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Revidierte Wachstumsdaten zeigen: Gewerkschaftsforderungen sind blauäugig 

KV-Abschluss 2017 in Metalltechnischer Industrie zu hoch, Reallohngewinneauf Kosten der Wettbewerbsfähigkeit

Christian Knill, Obmann des Fachverbands Metalltechnische Industrie
© FMTI Christian Knill, Obmann des Fachverbands Metalltechnische Industrie

Am Dienstag, dem 2. Oktober, werden die Verhandlungen für den Kollektivvertrag der Metalltechnischen Industrie fortgesetzt. Christian Knill, Obmann des Fachverbands Metalltechnische Industrie, sieht sich angesichts der neuen Wirtschaftsprognosen bestätigt: „Wir haben seit einigen Tagen den Nachweis für unsere bisherige Argumentation. Zum einen zeigen die aktuellen Prognosen für die Weltwirtschaft nach unten, vor allem in Deutschland, unserem wichtigsten Exportmarkt, sinken die Erwartungen nachhaltig. Zum anderen hat die Statistik Austria die tatsächlichen Wachstumszahlen für 2017 deutlich nach unten revidiert. Die KV-Abschlüsse der letzten Jahre sind daher offensichtlich zu hoch ausgefallen. Das müssen wir heuer korrigieren.“

Hatte das WIFO im Herbst 2017 noch ein Wachstum von 3 % prognostiziert — auf dieser Basis wurden die KV-Verhandlungen geführt —, betrug das tatsächliche Wachstum schlussendlich 2,6 %, das ist um fast 15 % weniger als angenommen und zeigt, dass der Abschluss von 2017 mit 3 % zu hoch war. Gerade deshalb fordert der Fachverband für diese Runde eine seriöse Diskussion auf Basis gesicherter Daten.

Fakten statt Mythen

Für eine seriöse Lohnpolitik in der exportabhängigen Industrie zählen im Wesentlichen vier Faktoren: Inflation, Wachstum, die gesamtwirtschaftliche Produktivität und die Preisentwicklung in den Exportmärkten. Die Fakten dazu:

  • Die Inflation lag in den letzten 12 Monaten bei rund 2,1 %, die Prognosen gehen für 2018 von rund 2 % aus.

  • Die Produktivität lag 2017 bei 1,1 % und wird durch die korrigierten Wachstumszahlen nun ebenso deutlich sinken; für 2018 sind 1,4 % Produktivität prognostiziert.

  • Aber auch diese Zahlen werden wohl nicht halten, denn laut WIFO ist der Höhepunkt des Wirtschaftswachstums bereits Ende des vergangenen Jahres überschritten worden und geht nun kontinuierlich zurück. Die aktuelle Wachstumsprognose für 2018 liegt bei 3,2 % und es ist davon auszugehen, dass auch diese Zahlen demnächst nach unten revidiert werden.

  • Andere Produktivitätszahlen für die Branche sind keine seriöse Grundlage für Lohnverhandlungen, da sie auf Basis von Umsätzen gerechnet sind. Der Umsatz ist aber kein Maßstab dafür, wie produktiv eine Branche ist. Die einzig sinnvolle Kennzahl für Lohnverhandlungen ist daher traditionell die gesamtwirtschaftliche Produktivität.


Christian Knill: „Wir müssen unsere Verhandlungen daher immer bei Null beginnen. Erst wenn wir uns auf eine seriöse Datenbasis geeinigt haben, sprechen wir über die Lohn- und Gehaltserhöhungen. Wenn man etwa die bewährte ´Benya-Formel` anlegt, die auf Inflation und gesamtwirtschaftlicher Produktivität basiert, sind wir von den geforderten 5 % meilenweit entfernt. Diese Forderung ist daher blauäugig und unseriös, sie vernichtet mittelfristig Arbeitsplätze. Wir stehen zu unserem Wort: es wird auch heuer einen fairen Abschluss geben. Aber wir akzeptieren keine rein politisch-populistischen Forderungen, dafür sehen wir uns nicht als Ansprechpartner.“

Kaufkraftwünsche und Arbeitszeitgesetz richtig adressieren

Zu den in den letzten Tagen medial vorgebrachten Wünschen und Einschätzungen der Bundesregierung und des Nationalbank-Gouverneurs meint Knill: „Die Metalltechnische Industrie hat die vergangenen Jahre immer klare Reallohngewinne für die Beschäftigten ermöglicht. Daher können wir diesen Wunsch für unsere Branche nicht nachvollziehen. Dass die Kaufkraft der Menschen leidet, liegt vor allem an der hohen Steuerlast in Österreich, hier muss die Bundesregierung selbst liefern. Das den Unternehmen umzuhängen wäre fahrlässig, schadet der Wettbewerbsfähigkeit und gefährdet Arbeitsplätze.“ Zu den Einschätzungen des Nationalbank-Gouverneurs meint Knill: „Es ist sehr befremdlich, dass sich die Nationalbank hier einmischt, wir haben das auch deponiert. Seine Beurteilung ist für uns außerdem nicht nachvollziehbar, denn bislang hat auch die Nationalbank nicht Inflation und Wachstum addiert, sondern die Produktivität der Gesamtwirtschaft im Auge gehabt. Diese Aussage scheint uns ebenso politisch und nicht ökonomisch begründet.“

Die Zukunft liegt im KV 4.0

Die Metalltechnische Industrie hat mit dem Konzept des KV 4.0 einen Vorschlag entwickelt, der die Zukunft der Branche entscheidend prägen kann. Christian Knill: „Wir sollten uns mit Themen beschäftigen, die wirklich relevant sind, anstatt die KV-Verhandlungen als eine politische Bühne für Stellvertreter-Konflikte zu missbrauchen. Daher sage ich nochmals ganz klar: das neue Arbeitszeitgesetz hat keinen Einfluss auf den Kollektivertrag der Metalltechnischen Industrie, wir haben mit dem Zeitkontenmodell bereits eine gute Lösung umgesetzt. Wir haben den 8-Stunden Tag und die 38,5-Stunden-Woche mit der Möglichkeit, länger zu arbeiten, wenn Arbeit da ist, freiwillig und mit sehr hohen Zuschlägen. Das funktioniert gut und soll auch so bleiben. Wir lehnen Forderungen nach einer Arbeitszeitverkürzung, wie immer sie auch formuliert sind, entschieden ab, denn das wäre ein großer Schaden für den Standort und damit für alle Österreicherinnen und Österreicher.“

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