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Deswegen schauen Bauunternehmen optimistisch in die Zukunft

Während die österreichischen Unternehmen durchaus skeptisch in die Zukunft blicken, ist die Stimmung in der Bauwirtschaft überraschend positiv. Bau-Experte Peter Scherer erklärt, warum.

Baukräne im Sonnenlicht
© Georges Schneider / picturedesk.com

Das aktuelle Wirtschaftsbarometer zeigt, dass die Erwartungen der heimischen Betriebe an die wirtschaftliche Entwicklung fast durch die Bank getrübt sind. Die einzige Ausnahme: In der Bauwirtschaft ist die Stimmung überraschend positiv. Wie ist das aus Ihrer Sicht zu erklären?

Peter Scherer: Ganz grob gesagt: In der Bauwirtschaft haben wir sehr langfristige Bestellstrukturen, oft mehrjährige Projekte und langfristig ausgelegte Budgets. Gerade der Wirtschaftsbau ist sehr stark konjunkturabhängig. Als Nachwirkung der Finanz- und Wirtschaftskrise gibt es da im Moment vor allem bei Infrastruktur- und Industriebauprojekten einen Rückstau, der in den nächsten Jahren abgebaut werden muss. Das lässt die Bauunternehmen optimistisch in die Zukunft schauen.

Wo sehen Sie die aktuellen Herausforderungen für Ihre Branche?

Da die Bauwirtschaft nicht auf Halde oder Lager produzieren kann, sondern immer bei Bedarf und Möglichkeit, ist es wichtig, die Kapazitäten zu haben, wenn sie benötigt werden. Wenn dann die Auftragslage gut ist - und das Wetter -, sind entsprechend qualifizierte Fachkräfte zum Teil schwer verfügbar. Das kann dazu führen, dass manche Projekte erst später abgearbeitet werden können. 

Wegen der langen Projektlaufzeiten und vertraglichen Bindungen können steigende Herstellkosten nicht oder nur begrenzt weitergegeben werden. Aktuell ist das etwa bei Stahlprodukten und Erdöl-Derivaten wie etwa Bitumen der Fall. Nicht zuletzt aufgrund dessen arbeitet die Branche, bei hohem Kapitaleinsatz und Risiko, aufgrund von Wettbewerbsdruck und Budgetlimits oftmals mit sehr niedrigen Deckungsbeiträgen bzw. niedrigen Renditen. 

DI Peter Scherer
© WKÖ



Zur Person: Peter Scherer

DI Peter Scherer ist stellvertretender Geschäftsführer in der Geschäftsstelle Bau der WKÖ.


Und auch die Digitalisierung macht vor der Baubranche nicht halt. Da müssen wir schauen, dass vom großen Generalunternehmer bis hin zum kleinen Subunternehmer funktionierende Prozessketten gespannt werden. Die großen Konzerne haben da bereits vielfach professionelle Strukturen aufgebaut, kleine Unternehmen haben zum Teil noch nicht einmal einen Computer. Die Umsetzung der Digitalisierung macht deutlich, dass bei der Gestaltung der Ausführungsprozesse noch Optimierungspotential zu heben ist. In diesem Zusammenhang wird Lean Management, das in der Stationär-Industrie bereits seit langer Zeit im Fokus steht, auch für uns ein großes Thema. 

Was können andere Branchen von der Bauwirtschaft lernen?

PS: Die Unternehmen in unserem Bereich sehen sich sehr universellen und komplexen Projektabläufen gegenüber. Die Projekte finden größtenteils mit stets unterschiedlichen Beteiligten statt. Schnittstellen müssen neu definiert und Prozesse zum Teil „am offenen Herzen“ abgestimmt werden. Laufend kann es zu Situationen kommen, die rasches Umdenken und Umplanen erfordern. Im Hochbau muss auf das Wetter, im Tiefbau beispielsweise auf die geologischen Gegebenheiten reagiert werden. Das erfordert eine hohe personelle und organisatorische Kompetenz, für die bei uns schon in der dualen Berufsausbildung der Grundstein gelegt wird.

Wenn wir bei der nächsten Ausgabe des WBA im Winter 2019 einen genauen Blick auf die Bauwirtschaft werfen, wird die Stimmung immer noch so gut sein?

PS: Der vorher schon angesprochene Projektrückstau und langfristige Investitionspläne sorgen dafür, dass der Ausblick noch länger positiv bleiben wird. Zwar lassen einzelne Branchenteile wie etwa der Wohnbau wahrscheinlich etwas nach, obwohl es da sicherlich noch Nachholbedarf gibt. Aber die langen Projektzeiten im Industrie- und Tiefbau sorgen für einen stabilen Wachstumszug für die nächsten zwei bis drei Jahre.


Wirtschaftsbarometer Austria

Der Wirtschaftsbarometer Austria (WBA) der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) ist die seit 2002 halbjährlich durchgeführte Befragung von österreichischen Unternehmen zur Einschätzung der wirtschaftlichen Lage. Ziel der Befragung ist das Erfassen der aktuellen und bevorstehenden Entwicklung in der Konjunktur.

Alle Ergebnisse der aktuellen Umfrage finden Sie unter wirtschaftsbarometer.at.


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