th share video content contact download event event-wifi cross checkmark close xing wko-zahlen-daten-fakten wko-wirtschaftrecht-und-gewerberecht wko-verkehr-und-betriebsstandort wko-unternehmensfuehrung wko-umwelt-und-energie wko-steuern netzwerk wko-innovation-und-technologie wko-gruendung-und-nachfolge wko-bildung-und-lehre wko-aussenwirtschaft wko-arbeitsrecht-und-sozialrecht twitter search print pdf mail linkedin google-plus facebook whatsapp arrow-up arrow-right arrow-left arrow-down calendar user home
news.wko.at

Maschinen- und Metallwarenindustrie – kein Aufschwung in Sicht

Rückgang bei Produktion, Stagnation bei Auftragseingängen. Bekenntnis zum Standort und bessere Rahmenbedingungen gefordert

„Das vergangene Jahr war durchwachsen und auch die ersten Einschätzungen für 2016 geben keinen Anlass für Optimismus“, berichtet Christian Knill, Obmann des Fachverbandes der Maschinen-, Metallwaren- und Gießereiindustrie (FMMGI). Die aktuellen Daten für 2016 zeigen zwar eine noch stabile Auftragslage im Maschinenbau, die Metallwarenbranche befindet sich aber in der Rezession. Für die zweite Jahreshälfte geht der Trend in der Metallware in Richtung Stabilisierung, im Maschinenbau befürchten die Unternehmen einen Rückgang. „Die Stagnation beziehungsweise Seitwärtsbewegung unserer Branche hält auch 2016 weiter an und es gibt im Moment keine Anhaltspunkte für eine Verbesserung der Situation“, so Knill. 

Exporte retten MMI vor Abschwung, Geschäft mit Russland bricht ein 

Lediglich bei den Exporten war 2015 ein Plus von 3,7 % (preisbereinigt + 2,8 %) zu verzeichnen. Insgesamt 78 % der heimischen Produktion gingen ins Ausland. „Die positive Exportbilanz rettet uns - wie auch 2014 - vor einem echten Abschwung. Gravierend schlugen allerdings die Exporteinbrüche nach Russland von fast 50 % zu Buche. Russland fiel 2015 erstmals aus den Top-10 Handelspartnern“, so Knill. Kompensiert wurde dieser Rückgang vor allem von Nicht-EU-Staaten, allen voran den USA. Der wichtigste Kernmarkt bleibt neben Amerika weiterhin Deutschland. Bei den USA ist zu berücksichtigen, dass der Zuwachs auch auf Währungseffekte zurückzuführen ist. 

Strukturbruch in der Beschäftigung, Arbeitskosten explodieren 

Durch enorme Anstrengungen der Unternehmen konnten trotz Wirtschafts- und Finanzkrise die Arbeitsplätze in der Maschinen- und Metallwarenindustrie in den letzten Jahren erhalten werden. Der Produktionswert ist seit 2012 rückläufig, die Beschäftigung blieb trotzdem hoch. „Seit 2014 ist aber auch in unserer Branche wieder ein Negativtrend festzustellen. Die Anzahl der Beschäftigten sank 2015 im Vergleich zum Vorjahresniveau um 1,4 % auf rund 118.100. Hier macht sich ein echter Strukturbruch bemerkbar“, betont Knill. Viele Gründe dafür sind hausgemacht: Österreich gehört zu den Ländern mit den am stärksten wachsenden industriellen Arbeitskosten. Zwischen 2007 und 2014 ist ein Anstieg von 23,07 % zu verzeichnen. Auch die Lohnstückkosten erhöhen sich seit Jahren schneller als jene der Mitbewerber, seit 2008 um stolze + 15,9 %, im EU-Schnitt stiegen sie vergleichsweise nur um 9,8 %, in der Schweiz um 3,5 %. „Diese Entwicklungen tragen wesentlich zu der laufenden Verschlechterung unserer Wettbewerbsfähigkeit bei“, so Knill. 

Unternehmen investieren immer weniger im Inland 

Österreich leidet darüber hinaus unter einem massiven Rückgang bei den Neuinvestitionen, da in- und ausländische Unternehmen ohne langfristiges Vertrauen nicht bereit sind, in den österreichischen Wirtschaftsstandort zu investieren. Die Nettoinvestitionsquote sinkt seit Jahren und ist von 12 % auf 5 % gefallen. Parallel dazu stagnieren auch die Bruttoinvestitionen (Nettoinvestitionen plus Abschreibungen). „Ohne Neuinvestitionen fehlt uns der Kapitalstock für künftigen technischen Fortschritt, uns entgleitet die Basis für Wirtschaftswachstum. Es ist alarmierend, dass mittlerweile 80 % der Bruttoinvestitionen nur noch aus Abschreibungen bestehen“, so Knill.  

Dringender Handlungsbedarf für den Industriestandort 

Die MMI ist Österreichs stärkste Branche, das Rückgrat der industriellen Produktion und sichert indirekt über 250.000 Arbeitsplätze. „Der schleichende Abwärtstrend ist eine enorme Gefahr für Österreich. Aber es gibt Möglichkeiten, etwas dagegen zu tun“, meint Knill. Dafür braucht es rasch Reformen in folgenden Bereichen: eine echte und deutliche Senkung der Arbeitskosten (Lohnnebenkosten), steuerliche Entlastung für Betriebe durch eine Steuerreform II, Entbürokratisierung der regulatorischen Rahmenbedingungen und radikale Vereinfachungen im Steuerrecht nach dem Prinzip one-in, two-out. Für jede neue Regelung sollten zwei alte Regelungen verschwinden. 

„Wir brauchen ein klareres Bekenntnis der Politik zum Industriestandort Österreich, eine gemeinsame Kraftanstrengung von Betrieben und Arbeitnehmervertretungen sowie mehr Mut von den politischen Entscheidungsträgern“, so Knill abschließend.

Das könnte Sie auch interessieren

  • Archiv 2016

Aktuelle Krankenkassenzahlen: WKÖ fordert rasches Handeln

Negative Gebarungsvorschau für 2016 bis 2018 – Konsolidierungskurs muss fortgesetzt werden mehr

  • Archiv 2016

Türkei: Wirtschaftsleben geht wieder ungestört weiter

Türkische Regierung plant Wirtschaftsförderungsmaßnahmen, um Investoren zu halten – Türkei gehört zu den Top-20 Wirtschaftspartnern Österreichs. mehr

  • Archiv 2016

Schultz: Ausbau der Ganztagsbetreuung an Schulen wichtiger und richtiger Schritt

Bisher zur Verfügung gestellte Gelder noch nicht zur Gänze abgeholt – diese müssen zweckgebunden bleiben und dürfen nicht zum Stopfen von Budgetlöchern verwenden werden. mehr