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Nur Strom aus Erneuerbaren bis 2030 "machbar, aber schwer"

© APA (KEYSTONE) Windenergie allein wird nicht ausreichen

In weniger als zwölf Jahren soll Strom in Österreich rein rechnerisch zu 100 Prozent aus erneuerbaren Quellen kommen. Dieses Ziel ist nach Ansicht von Experten erreichbar, aber es wird nicht leicht - ohne neue Gaskraftwerke und Pumpspeicherkraftwerke und ohne den Ausbau der Netzkapazitäten wird es in absehbarer Zeit nicht gehen, sind sich die meisten Experten einig.

"Mit der neuen Klima- und Energiestrategie, die am 28. Mai 2018 im Ministerrat beschlossen wurde, hat die Bundesregierung einen wichtigen und ambitionierten Schritt zur Erreichung der Klimaziele bis 2030 gemacht", sagte Michael Losch, Sektionschef im zuständigen Bundesministerium für Nachhaltigkeit und Tourismus, am Montagabend beim "EAA-Energie Talk" in Wien. Bei den erneuerbaren Energien insgesamt liege Österreich mit seinem darin festgelegten Ziel von 45 bis 50 Prozent deutlich über dem gerade beschlossenen EU-Gesamtziel von 32 Prozent. Die Stromerzeugung aus Erneuerbaren soll von derzeit 72 Prozent bilanziell auf 100 Prozent steigen.

Eine große Herausforderung sei dabei die starke Volatilität der Stromnachfrage, sagte Losch. Dabei gehe es sowohl um die Verbrauchsunterschiede zwischen Tag und Nacht also auch bei der saisonalen Nachfrage. "Trotz der Südländer, die im Sommer mehr Strom für die Klimaanlagen brauchen, wird in Europa insgesamt im Winter deutlich mehr Strom verbraucht."

Im Sommer komme man bei der Stromerzeugung aus Erneuerbaren schon "ganz gut hin, das ist realistisch", wenn man den Verbrauch steuere und z. B. künftig die Elektroautos abends nicht alle gleichzeitig auflade, sondern über die Nacht gestaffelt.

Im Winter sei aber weniger Stromerzeugung aus Photovoltaik und Wasserkraft möglich, "da werden wir es sehr schwer haben, von den geschätzten 3.000 MW Erzeugung in Österreich auf die benötigten 10.000 bis 11.000 zu kommen". Darum setze man zur Überbrückung der saisonalen Volatilität auf die Erzeugung von Wasserstoff durch Elektrolyse aus Überschuss-Strom im Sommer. Auch Biogas könnte dazu beitragen, die Saisonalität auszugleichen.

Auch für E-Control-Vorstand Wolfgang Urbantschitsch ist das Ziel von bilanziell 100 Prozent Stromerzeugung aus erneuerbaren Quellen bis 2030 "sehr ambitioniert. Eine vollständige Dekarbonisierung der Strommärkte in absehbarer Zeit wird nicht zu 100 Prozent gelingen", sagte er. "Der verstärkte Ausbau der volatilen Technologien Wind und Photovoltaik erfordert den Einsatz von flexiblen Gaskraftwerken zum Ausgleich und der Stabilisierung des Systems."

Ein Problem sei der mangelnde Netzausbau insbesondere im Übertragungsnetz, sagte Urbantschitsch. "Es ist absolut notwendig, dass man die Salzburgleitung errichtet und alle warten gebannt und gespannt auf die Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichts."

"Wir müssen jetzt beim Netzausbau tunlichst in die Gänge kommen", urgierte der Geschäftsführer der Energie Netze Steiermark, Franz Strempfl, eine Verfahrensbeschleunigung. "Das Gleiche gilt auch für den Bau von Windparks sowie PV- und Wasserkraftanlagen. Wenn bei einem Genehmigungsverfahren die zweite Instanz entschieden habe - "und sie sollte schnell entscheiden, nicht fünf Jahre, zehn Jahre, 20 Jahre, sondern ein Jahr, dann sollte auch jeder das Ergebnis des Instanzenzuges akzeptieren."

Auch Strempfl glaubt, dass die Dekarbonisierung der Stromerzeugung bis 2030 möglich ist, "aber es wird sehr schwer". In der Steiermark "baut ein mir bekanntes Unternehmen gerade ein Wasserkraftwerk an der Mur in Graz. Das erzeugt 80 Gigawattstunden. Das ist ein Hundertstel von dem, was da verlangt wird". Die Genehmigung dafür habe schon viel Zeit und Aufwand gekostet, "das müssen wir dann hundert Mal wiederholen in Österreich, das wird nicht einfach werden".

Bei der Windkraft sei schon viel passiert, das müsste man wohl verdoppeln, so Strempfl. Photovoltaik habe sicher ein großes Potenzial. Mit dem 100.000-Dächer-Programm sei man da erst am Anfang.