwa Kitzbühel (73 Prozent). Eine neue Eigentumswohnung kostet dort rund 7.050 Euro pro Quadratmeter - das ist mehr als im Wiener Nobelbezirk Döbling (rund 6.590 Euro), obwohl das Haushaltsnettoeinkommen bei Letzterem um 16 Prozent höher ist. In Zell am See erreicht der Wohnkostenanteil 42 Prozent - eine neu errichtete Wohnung kommt in dem Salzburger Urlaubsort auf 4.250 Euro pro Quadratmeter. Auch Salzburg-Stadt und Umgebung sind bekannt teuer - 37 bzw. 38 Prozent des Einkommens sind dort für das Wohnen zu zahlen.

In Wien fällt auf, dass die Preise auch in den bisher günstigeren Bezirken spürbar in die Höhe gehen. In den Bezirken Hernals, Ottakring und Brigittenau weitete sich der Wohnkostenanteil zwischen 2014 und 2017 über dem Wien-Schnitt um 4 Prozentpunkte aus, in Simmering sogar um 5 Prozentpunkte. In Simmering kostet eine neue Eigentumswohnung nun durchschnittlich rund 3.500 Euro pro Quadratmeter, in Brigittenau 3.890 Euro, in Ottakring und Hernals 4.350 bis 4.400 Euro. Extrem hoch ist der Wohnkostenanteil in den traditionell teuren Bezirken Innere Stadt (65 Prozent), Döbling (48 Prozent) und Währing (42 Prozent). Aber auch Wohnen in Mariahilf (38 Prozent) sowie Donaustadt, Alsergrund und Hietzing (alle 37 Prozent) kommt teuer.

"Die Reallöhne in Österreich sind seit Längerem kaum gestiegen", betonte der Österreich-Chef von ImmobilienScout24, Christian Nowak. Ob Wohnen günstig oder teuer sei, sei nicht nur eine Frage der Immobilienpreise, sondern auch des Anteils am Einkommen, den man fürs Wohnen ausgeben muss.

Die Immobilienpreise legten 2017 nicht mehr so stark zu wie in den Jahren davor. Die Angebotspreise für Mietwohnungen (ohne Betriebskosten) erhöhten sich gegenüber dem Jahr davor laut dem Online-Immobilienvermittler im bundesweiten Schnitt um 1,6 Prozent, die Preise für Eigentumswohnungen und Häuser um rund 2 Prozent. Am stärksten stiegen die Grundstückspreise - mit einem Plus von knapp 3 Prozent. Massiv über diesem Schnitt verteuerten sich Grundstücke in Niederösterreich (plus 6 Prozent), Tirol (plus 4 Prozent) sowie Wien-Simmering (plus 4 Prozent) zu.