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Wirtschaftsgespräche Alpbach: Internationaler Handel - Kooperation versus Abschottung 

Breakout Session der WKÖ über Protektionismus-Tendenzen und Freihandelsabkommen

v.l.: Gabriel Felbermayr (ifo), WKÖ-Vizepräsident Jürgen Roth, Arancha González (Executive Director des ITC), Ralf Kronberger (WKÖ), Kate Kalutkiewicz (Handelsexpertin) und Priit Pallum (Außenministerium Estland)
© wkö/leithner v.l.: Gabriel Felbermayr (ifo), WKÖ-Vizepräsident Jürgen Roth, Arancha González (Executive Director des ITC), Ralf Kronberger (WKÖ), Kate Kalutkiewicz (Handelsexpertin) und Priit Pallum (Außenministerium Estland)

Aktuelle Entwicklungen im internationalen Handel zeigen verstärkte Abschottungstendenzen einiger Staaten. Welche Ursachen und welche Konsequenzen hat das? Was sind Vor- und Nachteile internationaler Handelskooperationen? Und wie können die oft emotional geführten Debatten rund um Freihandelsabkommen stärker auf eine sachliche Ebene geholt werden? Diese und viele weiterführende Fragen wurden gestern im Rahmen der Wirtschaftsgespräche des Forum Alpbach in der von Ralf Kronberger (WKÖ) moderierten Break Out Session diskutiert.  

Gerade für eine kleine, Export orientierte Volkswirtschaft wie Österreich ist internationaler Handel essentiell, unterstrich WKÖ-Vizepräsident Jürgen Roth und verwies darauf, dass in Österreich in der Privatwirtschaft direkt und indirekt jeder zweite Job am Export hängt.  

98% der heimischen Exporteure sind KMU

Vor allem für Klein- und Mittelbetriebe, die das Rückgrat der heimischen Wirtschaft darstellen, ist der Zugang zu internationalen Märkten von existenzieller Bedeutung: Mehr als 41.000 KMU (von insgesamt rund 327.000 in Österreich) oder 98 % aller Exporteure sind KMU. 

Eine Besonderheit Österreichs ist der mit rund 200 überaus hohe Anteil der „Hidden Champions“, also Unternehmen, die mit ihren Produkten und Dienstleistungen Nischenweltmarktführer sind. 

„Gerade, weil Österreich einer der größten Profiteure des internationalen Handels ist, sollte man glauben, dass hierzulande in Bezug auf Freihandel eine positive Stimmung herrscht – doch das jedoch manchmal nicht der Fall“, so Roth mit Verweis auf die emotional geführten Debatten rund um TTIP, CETA & Co. „Es ist uns als Wirtschaftskammer ein ganz besonderes Anliegen, die Diskussionen auf eine sachliche Ebene zu heben und Fakten einzubringen“, so Roth. 

Felbermayr: Protektionismus kommt in neuen Formen 

Gabriel Felbermayr, Leiter des ifo Zentrums für Außenwirtschaft in München, beleuchtete die Argumente der Freihandelskritiker. „Freihandelsabkommen bringen Vor- und Nachteile, die es in den Debatten fair abzuwägen gilt”. Viele Studien zeigen: Der Zugang zu internationalen Märkten schafft für ein Land einen Zuwachs von Wirtschaftswachstum und Wohlstand. „Obwohl wir hier viele Fakten auf dem Tisch haben, werden diese in der aktuellen Diskussion immer wieder in Frage gestellt“, so der Ökonom. 

Felbermayr: „Wir sehen seit der Finanz- und Wirtschaftskrise eine Rückkehr des Protektionismus, dieser nimmt jedoch neue Formen an: Es sind weniger Zölle oder Quoten, die von den Staaten eingesetzt werden, um Handel zu beschränken. Stattdessen greifen Regierungen öfters zu diffizileren Handelsabwehr-Methoden.“  

Der neue Protektionismus sei teilweise verantwortlich für den Rückgang des Welthandels. Der verzögerte Abschluss neuer Handelsverträge wie TTIP kostet die EU 30 bis 75 Milliarden Euro ihres BIP pro Jahr. Der Protektionismus unter Trump und der Brexit könnten annähernd so hohe Kosten bringen, warnte der Ökonom. 

Gonzalez: Internationalen Handel umsetzen statt "nur" ermöglichen

„Dass es Probleme mit der Globalisierung gibt, ist nicht von der Hand zu weisen. Doch internationaler Handel ist wie Werkzeug, das richtig eingesetzt, Nutzen und Vorteile bringt”, betonte Arancha Gonzalez, Executive Director des ITC (International Trade Center). Es gehe darum, nicht nur Rahmenbedingungen zu schaffen, die internationalen Handel ermöglichen, sondern tatsächlich in die Realität umsetzen. Dabei brauche es gerade Institutionen wie die Wirtschaftskammern, die vor allem KMU durch ihre Serviceleistungen den Zugang zum internationalen Handel erleichtern, unterstrich Gonzalez.

Richtig eingesetzte Handelsabkommen zwischen entwickelten und Entwicklungsländern könnten dazu beitragen, viel weitreichendere Aspekte - etwa Menschenrechte und Arbeitsbedingungen – langfristig positiv zu beeinflussen.  

Kalutkiewicz: USA bekennt sich zum freien und fairen Handel

Kate Kalutkiewicz, Handelsexpertin und Vertreterin der USA in der EU, erläuterte die jüngste Entwicklung und Zielsetzungen der US-Handelspolitik und strich Parallelen zu Europa heraus: „Das Bekenntnis der USA zum freien und fairen Handel ist nach wie vor aufrecht. Trump bekennt sich zum Handel und hat es sich zum Ziel gesetzt, den Exportanteil der USA zu erhöhen“, so Kalutkiewicz, die schon für drei US-Präsidenten gearbeitet hat. Auch in den USA ist der Anteil der KMU sehr hoch – und diese Betriebe profitieren deutlich vom internationalen Handel.

Pallum: Auf dem Weg zu globalisierten Standards

Priit Pallum, Experte für Handel im estnischen Außenministerium, gab einen Einblick in die unterschiedlichen Einflussebenen der Handelspolitik. „Der Großteil des Weltwirtschaftswachstums wird außerhalb der EU erzielt – umso wichtiger wird es sein, dass Europa hier geschlossen auftritt, um auch künftig ambitionierte Handelsabkommen sowohl auf multilateraler, als auch auf bilateraler Ebene erfolgreich abschließen zu können.“ Dabei verlieren Zölle zunehmend an Bedeutung, während verstärkte Kooperation bei Regularien auf allen Ebenen immer wichtiger wird.

„Es geht um die Erstellung von globalen Standards. In einigen Bereichen haben wir das bereits geschafft: Fußball etwa spielt man auf der ganzen Welt nach den gleichen Regeln. Im internationalen Handel wird das etwas schwieriger.“ (PWK669/PM)

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