th share video content contact download event event-wifi cross checkmark close xing whatsapp wko-zahlen-daten-fakten wko-wirtschaftrecht-und-gewerberecht wko-verkehr-und-betriebsstandort wko-unternehmensfuehrung wko-umwelt-und-energie wko-steuern netzwerk wko-innovation-und-technologie wko-gruendung-und-nachfolge wko-bildung-und-lehre wko-aussenwirtschaft wko-arbeitsrecht-und-sozialrecht Twitter search print pdf mail linkedin google-plus Facebook arrow-up arrow-right arrow-left arrow-down calendar user home icon-gallery icon-flickr icon-youtube icon-instagram pinterest skype vimeo snapchat
news.wko.at
Mein WKO

Beschäftigung Älterer – Anreize statt Strafen

Position der WKÖ

2020 waren in Österreich 75,5% der Menschen im erwerbsfähigen Alter (20 – 64 Jahre) erwerbstätig, in der EU 72,3%. Bei den 55- bis 64-Jährigen waren 2020 in Österreich 54,7% erwerbstätig, im EU-Schnitt waren es 59,6%. Hauptgrund für die unterdurchschnittliche Erwerbsbeteiligung Älterer ist das frühe Pensionsantrittsalter in Österreich. Stabile Dienstverhältnisse älterer Beschäftigter, Arbeitsrecht und höhere Lohnansprüche erschweren die Reintegration älterer Arbeitsloser.  

Der Arbeitsmarkt Älterer

2020 waren in Österreich 1,07 Mio. Personen über 50 Jahren unselbständig beschäftigt (+0,2%). Sie waren die einzige Altersgruppe mit einem Plus gegenüber dem Vorjahr! Bei den 55 plus betrug das Plus sogar 2,6%. Bei den unter 50-Jährigen sank die Beschäftigung um 82.660 (- 3%) Personen.  

Erwerbsquoten der 50 plus in Prozent  

Entwicklung Erwerbsquoten
© WKÖ Quelle: BALIWeb Sozialministerium, Anteil der Erwerbspersonen (= Arbeitnehmer, Selbständige und Arbeitslose) an der Wohnbevölkerung, Abfrage April 2021

Die Grafik zeigt einen kräftigen Anstieg der Erwerbsquote in den letzten Jahren. Die Erwerbsquoten sinken jedoch stark ab, sobald der Pensionsantritt möglich wird – bei Frauen früher als bei Männern. Das faktische Pensionsantrittsalter lag unter Einbeziehung der Reha-Geldbezieher in Österreich 2020 bei 60,3 Jahren. 

Ältere unterproportional von der Arbeitsmarktkrise 2020 betroffen

Ältere verzeichneten den geringsten Anstieg der Arbeitslosigkeit im Krisenjahr 2020. Nur bei den 50 plus stieg die unselbständige Beschäftigung und sank die Verweildauer.

2020 waren 10,2% der 50 plus arbeitslos (+2,2%-Punkte ggü. 2019), über alle Altersgruppen waren es 9,9% (+2,5%-Punkte). Die Verweildauer sank bei den über 50-Jährigen um 5 Tage, während sie in den anderen Altersgruppen anstieg.
Hauptgrund für die immer noch längere Verweildauer von Älteren ist die höhere Beschäftigungsstabilität von Älteren in Unternehmen. Das bedeutet niedrige Fluktuation und damit weniger offene Stellen für Ältere. Gesundheitliche Einschränkungen: 38,9% der Arbeitslosen 50+ haben gesundheitliche Einschränkungen (alle Altersgruppen: 22,1%). 

In Deutschland ist der Anteil der 60-Plus im Erwerbsleben doppelt so hoch wie in Österreich

Deutschland, Anteil der 60-Plus im Erwerbsleben
© WKÖ Quelle: Mikrozensus-Arbeitskräfteerhebung

Hauptursachen Pensionssystem und Pensionsmentalität

Hauptursachen für die geringe Erwerbsintegration Älterer sind das Pensionssystem, das trotz aller Reformen einen frühen Pensionsantritt ermöglicht, sowie das immer noch niedrigere gesetzliche Frauenpensionsalter von 60 Jahren.  

Maßnahmen zugunsten der Beschäftigung Älterer

Im Interesse aller ist die Beschäftigung Älterer zu steigern: Die Betroffenen erzielen so höhere Einkommen und Pensionen. Die Unternehmen halten oder bekommen qualifizierte Arbeitskräfte mit viel Erfahrung. Das Sozial-, insbesondere das Pensionssystem bleibt finanzierbar.  

  1. Pensionssystem: Dem Hauptproblem, dem frühen Pensionsantrittsalter, kann nur an der Wurzel, nämlich im Pensionssystem begegnet werden. Notwendig wäre eine bessere AM-Integration nach erfolgter Rehabilitation, höhere Altersgrenzen bei Frühpensionen, die Koppelung des gesetzlichen Pensionsalters an die Lebenserwartung nach dem Vorbild vieler anderer EU-Länder.
  2. Löhne: Ältere Arbeitskräfte sind für Unternehmen teurer als Jüngere: Sie haben aufgrund der Seniorität in vielen Kollektivverträgen Anspruch auf einen höheren Lohn, mehr Urlaub, längere Entgeltfortzahlung im Krankenstand, Jubiläumsgelder, längere Kündigungsfristen, etc. Da die Produktivität Älterer oft nicht entsprechend höher ist, haben Jüngere am Arbeitsmarkt Vorteile. Gegengesteuert werden kann:
    • durch eine gezielte Senkung der Lohnnebenkosten für ältere Arbeitskräfte
    • durch eine Abflachung der Einkommensentwicklung in den Kollektivverträgen, wie in der Industrie, im Handel, bei Banken und im IT-Sektor schon umgesetzt.
  3. Altersteilzeit: Die Altersteilzeit fördert einen teilweisen Rückzug aus dem Erwerbsleben. Defacto eine teure Form der Frühpension. Seit 2020 beträgt das Antrittsalter für Altersteilzeit 55/60 Jahre. Mit Ende Jänner 2021 waren 39.402 Personen in ATZ (-5.000 ggü. 01/2020). Die Kosten für ATZ betrugen € 578 Mio. im Jahr 2020.

Beschäftigungsanreize: Die Eingliederungsbeihilfe (EB) des AMS geht an Unternehmen, die ältere Arbeitslose einstellen. Evaluierungen zeigen, dass die EB die Beschäftigung Älterer wirksam und dauerhaft steigert und viel weniger kostet, als andere Förderungen für ältere Arbeitslose. Die wirksame EB für Ältere ist daher fortzusetzen. Auch über gemeinnützige Arbeitskräfteüberlasser finden Ältere wieder in den ersten Arbeitsmarkt.


Autor: Mag. Maria Kaun
Stand: April 2021



Das könnte Sie auch interessieren

Lehrling Distance

WKÖ-Kühnel: „Ein Turboschub für die Attraktivität der Lehre“

Die Duale Akademie, ein Vorzeigemodell speziell für Maturanten und Studienabbrecher, startet österreichweit ab Herbst 2022 – Neues Lehrberufspaket für 4.100 Lehrlinge ab Mai mehr