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Gute Chancen für Ältere am Arbeitsmarkt

Position der WKÖ

2021 waren in Österreich 75,6% der Menschen im erwerbsfähigen Alter (20 – 64 Jahre) erwerbstätig, in der EU 73,1%. Bei den 55- bis 64-Jährigen waren 2021 in Österreich 55,4% erwerbstätig, im EU-Schnitt waren es 60,5%. Hauptgrund für die unterdurchschnittliche Erwerbsbeteiligung Älterer ist das frühe Pensionsantrittsalter in Österreich. Stabile Dienstverhältnisse älterer Beschäftigter, Arbeitsrecht und höhere Lohnansprüche erschweren die Reintegration älterer Arbeitsloser.  

Die Zahl der Älteren auf dem Arbeitsmarkt wächst überdurchschnittlich

2021 waren in Österreich 1,1 Mio. Personen über 50 Jahren unselbständig beschäftigt (+3,2% ggü. 2020). Die Zahl der 50 bis 54-jährigen Beschäftigten stieg um +3,2%, bei den 55-59-Jährigen. betrug das Plus sogar 5,4%. Bei den unter 50-Jährigen nahm die Beschäftigung nur um 2 % zu.

Vergleich mit dem Vorkrisenjahr 2019 - Nur die Älteren übertrafen das Beschäftigungsniveau von 2019

2021 gab es bereits mehr Beschäftigte 50 plus als 2019. Bei Personen unter 50 lag 2021 die unselbständige Beschäftigung noch unter dem Niveau von 2019. 2021 sank die Arbeitslosenquote der 50 + auf 9,1% (-1,5 %-Punkte ggü. 2020). Die Verweildauer in Arbeitslosigkeit betrug bei den 50 + 217 Tage. Quer über alle Altersgruppen lag sie mit 154 Tagen deutlich niedriger.
Hauptgrund für die längere Arbeitslosigkeitsdauer von Älteren ist die höhere Beschäftigungsstabilität von Älteren in Unternehmen. Ältere werden seltener arbeitslos. Das bedeutet niedrige Fluktuation und damit weniger offene Stellen für Ältere. Dies verlängert ihre Suchdauer.  Gesundheitliche Einschränkungen:  41,2% der Arbeitslosen 50+ haben laut AMS gesundheitliche Einschränkungen (alle Altersgruppen: 24,6%). 

Erwerbsquoten der 50 plus in Prozent
Entwicklung Erwerbsquoten
© WKÖ Quelle: AMIS, Erwerbsquote Jahresdurchschnittswerte, BMAW, Abfrage 5.7.2022, Anteil der Erwerbspersonen (= Arbeitnehmer, Selbständige und Arbeitslose) an der Wohnbevölkerung

Die Grafik zeigt einen kontinuierlichen Anstieg der Erwerbsquote Älterer in den letzten Jahren, vor allem bei Frauen zw. 55 und 59 Jahren. Die Erwerbsquoten sinken jedoch stark ab, sobald der Pensionsantritt möglich wird – bei Frauen früher als bei Männern. Das faktische Pensionsantrittsalter lag unter Einbeziehung der Reha-Geldbezieher*innen in Österreich 2021 bei 60,7 Jahren und lag damit kaum höher als 2020 mit 60,3 Jahren.

In Deutschland ist der Anteil der 60-Plus im Erwerbsleben doppelt so hoch wie in Österreich

Deutschland, Anteil der 60-Plus im Erwerbsleben
© WKÖ

Hauptursachen Pensionssystem und Pensionsmentalität

Hauptursachen für die geringe Erwerbsintegration Älterer sind das Pensionssystem, das trotz aller Reformen einen frühen Pensionsantritt ermöglicht, sowie das immer noch niedrigere gesetzliche Frauenpensionsalter von 60 Jahren.  

Maßnahmen zugunsten der Beschäftigung Älterer

Im Interesse aller ist die Beschäftigung Älterer zu steigern: Die Betroffenen erzielen so höhere Einkommen und Pensionen. Die Unternehmen halten oder bekommen qualifizierte Arbeitskräfte mit viel Erfahrung. Das Sozial-, insbesondere das Pensionssystem bleibt finanzierbar.  

  1. Pensionssystem: Dem Hauptproblem, dem frühen Pensionsantrittsalter (faktisches Pensionsantrittsalter 2021: 60,7 Jahre) kann nur an der Wurzel, nämlich im Pensionssystem begegnet werden. Notwendig wäre eine bessere AM-Integration nach erfolgter Rehabilitation, höhere Altersgrenzen bei Frühpensionen, die Koppelung des gesetzlichen Pensionsalters an die Lebenserwartung nach dem Vorbild vieler anderer EU-Länder.
  2. Löhne: Ältere Arbeitskräfte sind für Unternehmen teurer als Jüngere: Sie haben aufgrund der Seniorität in vielen Kollektivverträgen Anspruch auf einen höheren Lohn, mehr Urlaub, längere Entgeltfortzahlung im Krankenstand, Jubiläumsgelder, längere Kündigungsfristen, etc. Da die Produktivität Älterer oft nicht entsprechend höher ist, haben Jüngere am Arbeitsmarkt Vorteile. Gegengesteuert werden kann:
    • durch eine gezielte Senkung der Lohnnebenkosten für ältere Arbeitskräfte
    • durch eine Abflachung der Einkommensentwicklung in den Kollektivverträgen, wie in der Industrie, im Handel, bei Banken und im IT-Sektor schon umgesetzt.
  3. Altersteilzeit: Die Altersteilzeit fördert einen teilweisen Rückzug aus dem Erwerbsleben. Defacto eine teure Form der Frühpension. Seit 2020 beträgt das Antrittsalter für Altersteilzeit 55/60 Jahre. Im Jahresschnitt 2022 waren 37.829 Personen in ATZ (-4.000 ggü 2020). Die Kosten für ATZ betrugen € 547 Mio. im Jahr 2021.

Beschäftigungsanreize: Die Eingliederungsbeihilfe (EB) des AMS geht an Unternehmen, die ältere Arbeitslose einstellen. Evaluierungen zeigen, dass die EB die Beschäftigung Älterer wirksam und dauerhaft steigert und viel weniger kostet, als andere Förderungen für ältere Arbeitslose. Die wirksame EB für Ältere ist daher fortzusetzen. Auch über AMS- geförderte gemeinnützige Arbeitskräfteüberlasser finden Ältere wieder gut in den ersten Arbeitsmarkt.


Autor: Mag. Maria Kaun
Stand: Juli 2022



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