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WKÖ Inflationstracker

Analyse der Abteilung Wirtschafts- und Handelspolitik

Um ein akkurates Bild über die derzeitigen Preistrends zu bekommen, fasst der Inflationstracker eine Vielzahl an volkswirtschaftlichen Indikatoren zusammen, die einen Ausblick auf die derzeitige und zukünftige Preisentwicklung geben können.

So analysieren wir, ob eine breit angelegte Erhöhung des Preisniveaus stattfindet oder spezifische Entwicklungen in einigen wenigen Sektoren verantwortlich sind. 

Grafik WHP Analyse
© AdobeStock/WKÖ

November 2021

Der WKÖ-Inflationstracker zeigt weiterhin in vielen Teilbereichen einen Preisdruck nach oben. Wie lange dieser bestehen bleibt, hängt maßgeblich davon ab, wie schnell das Angebot mit dem veränderten Nachfrageverhalten der Konsumenten ins Gleichgewicht kommt. Aktuell wird von mehreren Seiten Druck auf die EZB ausgeübt, ihre vermeintlich lockere Geldpolitik zu straffen. Dabei ist es wichtig, die derzeitige Preisentwicklung in Perspektive zu setzen. Beispielsweise liegt die Kerninflationsrate in Österreich nur leicht über dem 10-Jahresdurchschnitt.

Darüber hinaus wird der Einfluss der Energiekosten im Laufe des Jahres 2022 nachlassen, wodurch die Inflation reduziert wird. Außerdem kämpft die Wirtschaft nach wie vor mit den Auswirkungen der Pandemie. Sie jetzt aus Angst vor der Inflation weiter zu bremsen, könnte langfristig schaden und wertvolle Arbeitsplätze kosten. Zumal eine straffere Geldpolitik auch nichts gegen Lieferengpässe und Arbeitskräfteknappheit ausrichten kann.


Der Z-Wert erklärt

Um die aktuellen Zahlen einordnen zu können, wird der sogenannte Z-Wert berechnet. Dieser ergibt sich aus dem Abstand des aktuellen Wertes vom 10-Jahres-Durchschnitt, dividiert durch die Standardabweichung. Der Z-Wert ist positiv, wenn der aktuelle Wert über dem Durchschnitt liegt und negativ, wenn er darunter liegt. Dadurch kann bestimmt werden, ob die aktuellen Zahlen mittelfristig gesehen im historischen Rahmen liegen oder auf einen besonderen Preisdruck hindeuten. Beträgt der Z-Wert z.B. 2, liegt der aktuelle Wert 2 Standardabweichungen über dem Mittelwert.

Z-Wert: Je höher ein Indikator im Vergleich zum Mittelwert er letzten zehn Jahre ist, desto dunkelblauer ist das dazugehörige Rechteck.

Die Kernrate stagniert bereits seit August

Die Kernrate des harmonisierten Verbraucherpreisindex (HVPI) liegt mit 2,4 % klar über dem Ziel der Europäischen Zentralbank (EZB) von glatt 2 %. Für Konsumenten in Österreich ist die heimische Berechnungsmethode des VPI aber zutreffender. Mit ihr beharrt die Kernrate schon seit August bei nur 2,2 %. Der größte Preisdruck kommt also eindeutig von den gestiegenen Energiepreisen, welche von der Kernrate zusammen mit den Lebensmittelpreisen ausgeklammert werden.

Im Euroraum ist die Kluft zwischen Haupt- und Kernrate sogar noch ausgeprägter. Dort beträgt die Kernrate mit 2,1 % ganze 2 Prozentpunkte weniger als die Hauptrate. In Österreich sind also sowohl die Energiepreise als auch die Nahrungsmittelpreise im Vergleich zur Eurozone unterdurchschnittlich stark angestiegen.

Große Lücke zwischen Kern- und Hauptrate im Euroraum.

Außerdem werden die derzeit hohen Energiepreise dafür sorgen, dass die Hauptrate der Inflation gegen Ende 2022 zunehmend nach unten gedrückt wird. Bloomberg Economics geht beispielsweise davon aus, dass dieser Effekt die Inflation bis Dezember 2022 auf fast 1 % schmälern wird.

Hohe Energiepreise verringern Inflation im Jahr 2022.

Z-Wert* - Abstand vom 10-Jahres-Schnitt

Z-Wert Grafik
© Quellen: Eurostat, Statistik

Letztes Update: 19.11.2021, *Abstand vom 10-Jahres Durchschnitt. Der „Normalbereich“ ist durch einen Abstand von jeweils einer Standardabweichung vom Mittelwert definiert. Bei einem Z-Wert von 0 entspricht die aktuelle Wachstumsrate dem Mittelwert. ** des produzierenden Bereichs, Erzeugerpreisindex für September, Quellen: Eurostat, Statistik Austria, EZB.

Die Autokrise nähert sich ihrem Ende

Einen besonders großen Effekt hatte die Pandemie auf die Energiepreise, sodass die Ausgaben für Treibstoffe und Heizöl im Oktober mehr als ein Drittel der Inflation ausmachen. Verantwortlich für diesen Anstieg sind zum einen die überraschend hohe Nachfrage nach fossilen Energieträgern, aber auch der massive Preisverfall in den ersten Monaten der Pandemie.

Basiseffekte und Lieferengpässe treiben Energiepreise in die Höhe.

Die steigenden Ölpreise haben auch zu einem Anstieg in der Förderung von Erdöl geführt, vor allem in den USA. Die weltweite Ölproduktion ist im vergangenen Monat um 1,4 Mio. Barrel/Tag gestiegen und wird im November und Dezember noch einmal ebenso schnell wachsen, da die durch Hurrikan Ida unterbrochene Produktion im Golf von Mexiko wieder aufgenommen werden kann. Infolgedessen prophezeit die Internationale Energieagentur (IEA) in ihrem Novemberbericht bereits das Ende der Preisrallye.

Ebenfalls deutliche Schwankungen können bei den Preisen für neue und gebrauchte Kraftfahrzeuge beobachtet werden. Die Halbleiterknappheit und andere Engpässe machen der europäischen Autoindustrie aktuell zu schaffen. Infolgedessen gingen die Auslieferungen im Oktober den vierten Monat in Folge zurück. Im November wird eine Umkehr des Trends erwartet. Viele Hersteller verfügen über teilmontierte Fahrzeuge, die schnell fertiggestellt werden können, sobald sich die Halbleiterknappheit verbessert.

Der Gütermarkt kommt mit der hohen Nachfrage nicht zurecht.

Z-Wert* - Abstand vom 10-Jahres-Schnitt

Z-Wert Grafik
© Quelle: Eurostat

Letztes Update: 19.11.2021, *Abstand vom 10-Jahres Durchschnitt. Der „Normalbereich“ ist durch einen Abstand von jeweils einer Standardabweichung vom Mittelwert definiert. Bei einem Z-Wert von 0 entspricht die aktuelle Wachstumsrate dem Mittelwert. Quelle: Eurostat.

Einkaufsmanagerindex zeugt von starkem Preisdruck

Der „Economic Sentiment Indicator“ für Österreich ist im Oktober zum ersten Mal seit Juni 2021 wieder leicht gestiegen, was sich in Anbetracht der aktuellen Covid-Entwicklung aber als Ausreißer herausstellen dürfte. Die Verkaufspreiserwartungen für die nächsten 3 Monate befinden sich in jedem Bereich außer dem Bau auf einem 10-Jahreshoch. Damit stellen die Verkaufspreiserwartungen weiterhin die wohl deutlichste Warnung vor einer länger währenden Inflation dar.

Verkaufspreiserwartungen auf Rekordniveau.

Der ab 21.11 geltende Lockdown dürfte den Preisdruck zwar kurzfristig bremsen, aber leider aus den falschen Gründen. Dadurch wird die Nachfrage im Gütersektor weiter gefördert, während der Dienstleistungssektor schwächelt. Mittelfristig dürften die neuen Maßnahmen tendenziell preistreibend wirken, auch wenn der Effekt Österreichs aufgrund der kleinen Marktgröße gering ausfallen dürfte.

Wann eine Normalisierung eintritt, hängt wieder einmal stark vom Pandemiegeschehen ab. Aber auch davon, wie sich die internationalen Lieferketten entwickeln und/oder wie schnell die Haushalte einen Teil ihrer Ausgaben wieder von Gütern zu Dienstleistungen verlagern.

Z-Wert* - Abstand vom 10-Jahres-Schnitt

Z-Wert Grafik
© Quelle: ESI Business and Consumer Survey

Letztes Update: 19.11.2021, *Abstand vom 10-Jahres Durchschnitt. Der „Normalbereich“ ist durch einen Abstand von jeweils einer Standardabweichung vom Mittelwert definiert. Bei einem Z-Wert von 0 entspricht der aktuelle Wert dem Mittelwert. ** Verkaufspreiserwartungen für die nächsten 3 Monate, Quelle: ESI Business and Consumer Survey.

Rohstoffpreise weiterhin hoch

Der Ölpreis der Sorte Brent ist seit Ende Oktober leicht gefallen und liegt damit 35 % unter dem 10-Jahreshoch aus dem Jahr 2011. Ebenfalls nachgelassen hat der Preisdruck bei Metallen wie Stahl und Kupfer. Beispielsweise lag der Stahlpreis Mitte November fast 25 % unter dem Wert des Vormonats.  Nichtsdestotrotz kämpft die Industrie mit weiterhin hohen Erzeugerpreisen.

Ohne Zweitrundeneffekte führen steigende Rohstoffpreise nur kurzfristig zu höherer Inflation.

Der Kupfermarkt gilt als guter Indikator für die Konjunkturentwicklung, da das Metall eine zentrale Rolle im Baugewerbe und bei elektronischen Geräten spielt. Da sich die Konjunkturerwartungen in den letzten Wochen etwas getrübt haben, ging auch der Kupferpreis leicht zurück. Den größten Effekt hatten dabei die Erwartung auf Zinsanhebungen durch die Federal Reserve im Jahr 2022 und die sich weiterhin entfaltende Immobilienkrise in China.

Im Vergleich zum Oktober ist der Z-Wert nur bei Weizen angestiegen. Steigende Weizenpreise verteuern nicht nur Lebensmittel, die es direkt enthalten, sondern auch tierische Produkte, da Weizen als eines der Hauptfuttermittel in der Landwirtschaft dient. Die Gründe für den rasanten Preisanstieg sind gewohnt vielfältig und beinhalten Vorratskäufe durch China, ungewöhnliche Wetterereignisse in Brasilien, den USA und Kanada, Exportbeschränkungen durch Russland sowie hohe Düngerpreise. Angesichts des wirtschaftlichen Einbruchs 2020 und des Ansturms von Spekulanten ist das aber kein eindeutiger Beleg für eine Inflation, die mehr als nur vorübergehend ist.

Weizenmarkt erlebt „perfekten Sturm“.

Z-Wert* - Abstand vom 10-Jahres-Schnitt

Z-Wert Grafik
© Quellen: OECD

Letztes Update: 19.11.2021, *Abstand vom 10-Jahres Durchschnitt. Der „Normalbereich“ ist durch einen Abstand von jeweils einer Standardabweichung vom Mittelwert definiert. Bei einem Z-Wert von 0 entspricht der aktuelle Wert dem Mittelwert. ** Chicago Lumber Futures, Quelle: Trading Economics.

Normalisierung der Inflation verspätet sich 

Sowohl in Österreich als auch im Euroraum geht man aktuell davon aus, dass die beobachteten Inflationsraten ab 2023 wieder unter dem Ziel der EZB liegen werden. Gerade im Euroraum sind übertriebene Inflationsängste unangebracht. Die EU ist den gleichen Lieferkettenproblemen ausgesetzt wie die USA. Doch während die amerikanische Kerninflation im Oktober satte 4,6 % betrug, blieb sie im Euroraum bei 2,1 %. Außerdem ist der Anstieg der Inflationsrate selbst in den USA ausschließlich auf höhere Güterpreise zurückzuführen (FT).

Inflation im Euroraum viel geringer als in den USA.

In Europa, wo die Inflation nach wie vor niedrig ist und sich die Wachstumsaussichten gerade schlagartig eintrüben, beschränken sich die Forderungen nach einer strafferen Geldpolitik fast ausschließlich auf einige Medien. Die Inflationsrate im Euroraum wird nach einem Ausreißer in diesem Jahr bis 2023 auf voraussichtlich 1,5 % zurückgehen. Es gibt keine Anzeichen für einen neuen Reflationszyklus, weder in Europa, noch in Japan oder China.

Z-Wert* - Abstand vom 5-Jahres-Schnitt

Z-Wert Grafik
© Quelle: Trading Economics

Letztes Update: 19.11.2021, *Abstand vom 10-Jahres Durchschnitt. Der „Normalbereich“ ist durch einen Abstand von jeweils einer Standardabweichung vom Mittelwert definiert. Bei einem Z-Wert von 0 entspricht die aktuelle Wachstumsrate dem Mittelwert, Quellen: OECD.


Durchschnitt der 26 Indikatoren (19.11.2021)

Durchschnitt der 26 Indikatoren
© WKÖ

Ergebnisse aus den Vormonaten

AusgabeZ-WertVeränderung
November2,2
Oktober2,1
September1,6

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