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WKÖ Inflationstracker

Analyse der Abteilung Wirtschafts- und Handelspolitik

Um ein akkurates Bild über die derzeitigen Preistrends zu bekommen, fasst der Inflationstracker eine Vielzahl an volkswirtschaftlichen Indikatoren zusammen, die einen Ausblick auf die derzeitige und zukünftige Preisentwicklung geben können.

So analysieren wir, ob eine breit angelegte Erhöhung des Preisniveaus stattfindet oder spezifische Entwicklungen in einigen wenigen Sektoren verantwortlich sind. 

Grafik WHP Analyse
© AdobeStock/WKÖ

April 2022

Der Inflationstracker hat im April wie erwartet einen weiteren Höchststand erreicht, weitestgehend getrieben von den massiven Energiepreissteigerungen im Zuge des Ukraine-Krieges. Gleichzeitig drohen die Lockdowns in China und die damit verbundenen Lieferkettenunterbrechungen die Inflation weiter anzutreiben. Zwar ist das österreichische BIP im 1. Quartal mit 2,5 % überraschend schnell gewachsen, die drei größten Volkswirtschaften Europas - Deutschland, Frankreich und Italien - stagnierten allerdings.

Die von vielen gefürchtete Stagflation ist also längst in Europa angekommen. Währenddessen bereitet sich die EZB auf eine erste Zinserhöhung vor, welche sie schon im Juli durchführen könnte. Noch im Dezember hielt die EZB eine Zinserhöhung im Jahr 2022 für „höchst unwahrscheinlich“. Zu bedenken ist auch, dass auf die letzten beiden EZB-Zinserhöhungen (2008 und 2011) rasch eine Rezession im Euroraum folgte. 


Der Z-Wert erklärt

Um die aktuellen Zahlen einordnen zu können, wird der sogenannte Z-Wert berechnet. Dieser ergibt sich aus dem Abstand des aktuellen Wertes vom 10-Jahres-Durchschnitt, dividiert durch die Standardabweichung. Der Z-Wert ist positiv, wenn der aktuelle Wert über dem Durchschnitt liegt und negativ, wenn er darunter liegt. Dadurch kann bestimmt werden, ob die aktuellen Zahlen mittelfristig gesehen im historischen Rahmen liegen oder auf einen besonderen Preisdruck hindeuten. Beträgt der Z-Wert z.B. 2, liegt der aktuelle Wert 2 Standardabweichungen über dem Mittelwert.

Z-Wert: Je höher ein Indikator im Vergleich zum Mittelwert der letzten zehn Jahre ist, desto dunkelblauer ist das dazugehörige Rechteck.
Durchschnitt der 26 Indikatoren
© WKÖ

Ukraine-Krieg lässt Inflation auf 40 Jahreshoch steigen

Die Folgen des Ukraine-Krieges haben die Preise in ganz Europa weiter steigen lassen. In Österreich ist die jährliche Inflationsrate im März von 5,5 % im Vormonat auf 6,7 % angewachsen. Ausschlagegebend für den Anstieg sind fast ausschließlich die Energiepreise, die aktuell um 40,5 % über dem Vorjahresniveau liegen. Zusammen mit den negativen Auswirkungen auf die Gesamtwirtschaft, stellt dies einen weiteren negativen Angebotsschock dar, der die Arbeit der EZB erschwert und die Sozialpolitik herausfordert.  

Auch die Kernrate des harmonisierten Verbraucherpreisindex (HVPI) ist im März weiter von 3,6 % auf 3,7 % angestiegen und liegt damit deutlich über dem Ziel der Europäischen Zentralbank (EZB) von glatt 2 %. Im Monatsvergleich ist das der Kernrate zugrunde liegende Preislevel um 1,2 % angewachsen, was den stärksten monatlichen Zuwachs seit März 2019 darstellt. Im März steigt das Preislevel traditionell stärker an als in anderen Monaten, so auch im vergangenen Jahr, weshalb sich der starke Anstieg nicht in der jährlichen Inflationsrate widerspiegelt.

6 von 10 der größten Kern-HVPI-Sprünge seit 2000 fanden im März statt.

Z-Wert* - Abstand vom 10-Jahres-Schnitt

Z-Wert Grafik
© Quellen: Eurostat, Statistik Austria, EZB

Letztes Update: 22.04.2022, *Abstand vom 10-Jahres Durchschnitt. Der „Normalbereich“ ist durch einen Abstand von jeweils einer Standardabweichung vom Mittelwert definiert. Bei einem Z-Wert von 0 entspricht die aktuelle Wachstumsrate dem Mittelwert. ** des produzierenden Bereichs, Erzeugerpreisindex für Februar, Quellen: Eurostat, Statistik Austria, EZB.


Treibstoffpreise lassen Inflation kräftig steigen

Die Kraftstoffpreise stiegen im März um weitere 21,8 % (im Jahresvergleich um 50,5 %). Allein die Treibstoffpreise sind damit für fast zwei Prozentpunkte der jährlichen Inflationsrate verantwortlich und werden in den kommenden Monaten weiter zur hohen Inflation beitragen. Im März erreichten die Spritpreise ihren vorläufigen Höhepunkt und sind seither merklich gesunken, allerdings nicht ausreichend, um für April einen Rückgang der Inflationsrate zu erwarten. 

Der Anteil der Dienstleistungen an der jährlichen Inflationsrate blieb in den letzten Monaten zwar recht stabil, trotzdem kam es in einigen Bereichen zu deutlichen Preissteigerungen. Beispielsweise liegen im Beherbergungssektor die Preise aktuell um 11,7 % über dem Vorjahresniveau, nicht zuletzt aufgrund des Auslaufens der vorübergehenden Mehrwertsteuersenkung.

Im Gegensatz dazu kam es bei industriellen Gütern (ohne Energie) im März sogar zu einem leichten Rückgang der jährlichen Inflationsrate (von 4,6 % auf 4,1 % im Vergleich zum Vormonat). Dieser Rückgang deutet allerdings nicht unbedingt auf eine Entspannung der Lieferketten und der damit einhergehenden Güterinflation hin, sondern ist vielmehr auf einen Basiseffekt zurückzuführen. Das Preislevel selbst ist auch im März weiter angewachsen, nämlich um ganze 2,4 % im Vergleich zum Vormonat.

Treibstoffe im Jahresvergleich um 50,5 % teuer

Z-Wert* - Abstand vom 10-Jahres-Schnitt

Z-Wert Grafik
© Quelle: Eurostat

Letztes Update: 22.04.2022, *Abstand vom 10-Jahres Durchschnitt. Der „Normalbereich“ ist durch einen Abstand von jeweils einer Standardabweichung vom Mittelwert definiert. Bei einem Z-Wert von 0 entspricht die aktuelle Wachstumsrate dem Mittelwert. Quelle: Eurostat.


Großteil der Unternehmen erwartet steigende Preise

Der „Economic Sentiment Indicator“ für Österreich ist im März deutlich gesunken und liegt nun mit 107,3 Punkten auf dem Niveau von März 2021. Die Verkaufspreiserwartungen für die nächsten 3 Monate sind aufgrund des Ukraine-Krieges durchgehend gestiegen, einzig im Bausektor kam es zu einer leichten Entspannung der Preiserwartungen. Besonders betroffen von den steigenden Preiserwartungen ist der Handel und die Konsumenten. 

Neben der weiteren Entwicklung im Ukraine-Krieg sind die Lockdowns in China der größte Unsicherheitsfaktor. Satellitendaten deuten auf einen deutlichen Einbruch der wirtschaftlichen Aktivität hin. Im Hafen von Shanghai, dem größten der Welt, kommen derzeit nur halb so viele LKWs wie üblich an. Zusammen mit der Schließung vieler Warenhäuser stapeln sich bereits fertige Waren in den Fabriken. Außerdem mussten viele Hersteller die Produktion einstellen, nachdem die Lieferung von Rohstoffen und Teilen unterbrochen wurde. Kurzfristig bedeuten weniger Container aus China eine Entspannung an den westlichen Häfen.

Vor den Häfen von Los Angeles und Long Beach hat sich die Anzahl der wartenden Containerschiffe von 100 zu Beginn des Jahres auf 40 reduziert. Längerfristig könnte der entstehende Backlog der chinesischen Exporteure aber zu einem weiteren Ansturm auf die internationalen Häfen führen, mit schwer vorhersehbaren Folgen für die Lieferketten und die Preise.

Lockdowns in China könnten Lieferketten erneut belasten.

Z-Wert* - Abstand vom 10-Jahres-Schnitt

Z-Wert Grafik
© Quelle: ESI Business and Consumer Survey

Letztes Update: 22.04.2022, *Abstand vom 10-Jahres Durchschnitt. Der „Normalbereich“ ist durch einen Abstand von jeweils einer Standardabweichung vom Mittelwert definiert. Bei einem Z-Wert von 0 entspricht der aktuelle Wert dem Mittelwert. ** Verkaufspreiserwartungen für die nächsten 3 Monate, Quelle: ESI Business and Consumer Survey.


Der Ukraine-Krieg gefährdet die weltweite Nahrungsmittelversorgung

Die Invasion Russlands in die Ukraine hat die Versorgung mit lebenswichtigen Rohstoffen teilweise unterbrochen und die Lockdowns in China, das für rund 12 % des Welthandels verantwortlich ist, könnten die Kosten noch weiter in die Höhe treiben, da Fabriken und Frachthäfen stillstehen. 

Außerdem haben bereits mehrere Länder Exportrestriktionen verhängt, um internen Inflationsdruck zu bekämpfen und Versorgungsengpässen vorzubeugen. Das mag in den jeweiligen Ländern Wirkung haben, hat aber auf der anderen Seite den Effekt, dass es den Preisdruck auf dem Weltmarkt weiter verschärft. Beispielsweise hat Indonesien am 22. April überraschend einen Exportstopp für Palmöl verhängt. Das Land ist der weltweit größte Produzent des Öls, weshalb das Verbot das ohnehin bereits knappe Angebot weiter einschränken und die Auswirkungen des Ukraine-Krieges weiter verstärken könnte.

Der Krieg hat unlängst den Handel mit Sonnenblumenöl hart getroffen, und da Pflanzenöle von Süßigkeiten bis hin zu Kraftstoffen sehr vielfältig eingesetzt werden, könnten die Maßnahmen die weltweite Lebensmittelinflation noch für eine längere Zeit befeuern. Im Allgemeinen ist die Lebensmittelinflation international für viele Länder mindestens gleich problematisch wie die hohen Energiepreise. Die Weizenpreise sind im Vergleich zu ihrem 10-Jahresdurchschnitt noch stärker gewachsen als die Erdölpreise, und Exportverbote von Weizen selbst sowie von Düngemitteln drohen eine Krise in der weltweiten Nahrungsmittelversorgung auszulösen.

Rohstoffrally setzt sich ununterbrochen fort.

Z-Wert* - Abstand vom 10-Jahres-Schnitt

Z-Wert Grafik
© Quellen: Trading Economics

Letztes Update: 22.04.2022, *Abstand vom 10-Jahres Durchschnitt. Der „Normalbereich“ ist durch einen Abstand von jeweils einer Standardabweichung vom Mittelwert definiert. Bei einem Z-Wert von 0 entspricht der aktuelle Wert dem Mittelwert. ** Chicago Lumber Futures, Quelle: Trading Economics.


Zentralbanken stehen vor schwierigen Entscheidungen

Im vergangenen Jahr wurde viel darüber diskutiert, ob die Regierungen zu große Covid-Hilfen an die Wirtschaft ausgezahlt haben und sie damit zu stark angeheizt haben. Zumindest in den USA dürfte dies auch tatsächlich der Fall gewesen sein. Aber mittlerweile ist klar, dass zur Bekämpfung des  Inflationsproblems Lieferkettenprobleme im Fokus stehen  und die Weltwirtschaft sich erst auf das neue Nachfrageverhalten einstellen muss. Natürlich könnte die starke Gesamtnachfrage die Inflation verschärft haben, aber das eigentliche Problem sind die vorherrschenden Produktionsengpässe.

Deshalb können Zinserhöhungen nicht die alleinige Lösung sein, um die Inflation zu senken. Diese würden im Fall der Eurozone auf eine Wirtschaft treffen, die ohnehin bereits akuter Rezessionsgefahr ausgesetzt ist. Die Pandemie, der Ukraine-Krieg und die Klimakrise erfordern enorme strukturelle Veränderungen. Das Hauptargument für Zinserhöhungen von Seiten der EZB ist nicht eine überhitzte Wirtschaft, sondern die Demonstration ihres Willens, die Inflation zu bekämpfen.

Wäre die EZB jedoch ihrer Linie aus dem Jahr 2021 treu geblieben, hätte sie nun womöglich nicht so viel Druck, ihre Glaubwürdigkeit verteidigen zu müssen und könnte stattdessen größere Rücksicht auf die makroökonomischen Auswirkungen des Ukraine-Krieges nehmen.

Fed erhöht im Gegensatz zur EZB bereits ihren Leitzins.

Z-Wert* - Abstand vom 5-Jahres-Schnitt

Z-Wert Grafik
© Quelle: OECD

Letztes Update: 22.04.2022, *Abstand vom 10-Jahres Durchschnitt. Der „Normalbereich“ ist durch einen Abstand von jeweils einer Standardabweichung vom Mittelwert definiert. Bei einem Z-Wert von 0 entspricht die aktuelle Wachstumsrate dem Mittelwert, Quelle: IWF.


Ergebnisse aus den Vormonaten

Durchschnitt der 26 Indikatoren
AusgabeZ-WertVeränderung
April 20223,3
März 20223,0
Jänner 20222,2
Dezember 20212,3
November 20212,2
Oktober 20212,1
September 20211,6

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