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ZEW-Wambach: Europa muss zweite Hälfte in der Digitalisierung gewinnen 

Spannungslinien zwischen digitaler und sozialer Marktwirtschaft genau ausloten – Weiterbildung stärker forcieren – Digitaler Wandel nicht Angelegenheit der nächsten Generation

Christian Keuschnigg, Direktor des WPZ St. Gallen, Christoph Schneider, Leiter der wirtschaftspolitischen Abteilung in der WKÖ, und Achim Wambach, Präsident des ZEW (Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung)
© WKÖ/Blauensteiner Christian Keuschnigg, Direktor des WPZ St. Gallen, Christoph Schneider, Leiter der wirtschaftspolitischen Abteilung in der WKÖ, und Achim Wambach, Präsident des ZEW (Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung)

„Die Digitalisierung bringt massive Implikationen für das bestehende System der sozialen Marktwirtschaft mit sich. Die bisherigen Charakteristika driften in weiten Bereichen zu jenen einer digitalen Marktwirtschaft auseinander. Europa hat die erste Hälfte im Zeitalter der Digitalisierung verloren, jetzt müssen wir uns fragen, wie gewinnen wir die zweite Hälfte? Umso mehr ist die Politik gefordert, Leitplanken für eine digitale Ordnungspolitik zu erstellen, damit Europa und die Nationalstatten als Standorte nicht den Anschluss an die globale Leistungsfähigkeit verlieren“, betonte heute, Donnerstag, Achim Wambach, Präsident des ZEW (Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung) im Rahmen der „Wirtschaftspolitischen Gespräche“ der WKÖ in Wien in Kooperation mit dem Wirtschaftspolitischen Zentrum und Universität St. Gallen (WPZ). 

Durchgehende Weiterqualifizierung der Mitarbeiter

Auch wenn Angst vor dem Wandel am Arbeitsmarkt - ausgelöst durch die Digitalisierung - bestehe, würden die unterschiedlichen Untersuchungen zeigen, dass weniger ganze Berufsfelder wegfallen, sondern vielmehr Tätigkeit substituiert werden und sich neue Jobprofile ergeben, unterstrich Christian Keuschnigg, Direktor des WPZ. Umso wichtiger sei die durchgehende Weiterqualifizierung der Mitarbeiter, denn der digitale Wandel sei nicht Angelegenheit der nächsten Generation, sondern vollziehe sich jetzt und ohne Verzögerung im täglichen Arbeitsprozess, so Wambach. Das ZEW habe in Hinblick auf die Gefährdung von Arbeitsplätzen durch die Automatisierung für Deutschland einen Wert von 12 Prozent errechnet, für die USA betrage dieser neun Prozent. „Aber auch hier hat das Bild zwei Seiten: Denn Arbeitskosten sinken durch die zunehmende Automatisierung. Und damit kommt es wieder zu Tendenzen einer Rückverlagerung, da die Arbeitskosten eine geringere Rolle spielen und Qualifizierung und Innovationen stärker in den Mittelpunkt rücken“, so Keuschnigg. 

Als Eckpfeiler einer digitalen Marktwirtschaft identifizierte Wambach eine Flexibilisierung von Arbeitsverhältnissen, einen deutlichen Anstieg der sogenannten Sharing Economy, die Akzeptanz von Daten als Zahlungsmittel und die Ausbildung von Monopolen, vor allem im Datenbereich. Der Prozess der Digitalisierung sei von einer hohen Dynamik gekennzeichnet, etwa wenn man sich allein die Anzahl der Facebook-Nutzer betrachte, die innerhalb von 4 Jahren von 5 Millionen auf rund 28 Millionen gestiegen sind. „Daten sind allgegenwärtige Informationen und dass etwa gerade im Bereich der Finanz-und Versicherungsleistungen der Anteil der Nutzung von Big Data deutlich angestiegen ist, zeigt, welchen Stellenwert diese individualisierten Daten haben“, so Wambach, der darauf verwies, dass sich der Datenoutput alle zwei Jahre verdoppelt und damit eine enorme Masse an Informationen abrufbar sei. 

Paradigmenwechsel aktiv gestalten

Wambach erläuterte am Beispiel von ausgewählten Tech-Zukäufen den Prozess von Marktkonzentrationen im Bereich der digitalen Wirtschaft. Facebook, das WhatsApp um 19 Mrd. Euro übernommen hatte, würde kartellrechtlich keiner Prüfung unterliegen, da WhatsApp noch keine Gewinne schreibe. Deshalb wurde in Deutschland der Wert der Gegenleistung eines Zusammenschlusses in eine Novellierung des Wettbewerbsgesetzes aufgenommen. „Wir haben hier aber nicht nur kartellrechtlichen Regelungsbedarf. Wir müssen genau überdenken, wie der Paradigmenwechsel zwischen bestehenden Märkten und digitalen Markteintretern zu gestalten ist, wie die Regulierung auf digitale Märkte anzuwenden ist und bestehende Märkte dereguliert werden“, unterstrich der ZEW-Präsident. 

Welche Auswirkungen der Paradigmenwechsel aus Marktwirtschaft und Digitalisierung in den letzten 40 Jahren hatte, skizzierte Christoph Schneider, Leiter der Wirtschaftspolitischen Abteilung in der WKÖ: Währen die Bevölkerung seit den 1970er Jahren um 14 Prozent zugenommen hat, stieg die Beschäftigung im selben Zeitraum um 27 Prozent, das BIP pro Kopf nahm um 64 Prozent zu und die Zahl der Selbständigen wuchs um 70 Prozent. Gleichzeitig nahm die Streikdauer von drei Minuten pro Kopf und Jahr auf nahezu null ab. „Eine gut gemachte Digitalisierung wird dazu beitragen, dass trotz Veränderungen in den Arbeitsformen die Wertschöpfung weiter steigt. Digitalisierung muss man als Chance und nicht als Bedrohung sehen“, so Schneider. 

Lob für guten Ausbau des E-Government in Österreich

Lob erhielt Österreich vom ZEW-Präsidenten für die im europäischen Vergleich guten Werte was das Thema E-Government betrifft. Denn hier liegt Österreich nach Zahlen der EU-Kommission auf dem sehr guten fünften Platz, während Deutschland unter dem Schnitt der EU-28 rangiert. Bedarf sieht Wambach in Österreich wie Deutschland was den High-Speed Breitbandausbau betrifft. Während etwa im Bereich der IKT und der wissensintensiven Dienstleister bereits ein hoher Grad an Digitalisierung bestehe, falle etwa das Gesundheitswesen ist deutlich zurück. „Wir müssen danach trachten, die Weichen für ein digitalisiertes Gesundheitswesen zu stellen“, so Wambach. Keuschnigg wiederum forderte einen noch stärkeren Fokus auf eine abgestimmte F+E-Politik ein, denn nur so werde es möglich sein, ein künftiges „Innovationssystem aus Grundlagenforschung und Privatwirtschaft“ auf eine breite Basis zu stellen. (PWK276/us) 

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