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Pharmawirtschaft: Phantasiezahlen der Krankenkassen führen bewusst in die Irre

Keine Medikamentenpolitik auf dem Rücken der Patienten – Zwangsrabattierung kann keine Budgetlöcher stopfen

Als „unsachgemäß“ und „bewusst irreführend“ bezeichnete heute, Mittwoch, die Geschäftsführerin des Fachverbandes der chemischen Industrie, Sylvia Hofinger, zu dem die Pharmawirtschaft ressortiert, die Angriffe der Obfrau der WGKK, Ingrid Reischl. „Es gilt vielmehr die Krankenkassen bei ihren Ausgaben in die Pflicht zu nehmen. Im Sinne der Versicherten wäre es an der Zeit, mehr Spargesinnung an den Tag zu legen, damit Leistungen in gleicher Qualität geboten und nicht in wilder Manier von der Pharmawirtschaft Sanierungsbeiträge eingefordert werden. Denn Zwangsrabattierungen können keine Budgetlöcher stopfen“, so Hofinger. Die Lücke in Höhe von einer Mrd. Euro, von der Reischl spricht, könne nicht auf die Pharmawirtschaft rückgeführt werden, hierfür seien andere Kostentreiber wie beispielsweise die eigenen Einrichtungen und Verwaltungskosten verantwortlich. 

Vorliegender Gesetzesentwurf verfassungsrechtlich bedenklich

Wiederholt habe man darauf hingewiesen, dass der vorliegende Gesetzesentwurf der einen Zwangsrabatt in Höhe von 125 Mill. Euro beinhaltet, einen verfassungsrechtlich bedenklichen Eingriff darstellt. Im Hintergrund werden mit geschönten Zahlen hantiert, die nicht die tatsächliche Entwicklung bei den Arzneimittelkosten abbildeten. Konkret belaufen sich die Steigerungsraten bei den Medikamentenkosten im September bei 1,6 Prozent, im Gesamtjahr wird mit knapp fünf Prozent gerechnet und nicht wie kolportiert rund acht Prozent. „Offensichtlich soll mit diesen Phantasiezahlen eine bewusste Irreführung betrieben werden“; so Hofinger.  

Politik auf dem Rücken der Patienen lehnen wir ab

Gleichzeitig ist im Gesetzesentwurf ein Raster vorgesehen, nach dem die Rabattierungen vorgenommen werden sollen. Innovative, hochmoderne Medikamente würden demnach mit bis zu 15 Prozent zu rabattieren sein. Dies könne aber zu Verzögerungen bei der Markteinführung neuer Medikamente führen bzw. könnten Medikamente vom Markt zurückgezogen werden. „Diese Entwicklung ist klar abzulehnen, denn sie führt zu einer Politik auf dem Rücken der Patienten“, so Hofinger.  

„Die Pharmawirtschaft hat sich in der Vergangenheit immer gesprächsbereit gezeigt und einen ausgewogenen Vorschlag auf den Tisch gelegt. Dieser beinhaltet Solidarleistungen von 160 Mill. Euro für die kommenden drei Jahre“, so Hofinger. Jetzt von „Raubrittertum“ zu sprechen, habe jedenfalls den Nachgeschmack von absichtlicher Falschdarstellung in der Öffentlichkeit. (PWK822/us)

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