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Einkommensunterschied: Gleicher Lohn für gleiche Arbeit bereits Realität

Position der WKÖ

Für Frauen und Männer gelten in Ö einheitliche kollektivvertragliche Gehaltstabellen. Die Kollektivverträge begünstigen sogar Frauen, weil sie Karenzzeiten zu einem großen Teil und Teilzeiten voll für Ansprüche anrechnen. Auch die Einkommensberichte, zu denen größere Unternehmen seit 2012 verpflichtet sind, zeigen kaum Unterschiede in der Entlohnung bei gleicher Arbeit. 

Dennoch weist Eurostat für Ö mit 21,7% (Wert 2015) einen relativ hohen Einkommensunterschied zwischen Frauen und Männern aus. Dieser Unterschied ist aber großteils objektiv erklärbar und hat nichts mit Diskriminierung zu tun.  

Ö liegt im OECD-Vergleich gar nicht so schlecht 

Am meisten zitiert wird die Statistik von Eurostat, in der Ö am schlechtesten abschneidet. Mit einem Einkommensunterschied von 21,7% liegt Ö (wie auch Deutschland, Schweiz, Finnland und die Niederlande) deutlich über dem EU-Schnitt. Nach der Statistik der OECD betrug der Einkommensunterschied 2012 hingegen nur 18,2%. Das ist immer noch ein hoher Wert, aber geringer als ein Jahr davor (-0,4%) und wesentlich geringer als im Jahr 2000 (23,1%). Übrigens verdienen Männer in allen OECD-Ländern mehr als Frauen. 

Einkommensunterschied in Ö objektiv erklärbar 

Von 18,2% Einkommensunterschied, die die OECD für Ö errechnet, ist ein Großteil durch objektive Faktoren wie Arbeitszeit, Alter, Berufserfahrung, Ausbildung, Tätigkeit, Branche, Erwerbsunterbrechungen erklärbar. Darauf weist die OECD in ihrer Studie „Closing the gender pay gap 2012“ hin. So wählen Frauen öfter Berufe und Branchen mit unterdurchschnittlicher Entlohnung: Burschen konzentrieren sich nach wie vor auf technisch-gewerbliche Lehrberufe, Mädchen auf die drei Lehrberufe Verkäuferin, Sekretärin und Frisörin. Der Frauenanteil an den technischen Studien beträgt 20%, an den geisteswissenschaftlichen Studien 76%. Erstere sind am Arbeitsmarkt stark nachgefragt, letztere nicht.

Beispiel: Als Schweißer lässt sich ein Umsatz von bis zu 700.000 Euro erwirtschaften, als Frisör gerademal ein Zehntel, nämlich 70.000 Euro. Daraus erklärt sich, warum die weibliche Frisörin mit 1.400 Euro um 50 % weniger verdient, als der männliche Schweißer.[1] 

Bezeichnend für die vielen objektiven Ursachen hält eine Studie von EUROSTAT fest, dass der Einkommensunterschied mit einer Reihe kultureller, rechtlicher, sozialer und wirtschaftlicher Faktoren verknüpft ist, die weit über den Einzelaspekt „gleiche Bezahlung für gleiche Arbeit“ hinausgehen.[2]

Nach der OECD sind von den 18,2% Einkommensunterschied insgesamt nur 5,3% objektiv nicht erklärbar. Mit diesem Wert steht Ö im internationalen Vergleich nicht mehr schlecht, sondern relativ gut da: In 16 OECD-Ländern ist der objektiv nicht erklärbare Unterschied größer als in Ö, in 8 Ländern niedriger. Die Statistik Austria kommt zwar auf einen „unerklärbaren“ Einkommensunterschied von 13,6 %[3], schließt dabei aber nicht aus, dass dieser teilweise auf nicht beobachteten objektiven Unterschieden beruht und somit das Ausmaß der Ungleichbehandlung tendenziell überschätzt wird.[4] Nach einer Studie der Agenda Austria beträgt der nicht erklärbare Einkommensunterschied in Niedriglohnbereich nur mehr 3,5%, bei hohen Gehältern 11,2%.[5] 

Einkommen niedriger, aber Arbeitszufriedenheit bei Frauen höher 

Dieser objektiv nicht erklärbare Einkommensunterschied von 5,3% hat weiche, subjektive Ursachen: Erwiesen sind Unterschiede bei Gehaltsverhandlungen (während Männer besonderen Wert auf ihr Gehalt legen, sind Frauen oft das Betriebsklima und die Lebensqualität wichtiger) und beim Risikoverhalten (Frauen entscheiden sich seltener für leistungsorientierte Entlohnung). Aus diesen Gründen sind die Einkommensunterschiede zwischen selbständigen Frauen und Männern übrigens größer als bei Arbeitnehmern. 

Dass es einen Ausgleich zwischen Einkommen und sonstigen Arbeitsbedingungen gibt, zeigen Umfragen zur Arbeitszufriedenheit: So weist der Arbeitsklimaindex der Arbeiterkammer Oberösterreich seit vielen Jahren bei Frauen eine höhere Arbeitszufriedenheit aus als bei Männern. 

Die Einkommen in Ö steigen, Teilzeit erhöht den Wohlstand, die Armut ist rückläufig 

Auch der Rechnungshofbericht 2014 nennt als einen wesentlichen Grund für den Einkommensunterschied, dass Frauen überproportional in Branchen mit niedrigem Einkommensniveau tätig sind. Aber sie holen auf: Das Einkommen vollzeitbeschäftigter Frauen stieg zwischen 2004 und 2013 real um 8%, das der Männer nur um 3% (Seite 28). Teilzeitbeschäftigte Frauen verdienen sogar mehr als Männer in Teilzeit. 

Vorsicht mit den Zahlen! 

Internationale Statistiken weisen für viele wohlhabende Länder eine überdurchschnittliche Einkommensschere aus, weil ganz unterschiedliche Arbeitsmärkte und damit Äpfel mit Birnen verglichen werden: In Ländern mit hoher Frauenbeschäftigungsquote wie Ö (70,2%, Wert 2015), den Niederlanden, Finnland, der Schweiz und Deutschland sind die Unterschiede statistisch größer als in Ländern mit niedriger Quote wie etwa in Malta (53,6%), Slowenien (64,7%) Italien (50,6%; Quelle: Eurostat 2015). Dort sind vor allem höher qualifizierte Frauen mit entsprechend besserer Entlohnung erwerbstätig, während geringer qualifizierte Frauen teilweise vom Arbeitsmarkt ausgeschlossen sind.  

Internationale Studien liefern mitunter zweifelhafte Ergebnisse. Im viel zitierten Global Gender Gap Report 2016 des Weltwirtschaftsforums schneidet Ö bei „Lohngerechtigkeit“ schlecht ab. Allerdings beruht die Wertung hier nur auf einer Befragung von Führungskräften, nicht auf echten Einkommensdaten. Sieger war hier Ruanda mit einem Durchschnittseinkommen von weniger als 150 US-Dollar im Monat…  

Rahmenbedingungen wie das niedrige Pensionsantrittsalter senken Fraueneinkommen 

Das frühere gesetzliche Pensionsantrittsalter für Frauen führt dazu, dass Frauen früher aus dem Erwerbsleben aussteigen. Dadurch verlieren sie die einkommensbesten Jahre, die ja meist am Ende des Berufslebens kommen. Doch schon vorher führt die Perspektive einer frühen Pension dazu, dass weniger in die Ausbildung investiert wird, weil diese „sich nicht mehr auszahlt“, und dass weitere Karrieresprünge unterbleiben.  

Teilzeit wird massiv begünstigt durch Lohnsteuerbefreiung, niedrigere Sozialversicherungsbeiträge und den möglichen Parallelbezug von Sozialtransfers. Eine Ausweitung der Beschäftigung führt meist zum Entfall dieser Vorteile und ist daher gerade für Frauen oft nicht attraktiv. Das erschwert den beruflichen Aufstieg und verhindert höhere Einkommen.   

Schließlich ist das Angebot an Kinderbetreuungseinrichtungen unzureichend, was vielfach die Erwerbstätigkeit von Frauen beeinträchtigt.  

Bei diesen Ursachen ist anzusetzen, wenn die Einkommensschere geschlossen werden soll.

 

Autor: Dr. Ingomar Stupar

Stand: Oktober 2017



[1] Michael Hörl, Erfundene Verschwörungen zum Equal Pay Day, Presseinformation vom 1.4.2015.

[2] EUROSTAT/DESTATIS, Das Leben von Frauen und Männern in Europa – Ein statistisches Porträt, 2017.

[3] Statistik Austria, Pressemitteilung zum international Frauentag am 3.3.2017.

[4] Geisberger/Glaser, Geschlechtsspezifische Verdienstunterschiede, Statistische Nachrichten 3/2014.

[5] Agenda Austria, Was zu tun ist, damit Frauen höhere Löhne erhalten, 5.3.2017.

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