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Teilzeit: Wunschmodell, nicht Zwangsbeglückung

Position der WKÖ

Teilzeit liegt vor, wenn die vereinbarte Wochenarbeitszeit unter 40 Stunden oder unter der kollektivvertraglichen Wochenarbeitszeit (meist 38,5 Stunden) liegt. Der Anteil der Teilzeitbeschäftigten nimmt nicht nur in Ö, sondern in ganz Europa stetig zu. In Ö arbeiteten 2016 im Schnitt 1.062.800 Arbeitnehmer in Teilzeit (Statistik Austria). Mit einem Anteil von 27,8% (Eurostat) liegt Ö über dem EU-Schnitt von 19,6%.  

Ein hoher Teilzeitanteil ist ein Merkmal wohlhabender Staaten 

In den Niederlanden, Deutschland, Skandinavien, Schweiz, Ö ist der Anteil hoch, in den neuen EU-Staaten ganz niedrig, in den südlichen Ländern eher niedrig.

  Anteil der Teilzeitbeschäftigen, die länger arbeiten wollen in Prozent Anteil der Teilzeitbeschäftigten an den Erwerbstätigen in Prozent
Niederlande 9,9 49,7
Schweiz 8,6 36,9
Großbritannien 16,0  25,2
Deutschland 12,0 26,7 
Schweden 28,3 23,9
Österreich 13,0 27,8
EU28  27,7 19,5
Frankreich 44,2 18,3 
Italien 64,3 18,5
Spanien 61,9 15,1 
Slowenien 14,1 9,3 
Polen 25,4 6,4
Ungarn 29,8 4,8
Tschech. Republik 14,2 5,7
Slowakei 34,6 5,8

Quelle: Eurostat, Europäische Arbeitskräfteerhebung für das Jahr 2016

Teilzeit entspricht den Wünschen von Unternehmen und Arbeitnehmern 

Der Anteil unfreiwilliger Teilzeit ist laut Eurostat niedrig: In Ö wollten 2016 13,0% der Teilzeitbeschäftigten länger arbeiten, in der EU 27,7%. 

Grund für die starke Nachfrage ist, dass Teilzeit Arbeitnehmern die Vereinbarkeit von Beruf und Familie, Ausbildung sowie anderen Freizeitaktivitäten ermöglicht. Zwar ist bei Frauen die Familie das wichtigste Teilzeitmotiv, aber fast 60% der teilzeitbeschäftigten Frauen geben andere Gründe als Betreuungspflichten an. [1] Bei Männern sind auch andere Gründe (z.B. Fortbildung) wichtig. 

Unternehmen können mit Hilfe von Teilzeit ihren Beschäftigungsbedarf feinsteuern, auf Kundenwünsche (z.B. nach längeren Öffnungszeiten) reagieren und sind flexibler.  

Beispiel: Ein Trafikant benötigt für 60 Stunden Öffnungszeit jeweils eine Arbeitskraft. Er muss dafür 3 Teilzeitkräfte einstellen. Stellt er nur 2 Vollzeitkräfte ein und fällt eine wegen Urlaub oder Krankenstand aus, kann er mit der verbleibenden Kraft nicht 60 Stunden abdecken.  

Teilzeitbeschäftigte sind mit ihrer Arbeitszeit besonders zufrieden

Nach einer Umfrage sind Teilzeitbeschäftigte durchwegs noch zufriedener mit ihrer Arbeitszeit als Vollzeitbeschäftigte:  

Sehr oder ziemlich zufrieden mit
  den Arbeitsbedingungen dem Ausmaß der Arbeitszeit der Vereinbarkeit von Arbeit und Familie
Vollzeit 88% 89% 88%
Teilzeit 88% 90% 91%

Quelle: Arbeitszufriedenheit der unselbstständig Erwerbstätigen in Österreich, Market, Umfrage vom August 2015 

Diese Zahlen werden auch von Eurostat bestätigt (siehe vorher beschriebene Eurostat-Umfrage). Teilzeit ist daher stark nachgefragt: Im Oktober 2016 gab es in Ö rund 8mal so viele Arbeitslose mit Teilzeitwunsch wie offene Teilzeitstellen. Bei Vollzeit war das Verhältnis nur 1:7 (AMS-Auswertung). Die Menschen wollen somit mehr Teilzeit, nicht weniger. 

Entlohnung: Nicht Äpfel mit Birnen vergleichen 

Teilzeitbeschäftigte verzeichnen im Schnitt einen niedrigeren Lohn als Vollzeitbeschäftigte und zwar nicht nur insgesamt, sondern auch pro Stunde. Das liegt daran, dass einfachere Tätigkeiten sehr oft in Teilzeit erbracht werden, während Spitzen- und Führungskräfte in Wirtschaft, Politik, Sport, Forschung, etc. fast immer Vollzeit arbeiten, mit anderen Worten: Vergleicht man Teilzeit- mit Vollzeitlöhnen, vergleicht man Äpfel mit Birnen. 

Das Sozial- und Steuersystem fördert Teilzeitbeschäftigung 

Teilzeitbeschäftigte zahlen mehrheitlich keine oder nur geringe Lohnsteuer. Ihr Nettolohn ist daher höher als der vergleichbarer Vollzeitbeschäftigter, die von der Steuerprogression betroffen sind. Das bestätigt auch das WIFO (WIFO Monatsberichte 11/2013, S 883f.). Teilzeitbeschäftigte zahlen weiters meist keinen Arbeitslosenversicherungsbeitrag, sind aber voll arbeitslosenversichert. Geringfügig Beschäftigte zahlen gar keine Abgaben, sind aber meist anderweitig versichert. [2]

Teilzeitbeschäftigte  haben Anspruch auf einen Zuschlag von 25% für Mehrarbeit, den es im Rest Europas nicht gibt. Altersteilzeit wird massiv aus Beitrags- und Steuermitteln subventioniert. Viele staatliche Leistungen (Arbeitslosengeld, vorzeitige Pension, etc.) fallen zudem weg, wenn ein Erwerbseinkommen über der Geringfügigkeitsgrenze vorliegt. Damit wird geringfügige Beschäftigung gefördert.  

Beispiel aus der Praxis: Ein größerer Wiener Arbeitgeber in einer typischen Frauenbranche klagt darüber, dass er sofort 30 Vollzeitbeschäftigte einstellen würde, doch fast alle Frauen seien nur zu Teilzeit bereit. Sie vermeiden es demnach ausdrücklich, mehr als ca. 1.200 Euro pro Monat zu verdienen, weil sie sonst Transfers und Vergünstigungen (z.B. Mietzinsbeihilfen, ORF-Gebührenbefreiung, Ermäßigung Wiener Linien etc.) verlieren würden.[3]

Teilzeit erhöht den Wohlstand  

Meist bringt eine Teilzeitbeschäftigung dem Haushalt nicht das einzige, sondern ein zusätzliches Einkommen und erhöht damit den Wohlstand. Die Armutsgefährdung von Teilzeitbeschäftigten liegt in Ö mit 11% unter dem Schnitt von 13% (Statistik Austria, EU-SILC 2016).

Stand: September 2017


[1] AMS-Bericht Gleichstellungszahlen 2017, S. 16.; Einkommensbericht des Rechnungshofes 2016, S. 115ff 

 [2] WIFO, Genderdifferenzierte Lenkungswirkungen des Abgabensystems, September 2017

 [3] https://www.wko.at/Content.Node/Interessenvertretung/Arbeit-und-Soziales/2015-03-10-SPIK-SozialPolitik-Informativ-Kurz.html

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