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Automotive Zulieferindustrie: Sorge um Industriestandort Österreich wächst

Die Branche verliert immer rapider an internationaler Wettbewerbsfähigkeit

Wenn nicht bald etwas geschieht, muss man sich um die Automotive Zulieferindustrie am Standort Österreich Sorgen machen. Wir vermissen ein klares Bekenntnis der politischen Entscheidungsträger zu unserer Branche und zur Erhaltung der Wettbewerbsfähigkeit des Industriestandortes schmerzlich“, sagt Dietmar Schäfer, Vorsitzender der ARGE Automotive. Anlass für diese pessimistische Einschätzung ist die Präsentation der aktuellen Studie des Industriewissenschaftlichen Institutes (IWI) zur internationalen Wettbewerbsfähigkeit des Wirtschaftsstandortes in der Automotiven Zulieferindustrie.  

Seit drei Jahren führt das IWI im Auftrag der ARGE Automotive Zulieferindustrie einen Vergleich der Wettbewerbsfähigkeit durch. Die Studie basiert auf dem Global Competitiveness Report (GCR), der zur Messung der nationalen Wettbewerbsfähigkeit von 144 Ländern herangezogen wird. Ausgewählt und analysiert werden speziell jene Standortfaktoren, die für die Automotive Zulieferindustrie von besonderer Relevanz sind.

Österreich fällt weiter zurück

2010 hat Österreich noch 463 Punkte verbucht, war damit ähnlich gut aufgestellt wie Deutschland mit 471 Punkten und deutlich besser als Großbritannien mit 450 Punkten. Nur fünf Jahre später sieht das Bild ganz anders aus: Während Großbritannien sich seit 2010 um 72 Punkte verbesserte und Staaten wie Deutschland und die Schweiz ihre guten Positionen halten konnten, ist Österreich in der IWI-Studie um 59 Punkte zurückgefallen. Bei nahezu allen Indikatoren geht die Kurve deutlich nach unten. „Extrem bedauerlich an den Zahlen des letzten Jahres ist, dass nach einer kurzen Erholung 2011/12 die Dynamik des Rückfalls wieder zugenommen hat“, so Studienautor und Leiter des IWI, Herwig Schneider. 

Besonders schmerzhaft für die Branche ist das deutliche Abrutschen in der Kategorie Forschung, Technologie und Innovation. In den letzten fünf Jahren hat es in dieser Kategorie eine drastische Verschlechterung um 15 Punkte gegeben. „Wir vermissen eine zukunfts- und wachstumsorientierte Technologiepolitik“, so Schäfer. Er spricht sich für eine Attraktivierung der technisch-naturwissenschaftlichen Berufe, eine Förderung der Neugier an MINT-Fächern in der schulischen Ausbildung, angemessene Förderkriterien und einen geringeren bürokratischen Aufwand bei der Fördermittelvergabe aus. „Wollen wir in den nächsten zehn Jahren weiter zu den Innovationsführern zählen, muss Österreich bei den Themen Bildung, Forschung und Entwicklung ansetzen. Andernfalls verliert der Industriestandort Österreich nicht nur lokale Wertschöpfung, sondern auch Arbeitsplätze“, so Schäfer.  

Branche fordert Unterstützung politischer Entscheidungsträger

„Wir stehen in einem internationalen Wettbewerb und die Rahmenbedingungen dafür verschlechtern sich zusehends“, so Schäfer. Stichwort Steuern: „Wir sind in Österreich zwar in Summe bei den Steuern nicht so schlecht aufgestellt, aber gerade in den Bereichen, die für unsere Branche so wesentlich sind, hakt es: bei der autofeindlichen Politik am Beispiel der Steuerreform, detto bei der Innovationsfeindlichkeit am Beispiel der Streichung der steuerlichen Begünstigung von Dienstnehmererfindungen.“     

Auch bei den Arbeitskosten wächst der Druck seit Jahren, wie Statistiken der letzten Jahre und ganz aktuelle Erhebungen für Deutschland und Österreich zeigen. Schäfer: „Österreich gehört schon jetzt zu den Ländern mit den am schnellsten wachsenden Arbeitskosten. Eine weitere Verteuerung der Arbeitskosten können wir uns nicht mehr leisten. Die Weltmarktpreise für unsere Produkte orientieren sich nicht an der österreichischen Sozialpolitik.“ Der Branchensprecher sieht Österreich auf einem gefährlichen Weg: Von 2008 bis 2014 sind die Lohnstückkosten in Österreich mit Stand Juli 2015 um 15,8 % gestiegen, industriellen Arbeitskosten laut Eurostat seit 2007 sogar um 23 %. 

Vor dem Hintergrund des stärker werdenden internationalen Wettbewerbs, stetig wechselnder (Produktions-)Bedingungen und eines weltweiten Konzentrationsprozesses in der Automotiven Zulieferindustrie unterstreicht die Branche vehement die Notwendigkeit flexibler Arbeitszeitmodelle. „Wir sind nicht die Ersten, die sagen, dass wir den Faktor Arbeit in Österreich nicht noch weiter verteuern dürfen“, so Schäfer.  

Die Automotive Zulieferindustrie: ein Motor der österreichischen Volkswirtschaft

Mit einem Produktionswert von 19,8 Mrd. EUR, einer Wertschöpfung von 5,8 Mrd. EUR und rund 71.100 Beschäftigten im Jahr 2014 zählt die Zuliefer-Branche zu einem der größten und leistungsstärksten Industriezweige des Landes. Die Unternehmen schaffen durch die für die Produktion notwendigen Vorleistungen wiederum Nachfrage in anderen Sektoren. Diese hinzu gerechnet, initiiert die Automotive Zulieferindustrie insgesamt 35,7 Mrd. EUR an Produktionswert (5,9 % gesamtwirtschaftlicher Anteil),13 Mrd. EUR an Wertschöpfung und etwa 179.200 Beschäftigungsverhältnisse in Österreich pro Jahr. (PWK670/us) 

Über die ARGE Automotive

Die ARGE Automotive Zulieferindustrie ist die Interessenvertretung bzw. Dienstleistungs- und Serviceorganisation für die rund 800 in der WKO vertretenen Unternehmen aus dem automotiven Wertschöpfungsbereich und vereinigt somit alle wesentlichen Player dieses Sektors unter ihrem Dach. Trägerorganisationen sind die WKO, vertreten durch die Bundessparte Industrie, und die AWO/Außenwirtschaft Österreich sowie sechs Industrie-Fachverbände, die Kraftfahrzeugzulieferbe­triebe zu ihren Mitgliedern zählen. Oberstes Ziel ist, eine verbesserte öffentliche Wahrnehmung der Autozulieferbetriebe zu schaffen, um die industriepolitischen Rahmenbedingungen zu optimieren. Durch die Integration in die WKO ist auch für eine optimale Koordination insbesondere mit dem Fachverband der Fahrzeug­industrie als Interessenvertretung der Herstellerseite bestens vorgesorgt.

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