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Frühes Frauenpensionsalter: Falle, nicht Privileg

Position der WKÖ

Das gesetzliche Pensionsantrittsalter ist in Österreich für Frauen 60 Jahre, für Männer 65 Jahre, obwohl Frauen eine um über 5 Jahre längere Lebenserwartung haben. Das frühere Frauenpensionsalter sollte die Doppelbelastung und andere Nachteile von Frauen ausgleichen.[1] Schon 1990 hat der VfGH festgestellt, dass das frühere Frauenpensionsalter für diese Zwecke nicht geeignet ist. Dennoch hat man das ungleiche Pensionsantrittsalter um weitere 43 Jahre (!) fortgeschrieben und damit jüngeren Generationen eine schwere Last auferlegt. Erst zwischen 2024 und 2033 wird das Pensionsantrittsalter der Frauen schrittweise auf 65 Jahre angehoben. Dabei hat sich international schon lange die Erkenntnis durchgesetzt, dass Frühpensionen ein extrem teures und ungeeignetes Instrument für sozialpolitische Ziele sind. 

Österreich ist EU-Schlusslicht

Im EU- Vergleich ist Österreich beim Frauenpensionsalter Schlusslicht. Wir befinden uns in schlechter Gesellschaft mit Rumänien. Alle anderen Länder haben das Pensionsalter bereits harmonisiert oder führen die Angleichung viel schneller durch als wir. Frauen sind hierzulande - bei einer Lebenserwartung von 85,6 Jahren - mit 25,4 zu erwartenden Jahren sehr lange in Pension; ein Wert, der nur von Frankreich (27,2) und Belgien (25,8) übertroffen wird. Im OECD-Schnitt können Frauen mit nur 22,3 Jahren im Ruhestand rechnen (OECD Pensions at a Glance, 2015). 

Frauenpensionsantrittsalter in den EU-Staaten 2020

Quelle: OECD pensions at a glance

   

Früher Pensionsantritt beeinträchtigt Karriere, Einkommen und Pension 

Das frühere Pensionsalter der Frauen ist selbst ein zutiefst reaktionäres Überbleibsel, das Frauen schadet und verhöhnt. Ein paternalistisch vergiftetes Bonbon.

Prof. Bernd Marin 

Die niedrige Frauenpensionsalter sollte Nachteile ausgleichen, ist aber ganz im Gegenteil Ursache dafür, dass die Fraueneinkommen niedriger und die Frauenpensionen um rund 600 Euro geringer sind als jene der Männer. Durch das frühere Ausscheiben aus dem Erwerbsleben gehen viele Versicherungsmonate verloren, dazu meist die einkommensstärksten, die ja in der Regel am Ende des Berufslebens kommen. Das Privileg wird zur Falle! 

Statistiken zeigen, dass Frauen in ihren Biografien zwei „Fort- und Weiterbildungsknicks“ im Vergleich zu Männern aufweisen. Der erste Knick im Zeitraum zwischen 25 und 35 Jahren ist mit der Familiengründung zu erklären. Der zweite Knick beginnt in etwa mit 45 Jahren und verstärkt sich bis zum 60. Lebensjahr. Frauen und ihre Arbeitgeber investieren weniger in die Fortbildung, weil diese sich aufgrund des frühen Ausscheidens „nicht mehr auszahlt“. In der Folge unterbleiben weitere Karrieresprünge. 

Mythos: Negative Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt

Häufig wird vorgebracht, ein rascheres Anheben des Frauenpensionsalters würde die Arbeitslosigkeit älterer Frauen erhöhen. Das AMS rechnet hingegen mit 30.000 bis 65.000  zusätzlichen Beschäftigungsverhältnissen für diese Gruppe, wenn das Pensionsantrittsalter rascher angehoben wird.

Zudem wird eingewendet, dass bereits jetzt ein Großteil der Frauen aus der Arbeitslosigkeit in die Pension übertreten würde. Das Pensionsmonitoring des Sozialministeriums (Stand Juni 2016) zeigt jedoch, dass 65% der Frauen aus der Erwerbstätigkeit in die Pension gehen. Dazu kommt eine hohe Zahl von Personen, die knapp vor ihrer Pension arbeitslos werden, was meist mit dem bevorstehenden Pensionsantritt bzw. einer „Überbrückung bis dahin“ zusammenhängt.[2]  

Rein demografisch wird sich die Arbeitsmarktlage für Ältere verbessern: Denn in wenigen Jahren werden die starken Jahrgänge der Baby-Boomer in Pension gehen, während nur mehr schwache Jahrgänge am Arbeitsmarkt nachrücken. Dies wird durch die positive Entwicklung bei den Älterenquoten belegt. Die Beschäftigungsquote der 55-59-Jährigen Frauen legte von Juni 2014 mit 51,2 Prozent bis Juni 2016 mit 59,4 Prozent um mehr als 8 Prozent zu und liegt nur noch knapp unter dem Bonus-Malus Zielwert für Juni 2017 von 60,1 Prozent. 

Moderne Frauenpolitik sieht anders aus

Viele der erwähnten Gründe haben auch VfGH-Erkenntnis aus 1990 (G 223/88) geführt, wonach das frühere Frauenpensionsantrittsalter gleichheitswidrig, verfassungswidrig und eben ungeeignet ist, Nachteile der Frauen auszugleichen. Diese Gründe haben sich seit damals noch verstärkt: Der Anteil kinderloser Frauen, die keine Doppelbelastung haben, ist gestiegen, während alleinerziehende Männer erst mit 65 Jahren in die Alterspension gehen können und Frauen mit mehreren Kindern mit 60 Jahren zu wenige Versicherungsmonate für eine Pension haben.

Letztlich ist das frühe Pensionsalter von Frauen auch eine enorme Budgetbelastung: Vom Bundeszuschuss zu den Pensionen iHv rund 10 Mrd. Euro entfielen 2015 ca. 70% auf Frauen und 30% auf Männer. Würde man diese Mittel in moderne Instrumente, etwa Kinderbetreuungseinrichtungen, Ausbildung, etc. investieren, würde das viel mehr Frauen viel nachhaltiger helfen und wäre ein Beitrag zur Zukunfts- statt zur Vergangenheitsbewältigung.

 

Autor: Mag. Martin Kircher
Stand: September 2016



[1] Ein wesentlicher Grund für die Senkung des Frauenpensionsalters von 65 auf 60 Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg war der Umstand, dass Männer keinen Anspruch auf Witwerpension nach Ableben der Frau hatten (Frauen bei Ableben ihres Mannes aber sehr wohl). Dadurch fielen Frauenpensionen öfter weg und konnten im Gegenzug früher gewährt werden.

[2] Eco Austria, Perspektiven der Beschäftigung älterer Arbeitnehmer in Österreich

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