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1.700 Euro flächendeckender Mindestlohn wäre jetzt kontraproduktiv für Arbeitsmarkt

Überhöhte Lohnsprünge oder Fix-Grenze wären ein Bärendienst für Arbeitsplätze

Die Forderung der Gewerkschaft nach 1.700 Euro flächendeckendem Mindestlohn geht an der Realität des Arbeitsmarkts vorbei, warnt Martin Gleitsmann, Leiter der sozialpolitischen Abteilung in der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ). Laut Eurostat-Zahlen sind in keinem westeuropäischen Land die Arbeitskosten seit 2008 so stark gestiegen wie in Österreich. „Das hat zum überproportionalen Anstieg der Arbeitslosigkeit in unserem Land massiv beigetragen“, betont Gleitsmann. 

Überhöhte Lohnsprünge könnten - gerade in der aktuellen Wirtschaftsflaute  - den Arbeitsmarkt weiter destabilisieren, Unternehmen überfordern und den Betroffenen einen Bärendienst erweisen, weil sie Jobs gefährden. „Noch höhere Kosten wären für viele KMU-Arbeitgeber nicht mehr tragbar. Ein Beispiel: Ein selbständiger Frisör verdient pro Stunde nicht mehr als seine Angestellten. Steigt der Lohn seiner Belegschaft abrupt an, lohnt sich eine Beschäftigung dieser für ihn nicht mehr, er müsste die Angestellten kündigen“, warnt Gleitsmann.

Die Sozialpartner finden gemeinsam regelmäßig, angepasst an die aktuelle konjunkturelle Lage, KV-Lösungen, die sich an der betrieblichen Realität orientieren. „Diese sind nicht an einer bestimmten Zahl oder Grenze festzumachen, sondern richten sich nach dem für beide Seiten gerade gangbaren Weg. Jetzt willkürlich eine Fix-Grenze einzuziehen, würde diese Flexibilität nehmen, wäre daher realitätsfern und würde Jobs gefährden“, so der WKÖ-Experte. In manchen Branchen gibt es einen sozialpartnerschaftlich vereinbarten KV-Mindestlohn über 1.700 Euro, in anderen wäre dies zu hoch und eine Belastung, so Gleitsmann.

Gerade jetzt, wo Österreich eine große Anzahl von Zuwanderern am Arbeitsmarkt integrieren soll, seien weitere Hürden für Betriebe ganz besonders kontraproduktiv. In Deutschland wird derzeit angesichts des Flüchtlingszustroms sogar eine Aussetzung des Mindestlohns diskutiert. 

Durch die Kollektivvertragsabschlüsse und die Steuerreform ist ein spürbarer Anstieg der Kaufkraft ab 1. 1. 2016 zu erwarten. „Das ist erfreulich, jedoch wird es auch tatkräftige Entlastung der Betriebe brauchen, um Wirtschaft und Beschäftigung anzukurbeln. Die beschlossene Lohnnebenkostensenkung ist dazu ein erster Schritt, wirkt aber schwerpunktmäßig erst ab 2017. Wir brauchen weitere Schritte, jedenfalls aber einen Belastungsstopp“. (PWK939/PM)

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