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Teilzeit fördert Flexibilität & Wohlstand

Position der WKÖ

Teilzeit hat nichts mit unsicheren Verhältnissen am Arbeitsmarkt zu tun. Teilzeit bietet mehr individuelle Flexibilität bei attraktiven arbeitsrechtlichen Regelungen. Sie ist ein Gewinn für Beschäftigte und Unternehmen. 

Von Teilzeit spricht man, wenn die vereinbarte Wochenarbeitszeit unter 40 Stunden (in vielen Branchen unter 38,5 Stunden) liegt. Teilzeit ist die meistverbreitete flexible Beschäftigungsform: In Österreich arbeiteten 2020 im Schnitt 1.074.600 Beschäftigte in Teilzeit (Statistik Austria).  

Dass Teilzeit keine „prekäre“ Beschäftigung ist, geben auch Arbeitnehmervertreter zu. „Es ist auch nicht korrekt, Teilzeitbeschäftigte und überlassene Arbeitskräfte so einfach in einen Topf mit prekär Beschäftigten zu werfen und Rechtlosigkeit zu verbreiten. Gerade für diese Gruppen gibt es in Österreich vergleichbar gute arbeitsrechtliche Regelungen“, (Presseaussendung der GPA-djp vom 29.2.2012). Die Armutsgefährdung von Teilzeitbeschäftigten liegt in Österreich mit 12% unter dem Schnitt von 13,3% (EU-SILC 2019, Statistik Austria) 

Teilzeit macht zufrieden 

Nach einer Market-Umfrage sind 90 % der Teilzeitbeschäftigten mit Arbeitszeit und Arbeitsplatz zufrieden. Die Zufriedenheit ist zum Teil höher als bei Vollzeitarbeitskräften. Knapp 70 % der Teilzeitbeschäftigten haben die Anzahl ihrer Arbeitsstunden selbst bestimmt. Teilzeit wird stark nachgefragt: So gibt es mehr als sieben mal so viele Arbeitslose mit Teilzeitwunsch wie offene Teilzeitstellen. Bei Vollzeitstellen ist der Andrang mit 5,3:1 deutlich niedriger (April 2021).  

Besonders ausgeprägt ist der Teilzeitwunsch bei Frauen: Es gibt fast sieben mal so viele arbeitslose Frauen mit Teilzeitwunsch wie offene Teilzeitstellen (7:1). Bei Vollzeit betrug das Verhältnis lediglich 1,5:1. Laut Eurostat arbeiten nur 9,3% der Teilzeitbeschäftigten unfreiwillig Teilzeit und würden gerne mehr arbeiten. 

Mehr Wohlstand 

In der Regel bringt eine Teilzeitbeschäftigung dem Haushalt ein zusätzliches Einkommen. Das erhöht den Wohlstand des Haushalts. 

Dies gilt auch für die ganze Volkswirtschaft. Ein hoher Teilzeitanteil ist Merkmal wohlhabender Staaten mit hoher Frauenerwerbsquote: In den Niederlanden, Deutschland, Skandinavien, Schweiz und Österreich ist der Anteil hoch, in den neuen EU-Staaten ist er sehr niedrig, in den südlichen Ländern eher niedrig. Mit einem Teilzeit-Anteil von 27,2% (Eurostat 2020) liegt Österreich über dem EU-Schnitt von 18,2 %. 

Teilzeitquote stabil  

Die Anzahl der Teilzeitbeschäftigten ist zuletzt leicht zurückgegangen (2019: 1.091.000; 2020 1.074.600 (Statistik Austria)) die Teilzeitquote bleibt aber mit 27,9% stabil.

Teilzeit in Österreich
© WKÖ

Teilzeit bei Gehalt, Sozial- und Steuersystem 

Teilzeitbeschäftigte verbuchen im Schnitt einen niedrigeren Lohn als Vollzeitbeschäftigte – auch pro Stunde. Der Grund: Einfachere Tätigkeiten werden sehr oft in Teilzeit erbracht, während Spitzen- und Führungskräfte fast immer Vollzeit arbeiten. Vergleicht man Teilzeit- mit Vollzeitlöhnen, vergleicht man Äpfel mit Birnen. 

Das Sozial- und Steuersystem fördert Teilzeitbeschäftigung massiv:

  • Teilzeitbeschäftigte zahlen mehrheitlich keine oder nur geringe Lohnsteuer. Ihr Nettolohn ist daher höher als der vergleichbarer Vollzeitbeschäftigter.
  • Teilzeitbeschäftigte zahlen meist keinen Arbeitslosenversicherungsbeitrag, sind aber voll arbeitslosenversichert.
  • Teilzeitbeschäftigte haben in Österreich sogar Anspruch auf einen Zuschlag von 25 % für Mehrarbeit, was in der EU, soweit ersichtlich, einzigartig ist.
  • Darüber hinaus gibt es sechs gesetzliche Modelle (!), in denen Teilzeit finanziell direkt gefördert wird: Altersteilzeit, Pflegeteilzeit, Bildungsteilzeit, Wiedereingliederungsteilzeit, Kurzarbeit und Elternteilzeit.
  • Die geringfügige Beschäftigung ist stets eine Teilzeitbeschäftigung und von Sozialversicherungsbeiträgen ganz befreit. Neben dem geringfügigen Verdienst kann man Arbeitslosengeld, Notstandshilfe, Frühpension, etc. beziehen. 

Die verschiedenen Förderungen sind insofern problematisch, als sie ein Aufstocken der Arbeitszeit oder einen Wechsel zu Vollzeit oft unattraktiv machen. Das bestätigt auch eine WIFO-Studie (WIFO-Monatsberichte 2018, 91 (2)). Denn wenn das Erwerbseinkommen dadurch steigt, verlieren die Beschäftigten oft Sozialtransfers und zahlen gleichzeitig Sozialabgaben und Lohnsteuer. Unter dem Strich bleibt nur wenig oder sogar ein Verlust. 

Der häufigste Grund für Teilzeit bei Frauen ist die Kinderbetreuung. Oft verhindern unzureichende Kinderbetreuungseinrichtungen längere Arbeitszeiten. Daher fordert die Wirtschaftskammer flächendeckende Kinderbetreuungseinrichtungen mit Öffnungszeiten entsprechend dem Bedarf der Eltern. Allerdings verbleiben viele Frauen auch dann in Teilzeit, wenn die Kinder schon groß sind (WIFO, Arbeitszeitverteilung in Österreich). 

Teilzeit verdrängt Vollzeit nicht 

Flexible Arbeitsformen wie Teilzeit und geringfügige Beschäftigung nehmen tendenziell zwar zu, gleichzeitig sinkt der Anteil der Inaktiven, d. h. Teilzeit steigert vor allem bei Frauen die Erwerbsquote. Der Anteil der Vollzeitbeschäftigten ist mit 40,6% (2018: 39,3%) aber stabil und wird keineswegs verdrängt. 

Teilzeit: Vorteile & Nachteile auf einen Blick 

Teilzeitarbeit bietet Arbeitskräften klare Vorteile:

  • Vereinbarkeit von Beruf und Freizeitaktivität (z. B. für Familie, Weiterbildung)
  • Erhöhung der Erwerbsquote v. a. von Frauen (mehr Wohlstand in Haushalten)
  • starke staatliche Förderung bei Steuern, SV-Beiträgen und durch Zuschüsse etwa bei
  • Altersteilzeit und Bildungsteilzeit
  • Recht auf Elternteilzeit mit besonderer Absicherung 

Nachteile sind hingegen:

  • geringere Entlohnung als Vollzeit
  • geringere Aufstiegschancen 

Unternehmen profitieren mit Teilzeit von:

  • maßgeschneiderten Lösungen für (geringeren) Beschäftigungsbedarf
  • mehr Flexibilität (z. B. Öffnungszeiten)


  

Autor: Dr. Ingomar Stupar

April 2021

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