th share video content contact download event event-wifi cross checkmark close xing whatsapp wko-zahlen-daten-fakten wko-wirtschaftrecht-und-gewerberecht wko-verkehr-und-betriebsstandort wko-unternehmensfuehrung wko-umwelt-und-energie wko-steuern netzwerk wko-innovation-und-technologie wko-gruendung-und-nachfolge wko-bildung-und-lehre wko-aussenwirtschaft wko-arbeitsrecht-und-sozialrecht Twitter search print pdf mail linkedin google-plus Facebook arrow-up arrow-right arrow-left arrow-down calendar user home icon-gallery icon-flickr icon-youtube icon-instagram pinterest skype vimeo snapchat
news.wko.at
Mein WKO

WKÖ-Wirtschaftsbarometer Winter 2021

Positiver Ausblick mit Störfaktoren

Die Öffnungen in den Sommermonaten ließen die Erwartungen der Wirtschaftstreibenden deutlich steigen. Anfang November befragt, blickten die Unternehmen mit Optimismus auf die Entwicklung im kommenden Jahr. Dies zeigt, dass sich eine konjunkturelle Erholung sehr rasch einstellen kann, wenn die Rahmenbedingungen stimmen.

Logo Wirtschaftsbarometer
© WKÖ
  • Erwartungsindikatoren vor Lockdown im positiven Bereich: In allen Erwartungsindikatoren weisen die Unternehmen mehrheitlich optimistische Erwartungen für das Jahr 2022 auf. Die Impulse kommen dabei aus dem Inland und noch stärker vom Export. Die Erwartungssalden zur Beschäftigung sind auf gleichbleibendem Niveau im positiven Bereich.
  • Ausblick schwächer als gute Lagebewertung: Die Erwartungsindikatoren kommen nicht an die Einschätzungen zur bisherigen Lage heran. Der Aufholeffekt war ein sehr dynamischer und brachte für viele Branchen im letzten Jahr wieder eine deutlich positivere Entwicklung. Bereits unabhängig vom Lockdown haben die Wirtschaftstreibenden eine abschwächende Dynamik entgegengesehen.
  • Unsicherheit lastet auf Investitionen: Der Saldo zu den Investitionserwartungen fällt nur knapp positiv aus, der Großteil der Unternehmen möchte das Investitionsvolumen gleich behalten. Die kleinen Unternehmen äußern sich wesentlich zurückhaltender und es zeigt sich ein Überhang der Unternehmen, die das Investitionsvolumen reduzieren statt aufstocken wollen. 
  • Aufschwung hat Kosten und Preise steigen lassen, das bleibt mittelfristig ein beständiges Phänomen. Deutlich steigend sind die Preiserwartungen, bedingt durch gestiegene Kosten durch Löhne und Gehälter, Vorleistungen und Rohstoffe. Diese Kostentreiber sind es auch, die die stärksten Herausforderungen für die Unternehmen für das kommende Jahr darstellen. Zu beobachten ist der Preisdruck bereits in den Zahlen des vergangenen Jahres, die Erwartungen bleiben auf hohem Niveau.

Unterschiede nach Branchen

Die Wirtschaftsbereiche schätzen die weitere Entwicklung sehr unterschiedlich ein, und zwar vor allem danach, wie stark sie weiterhin von Einschränkungen der Geschäftstätigkeit betroffen sind.  

Wirtschaftliche Aufholeffekte sorgen bei exportaktiven Industrieunternehmen für vorsichtigen Opti r steigenden Kapazitätsauslastung profitieren aktuell noch die Industrie und der Transport. Im Handel war der Saldo bereits vor dem Lockdown nur knapp im positiven Bereich.

Zuversicht steigt mit zunehmender Größenklasse

Die mittleren und großen Unternehmen äußern sich besonders positiv, insbesondere in Hinblick auf die Erwartung zu Auftragslage und Umsätzen. Während bei den kleinen Unternehmen der Saldo aus positiven und negativen Antworten zur künftigen Auftragslage bei 14 liegt, erreicht dieser bei großen Unternehmen einen Wert von 45. Ein ähnliches Bild zeigte sich auch in der Befragung vom Sommer. Kleine Unternehmen zeigen sich zudem zurückhaltender bezüglich Investitionen und Neueinstellungen. 

Investitionen getrieben von großen Unternehmen

Aufgrund der vorsichtigeren Einschätzung zu den Umsätzen und Auftragslage, wollen die kleinen Unternehmen per Saldo das Investitionsvolumen reduzieren. Auch die mittleren Unternehmen äußern sich sehr zurückhaltend und erreichen nur knapp einen positiven Erwartungssaldo, dh mehr Unternehmen, die das Investitionsvolumen aufstocken anstatt reduzieren wollen. Bei den großen Unternehmen zeichnet sich mit einem deutliche positiven Erwartungssaldo eine dynamischere Entwicklung ab. 

Motive für Investitionen in den kommenden 12 Monaten

In Summe überwiegen die Ersatzinvestitionen und werden von 57 % der Unternehmen als Motiv für geplante Investitionen genannt. Die für Wachstum und Beschäftigung entscheidenden Neuinvestitionen erreichen einen Wert von 46 %, es zeigen sich jedoch deutliche Unterschiede nach Größenklasse. 

Investitionsbereitschaft steigt mit Größe des Unternehmens

Bei den Ersatzinvestitionen herrscht der geringste Unterschied nach Größenklassen vor, somit tätigen die kleinen Unternehmen zumindest auch Ersatzinvestitionen. Bei den Neuinvestitionen zeigt sich ein deutlich differenzierteres Bild: Das Motiv Neuinvestitionen der großen Unternehmen ist mit 70 % auf einem überdurchschnittlich hohen Niveau. Gleichzeitig findet sich unter den Betrieben mit mehr als 250 Mitarbeitern kein Unternehmen, das angibt, keine Investitionen zu planen.

Neuinvestitionen sind insbesondere aufgrund ihres Beitrags zu Wirtschaftswachstum und Beschäftigung als wichtig für die weitere konjunkturelle Entwicklung und die erfolgreiche Transformation der Wirtschaft einzustufen. Die großen Unternehmen beabsichtigen im aktuellen Umfeld auch verstärkt auf Rationalisierungsinvestitionen zu setzen, zwei Drittel geben an, solche im nächsten Jahr zu planen.

Im Gegensatz zum positiven Ausblick der großen Unternehmen äußern sich die kleinen Unternehmen zurückhaltender. Mehr als ein Viertel der kleinen Unternehmen plant gar keine Investitionen. In Summe geben 18 % der Befragten an, dass sie keine Investitionen planen, bei kleinen Unternehmen fällt der Anteil mit 28 % noch höher aus.

Der Trend bei den Neuinvestitionen geht in Richtung ökologische und nachhaltige Investitionen, das Motiv hat gegenüber der Befragung vor einem Jahr am deutlichsten zugenommen auf 69 % (im Sommer noch 53%). Positive Impulse hat diesbezüglich die Investitionsprämie gebracht. Auch die klassischen Treiber der Neuinvestitionen Digitalisierung und Innovation befinden sich auf hohem Niveau. 

Gründe für Neuinvestitionen

Icon Ökologische Investitionen
© WKÖ/DMC

69 %

Ökologische Investitionen

Icon Digitalisierung
© WKÖ/DMC

64 %

Digitalisierung

Icon Innovation
© WKÖ/DMC

59 %

Innovationen


Neue und bestehende Herausforderungen

Icon Fachkräfte
© WKÖ/DMC

Winter 21: 79 %
Winter 20: 58 %

Fachkräftemangel

Icon Energiepreise
© WKÖ/DMC

Winter 21: 64 %
Winter 20: 12 %

Energiepreise

Icon Lieferengpässe
© WKÖ/DMC

Winter 21: 58 %
Winter 20: 28 %

Lieferengpässe

Icon Arbeitskosten
© WKÖ/DMC

Winter 21: 54 %
Winter 20: 53 %

Arbeitskosten

Die Rückmeldungen der Unternehmen zu den Herausforderungen für die Zeit nach Covid-19 zeigen eindeutig, dass der Fachkräftemangel als das größte Risiko eingeschätzt wird. So gehen knapp 80% der Befragten davon aus, dass der Fachkräftemangel auch in den kommenden Jahren anhalten  wird.

Der Fachkräftemangel war bereits vor Covid-19 ein Problem, das sich trotz der hohen Arbeitslosigkeit in der Krise nicht aufgelöst, sondern sogar verstärkt hat. Zum Ende des vergangenen Jahres gaben 60 % an, dass der Fachkräftemangel ein Problem darstellt. Der Fachkräftemangel stellt vor allem für große Unternehmen eine massive Herausforderung dar. Während 3 von 4 kleinen Unternehmen angeben, dass sie den Fachkräftemangel weiterhin als Herausforderung ansehen, sind es bei den großen sogar 91 %. Verbunden mit der Fachkräftethematik stellen auch die hohen Arbeitskosten für die Unternehmen eine Belastung dar. 60 % der kleinen Unternehmen nennen die Arbeitskosten als Herausforderung für die kommenden Jahre, bei mittleren und großen sind es 55 % bzw. 47 %. 

Welche Maßnahmen sollte die Regierung setzen?  
Qualifizierung – ua Attraktivierung der Lehre,
betriebsnahe Qualifizierung
76%
Arbeitsmarkt – ua konsequente Vermittlung, mehr
Nachdruck bei Arbeitsaufnahme
68%
Qualifizierte Zuwanderung – ua Ausbau der internationalen
Rekrutierung, Weiterentwicklung der Rot-Weiß-Rot- Karte
61%
Vereinbarkeit – ua Ausbau der Kinderbetreuung, flexible
Arbeitsmodelle
37%
Gesundheit und Pensionen – ua Prävention, Reha und
Arbeitsmarktintegration anstelle von Frühpension,
Anhebung des Pensionsantrittsalters

25%

Steigende Energiepreise und Preise von Rohstoffen und Vorleistungen kristallisieren sich zunehmend als Belastung für einen breiten Wirtschaftsaufschwung heraus und liegen auf Rang zwei der Liste der Herausforderungen. Sie treffen Betriebe sämtlicher Branchen und Größenklassen. Auch wenn alle Unternehmensgrößen davon betroffen sind, sind die Nennungen bei den großen Unternehmen noch häufiger. Klassische Branchenunterschiede zwischen produzierenden und Dienstleistungsbereichen bestehen zwar weiterhin, steigende Energiepreise sind sich jedoch zunehmend für alle Wirtschaftszweige ein Störfaktor. Vor einem Jahr gaben nur 12 % der Unternehmen an, dass die Energiepreise eine Herausforderung darstellen – der Wert hat sich damit mehr als verfünffacht. Die aktuelle Entwicklung kann den wirtschaftlichen Erholungsprozess nach der Krise merklich erschweren.

Durch die Covid-19-Pandemie und auch temporäre globale Entwicklungen haben sich Lieferengpässe zuletzt als zunehmende Herausforderung für die Unternehmen manifestiert. Im Vergleich zum Vorjahr hat sich die Zahl der Nennungen damit verdoppelt. Besonders betroffen sind große Unternehmen, von denen mehr als zwei Drittel Lieferkettenprobleme als Störfaktor im kommenden Jahr anführen. 

Kleine Mittlere Groß
Fachkräftemangel 75% 82% 91%
Energiepreise und Preise von
Rohstoffen und Vorleistungen
64% 58% 72%
Arbeitskosten 60% 55% 47%
Lieferkettenprobleme 54% 60% 67%
Reisebeschränkungen/Reisewarnungen 21% 18% 16%


Im Fokus: Lieferkettenthematik und Rohstoffpreise

  • Steigende Energiepreise und Preise von Rohstoffen und Vorleistungen an zweiter Stelle der Herausforderungen für das kommende Jahr
  • Besonders große Unternehmen betroffen
  • Klassische Branchenunterschiede bestehen, jedoch breite Betroffenheit. Preiserhöhungen sind daher Störfaktor für einen breiten Wirtschaftsaufschwung

Überdurchschnittlich betroffen ist klassischerweise der produzierende Bereich mit der Sparte Industrie (mit mehr als 80 %) und Sparte Gewerbe und Handwerk. Aber auch im Handel und in der Sparte Information und Consulting gibt jeweils jedes 2. Unternehmen an, die Entwicklung als herausfordernd einzuschätzen. Vergleichsweise am wenigsten betroffen zeigen sich die Sparten Tourismus und Freizeitwirtschaft sowie Transport und Verkehr.

Gewerbe
und
Handwerk
 

Industrie Handel

Transport 
und
Verkehr
 

Tourismus
und 
Freizeitwirtschaft

Information
und
Consulting
 

62% 82% 51% 43% 35% 57%

Was verursacht Probleme bei Lieferketten/ Rohstoffpreisen?

Befragt nach der Ursache für die Probleme bei Lieferketten und Rohstoffpreisen nennen zwei Drittel der Befragten Produktionsausfälle bei Zulieferbetrieben. Die Produktionsausfälle treffen den Handel (82%) überdurchschnittlich stark, auch im Gewerbe und Handwerk sowie im Tourismus sehen jeweils 7 von 10 Unternehmen dies als dominierenden Faktor für die aktuelle Lieferketten- und Rohstoffpreisthematik. An zweiter Stelle folgen Transportprobleme (61 %). Auch die gestiegene Nachfrage bildet eine wesentliche Grundlage für die aktuellen Entwicklungen. Dies sehen vor allem die produzierenden Betriebe wie Industrie und Gewerbe und Handwerk, aber auch die Sparte Transport und Verkehr. 

Gründe für Probleme bei Lieferketten und Rohstoffpreisen
Gestiegene Nachfrage 55%
Transportprobleme 61%
Produktionsausfälle bei Zuliefererbetrieben 67%
Protektionismus 27%

Die Unternehmen sehen sich mit einem zunehmenden Kostendruck konfrontiert und müssen flexibler agieren, um Spielräume zu nutzen. Der Großteil ist bereits in Umsetzung: Nur 5 % geben an, dass sie aktuell keine Maßnahmen planen. Die Unternehmen suchen nun aktiv nach neuen bzw. zusätzlichen Lieferanten (68%) und erhöhen ihre Lagerhaltung, um ihre Flexibilität und Eigenständigkeit zu erhöhen. 7 von 10 Unternehmen geben an, dass es zu einer Weitergabe von Preiserhöhungen an den Kunden kommen kann bzw. muss. 

Positive Impulse durch Steuerreform

Neben den kurzfristigen Maßnahmen, die für die besonders betroffenen Branchen des vierten Lockdowns notwendig sind, gilt es vor allem, den Fokus auf Investitionsanreize und Impulse für die Erholung zu legen. Positiv fällt das Fazit der Unternehmen zu den angekündigten Maßnahmen der Steuerreform aus.

Die Senkung der Einkommensteuer in der 2. und 3. Stufe wird von Unternehmen aller Größenklassen als wesentlicher Impuls eingeschätzt, bei kleinen und großen Unternehmen sogar von 55%. Die Maßnahme ist insbesondere im Zusammenhang mit der Erhöhung des Gewinnfreibetrags zu sehen, von dem vor allem kleine Unternehmen profitieren.

Die KöSt-Senkung wird von der Hälfte der Befragten als Investitionsanreiz für das eigene Unternehmen angesehen: so sehen 55 % bzw. 58 % der mittleren und großen Unternehmen die Maßnahmen als positiven Impuls, nur ein marginaler Abstand zeigt sich zur Einschätzung der kleinen Unternehmen, von denen ebenfalls 46% die Maßnahme als positiv einstufen.

Als dritte Maßnahmen, von der die Befragten die größten Impulse erwarten, wird die Einführung des Investitionsfreibetrags genannt. Hierbei zeigt sich eine positivere Einschätzung, je größer das Unternehmen ist. Von den großen Unternehmen sehen sogar 57 % und damit rund 10-%Punkte mehr als bei mittleren Unternehmen die Maßnahmen als positiven Impuls für das eigene Unternehmen.

Hinten den drei Top-Maßnahmen liegen etwa die Erhöhung der Grenze für geringwertige Wirtschaftsgüter, die traditionell am meisten den kleinen Unternehmen nützt. Überraschend positiv sehen die großen Unternehmen die Mitarbeiterbeteiligungsprogramme: 4 von 10 großen Unternehmen schätzen dies als positiv für das eigene Unternehmen ein. 

  Kleine
Unternehmen
Mittlere
Unternehmen

Großunternehmen

Senkung der Einkommensteuer 
in der 2. und 3. Stufe

55% 40% 55%
Senkung der KöSt 46% 55% 58%
Einführung eines
Investitionsfreibetrages
44% 46% 57%
Erhöhung des Gewinnfreibetrags 40% 20% 5%

Erhöhung der Grenze für
geringwertige Wirtschaftsgüter

26% 22% 14%
Mitarbeiterbeteiligungs-
programme
18% 21% 39%
Keine Antwort 10% 14% 4%

Detailanalysen

Auftragslage

  • auf starken Aufholprozess folgt stabiler Ausblick
  • Impulse vor allem im produzierenden Bereich
  • KMU weniger optimistisch als große Unternehmen

Die Öffnungen in den Sommermonaten ließen die Erwartungen der Wirtschaftstreibenden deutlich steigen. Anfang November sehen die Befragten auch mit Optimismus auf die Entwicklung im kommenden Jahr: Rund ein Drittel geht von einer steigenden Auftragslage im kommenden Jahr aus, die Hälfte von einer gleichbleibenden Entwicklung. Von der anziehenden Konjunktur profitieren die mittleren und großen Unternehmen aktuell stärker als kleine Unternehmen. Bei den großen Unternehmen gehen 4 von 10 Unternehmen von einer steigenden Auftragslage im kommenden Jahr aus.

Auch in Hinblick auf die Kapazitätsauslastung zeigt sich ein ähnliches Bild: Wie bei der Auftragslage sind es vor allem mittlere und große Unternehmen, die besonders optimistische Aussichten zur Kapazitätsauslastung haben. Über alle Größenklassen und Branchen gehen mehr als Drittel von einer steigenden Kapazitätsauslastung aus und die Hälfte von einer gleichbleibenden Entwicklung aus.


Der positive Ausblick ist vor allem in der Industrie, im Transport und Verkehr und im Bereich Information und Consulting gegeben. Dies sind auch die Branchen, die am ehesten dem aktuellen Lockdown trotzen könnten und sich auch trotz der Einschränkungen weiterhin dynamisch entwickeln können. 

Umsätze: Stärkere Impulse aus dem Ausland als von Inlandsumsätzen

Die Unternehmen erwarteten vor dem Lockdown noch eine deutliche Verbesserung der Umsätze im kommenden Jahr. So gehen 43% von einer steigenden Entwicklung und ebenso viele von einer gleichbleibenden Entwicklung aus. Der Optimismus steigt mit der Unternehmensgröße: Von den großen Unternehmen mit mehr als 250 Beschäftigten erwarten bereits rund 60% steigende Umsätze. Von der dynamischsten Entwicklung ist in der Industrie auszugehen.


Exporteure besonders optimistisch

Positiv sind die Einschätzungen der exportierenden Unternehmen. Rund die Hälfte geht in den kommenden 12 Monaten von steigenden Exportumsätzen aus und 40 % erwarten eine stabile Entwicklung.

Die exportierenden Unternehmen weisen in Hinblick auf die Erwartungsindikatoren Auftragslage, Kapazitätsauslastung, Investitionen und Beschäftigung wesentlich positivere Aussichten auf als nicht-exportierende Unternehmen. Eine Verbesserung der Auftragslage erwarten von den Exporteuren mehr als 40 %, bei den nicht-exportierenden Unternehmen weniger als 30 %. Die Exporteure weisen auch expansivere Beschäftigungspläne auf. Bei den Investitionen liegt der Saldo zum Investitionsvolumen bei den Exporteuren im positiven, bei Nicht-Exporteuren knapp im negativen Bereich.

 

Erwartungen: Saldo aus positiven und negativen Antworten

Exporteure Nicht-Exporteure
Gesamtumsätze 46% 16%
Auftragslage 32% 9%
Beschäftigung 31% 9%
Investitionsvolumen 7% -2%

 

Investitionen: Schlüssel für Erholung

  • Rund ein Fünftel der Befragten plant Investitionsvolumen auszuweiten
  • Neuinvestitionen gewinnen an Bedeutung, besonders bei großen Unternehmen
  • Trend zu ökologischen Investitionen, Digitalisierung und Innovation

Mit Blick auf das kommende Jahr will der Großteil der Unternehmen, nämlich 6 von 10 Unternehmen, das Investitionsvolumen gleichbehalten. Ein Fünftel plant das Investitionsvolumen im Verlauf des kommenden Jahres auszuweiten. Die Bereitschaft, das Investitionsvolumen zu erhöhen, ist bei kleinen Unternehmen am geringsten und per Saldo im negativen Bereich: Mehr als ein Viertel der kleinen Unternehmen äußert die Absicht, das Investitionsvolumen im kommenden Jahr zu reduzieren. Investitionsfreudiger sind großen Unternehmen, von denen 31 % planen, das Investitionsvolumen in den kommenden 12 Monaten aufzustocken.


Ersatzinvestitionen dominieren

Wie auch schon in der Befragung vom Sommer dominieren aktuell Ersatzinvestitionen, die von 57 % der Befragten als Investitionsmotiv genannt werden. Die Neuinvestitionen liegen etwas über dem Niveau vor einem Jahr und werden von 46 % als Investitionsmotiv genannt. Eine leicht steigende Tendenz zeigt sich bei den Ersatzinvestitionen, die aktuell mit 37 % über dem Schnitt der vergangenen Umfragen liegen. Der Anteil der Unternehmen, die keine Investitionen planen, liegt aktuell bei 18 % und damit etwas höher als noch im Sommer. Die für Wachstum und Beschäftigung entscheidenden Neuinvestitionen erreichen einen Wert von 46 %, es zeigen sich jedoch deutliche Unterschiede nach Größenklasse. Die Rationalisierungsinvestitionen bleiben über dem Schnitt der vergangenen Umfragen bei 37%.


Investitionsbereitschaft steigt mit Größe des Unternehmens

Bei den Ersatzinvestitionen zeigt sich der geringste Unterschied nach Größenklassen, somit tätigen die kleinen Unternehmen zumindest auch Ersatzinvestitionen. Bei den Neuinvestitionen zeigt sich ein deutlich differenzierteres Bild: Das Motiv Neuinvestitionen der großen Unternehmen ist mit 70 % auf einem überdurchschnittlich hohen Niveau. Neuinvestitionen sind insbesondere aufgrund ihres Beitrags zu Wirtschaftswachstum und Beschäftigung als wichtig für die weitere konjunkturelle Entwicklung und die erfolgreiche Transformation der Wirtschaft einzustufen. Die großen Unternehmen beabsichtigen im aktuellen Umfeld auch verstärkt auf Rationalisierungsinvestitionen zu setzen, zwei Drittel geben an, solche im nächsten Jahr zu planen.

Im Gegensatz zum positiven Ausblick der großen Unternehmen äußern sich die kleinen Unternehmen zurückhaltender. Mehr als ein Viertel der kleinen Unternehmen plant gar keine Investitionen. 

Der Trend bei den Neuinvestitionen geht in Richtung ökologische und nachhaltige Investitionen, das Motiv hat gegenüber der Befragung vor einem Jahr am deutlichsten zugenommen auf 69 % (im Sommer noch 53%). Positive Impulse hat diesbezüglich die Investitionsprämie gebracht.

Auch die klassischen Treiber der Neuinvestitionen Digitalisierung und Innovation befinden sich auf hohem Niveau. 

Gründe für Neuinvestitionen

Icon Ökologische Investitionen
© WKÖ/DMC

69 %

Ökologische Investitionen

Icon Digitalisierung
© WKÖ/DMC

64 %

Digitalisierung

Icon Innovation
© WKÖ/DMC

59 %

Innovationen


Zudem zeigt sich in der Sparte Transport und Verkehr, dass geplante Investitionen auch stärker aufgrund der hohen Kapazitätsauslastung geplant werden. 

Beschäftigung: Stabile Lage erwartet, Kurzarbeit wird temporäre Einbrüche abfedern

Mit Blick auf das kommende Jahr wollen 55 % der Unternehmen die Beschäftigung stabil halten und 31 % sogar ausbauen. Damit hat der Anteil, der zusätzliche Mitarbeitende einstellen will, wieder das Vor-Pandemie-Niveau erreicht – wie auch schon in der Befragung vor einem halben Jahr. Nur mehr rund 14 % der Befragten sieht sich mit Stellenabbau konfrontiert. Entsprechend der zurückhaltenden Einschätzungen zu den Ertragsaussichten äußern sich die kleinen Unternehmen auch am stärksten abwartend beim Personalaufbau. Die Erwartungssalden zur Beschäftigung liegen jedoch für alle Größenklassen im positiven Bereich, auch bei kleinen Unternehmen. Am meisten Dynamik bei Einstellungen erwarten große Unternehmen (Saldo 32).

In den besonders vom Lockdown betroffenen Branchen wird aktuell mit einem zumindest temporären starken Anstieg der Kurzarbeitsanträge gerechnet. Die Kurzarbeit hat sich im Verlauf der Pandemie als das Instrument herausgestellt, das einen wesentlichen Beitrag zur Abfederung der negativen Effekte auf Unternehmen und Beschäftigte bewirkt.


Fazit

Auf einen überraschend deutlich spürbaren Aufschwung folgte heuer eine leichte Eintrübung, generell ist der Optimismus bei Österreichs Wirtschaftstreibenden nach dem Sommer jedoch gestiegen. Dies zeigt, dass eine rasche Erholung möglich ist, wenn die richtigen Rahmenbedingungen für die Unternehmen vorliegen – dazu gehören Entlastungen, aber auch Investitionsanreize. Unverändert besorgniserregend ist der Arbeitskräftemangel. 


WKÖ-Wirtschaftsbarometer

Der WKÖ-Wirtschaftsbarometer ist die größte Umfrage der gewerblichen Wirtschaft und wird halbjährlich durchgeführt. An der aktuellen Umfrage im Oktober/November 2021 beteiligten sich 5.835 Unternehmen.


Das könnte Sie auch interessieren

WKÖ

WKÖ-Kopf: Rascher, einfacher, unbürokratischer ist das Gebot der Stunde für UVP-Verfahren

UVP-Verfahrensdauern werden derzeit besser dargestellt als sie sind – Wirtschaftskammer fordert Änderung der Methodik  mehr