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Beschäftigung Älterer – Anreize statt Strafen

Position der WKÖ

2015 waren in Ö 77% der Menschen im erwerbsfähigen (20 – 64) Alter erwerbstätig[1], in der EU 75%. Bei den 55 bis 64-Jährigen waren 2015 in Ö hingegen nur 46,3% erwerbstätig, im EU-Schnitt 53,3%. Hauptgrund für die geringe Erwerbsbeteiligung Älterer ist das frühe Pensionsantrittsalter in Ö. Aber auch Arbeitsrecht und höhere Lohnansprüche verringern die Arbeitsmarktchancen älterer Arbeitsloser.  

Der Arbeitsmarkt Älterer

2015 waren in Österreich 870.686 Personen über 50 unselbständig beschäftigt und damit um 54.000 (+6,6%) mehr als 2014. Der Trend hält an: Zwischen April 2015 und April 2016 stieg die Beschäftigung in der Altersgruppe 50+ um 53.100 (+6,2%) Personen, während die Beschäftigung in den anderen Altersgruppen um 22.550 zurückging .Die Arbeitsaufnahmen seit Jahresbeginn 2015 stiegen bis Ende April bei den 50+ um 7,5%, insgesamt nur um 2,3%. 

Erwerbsquoten der 50 plus in Prozent
Quelle: BALIWeb Sozialministerium, Anteil der Erwerbspersonen (= Arbeitnehmer, Selbständige und Arbeitslose) an der Wohnbevölkerung, Abfrage 23.5.2016

 

Frauen

2015  2014   2013   2012  

Männer

2015  2014    2013     2012  

Gesamt

2015   2014    2013   2012  

50-54 84,2   82,5    80,8   79,2   90,6   89,7    89,0     87,7    87,4    86,1     84,8    83,4  
55-59 60,7   56,2    53,6   51,2   79,6   77,3    74,9     73,1   70,1    66,6     64,1    62,0   
60-65 11,5   9,8      8,9     8,2    33,1   28,1    26,1     24, 21,9    18,6     17,2    15,9  
Die Tabelle zeigt, dass die Erwerbsquoten drastisch zurückgehen, sobald der Pensionsantritt möglich wird – bei Frauen etwas früher als bei Männern. Das faktische Pensionsantrittsalter lag unter Einbeziehung der Reha-Geldbezieher in Ö 2015 bei 59,1 Jahren. Die Tabelle zeigt aber auch einen kräftigen Anstieg der Erwerbsquote in den letzten Jahren. Nach Eurostat stieg die Erwerbsquote der 55 bis 64-Jährigen in Ö zwischen 2004 und 2015 von 27,1% auf 46,3%.  

Arbeitslosenquote der 50+ nur knapp über dem Durchschnitt

Der Bestand der Arbeitslosen nahm bei den über 50-Jährigen im Jahr 2015 um 14,9% überdurchschnittlich zu[2], aber die Beschäftigung stieg 2015 ausschließlich bei den 50+ mit 6,6%!

9,7% der 50+ waren arbeitslos, insgesamt waren es 9,1%. Unter Einbeziehung der Schulungsteilnehmer liegt die Al-quote der 50+ seit 2014 sogar unter der allgemeinen Arbeitslosenquote[3]. Ältere sind somit nicht stärker von Arbeitslosigkeit betroffen als andere Altersgruppen. Werden sie allerdings arbeitslos, dauert die Rückkehr in die Beschäftigung länger: Im Jahr 2015 lag die Verweildauer in Arbeitslosigkeit bei 50+ mit 149 Tagen über dem Gesamtschnitt von 115 Tagen. Laut AMS Auswertung hat 1/3 der Arbeitslosen 50+ gesundheitliche Einschränkungen (alle Altersgruppen: 20%) und 48% haben nur einen Pflichtschulabschluss (alle Altersgruppen: 45%).
Höhere Beschäftigungsstabilität für Ältere in Unternehmen bedeutet niedrige Fluktuation und damit weniger offene Stellen für Ältere. In Deutschland sind 42% der 60 bis 64-Jährigen erwerbstätig, 40% Pensionisten, 18% Hausfrauen/männer, in Ö ist die Verteilung 17,1%, 74,4%, 6,8%! (Quelle: Mikrozensus-Arbeitskräfteerhebung, Werte für 2015)

Hauptursachen Pensionssystem und Pensionsmentalität

Hauptursachen für die geringe Beschäftigung Älterer sind das Pensionssystem, das trotz aller Reformen einen frühen Pensionsantritt ermöglicht, und die Pensionsmentalität, die sich durch das Pensionssystem entwickelt hat: 78% der Personen treten ihre Pension frühestmöglich an (Monitoringbericht Pensionskommission). In einer Market-Umfrage unter Arbeitnehmern über 50 Jahren gaben 58% der Befragten als Grund für einen frühen Pensionsantritt an: „Weil es das Pensionssystem ermöglicht und begünstigt.“ 49% der Befragten können den Pensionsantritt kaum erwarten. Gleichzeitig geben aber 80% an, dass sie gesundheitlich durchaus bis zum gesetzlichen Pensionsantrittsalter arbeiten könnten. 

Maßnahmen zugunsten der Beschäftigung Älterer

Im Interesse aller ist die Beschäftigung Älterer zu steigern: Die Betroffenen erzielen so höhere Einkommen und Pensionen. Die Unternehmen halten oder bekommen qualifizierte Arbeitskräfte mit viel Erfahrung. Das Sozial-, insbesondere das Pensionssystem bleibt finanzierbar.  

  1. Pensionssystem: Dem Hauptproblem, dem frühen Pensionsantrittsalter, kann nur an der Wurzel, nämlich im Pensionssystem begegnet werden. Notwendige Maßnahmen sind eine rasche Angleichung des Frauenpensionsalters an das für Männer, höhere Altersgrenzen bei Frühpensionen, das Schließen von Schlupflöchern und die Koppelung des Pensionsalters an die Lebenserwartung nach dem Vorbild vieler anderer EU-Länder.  
  2. Löhne: Ältere Arbeitskräfte sind für Unternehmen wesentlich teurer als Jüngere: Sie haben aufgrund der Seniorität in vielen Kollektivverträgen nicht nur Anspruch auf einen höheren Lohn, sondern auch mehr Urlaub, längere Entgeltfortzahlung im Krankenstand, Jubiläumsgelder, längere Kündigungsfristen, einen stärkeren Kündigungsschutz, etc. Zum höheren Bruttolohn kommen absolut höhere Lohnnebenkosten. Da die Produktivität Älterer oft nicht entsprechend höher ist, haben Jüngere am Arbeitsmarkt Vorteile. Gegengesteuert werden kann:
    • durch eine Senkung der Lohnnebenkosten für über 50-Jährige;
    • durch eine Abflachung der Einkommensentwicklung in den Kollektivverträgen, was etwa in der Industrie, bei Banken und im IT-Sektor schon umgesetzt wurde.  
  3. Altersteilzeit: Durch die Altersteilzeit werden Männer mit 58 Jahren, Frauen sogar schon mit 53 Jahren für die Verringerung ihrer Arbeitszeit belohnt und damit Beschäftigung reduziert. Das Antrittsalter für die Altersteilzeit ist zumindest auf 60/55 Jahre anzuheben. 
  4. Beschäftigungsanreize: Die Eingliederungsbeihilfe (EB) geht an Unternehmen, die ältere Arbeitslose einstellen. Evaluierungen zeigen, dass die EB die Beschäftigung Älterer wirksam und dauerhaft steigert. Der jüngste Ausbau der EB für Ältere ist daher fortzusetzen. 

Strafen sind nicht angebracht und kontraproduktiv

Bestrafungen, wie etwa der von Arbeitnehmerseite geforderte Malus für die Nichtbeschäftigung Älterer, sind der falsche Weg. Die Beschäftigung und die Arbeitsaufnahmen Älterer steigen – trotz Konjunkturschwäche - überdurchschnittlich. Die Lohn- und Lohnnebenkostenbelastung österr. Unternehmen ist bereits deutlich über dem EU-Schnitt. Die Vorgabe von Altersquoten wäre ein unzumutbarer Eingriff in die unternehmerische Freiheit. Abgesehen von den angeführten Hürden für die Beschäftigung Älterer gibt es in manchen „jungen“ Branchen kaum ältere Bewerber. Überhaupt ist es nicht verwerflich, Jüngeren und Berufseinsteigern eine Chance zu geben.

Autor: Mag. Maria Kaun

Stand: Juni 2016



[1] Quelle: Eurostat, Erwerbstätigenquote

Anteil der erwerbstätigen Personen im Alter zwischen 20 und 64 Jahren an der Gesamtbevölkerung derselben Altersklasse.

[2]Da die Dauer der Arbeitslosigkeit bei Älteren länger ist.

[3]Quelle: AMS, dies hängt mit der geringeren Einbeziehung Älterer in AMS Schulungsmaßnahmen zusammen.
Werte 2015: Al-Quote allg. inkl. Schulungsteilnehmer: 10,6%, Al-Quote 50+ inkl. Schulungsteilnehmer: 10,3%

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