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Arbeitslosigkeit bleibt höher als bei deutschen Nachbarn

© APA Für AMS-Chef Kopf wird sich so schnell nichts an der Situation ändern

Österreich ist seinen Spitzenplatz in der europäischen Arbeitslosenstatistik seit ein paar Jahren los. Viele Jahre hatte Österreich die niedrigste Arbeitslosenrate der EU, wurde dann aber auch von Deutschland überholt. Auf die Schnelle werde sich da gar nichts ändern. "Dazu ist der Unterschied zu groß", sagt der Chef des Arbeitsmarktservice (AMS), Johannes Kopf, im "Standard" (Freitag).

Neben stärkerem Wirtschaftswachstum in Deutschland über mehrere Jahre sei dafür vor allem der starke Zustrom von Arbeitnehmern aus Osteuropa und Deutschland nach Österreich verantwortlich. Dass in der EU-Arbeitslosenstatistik Ungarn, Tschechien, Polen und Rumänien vor Österreich liegen, habe auch viel damit zu tun, dass diese Länder in großem Stil Arbeitskräfte ans Ausland verloren hätten. So schön der Rückgang der Arbeitslosigkeit zunächst für diese Staaten gewesen sei: "Einen neuen Industriebetrieb würde ich in vielen Regionen dort nicht mehr errichten", so Kopf zu der Zeitung.

"Zwischen 2010 und 2017 sind fast 400.000 Menschen aus dem Ausland zusätzlich auf den österreichischen Arbeitsmarkt gekommen." Österreichs Arbeitslosigkeit sei zwar dadurch deutlich gestiegen. Gleichzeitig sei aber auch ein Demografieproblem, das auch in weiten Teilen Europas herrsche, entschärft worden.

Um den Abstand zu Deutschland wenigstens etwas kleiner zu machen, was schwer sei, weil es auch in Deutschland weiter gut läuft, wäre in Österreich eine Senkung der Lohnnebenkosten nötig, so der AMS-Chef. Ob ein Relais in einem BMW-Außenspiegel in Tschechien, Österreich oder Deutschland produziert werde, entscheide sich heute einzig an den Stückkosten. Die Qualität der Produktion sei überall gut.

Der jüngte starke Rückgang der hiesigen Arbeitslosigkeit - der stärkste seit 30 Jahren - schafft laut Kopf indes auch neue Probleme: Immer mehr Betriebe klagten über einen Mangel an Fachkräften. Der Tourismusbranche rät der AMS-Chef, mehr Kinderbetreuung anzubieten. Um etwa Köche in den Westen Österreichs zu locken, sollten Hoteliers Kinderbetreuung und gutes Essen anbieten.

Dass Betriebe zunehmend über einen Mangel klagen und zugleich viele Menschen arbeitslos gemeldet sind, liege an der Qualifikation, aber auch am Ost-West-Gefälle: Die Arbeitslosigkeit in Wien sei mehr als doppelt so hoch wie in Tirol, Oberösterreich oder Salzburg. Die höhere Arbeitslosigkeit im Osten habe auch mit einpendelnden Arbeitnehmern aus Osteuropa zu tun. "Hier gibt es Verdrängung. Unternehmen, die einen neuen Mitarbeiter gesucht haben, haben oft statt des Älteren aus Wien einen Jüngeren und besser Qualifizierten aus Ungarn genommen."

Mit einer Reform der Rot-Weiß-Rot-Karte, mit der Arbeitskräfte, die gebraucht werden, leichter ins Land kommen können, könne man sicher etwas machen, die Möglichkeiten seien aber begrenzt. Handlungsbedarf bestehe bei den Spitzenleuten.