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Leitl: „Unternehmen Österreich“ muss Chancen der Digitalisierung nützen

Panel „Standort“ bei Sozialpartner-Dialog beschäftigt sich mit Fragen von Innovationsförderung über Qualifikation bis hin zu notwendigen Strukturreformen

„Nur zwei Länder in Europa – Deutschland und die Niederlande – sind unter den Top-10-Exporteuren im Bereich Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT). Europa ist hier auf dem Prüfstand. Und Österreich befindet sich innerhalb Europas im Hinterfeld“, stellte Wirtschaftskammer-Präsident Christoph Leitl zu Beginn des von ihm geleiteten Panels „Standort“ beim Sozialpartner Dialog 2015 zum Thema „Digitalisierung“ in Bad Ischl fest.  

Gibt es in der Zukunft noch Kollektivverträge?

Digitalisierung und „Big Data“ brächten auf der einen Seite eine Vielzahl von Chancen und Möglichkeiten mit sich, nach der eineinhalb tägigen Sozialpartner-Diskussion dränge sich aber auch der Eindruck auf: „Was früher das Orwell’sche ‚Big Brother is watching you‘ war, ist heute ‚Big Data is ruling you‘“, so Leitl, der sich für folgende Strategie im Umgang damit aussprach: „Chancen zulassen, Veränderungen positiv wirken lassen und dann, wo notwendig, regulieren. In Österreich tendieren wir ja oft dazu, das Gegenteil zu tun.“ Für die Sozialpartner stellten sich eine Reihe von Zukunftsfragen im Zusammenhang mit der Digitalisierung: „Gibt es in der Zukunft noch Kollektivverträge? Wie sieht es mit der Arbeitszeit in einer total veränderten Arbeitswelt aus, wie mit der Finanzierung unserer sozialen Systeme? Es ist unmöglich, alles über die ohnehin schon hohen Lohnnebenkosten zu machen. Wie müssen Arbeitnehmerschutz und Sozialversicherungssystem weiterentwickelt werden? Was geschieht mit der Gewerbeordnung?“ Klar sei: „Business as usual“ gebe es nicht mehr, das „Unternehmen Österreich“ müsse sich mit den Veränderungen auseinander setzen, wobei gelte: „Wir müssen nicht alles über Bord werfen, aber vieles neu denken und künftige Entwicklungen antizipieren.“

Bauer: Arbeit darf nicht als Last empfunden werden

Als „getrieben vor allem von den Bedürfnissen und Vorstellungen der Menschen, wie sie leben wollen“ sieht Wilhelm Bauer, Leiter des Fraunhofer-Instituts für Arbeitswirtschaft und Organisation (IAO) in Stuttgart, die kommende Transformation der Arbeits- und Lebenswelten. Bei der Digitalisierung, der „vierten industriellen Revolution“, handle es sich um eine Entwicklung, „die radikal und nachhaltig“ ist und andere Ergebnisse liefern werde als man sie jetzt erwarte. Was aber nutzen die besten Standortfaktoren wie etwa breitbandige Anbindungen, wenn man sie nicht zu den Usern bringe, so Bauer. Einen neuen Schub für Innovationen erhofft er sich von der Schaffung offener Räume und von Möglichkeiten, Dinge neu zu denken. Und: „Wir brauchen die Qualifikationen für IT in den Unternehmen.“ Dazu gehöre etwa, die richtigen Berufe zu schaffen, insbesondere, aber bei weitem nicht nur Informatiker und Mathematiker: „Da müssen wir Vollgas geben.“ Weiters plädierte Bauer für eine Änderung der Einstellung –  nämlich dahingehend, Arbeit weniger als Last zu empfinden, sondern mehr als etwas, das Spaß macht, das Befriedigung und auch Stolz hervorruft: „Menschen wollen tätig sein und etwas tun.“

Für eine Arbeitszeitverkürzung sprach sich Sascha Ernszt (ÖGB) als Vertreter der Jungen Sozialpartner aus, „und zwar vor dem Hintergrund von mehr als 300.000 Arbeitsloser in Österreich, darunter 67.000 Jugendliche sowie 10.000 Jugendliche, die in überbetrieblichen Lehrwerkstätten auf einen Ausbildungsplatz warten.“ Und er appellierte vehement, den Menschen ins Zentrum aller technologischen Entwicklungen zu rücken und sich zu fragen: „Was bringt mir das? Was habe ich davon?“ Weiters warf er die Frage auf, wie man es in Österreich schaffen könne, angesichts der hohen Arbeitslosigkeit Gesetze schneller zu ändern und sie so rascher zukunftsfit zu machen.

Lorentschitsch: Österreich neigt zur Überregulierung

Bettina Lorentschitsch, Unternehmerin und neue Präsidentin des Think Tanks „Julius Raab Stiftung“, thematisierte die Tendenz, in Österreich stets zuerst die Probleme und erst dann die Chancen neuer Entwicklungen zu sehen. Digitalisierung etwa biete enorme Chancen auch für kleine und mittlere Unternehmen, insbesondere auf dem Land. Zudem beklagte sie den Hang dazu, hierzulande alles und jeden zu regulieren. „Regulierungen Ende nie“ sei oft das vorherrschende Motto, verwies Lorentschitsch etwa auf den Bereich Onlinehandel. Das Telekommunikationsgesetz etwa sei ein Paradebeispiel für hausgemachte Behinderungen, die einen Wirtschaftszweig treffen. Wenn man vom Hang zur (Über-) Regulierung nicht rasch abgehe, drohe aus Österreich „das größte Heimatmuseum der Welt“ zu werden.

Im Gegensatz zu den vielen Rankings, bei denen Österreich mittelmäßig abschneidet, verwies Eva Wilhelm, Konzernbetriebsratsvorsitzende des größten außeruniversitären Forschungsinstitutes Austrian Institute of Technology (AIT), auf eine Untersuchung der OECD zu den staatlichen Ausgaben für Forschung & Entwicklung (F&E), wo Österreich sogar den Spitzenplatz einnimmt. „Was fehlt, ist der Bereich der Industrie. Da gibt es noch viel Potenzial“, so Wilhelm und führte fort: „Investitionen in F&E, z.B. in Prozess- und Produktinnovationen zahlen sich aus!“ Besonders wichtig sei auch das Thema Qualifikation von Beschäftigten, wobei es hier nicht nur um die rein fachlichen, sondern auch soziale und interkulturelle Kompetenzen gehe. Außerdem sei die Wahrnehmung der breiten Öffentlichkeit von F&E und Innovation sehr oft von großer Skepsis geprägt. Hier gehe es darum, etwa durch entsprechende Kommunikation gegenzusteuern. (PWK740/SR/JR)

Panel 4 beim Bad Ischler Dialog der Sozialpartner: Standort
Panel 4 beim Bad Ischler Dialog der Sozialpartner: Standort

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