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Alpbach 2015 – Pensionen: Strukturreformen notwendig, weiteres Zuwarten verschärft die Situation

System der gesetzlichen Alterssicherung in Österreich bedarf laufender Anpassungen an sich ändernde Verhältnisse

Die Finanzierung langer Pensionsphasen belastet die Arbeitswelt vor allem in Österreich mit hohen steuerlichen Abgaben. Besonders kritisch daran ist, dass das Pensionssystem seit Langem für pensionsfremde Zwecke wie die Geschlechtergleichstellung oder arbeitsmarktpolitische Maßnahmen eingesetzt wird. Ergebnis ist ein teures System, das Frauen und Männer ungleich behandelt, Frauen am Arbeitsmarkt schadet und Jüngere benachteiligt. Wie muss ein nachhaltiges, gerechtes Pensionssystem aussehen? Zu diesem Themenkreis diskutierten, gestern, Mittwoch, im Rahmen einer Breakout Session beim Forum Alpbach 2015 eine hochrangige Runde, bestehend aus Sozialminister Rudolf Hundstorfer, WKÖ-Präsident Christoph Leitl, der deutsche Pensionsexperte und frühere „Wirtschaftsweise“ Bert Rürup, Wirtschaftsmathematikerin Alexa Fürnkranz-Prskawetz von der TU Wien, JW-Vorsitzender Herbert Rohrmair-Lewis sowie Wirtschaftsforscher Ulrich Schuh („Eco Austria“). 

Einig zeigten sich Sozialminister Hundstorfer und Wirtschaftskammerpräsident Leitl darin, dass das System der gesetzlichen Alterssicherung in Österreich ständiger Anpassungen bedarf; Unterschiede bestehen naturgemäß und Art und Inhalten der Reformnotwendigkeiten. 

Demografie-Expertin Fürnkranz-Prskawetz zeigte die Herausforderung für Österreich durch die demografische Entwicklung auf. Bezüglich längerem Verbleib im Erwerbsleben sprach sie sie dafür aus, Anreize zu setzen und diese besser zu vermitteln. Und sie zeigte sich skeptisch gegenüber den starren Altersgrenzen (ab 19, 65+) - davon müsse abgegangen werden.  

Rürup: Entscheident ist nur die Anhebung des gesetzlichen Antrittalters

Österreichs Pensionssystem sei "noch nicht nachhaltig", so Pensionsexperte Bert Rürup. Die Anhebung des faktischen Pensionsantrittsalters sei "nett", entscheidend ist aber die Anhebung des gesetzlichen Antrittalters. 

Einen Schwerpunkt der Diskussion bildete auch die raschere Anhebung des Frauenpensionsalters: „Die in Deutschland bereits erfolgte Anhebung des Pensionsalters hat nicht zu den vorher befürchteten Folgen geführt. Ein behaupteter Anstieg der Arbeitslosigkei ist empirisch falsch. Das niedrigere Frauenpensionsalter in Österrieich ist eine Diskriminierung der Frauen", weil das Karrierechancen mindere und höhere Pensionen für Frauen verhindere, so Rürup.  

Der Bundesvorsitzende der „Jungen Wirtschaft“, Herbert Rohrmair-Lewis, mahnte einmal mehr massiv Strukturreformen im Pensionsbereich ein: „Diese sollen und müssen umgesetzt werden, damit mehr Mittel für wichtige Investitionen in Familien, Bildung, Forschung und Entwicklung sowie Digitalisierung zur Verfügung stehen.“ 

Auch Wirtschaftsforscher Ulrich Schuh unterstützt die Forderung nach weiteren Reformschritten und sprach sich für einen erschwerten Zugang zur Frühpension, einer Erhöhung des faktischen Pensionsantrittsalters ohne statische Schönrechnerei sowie eine raschere Anhebung auch des Frauenpensionsalters aus: „Die bisher von der Politik in Österreich gesetzten Maßnahmen sind nicht ausreichend, um das Pensionssystem nachhaltig zu stabilisieren.“  

Reformen des österreichischen Pensionssystems unumgänglich

Weitgehend Einigkeit bestand bei der Veranstaltung dahingehend, dass auch kurz- und mittelfristige Reformen des österreichischen Pensionssystems unumgänglich seien, damit auch heute junge Menschen jedenfalls noch in den Genuss einer gesetzlichen Alterssicherung kommen. JW-Chef Rohrmair-Lewis dazu: „Die Junge Wirtschaft fordert ja unter dem Motto ‚Weg mit den ‚Betonpatschen‘ für die Jungen!‘ mehr Reformtempo, denn  weiteres Zuwarten verschärft die Situation nur.“  (PWK653 / JR/MK)

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