th share video content contact download event event-wifi cross checkmark close xing wko-zahlen-daten-fakten wko-wirtschaftrecht-und-gewerberecht wko-verkehr-und-betriebsstandort wko-unternehmensfuehrung wko-umwelt-und-energie wko-steuern netzwerk wko-innovation-und-technologie wko-gruendung-und-nachfolge wko-bildung-und-lehre wko-aussenwirtschaft wko-arbeitsrecht-und-sozialrecht twitter search print pdf mail linkedin google-plus facebook whatsapp arrow-up arrow-right arrow-left arrow-down calendar user home
news.wko.at

Beschäftigung Älterer – Anreize statt Strafen

Position der WKÖ

2017 waren in Ö 75,4 % der Menschen im erwerbsfähigen (20 – 64) Alter erwerbstätig[1], in der EU 72,2%. Bei den 55 bis 64Jährigen waren 2017 in Ö hingegen nur 51,3 % erwerbstätig, im EU-Schnitt 57,1%. Hauptgrund für die geringe Erwerbsbeteiligung Älterer ist das frühe Pensionsantrittsalter in Ö. Auch stabile Dienstverhältnisse älterer Beschäftigter, Arbeitsrecht und höhere Lohnansprüche erschweren die Reintegrationschancen älterer Arbeitsloser.  

Der Arbeitsmarkt Älterer

2017 waren in Österreich 971.902 Personen über 50 unselbständig beschäftigt, ein Plus von 5,3 % (+ 49.300). Bei den unter 50-Jährigen stieg die Beschäftigung im selben Zeitraum nur um 19.118 Personen an.  

Erwerbsquoten der 50 plus in Prozent
Quelle: BALIWeb Sozialministerium, Anteil der Erwerbspersonen (= Arbeitnehmer, Selbständige und Arbeitslose) an der Wohnbevölkerung, Abfrage April 2018 

 

Frauen

2017   2016    2015   2014

Männer

2017     2016   2015  2014   

Gesamt

2017    2016    2015   2014      

50-54 86,4    85,1    84,2     82,5 91,5      90,8   90,6   89,7    88,9      88,0   87,4    86,1  
55-59 69,6    65,3      60,7   56,2    83,0      81,3   79,6   77,3    76,3      73,2   70,1    66,6 
60-65 14,5    13,2       11,5   9,8       40,9      37,8   33,1   28,1   27,3      25,0   21,9    18,6 

Die Erwerbsquoten gehen drastisch zurück, sobald der Pensionsantritt möglich wird – bei Frauen früher als bei Männern. Das faktische Pensionsantrittsalter lag unter Einbeziehung der Reha-Geldbezieher in Ö 2017 bei 59,3 Jahren[2]. Die Tabelle zeigt einen kräftigen Anstieg der Erwerbsquote in den letzten Jahren. Die von der Regierung für den Juni 2017 festgelegten Beschäftigungsziele für die über 55-Jährigen wurden deutlich übertroffen. Das geplante Bonus-Malus-Modell brauchte nicht in Kraft zu treten. 

Arbeitslosenquote der 50+ nur knapp über dem Durchschnitt

Der Bestand der Arbeitslosen nahm bei den über 50-Jährigen im Jahr 2017 leicht zu (+2,7 %)[3], gleichzeitig stieg die Beschäftigung überdurchschnittlich um + 5,3 %. 2017 waren 9,5 % der 50°plus arbeitslos (-0,2% ggü. Vorjahr), insgesamt waren es 8,5 % (-0,6%). Unter Einbeziehung der Schulungsteilnehmer liegt die Al-Quote der 50-plus sogar unter der allgemeinen Arbeitslosenquote[4]. Ältere sind somit nicht stärker von Arbeitslosigkeit betroffen als andere Altersgruppen. Werden sie allerdings arbeitslos, dauert die Rückkehr in die Beschäftigung länger. Verweildauer 2017: bei 50 + 181 Tage, im Schnitt aller Altersgruppen 127 Tage. Höhere Beschäftigungsstabilität für Ältere in Unternehmen bedeutet niedrige Fluktuation und damit weniger offene Stellen für Ältere.
Laut AMS Auswertung hat 1/3 der Arbeitslosen 50+ gesundheitliche Einschränkungen (alle Altersgruppen: 20%) und 48% haben nur einen Pflichtschulabschluss (alle Altersgruppen: 45%). In Deutschland sind 58,4 % der 60 bis 64-Jährigen erwerbstätig, 2,4 % arbeitslos und 39,2 % nicht

erwerbstätig. In Ö sind 27,3 % erwerbstätig, 0,9 % arbeitslos und 71,9 % sind nicht (mehr) erwerbstätig. (Quelle: Mikrozensus-Arbeitskräfteerhebung, Werte für 2017)

Hauptursachen Pensionssystem und Pensionsmentalität

Hauptursachen für die geringe Beschäftigung Älterer sind das Pensionssystem, das trotz aller Reformen einen frühen Pensionsantritt ermöglicht. 78% der Personen treten ihre Pension frühestmöglich an (Monitoringbericht Pensionskommission). In einer Market-Umfrage unter Arbeitnehmern über 50 Jahren gaben 58% der Befragten als Grund für einen frühen Pensionsantritt an: „Weil es das Pensionssystem ermöglicht und begünstigt.“ 80% gaben an, dass sie gesundheitlich durchaus bis zum gesetzlichen Pensionsantrittsalter arbeiten könnten.  

Maßnahmen zugunsten der Beschäftigung Älterer

Im Interesse aller ist die Beschäftigung Älterer zu steigern: Die Betroffenen erzielen so höhere Einkommen und Pensionen. Die Unternehmen halten oder bekommen qualifizierte Arbeitskräfte mit viel Erfahrung. Das Sozial-, insbesondere das Pensionssystem bleibt finanzierbar.  

  1. Pensionssystem: Dem Hauptproblem, dem frühen Pensionsantrittsalter, kann nur an der Wurzel, nämlich im Pensionssystem begegnet werden. Notwendige Maßnahmen sind bessere AM-Integration nach erfolgter Rehabilitation, höhere Altersgrenzen bei Frühpensionen, das Schließen von Schlupflöchern und die Koppelung des Pensionsalters an die Lebenserwartung nach dem Vorbild vieler anderer EU-Länder. 
  2. Löhne: Ältere Arbeitskräfte sind für Unternehmen teurer als Jüngere: Sie haben aufgrund der Seniorität in vielen Kollektivverträgen Anspruch auf einen höheren Lohn, mehr Urlaub, längere Entgeltfortzahlung im Krankenstand, Jubiläumsgelder, längere Kündigungsfristen, einen stärkeren Kündigungsschutz, etc. Da die Produktivität Älterer oft nicht entsprechend höher ist, haben Jüngere am Arbeitsmarkt Vorteile.  Gegengesteuert werden kann:
    - durch eine Senkung der Lohnnebenkosten für über 50-Jährige;
    - durch eine Abflachung der Einkommensentwicklung in den Kollektivverträgen, wie in der Industrie, bei Banken und im IT-Sektor schon umgesetzt;
  3. Altersteilzeit: Die Altersteilzeit fördert einen teilweisen Rückzug aus dem Erwerbsleben. 2018 bei Männern bereits mit 58 Jahren, bei Frauen sogar schon mit 53 Jahren. Die Altersteilzeitfälle sind von Anfang 2016 bis Feb 18 um 47 % gestiegen, de facto eine neue teure Form der Frühpension. 2018 machen die jährlichen Kosten fast ½ Milliarde Euro aus. Das Antrittsalter für die Altersteilzeit wird in einem ersten Schritt bis 2020 auf 55/60 Jahre angehoben. In D wurde die Altersteilzeit sogar abgeschafft.
  4. Beschäftigungsanreize:  Die Eingliederungsbeihilfe (EB) des AMS geht an Unternehmen, die ältere Arbeitslose einstellen. Evaluierungen zeigen, dass die EB die Beschäftigung Älterer wirksam und dauerhaft steigert und viel weniger kostet, als andere Förderungen für ältere Arbeitslose. Die wirksame EB für Ältere ist daher fortzusetzen.

Strafen sind nicht angebracht und kontraproduktiv - Wirtschaft beschäftigt mehr Ältere
Bestrafungen, wie etwa ein Malus für die Nichtbeschäftigung Älterer sind der falsche Weg. Die Beschäftigung und die Arbeitsaufnahmen Älterer steigen überdurchschnittlich. Die Zielvorgaben der Bundesregierung für die Beschäftigung der über 55-Jährigen wurden mit 30.6.2017 deutlich übererfüllt. Dazu sind keine Strafen oder Quoten erforderlich! 


[1] Quelle: eurostat, Erwerbstätigenquote
Anteil der erwerbstätigen Personen (ohne Arbeitslose) im Alter zwischen 20 und 64 Jahren an der Gesamtbevölkerung derselben Altersklasse.

[2] Bei der Berechnung des Durchschnittsalters wird das Rehabilitationsgeld statistisch wie eine befristete Invaliditätspension behandelt.

[3] Da die Dauer der Arbeitslosigkeit bei Älteren länger ist.

[4] Quelle: AMS, 2017: Al-Quote allg. inkl. Schulungsteilnehmer: 10,13 %, Al-Quote 50+ inkl. Schulungsteilnehmer: 10,02%


Autor: Mag. Maria Kaun
Stand: Mai 2018


Das könnte Sie auch interessieren

  • News
Lehrbertrieb

Lehrberufspaket 2018 verordnet

Tritt rückwirkend mit 1. Juni in Kraft mehr

  • News
Mahrer: Europäische Forschungs- und Innovationsförderung schafft Zukunft für Europa

Mahrer: Europäische Forschungs- und Innovationsförderung schafft Zukunft für Europa 

Österreich konnte aus Horizon 2020-Programm der EU bereits 925 Millionen Euro lukrieren und ist damit überdurchschnittlich erfolgreich – Mehr als Drittel ging an Unternehmen  mehr

  • News
Landschaft Umwelt

Das EU-Japan-Abkommen und die Umwelt

Publikation der WKÖ zu den umweltrelevanten Aspekten mehr