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WKÖ-Gewerbe und Handwerk: Sorge über Alarmsignale aus der Baubranche

Obfrau Scheichelbauer-Schuster: "Auftragslage ist noch gut, aber geballte Krisen trüben Erwartungen" – Ausblick lässt Abschwung befürchten

Dachdecker im hölzernen Dachstuhl
© Adobe Stock | Tomasz Zajda

Die Großwetterlage im Gewerbe und Handwerk ändert sich merkbar, Gewitterwolken ziehen auf. So lässt sich die Konjunktursituation in Österreichs größter Arbeitgeberbranche mit rund 309.000 aktiven Mitgliedsbetrieben beschreiben. Bewerteten die Unternehmen im abgelaufenen zweiten Quartal (April bis Juni 2022) die Geschäftslage noch deutlich besser als im ersten Quartal, so ändert sich die Stimmungslage im dritten Quartal grundlegend. 

Leitbranche Bau schwächelt

Der Ausblick trübt sich bereits merklich ein. Für das dritte Quartal haben exakt gleich viele Unternehmen im Gewerbe und Handwerk positive wie negative Auftrags- oder Umsatzerwartungen, nämlich jeweils 21 Prozent. Die Kurve zeigt nach unten.  

Und: Im Baugewerbe erwarten nur 14 Prozent der Betriebe Auftragssteigerungen, 31 Prozent rechnen fürs dritte Quartal bereits mit Rückgängen. "Diese Erwartungen sind für das Baugewerbe ungewöhnlich schlecht. Vergleichbar negative Werte haben wir zuletzt im Coronajahr 2020 oder auch während der Finanzkrise 2009 gesehen", sagte Christina Enichlmair von KMU Forschung Austria bei einem Pressegespräch am Donnerstag. Ihr Fazit: "Die Konjunkturlokomotive Bau bremst sich ein. Es zeichnet sich ein Abschwung ab." 

"Diese Alarmsignale vom Bau bereiten uns große Sorgen", sagte Renate Scheichelbauer-Schuster, Obfrau der Bundessparte Gewerbe und Handwerk in der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ). "Der Bau ist nämlich eine Leitbranche: Wenn diese schwächelt, trifft es in weiterer Folge auch die baunahen Bereiche und bald darauf große Teile im Handwerk und Gewerbe."

In einigen konsumnahen Branchen – vom Lebensmittelgewerbe über Personaldienstleister und Sicherheitsgewerbe, Mode und Bekleidungstechnik bis hin zu Friseuren, Fußpflegern, Kosmetikern und Masseuren – hat sich die Erholung im zweiten Quartal fortgesetzt. Bei den Gesundheitsberufen, im Kunsthandwerk, bei Mechatronikern und Fahrzeugtechnikern überwogen hingegen die Betriebe mit Umsatzrückgängen. Das Gesamtbild bleibt mit einem Saldo von -4 Prozentpunkten negativ: "Die konsumnahen Branchen haben sich immer noch nicht restlos von der Pandemie erholt, sie leiden quasi an ‚Long-Covid‘", resümiert Scheichelbauer-Schuster. 

Arbeitskräftepotenzial ausschöpfen

Die Unternehmen sind derzeit mit einer Fülle von Problemen konfrontiert – das reicht von der Sommerwelle der Corona-Pandemie über die drohende Versorgungskrise und Kostenexplosion bei Energie bis hin zum Teuerungsschub und Lieferschwierigkeiten bei Rohstoffen und Vormaterialien. 

Dazu kommt der anhaltende Arbeitskräftemangel: Laut WKO Arbeitskräfteradar fehlen 272.000 Personen am Arbeitsmarkt. 73 Prozent der Betriebe sehen sich davon betroffen. "Wir müssen das in Österreich verfügbare Arbeitskräftepotenzial besser ausschöpfen. Das reicht von Frauen, die derzeit nicht erwerbstätig sind oder in Teilzeit arbeiten, über ältere Arbeitskräfte bis hin zu jungen Erwachsenen, die wir verstärkt für eine Lehre begeistern wollen", sagte Scheichelbauer-Schuster.  

Die Spartenobfrau fordert deshalb einen Ausbau insbesondere der frühkindlichen Kinderbetreuung, vermehrte AMS-Förderungen von betriebsnahen Umschulungen, die besonders aussichtsreich sind („arbeitsnahe Qualifizierung“/AQUA), eine Lohnnebenkostensenkung für die Beschäftigung von älteren Personen oder von Arbeitslosen sowie praxisnahe Anpassungen im Zuge der Reform der Rot-Weiß-Rot-Karte. So wäre ein Aufenthaltstitel für Lehrlinge dringend erforderlich.  

Lehrlingszahlen erfreulich, besonders in Green Jobs

Die Lehre ist im Aufwind: So stieg im Juni 2022 die Zahl der Lehrlinge im 1. Lehrjahr im Gewerbe und Handwerk um 3,9 Prozent. Aber auch hier schlummert unausgeschöpftes Potenzial. Mehr als 40 Prozent der Unternehmen würden noch mehr Lehrlinge ausbilden, wenn sie ausreichend Bewerbungen hätten. Das zeigt: Es fehlt nicht am Ausbildungswillen der Unternehmen, sondern an Bewerbern. "Dabei bietet gerade das Handwerk und Gewerbe spannende Green Jobs. Jugendliche, denen die Klimawende am Herzen liegt, können diese in Handwerksberufen aktiv mitgestalten", appelliert die Spartenobfrau.  

Energiewende, nicht Energieende

Große Sorgen bereitet den Unternehmen die Versorgungssicherheit und die Kostenexplosion im Energie-Bereich. "Es muss alles unternommen werden, um einen ‚Energie-Blackout‘ für die Handwerks- und Gewerbebetriebe zu verhindern. Fällt die Gasversorgung z.B. bei einem Glasproduzenten aus, erkaltet die Rohmasse und die Glasöfen sind restlos zerstört. Die Konsequenz wäre ein wirtschaftlicher Totalschaden für das Unternehmen und ein Totalverlust aller Arbeitsplätze", warnte Reinhard Kainz, der Geschäftsführer der Sparte.  

"Die Betriebe benötigen die Sicherheit, dass sie auch im Herbst und Winter auf eine funktionierende Energieversorgung zählen können. Und sie brauchen Entlastung. Die Erwartung der Klein- und Mittelbetriebe ist hoch, dass die gewaltigen Steigerungen der Energiekosten spürbar abgefedert werden“, stellte Kainz fest. „Es ist zu befürchten, dass beim Zuschuss für energieintensive Betriebe das geplante Volumen von 450 Mio. Euro rasch ausgeschöpft sein wird und viele KMU daher auf der Strecke bleiben. Sollte sich dies abzeichnen, muss das Volumen jedenfalls nachgebessert werden," fordert Kainz.

(PWK303/HSP)

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