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Licht und Schatten in der Umsatzentwicklung des Einzelhandels im Jahr 2021

Durchschnittsbetrachtung ergibt nominelles Umsatzwachstum von 5,0 Prozent – Economica-Analyse im Auftrag der WKÖ sieht aber große Branchenunterschiede

Einkauf
© Envato

„Es ist zwar erfreulich, dass unterm Strich insgesamt ein Plus steht, doch bei genauerem Hinsehen gab es für den österreichischen Einzelhandel im Jahr 2021 nicht nur Lichtblicke, sondern auch sehr viel Schatten“, kommentiert Rainer Trefelik, Obmann der Bundessparte Handel in der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ), die Umsatzentwicklung des Einzelhandels im zweiten Corona-Jahr. Vor allem habe die Corona-Krise einige grundlegende Veränderungen gebracht und den Handel massiv gespalten. „Die Bilanz ist somit nur auf den ersten Blick positiv. Wenn man von der Durchschnittsbetrachtung weggeht, dann gibt es auch deutliche Verlierer“, sagt Trefelik.  

Er bezieht sich dabei auf eine Analyse des Economica Instituts für Wirtschaftsforschung, das im Auftrag der Bundessparte Handel die Konjunktur des Einzelhandels 2021 auf der Basis von Daten der Statistik Austria unter die Lupe nahm. Die Ergebnisse wurden heute, Mittwoch, im Rahmen einer Pressekonferenz präsentiert und zeigen klare Gewinner und Verlierer innerhalb des Handels. So erzielte der heimische Einzelhandel im Jahr 2021 gesamthaft betrachtet Netto-Umsätze von rund 73,6 Milliarden Euro und damit ein nominelles Umsatzwachstum von 5,0 Prozent. Sogar gegenüber dem Vorkrisenniveau 2019 bedeutet dies – nach der stabilen Konjunkturentwicklung 2020 (+0,1 Prozent) – ein Plus von 5,1 Prozent. „Es zeigen sich in den zwei Jahren Covid-19-Pandemie allerdings massive Verschiebungen im Einzelhandel – und zwar von Non-Food zu Food, von Mode zu 4-Wände und von offline zu online“, analysiert Peter Voithofer vom Economica Institut. 

Lebensmittelhandel und Heimwerkerbedarf wachsen, Modebranchen verlieren

Konkret zählten vor allem der Lebensmittelhandel mit einem Umsatzwachstum von 10,8 Prozent gegenüber 2019 sowie der Handel mit Bau- und Heimwerkerbedarf, dessen Umsatz im Vorjahr um 14,2 Prozent über Vorkrisenniveau lag, und der Möbelhandel (plus 7,3 Prozent) zu den Gewinnern der Krise. Der Schuhhandel hingegen wies im Vergleich zu 2019 ein sattes Minus von 26,3 Prozent aus. Aber auch der Bekleidungshandel (minus 19 Prozent gegenüber 2019) sowie der Elektrohandel (minus 4,6 Prozent) mussten starke Umsatzrückgänge hinnehmen. Kleinere Rückgänge gab es außerdem in den Bereichen Spielwaren, Zeitschriften, Bücher und Schmuck im Vergleich zum Vorkrisenniveau.

Online-Boom des ersten Pandemie-Jahres bremst sich ein

Der heimische Internet-Handel konnte zwar auch 2021 von den Lockdowns profitieren. Wieder mit 2019 verglichen, lag das Plus im Online-Handel sogar bei 18,4 Prozent. „Doch der Online-Boom des ersten Pandemie-Jahres scheint vorbei zu sein“, fasst Iris Thalbauer, Geschäftsführerin der Bundessparte Handel in der WKÖ, die Daten zum Online-Handel zusammen. Konnte der österreichische Online-Handel im Jahr 2020 noch ein Umsatzplus von 17,4 Prozent einfahren, so wuchsen die Umsätze der Online-Bestellungen 2021 nur noch um 1,1 Prozent. „Hier muss freilich auch berücksichtigt werden, dass es schwierig ist, nach dem hohen Umsatzniveau von 2020 nochmals derart hohe Steigerungsraten zu erzielen“, so Thalbauer. Die Ausgaben im ausländischen Online-Handel sind, wie in den letzten Jahren auch schon, stärker gewachsen.  

Nur langsame Erholung im EU-Vergleich 

Insgesamt verläuft die Erholung im heimischen Einzelhandel in Österreich langsamer als in vielen anderen EU-Ländern. Das ist zumindest teilweise darauf zurückzuführen, dass die Corona-Schutzmaßnahmen in Österreich mit langen Lockdowns besonders strikt waren. Die reale (preisbereinigte) Steigerungsrate im österreichischen Einzelhandel beträgt kumuliert in beiden Pandemiejahren plus 3,0 Prozent, das entspricht Platz 21 im EU 27-Ranking.

Apropos Preissteigerung: Der Einzelhandel wirkt in Österreich inflationsdämpfend, die Preissteigerungen liegen 2021 unter dem Verbraucherpreisindex (VPI). 

Beschäftigung in Krise nicht nur gehalten, sondern leicht gesteigert 

Auch habe sich der Einzelhandel „selbst in der Krise als sicherer und zuverlässiger Arbeitgeber erwiesen“, wie Handelsobmann Trefelik betont. Die Anzahl der Mitarbeiter konnte nicht nur gehalten, sondern gegenüber 2020 sogar um 2,8 Prozent gesteigert werden. Im Vergleich zu 2019 beschäftigte der heimische Einzelhandel 2021 um 1,9 Prozent mehr Mitarbeiter, wobei es – analog zur Umsatzentwicklung – im Modehandel Beschäftigungsrückgänge gab, im Onlinehandel hingegen einen starken Zuwachs. 

Positiver Ausblick – trotz enormer Herausforderungen

Für das heurige Jahr ist der Ausblick der Wirtschaftsforscher durchaus positiv. Da die Konsumausgaben der privaten Haushalte laut Wifo-Prognose nominell um 9,7 Prozent steigen werden, soll davon auch der heimische Einzelhandel profitieren. Die Herausforderungen für die Branche sind Trefelik zufolge dennoch nicht zu unterschätzen: „Kernthemen werden sein, dass Geschäftsmodelle adaptiert und einkaufsseitige Preissteigerungen bewältigt werden müssen. Aber auch ausreichend Fachkräfte zu bekommen, wird immer schwieriger“, so der Handelsobmann. Zudem müsse es für jene Branchen, die nach wie vor unter den Pandemie-Auswirkungen leiden, weiterhin Unterstützungen geben. „Insgesamt ist es aber wichtig, den Fokus endlich weg von Corona zu lenken und zu einem weitgehend normalen Leben zurückzukehren. Dann haben auch alle wieder mehr Lust auf Bummeln und Shoppen“, so Trefelik abschließend. (PWK080/DF)

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