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Beschäftigung Älterer – Anreize statt Strafen

Position der WKÖ

2016 waren in Ö 74,8 % der Menschen im erwerbsfähigen (20 – 64) Alter erwerbstätig[1], in der EU 71,1%. Bei den 55 bis 64Jährigen waren 2016 in Ö hingegen nur 49,2 % erwerbstätig, im EU-Schnitt 55,3%. Hauptgrund für die geringe Erwerbsbeteiligung Älterer ist das frühe Pensionsantrittsalter in Ö. Aber auch Arbeitsrecht und höhere Lohnansprüche verringern die Arbeitsmarktchancen älterer Arbeitsloser.  

Der Arbeitsmarkt Älterer

Zum 1. Halbjahr 2017 waren in Österreich 954.311 Personen über 50 unselbständig beschäftigt, ein Plus von 5,3 % (+ 47.650) zum 1. HJ 2016. Bei den unter 50-Jährigen stieg die Beschäftigung im selben Zeitraum nur um 14.690 Personen an.  

Erwerbsquoten der 50 plus in Prozent
Quelle: BALIWeb Sozialministerium, Anteil der Erwerbspersonen (= Arbeitnehmer, Selbständige und Arbeitslose) an der Wohnbevölkerung, Abfrage November 2017

 

Frauen

2016  2015  2014   2013      

Männer

2016  2015  2014    2013      

Gesamt

2016 2015   2014    2013     

50-54 85,2   84,2   82,5    80,8      90,8   90,6   89,7    89,0     88,0   87,4    86,1    84,8   
55-59 65,3   60,7   56,2    53,6     81,3   79,6   77,3    74,9     73,2   70,1    66,6    64,1   
60-65 13,1   11,5   9,8      8,9        37,8   33,1   28,1    26,1      25,0   21,9    18,6    17,2      

Die Tabelle zeigt, dass die Erwerbsquoten drastisch zurückgehen, sobald der Pensionsantritt möglich wird – bei Frauen früher als bei Männern. Das faktische Pensionsantrittsalter lag unter Einbeziehung der Reha-Geldbezieher in Ö 2016 bei 59,2 Jahren. Die Tabelle zeigt einen kräftigen Anstieg der Erwerbsquote in den letzten Jahren. So wurden die von der Regierung für den Juni 2017 festgelegten Beschäftigungsziele für die über 55-Jährigen deutlich übertroffen. Das geplante Bonus-Malus-Modell tritt daher nicht in Kraft. 

Arbeitslosenquote der 50+ nur knapp über dem Durchschnitt

Der Bestand der Arbeitslosen nahm bei den über 50-Jährigen im Jahr 2016 um 6 % überdurchschnittlich zu[2], aber ebenso stieg 2016 die Beschäftigung überdurchschnittlich bei den 50+ mit + 6 %! Zum 1. Halbjahr 2017 waren 8,7% der 50+ per Ende Juni 2017 arbeitslos, insgesamt waren es 7,6%. Unter Einbeziehung der Schulungsteilnehmer liegt die Al-Quote der 50-plus sogar unter der allgemeinen Arbeitslosenquote[3]. Ältere sind somit nicht stärker von Arbeitslosigkeit betroffen als andere Altersgruppen. Werden sie allerdings arbeitslos, dauert die Rückkehr in die Beschäftigung länger. Verweildauer in Arbeitslosigkeit per Juni 2017: bei 50 + 178 Tage, gesamt 131 Tage. Höhere Beschäftigungsstabilität für Ältere in Unternehmen bedeutet niedrige Fluktuation und damit weniger offene Stellen für Ältere.
Laut AMS Auswertung hat 1/3 der Arbeitslosen 50+ gesundheitliche Einschränkungen (alle Altersgruppen: 20%) und 48% haben nur einen Pflichtschulabschluss (alle Altersgruppen: 45%). In Deutschland sind 56 % der 60 bis 64-Jährigen erwerbstätig, 2,6 % arbeitslos und 41,4 % nicht

erwerbstätig. In Ö sind 26,9 % erwerbstätig, 1% arbeitslos und 72 % sind nicht (mehr) erwerbstätig! (Quelle: Mikrozensus-Arbeitskräfteerhebung, Werte für 2016)

Hauptursachen Pensionssystem und Pensionsmentalität

Hauptursachen für die geringe Beschäftigung Älterer sind das Pensionssystem, das trotz aller Reformen einen frühen Pensionsantritt ermöglicht. 78% der Personen treten ihre Pension frühestmöglich an (Monitoringbericht Pensionskommission). In einer Market-Umfrage unter Arbeitnehmern über 50 Jahren gaben 58% der Befragten als Grund für einen frühen Pensionsantritt an: „Weil es das Pensionssystem ermöglicht und begünstigt.“ 49% der Befragten können den Pensionsantritt kaum erwarten. Gleichzeitig geben aber 80% an, dass sie gesundheitlich durchaus bis zum gesetzlichen Pensionsantrittsalter arbeiten könnten. 

Maßnahmen zugunsten der Beschäftigung Älterer

Im Interesse aller ist die Beschäftigung Älterer zu steigern: Die Betroffenen erzielen so höhere Einkommen und Pensionen. Die Unternehmen halten oder bekommen qualifizierte Arbeitskräfte mit viel Erfahrung. Das Sozial-, insbesondere das Pensionssystem bleibt finanzierbar.  

  1. Pensionssystem: Dem Hauptproblem, dem frühen Pensionsantrittsalter, kann nur an der Wurzel, nämlich im Pensionssystem begegnet werden. Notwendige Maßnahmen sind eine rasche Angleichung des Frauenpensionsalters an das für Männer, höhere Altersgrenzen bei Frühpensionen, das Schließen von Schlupflöchern und die Koppelung des Pensionsalters an die Lebenserwartung nach dem Vorbild vieler anderer EU-Länder.  
  2. Löhne: Ältere Arbeitskräfte sind für Unternehmen wesentlich teurer als Jüngere: Sie haben aufgrund der Seniorität in vielen Kollektivverträgen nicht nur Anspruch auf einen höheren Lohn, sondern auch mehr Urlaub, längere Entgeltfortzahlung im Krankenstand, Jubiläumsgelder, längere Kündigungsfristen, einen stärkeren Kündigungsschutz, etc. Da die Produktivität Älterer oft nicht entsprechend höher ist, haben Jüngere am Arbeitsmarkt Vorteile.  Gegengesteuert werden kann:
    • durch eine Senkung der Lohnnebenkosten für über 50-Jährige;
    • durch eine Abflachung der Einkommensentwicklung in den Kollektivverträgen, was etwa in der Industrie, bei Banken und im IT-Sektor schon umgesetzt wurde; 
  3. Altersteilzeit: Die Altersteilzeit fördert einen teilweisen Rückzug aus dem Erwerbsleben bei Männern bereits mit 58 Jahren, bei Frauen sogar schon mit 53 Jahren. Die Altersteilzeitfälle sind von Anfang 2016 bis Okt 17 um 40 % gestiegen, de facto eine neue teure Form der Frühpension. Bald werden die jährlichen Kosten ½ Milliarde € ausmachen. Das Antrittsalter für die Altersteilzeit ist daher deutlich anzuheben. In D wurde die Altersteilzeit abgeschafft. 
  4. Beschäftigungsanreize:  Die Eingliederungsbeihilfe (EB) des AMS geht an Unternehmen, die ältere Arbeitslose einstellen. Evaluierungen zeigen, dass die EB die Beschäftigung Älterer wirksam und dauerhaft steigert. Der Einsatz der EB für Ältere ist daher fortzusetzen.

Strafen sind nicht angebracht und kontraproduktiv

Bestrafungen, wie etwa der von Arbeitnehmerseite geforderte Malus für die Nichtbeschäftigung Älterer, sind der falsche Weg. Die Beschäftigung und die Arbeitsaufnahmen Älterer steigen – trotz Konjunkturschwäche - überdurchschnittlich. Die Zielvorgaben der Bundesregierung für die Beschäftigung der über 55-Jährigen wurden mit 30.6.2017 deutlich übererfüllt. Die Wirtschaft beschäftigt Ältere in hohem Ausmaß. Dazu sind keine Strafen oder Quoten erforderlich!

Autor: Mag. Maria Kaun
Stand: November 


[1] Quelle: eurostat, Erwerbstätigenquote
Anteil der erwerbstätigen Personen (ohne Arbeitslose) im Alter zwischen 20 und 64 Jahren an der Gesamtbevölkerung derselben Altersklasse.

[2]Da die Dauer der Arbeitslosigkeit bei Älteren länger ist.

[3]Quelle: AMS, 2016: Al-Quote allg. inkl. Schulungsteilnehmer: 10,58 %, Al-Quote 50+ inkl. Schulungsteilnehmer: 10,2 % 

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