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WKÖ-Trefelik: Handelskonjunktur im 1. Halbjahr geprägt von steigenden Preisen

Vom nominellen Plus bleibt real nur ein geringes Wachstum – Preiserhöhungen der Hersteller, hohe Energiepreise und Personalmangel belasten Betriebe

Rainer Trefelik, Obmann der Bundessparte Handel
© WKÖ/Nadine Studeny

"Für den österreichischen Handel sieht das erste Halbjahr umsatzmäßig nur auf ersten Blick zufriedenstellend aus. Bei näherem Hinsehen bleibt angesichts der hohen Preissteigerungen vom Wachstum kaum etwas übrig. Und einzelne Branchen erleben die Fortsetzung einer nun schon sehr lang andauernden Durststrecke", sagt Rainer Trefelik, Obmann der Bundessparte Handel in der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ). Er fasst damit die Ergebnisse einer Studie des Economica Instituts für Wirtschaftsforschung zusammen, die im Auftrag der Bundessparte die Handelskonjunktur im Detail – auf Basis der Daten der Statistik Austria - beleuchtete.

So erzielte der gesamte Handel im ersten Halbjahr (Jänner bis Mai, Juni-Daten liegen für den Großhandel noch nicht vor) ein nominelles Umsatzplus von +14,4 %. Berücksichtigt man die steigenden Preise, dann bleibt ein reales Wachstum von +1,5 % gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Insbesondere im Großhandel mussten die Preise – aufgrund enorm steigender Vorleistungskosten – stark angehoben werden.

Konjunktur schwächer als im EU-Schnitt

Für den Einzelhandel allein, wo bereits das gesamte 1. Halbjahr vorliegt, fällt das Wachstum noch wesentlich geringer aus: Hier stiegen die Umsätze nominell zwar um +7,6 %, preisbereinigt bedeutet dies aber lediglich ein Plus von +0,2 %. "Damit fällt die österreichische Einzelhandelskonjunktur auch im Vergleich zum EU-Durchschnitt deutlich schwächer aus, selbst im Vergleich zum Vorkrisenniveau hinkt sie fast allen EU-27-Ländern hinterher", führt Peter Voithofer vom Economica Institut aus.

Besser lief der Großhandel: Hier gab es ein preisbereinigtes Wachstum von +5,4 %. "Preiserhöhungen der nationalen und internationalen Hersteller, bei Energie sowie Liefer- und Logistikschwierigkeiten in den Vorstufen haben vor allem im Großhandel zu einer Preisrallye geführt. In den Einzelhandelspreisen findet das erst teilweise seinen Niederschlag", erklärt Voithofer. So ist der Großhandelspreisindex um +22,5 % gestiegen, die Einzelhandelspreise haben mit +7,4 % weniger stark zugelegt.

Unterschiedliche Entwicklung der einzelnen Branchen

Überdurchschnittliche Zuwächse erzielten im ersten Halbjahr die modischen Branchen, die aber die Rückgänge der Vorjahre bei weitem nicht ausgleichen konnten: Die Umsätze des Bekleidungseinzelhandels stiegen im Jahresvergleich nominell um +21,7 %, die des Schuheinzelhandels um +12,3 %. Grund für das Wachstum ist allerdings vor allem die äußerst niedrige Ausgangsbasis: "Die hohen Steigerungsraten dürfen nicht darüber hinwegtäuschen, dass die modischen Branchen das Vorkrisenniveau nach wie vor deutlich unterschreiten", so Voithofer. Gegenüber dem 1. Halbjahr 2019 liegen die Umsätze im Bekleidungseinzelhandel noch -12,7 % darunter, im Schuheinzelhandel sogar noch um -21,2 %.

Steigerungen gegenüber dem Vorjahr gab es außerdem im Sportartikeleinzelhandel (nominell +6,6 %) und bei Drogerien und Apotheken (+6,4 %). Stark eingebrochen ist hingegen die Kfz-Wirtschaft. Hier lag das Umsatzminus nominell bei -4,8 %, was unter Berücksichtigung der steigenden Preise ein reales Minus von -12,0 % bedeutet. Am unteren Ende des Konjunkturranking befinden sich aber auch der Elektroeinzelhandel mit einem Umsatzrückgang um nominell -17,5 % (gegenüber 2021) und der Möbeleinzelhandel (-18,9 %). 

Beschäftigungsrekord und steigende Zahl an offenen Stellen im Handel 

Positiv entwickelt hat sich die Beschäftigungssituation im heimischen Handel. Im März 2022 konnte erstmals die Zahl von 570.000 unselbständig Erwerbstätigen in der Branche überschritten werden. Konkret legte die Beschäftigtenzahl im Großhandel um +3 % und im Einzelhandel um +2,6 % gegenüber dem Vorjahr zu. Gleichzeitig waren mit 14.285 weniger Arbeitslose aus der Branche gemeldet und es gibt so viele offene Stellen wie noch nie: Insgesamt blieben 21.049 Stellen im Handel im ersten Halbjahr unbesetzt. 

Ausblick ist mit vielen Fragezeichen behaftet

"Dieser Arbeitskräftemangel wird den heimischen Handel noch länger beschäftigen, ebenso die außergewöhnlichen Steigerungen der Preise auf Lieferantenseite und vor allem die Energiepreissteigerungen", sagt Spartenobmann Trefelik. Der Ausblick auf das zweite Halbjahr sei daher mit vielen Fragen behaftet. Etwa bleibt abzuwarten, ob sich die sinkende Sparquote (7,3 % nach 11,8 % im Vorjahr) auf den Einzelhandel positiv auswirkt. Trefelik hofft daher, dass die Arbeitsmarktreform Linderung für die angespannte Personalsituation bringt und die Branche insgesamt krisenresistenter wird. Zudem fordert er Maßnahmen, die die Eigenkapitalsituation der Betriebe stärken: "Die Corona-Pandemie sowie der Krieg in der Ukraine mit den daraus resultierenden massiven Veränderungen haben uns gezeigt, dass den Betrieben viel Resilienz abverlangt wird. Dafür müssen rasch Maßnahmen gesetzt werden", so der Handelsobmann. Zudem gelte es, das Merit-Order-System zu überdenken. "Es muss hier von europäischer Seite Maßnahmen geben, auf Dauer können sich die Händler die hohen Energiepreise keinesfalls leisten", warnt Trefelik.

(PWK326/DFS) 

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