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Lackindustrie ist trotz schwierigem Umfeld zuversichtlich

Hubert Culik, Obmann der österreichischen Lackindustrie, zeigt sich bei der diesjährigen Jahrespressekonferenz der Branche trotz bescheidener Steigerung im Jahr 2015 für das heurige Jahr optimistisch

  • Beschränkungsmaßnahmen durch die EU stellen die Branche in Bezug auf die notwendigen Rohstoffe allerdings vor große Herausforderungen.
  • Der Lackindustrie könnte bald ihr Weißpigment Titandioxid-TiO2 abhandenkommen und wasserbasierte Farben und Lacke wegen Verboten von Konservierungsmittel in der Kühlkette landen.


Die Unternehmen der Lack- und Anstrichmittelindustrie blicken auf ein schwieriges Jahr 2015 zurück. Mit einer Gesamtproduktion von  152.000 Tonnen und einem Produktionswert von 421 Mio. Euro (2014: 415 Mio. Euro) konnte nur eine bescheidene Steigerung von 1,4 Prozent erreicht werden. Besonders der Bereich der Bautenfarben und Bautenlacke musste Einbußen hinnehmen. Auf sehr niedrigem Niveau stabilisierte sich der Industrie- und Autolack-Sektor. Letzterer war auch durch die Krise im VW-Abgas-Skandal betroffen. Lediglich der Holz- und Möbellack-Bereich konnte eine leichte Steigerung von 1 bis 1,5 Prozent verzeichnen. 

„Wir sind allerdings zuversichtlich, dass das Jahr 2016 besser ausfallen wird. Im ersten Halbjahr ist im Sektor Bautenfarben/Bautenlacke bereits eine gewisse Erholung spürbar, ebenso im Bereich Korrosionsschutz, Maschinenbau und bei Lacken und Beschichtungen für Metallerzeugnisse“, gibt sich Hubert Culik, Obmann der österreichischen Lackindustrie optimistisch.

Exportentwicklung heterogen

Für die stark exportorientierte österreichische Lackindustrie brachte das Jahr 2015 keine nennenswerten Verbesserungen. So sanken die Exporte nach Rumänien um 31 Prozent und nach Bulgarien um 19 Prozent. Der russische, ukrainische und weißrussische Markt ist nahezu zusammengebrochen. Die von Österreich mitgetragenen Sanktionen der Europäischen Union finden in diesen Zahlen ihren dramatischen Niederschlag. 

Lediglich die Exporte nach Polen (+7 Prozent) sowie in die Tschechische Republik (+15 Prozent) reflektieren auch die wirtschaftliche Erholung in diesen Ländern. 

Ebenfalls ein Lichtblick waren die Exporte nach Deutschland, die auf hohem Niveau wiederum um 3,5 % zulegten. „Deutschland ist für die österreichische Lackindustrie der weitaus wichtigste Exportmarkt, in den fast ein Drittel aller Ausfuhren geht“, erklärt Culik. Allerdings ist auch der Importdruck aus Deutschland nach Österreich riesig. Insgesamt wurden 2015 Lacke und Farben im Wert von 295 Mio. Euro nach Österreich aus Deutschland importiert und im Wert von 85 Mio. Euro exportiert.

Rohstoffknappheit durch Beschränkungen

Von der EU angestrebte Beschränkungsmaßnahmen von wichtigen Rohstoffen stellen die Lackindustrie vor neue Herausforderungen. Oftmals unterliegen Neubewertung bzw. Verbote und Beschränkungsmaßnahmen keinerlei fundierten wissenschaftlichen Grundlagen. So könnte die Einstufung von Titandioxid als krebserregend der Lackindustrie das wichtigste Weißpigment entreißen. Von einer derartigen Einstufung wären sämtliche Produkte vom Speziallack bis zur Wanddispersion betroffen. Alternativen zu Titandioxid gibt es keine, denn andere Weißpigmente (z.B. Zinkoxid oder Bleikarbonat) sind untauglich und umweltgefährdend. Millionen von Konsumenten kommen weltweit tagtäglich mit TiO2 in Kontakt. Es ist sehr unwahrscheinlich, dass eine krebserregende Wirkung bei einer solch weitreichenden Exposition bislang verborgen bleiben konnte.

Die von der EU angestrebten Beschränkungen im Biozid-Bereich erschweren die Haltbarkeit besonders bei wasserbasierten Farben und Lacken, da diese Produkte ohne Konservierungsstoffe nur noch in Kühlung gelagert werden könnten. „Der heutige Kenntnisstand ermöglicht einen sehr bewussten und nachhaltigen Umgang mit Bioziden“, ist Albert Keiler, Obmann Stellvertreter der österreichischen Lackindustrie, überzeugt. „Pauschale Mengenreduzierungen ohne Berücksichtigung des Nutzens von Bioziden werden von uns abgelehnt.“ 

Bildungsoffensive gegen Fachkräftemangel

Um den Fachkräftemangel entgegenzuwirken, startete die Lackindustrie eine Bildungsoffensive und etablierte den Lehrberuf „Lack- und Anstrichmitteltechniker“, der im Herbst 2015 an den Berufsschulen startete. „Auch die Kunden der Lackindustrie, zum Beispiel die Metall- und Fahrzeugindustrie oder die Möbelindustrie sind eingeladen, von dieser neuen modularen Ausbildung Gebrauch zu machen und Fachkräfte auszubilden“, so  Klaus Schaubmayr vom Fachverband der Chemischen Industrie Österreichs.

Im Hochschulbereich befindet sich der Fachhochschulstudiengang „Lack- und Oberflächentechnik“ in Planung, um den Bedarf an hervorragend ausgebildeten Fachkräften in der Lack- und Beschichtungsindustrie decken zu können.

Lackindustrie setzt auf Nachhaltigkeit 

„Nachhaltigkeit gehört auch für die Lackindustrie zu den aktuellen Megatrends. Wir bewegen uns hier weg von erdölbasierenden Rohstoffen zu Rohstoffen aus nachwachsenden Quellen“, erläutert Culik.

Die industrielle Biotechnologie gewinnt auch für die Lackindustrie immer mehr an Bedeutung. Durch Fermentation mit Mikroorganismen entstehen aus Biomasse Basisrohstoffe für die Lackproduktion, etwa Acrylsäure, Asparaginsäure, Itaconsäure und Adipinsäure. „Der CO2-Fußabdruck dieser biobasierten Rohstoffe für die Lackindustrie ist teilweise um einen zweistelligen Prozentbetrag kleiner, als jener Rohstoffe, die aus der petrochemischen Produktion stammen“, freut sich Hubert Culik.  Darüber hinaus gibt es eine deutlich bessere Energieeffizienz bei der Herstellung dieser Rohstoffe.

Beispielsweise können aus diesen nachwachsenden Rohstoffen Höchstleistungshärter für Polyurethan-Lacke hergestellt werden, die damit nahezu vollständig aus biobasierten Komponenten bestehen. 

Lackindustrie braucht verlässliche und planbare Rahmenbedingungen

Die österreichische Lackindustrie fordert die EU-Kommission auf, einen risikobasierten Ansatz bei Verboten und Beschränkungen zu wählen und wünscht sich durch Übergangsfristen mehr Zeit, um auf Änderungen reagieren und Rohstoffe ersetzen zu können.

„Im Fokus aller Bemühungen muss die Sicherung der internationalen Wettbewerbsfähigkeit und die Stärkung des Industriestandorts Österreich stehen“, betont Hubert Culik. Maschinensteuer und Arbeitszeitverkürzung würden sich negativ auf das Wirtschaftswachstum auswirken, die Lackindustrie brauche Entlastungen und flexible Arbeitszeitmodelle.

Lackindustrie in Österreich

Die 28 Betriebe der österreichischen Lack- und Anstrichmittelindustrie beschäftigen knapp 3.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Mit einer Gesamtproduktion von 152.000 Tonnen und einem Produktionswert von 421 Millionen Euro stellt die Branche einen wichtigen Pfeiler der österreichischen chemischen Industrie dar. (PWK496/us)

v.l.: Klaus Schaubmayr, GF der Berufsgruppe Lackindustrie, Hubert Culik, Obmann der österr. Lackindustrie, Obmannstellvertreter Albert Keiler (Foto: Sarah-Maria Kölbl)
v.l.: Klaus Schaubmayr, GF der Berufsgruppe Lackindustrie, Hubert Culik, Obmann der österr. Lackindustrie, Obmannstellvertreter Albert Keiler (Foto: Sarah-Maria Kölbl)

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