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Bad Ischl: Bildung als Hebel für Integration

Paneldiskussion im Rahmen des Sozialpartner-Dialogs über die Rolle der Bildung für die Integration

Welche Rolle spielt Bildung im Rahmen der Integration? Und wo muss man in Österreich ansetzen, um bessere Ergebnisse zu erzielen? Diese und andere wichtige Fragen wurden im Rahmen des Bad Ischler Sozialpartner-Dialogs beim Bildungspanel unter dem Vorsitz von Rudi Kaske, Präsident der Bundesarbeitskammer, erörtert. Auf dem Podium fanden sich Christiane Spiel, Professorin an der Universität Wien für Bildungspsychologie; Erich Moser, Chef und Eigentümer des Hotel Restaurants Höldrichsmühle und Bürgermeister von Hinterbrühl; Karin Samer von den Kinderfreunden Wien sowie Isabelle Riedl, Bundesleiterin der Landjugend.

Bildung ist „einer der großen Hebel für die Integration von Migrantinnen und Migranten“, sagte Arbeiterkammer Präsident Rudi Kaske. Es gehe dabei um Spracherwerb, berufliche Qualifikation und auch um das Erlernen von gemeinsamen Regeln, wie Österreich funktionieren kann. „Schule muss dazu beitragen, dass die Benachteiligungen aufgrund unterschiedlicher Voraussetzungen ausgeglichen werden“, forderte Kaske. Bei der Mittelzuteilung für Schulstandorte müsse man weg von dem Gießkannenprinzip, das derzeit vorherrscht. Denn mit einer Finanzierung nach dem Chancen-Index könne mehr auf die Bedürfnisse der jeweiligen Standorte eingegangen werden und den Bildungserwerb so gerechter machen. 

Kaske plädierte auch für einen gemeinsamen Ethikunterricht als Basis, um gegenseitigen Respekt zu erlernen und Verständnis für Demokratie sowie das Funktionieren unserer Gesellschaft zu erwerben. „Ich will dafür aber nicht den Religionsunterricht abschaffen“, so Kaske.

Spiel: Österreich Verfassung verlangt Chancen- und Teilhabegerechtigkeit 

Bildungspsychologin Christiane Spiel von der Universität Wien wies ebenfalls auf die ungleich verteilten Bildungschancen in Österreichs Schulsystem hin: „Das Risiko, nicht einmal ein Minimum der Standards zu erreichen, ist am geringsten Risiko, wenn die Eltern Matura haben und das Kind einheimisch ist. Das höchste Risiko haben Türkinnen mit nicht-deutscher Sprache.“ Spiel verwies auf die österreichische Verfassung: „Sie verlangt Chancengleichheit und Teilhabegerechtigkeit. Das wird aber in der Realität nicht erfüllt.“ 

Spiel empfiehlt, einen Schwerpunkt der Elementarbildung auf frühkindliche Sprachförderung zu legen: „Man muss möglichst früh ansetzen, dann ist der Return on Investment am höchsten.“ Aber auch für die SchülerInnen seien mehr Ressourcen für die Sprachförderung notwendig. Sprache sei aber nicht das einzige, was Integration ausmache. „Es braucht mehr Pädagoginnen und Pädagogen mit Migrationshintergrund, die die Kinder von ihrer Kultur her besser verstehen können.“ Dafür müsse der Quereinstieg in den LehrerInnenberuf erleichtert werden.

Moser: „Volksschule ist die beste Integration“

Erich Moser, Chef und Eigentümer des Hotel Restaurants Höldrichsmühle und Bürgermeister von Hinterbrühl, berichtete von seinen Erfahrungen bei der Integration von Asylwerbern. „Unser Ort hat 70 Asylwerber aufgenommen, es gab dafür sehr viel Unterstützung von den Bürgern“, sagte er. Die Gemeinde hat eine eigene Flüchtlingsbetreuerin eingesetzt, die die Sprachen der Geflüchteten spricht. „Das war von AMS gefördert, sonst hätten wir uns das als Gemeinde nicht leisten können.“ Am wenigsten Sorgen macht sich Moser um die Integration der Jüngsten. „Wir haben geschaut, dass die Kinder in die Schule kommen, das hat sehr gut funktioniert. Volksschule ist die beste Integration“, so Moser. Mehr Kopfzerbrechen machen ihm jene jungen Migranten, die bereits älter als 20 Jahre sind, aber noch keine Ausbildung haben. „Da hab ich die Befürchtung, dass das eine Lost Generation wird“, sagte Moser.

Samer: Kindergärten in ganz Österreich einheitlich regeln 

Karin Samer von den Kinderfreunden Wien fordert ebenfalls mehr Pädagoginnen und Pädagogen, die andere Sprachen als Deutsch sprechen. „Man kann es nicht oft genug sagen: Wir brauchen mehr Personal, aber auch bessere, einheitliche Bedingungen in ganz Österreich.“ Ein einheitliches Bundesrahmengesetz sei notwendig statt der derzeit bestehenden unterschiedlichen Systeme in den neun Bundesländern: „Was im Schulbereich selbstverständlich ist, ist auch für die Kindergärten notwendig: einheitliche gesetzliche Regelungen und ein einziges Ministerium als Ansprechpartner statt der derzeitigen zersplitterten Zuständigkeiten.

Riedl: „Bildung und Arbeit geben Sinn“

Die Bundesleiterin der Landjugend Österreich Isabelle Riedl betonte, dass unabhängig vom Alter jeder die Möglichkeit haben sollte, die Basiskompetenzen zu erwerben. „Bildung und Arbeit geben Sinn und ermöglichen es, sich einzubringen und einen Beitrag für die Gesellschaft zu leisten. Die Integration in den Arbeitsmarkt setzt jedoch Bildung voraus“, sagte Riedl. Bildungsziele sollen sicherstellen, dass alle, die in unser System integriert werden, für den Arbeitsmarkt qualifiziert sind. Eine rasche und unkomplizierte Anerkennung der bisherigen Ausbildung sowie Kompetenzfeststellung beschleunigen die Integration.

Integration bedeutet, seinen Platz zu finden, sowohl in der Gesellschaft, als auch geografisch. „Wir kämpfen mit einer Landflucht, obwohl es dort viele Chancen gibt. Hier müssen wir ansetzen, damit ganze Familien wieder aufs Land übersiedeln“, plädierte die Bundesleiterin der Landjugend.

Kaske: Ausbildungspflicht für Flüchtlinge bis 25 Jahre

AK Präsident Kaske könnte sich gut vorstellen, dass es zu einer Ausweitung der Ausbildungspflicht bis 25 Jahre für Geflüchtete kommt. „Wir müssen verhindern, dass es zu einer Lost Generation kommt. Die Jugendlichen brauchen eine Chance, egal ob sie in Österreich bleiben oder nicht. Und sie brauchen eine Ausbildung und Perspektiven“, sagte Kaske. (PWK705/PM)

Panel 3, Bildung, v.l:AK-Präsident Rudi Kaske, Christiane Spiel (Universität Wien), Erich Moser (Hotel/Restaurant Höldrichsmühle), Karin Samer (Kinderfreunde Wien) und Isabelle Riedl (Junge Sozialpartner/Landjugend)
Panel 3, Bildung, v.l: AK-Präsident Rudi Kaske, Christiane Spiel (Universität Wien), Erich Moser (Hotel/Restaurant Höldrichsmühle), Karin Samer (Kinderfreunde Wien) und Isabelle Riedl (Junge Sozialpartner/Landjugend)

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