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Produktion der Papierindustrie steigt zum dritten Mal in Folge

Oberhumer: „Keine Zeit bei Ökostromgesetz verlieren“ – Branche fordert umgehend große Ökostromnovelle

Das Austropapier-Führungstrio: Vizepräsident Cord Prinzhorn, Präsident Max Oberhumer und Vizepräsident Christian Skilich
© APA/G.Langegger Das Austropapier-Führungstrio: Vizepräsident Cord Prinzhorn, Präsident Max Oberhumer und Vizepräsident Christian Skilich

Die österreichische Papierindustrie verzeichnet 2016 zum dritten Mal in Folge ein Produktionswachstum. Das gilt für alle Papiersortimente und auch der Zellstoffbereich liegt auf hohem Niveau. Für 2017 sind weitere Investitionen in den Standort Österreich geplant. Die Branche entwickelt sich hier zunehmend in Richtung Bioraffinerie. Größte Herausforderung bleibt das Ökostromgesetz. Seine EU-konforme Neugestaltung ist überfällig. „Die möglichst effiziente Nutzung des Rohstoffes Holz hat für uns höchste Priorität. Auch deshalb fordern wir die Politik auf, beim Ökostromgesetz keine Zeit zu verlieren und gleich die große Novelle anzugehen“, zieht Max Oberhumer, Präsident von Austropapier, eine grundsätzlich positive Bilanz 2016 und macht gleichzeitig auf weitere bestehende Herausforderungen der Branche im internationalen Wettbewerb aufmerksam.

Die Heimstärke sorgt für 87 Prozent Export

Die österreichische Papierindustrie produzierte im Vorjahr insgesamt 5,0 Millionen Tonnen Papier und damit um 0,6 Prozent mehr als 2015. Erfreulich war dabei das Wachstum in allen Sortimenten. Sogar im grafischen Bereich, der am stärksten unter der zunehmenden Konkurrenz der digitalen Medien leidet, gab es ein Plus von 0,3 Prozent auf 2,7 Millionen Tonnen. Der Verpackungssektor wuchs um 1,1 Prozent auf 1,9 Millionen Tonnen und die Spezialpapiere verzeichneten ein Plus von 0,9 Prozent und liegen jetzt bei 310.000 Tonnen. Über 87 Prozent der Produktion gehen ins Ausland. Positiv wertet die Branche auch ihre steigenden Investitionen. Sie lagen 2016 bei 240 Millionen Euro. Für 2017 sind weitere Projekte angekündigt. Der Umsatz lag 2016 bei 3,9 Milliarden Euro. Die Zellstoffproduktion legt 2016 – nach umbaubedingten Stillständen in zwei Werken im Vorjahr – stark zu (+16,8 Prozent) und liegt jetzt bei 2,1 Millionen Tonnen. Damit einhergehend sind auch der steigende Bedarf an Holz (+19,1 Prozent auf 8,7 Mio. Festmeter) und Energieeinsatz (+8,7 Prozent auf 15.700 GWh).

Endlich große Ökostromnovelle gefordert

Holz ist der bedeutendste natürliche Rohstoff Österreichs und die wichtigste Ressource für die Zellstoffindustrie. 2016 stieg der Holzeinsatz in der österreichischen Papierindustrie um 19,1 Prozent auf 8,7 Mio. Festmeter. Vom zweitwichtigsten Rohstoff Altpapier wurden 2016 2,3 Millionen Tonnen eingesetzt.

Durch die ambitionierten energie- und klimapolitischen Zielsetzungen wird es immer schwieriger, die Nachfrage mit Holz aus dem Inland zu decken. Das beweist auch der Anstieg der Holzimportquote auf 30,6 Prozent. In Österreich verzerrt das Ökostromgesetz den Holzmarkt und verlangt aber auf der anderen Seite von den Stromkonsumenten immer höhere Beiträge. „Jetzt plant die Regierung in einer kleinen Novelle dieses an allen Ecken und Enden überholten Gesetzes auch noch Schließungsprämien für ineffiziente Biogasanlagen. Sie sind dann wieder von den Stromkonsumenten zu finanzieren, ohne dass dadurch der Anteil an erneuerbarer Energie steigt. Die Papierindustrie lehnt deshalb diese kleine Novelle kategorisch ab“, sagt Oberhumer. Sie ist selbst eine Vorzeigebranche hinsichtlich Ökostrom und erzeugt im Jahr 1.700 Gigawattstunden davon. Damit produziert die Papierindustrie ohne Förderung annähernd gleich viel Ökostrom wie jene Biomassekraftwerke (2.040 GWh), die 2016 230 Millionen an staatlichen Subventionen erhielten.

Auf der anderen Seite zahlten die österreichischen Papierfabriken jedoch acht Millionen Euro in den Ökostromfördertopf ein. Für die Papierindustrie hat die kaskadische Holznutzung unter dem Motto „Veredeln vor Verbrennen“ oberste Priorität. Verbrannt wird demnach nur, was stofflich nicht (mehr) verwertbar ist. Das Institut für industrielle Ökologie hat in einer Studie 2016 unterschiedliche Holznutzungsszenarien errechnet und dabei für die forcierte kaskadische Nutzung gepaart mit einem Mehreinschlag mögliche Erlössteigerungen von 18 auf 24 Milliarden Euro entlang der gesamten Wertschöpfungskette Holz errechnet.

„Seit vielen Jahren betont die österreichische Papierindustrie, dass erneuerbare Energie ein wichtiger Beitrag zum Umweltschutz ist, aber Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit im Vordergrund stehen müssen. Wir fordern endlich eine große Novelle des Ökostromgesetzes, um die Rohstoffversorgung der Papierindustrie und mit ihr die Standortsicherheit zu verbessern. Denn nur bei der kaskadischen Nutzung von Holz ist die volle Ausschöpfung der Wertschöpfung garantiert. Veredeln vor Verbrennen muss das Motto sein“, richtet Christian Skilich, Vizepräsident von Austropapier, einen weiteren Appell an die Politik.

Vorreiter der Nachhaltigkeit trotz Nachteilen beim Emissionshandel

Seit Jahren ist Österreichs Papierindustrie ein Vorreiter der Nachhaltigkeit. „Wir decken unseren Primärenergiebedarf zu 94 Prozent aus standorteigener Produktion in hocheffizienten Anlagen. Mit einer Recyclingquote von 78,6 Prozent liegen wir weit über dem europäischen Durchschnitt. Reststoffe werden fast zur Gänze stofflich oder thermisch genutzt. Die CO2-Emissionen haben wir als Branche seit den 1990er-Jahren je Tonne Papier um 40 Prozent reduziert“, zählt Cord Prinzhorn, Vizepräsident der Austropapier, nur einige Leistungen der Papierindustrie auf. Weitere Verbesserungen werden immer schwieriger. Eine Herausforderung bleiben deshalb auch die strengen Vorgaben des Emissionshandelssystems. Hier ist das oberste Ziel der Papierindustrie ein Verbleib auf der Carbon-Leakage-Liste. Diese zählt Industriesektoren auf, die besonders gefährdet sind, ihre Produktion aufgrund der strengen EU-Klimaschutzauflagen in Länder mit weniger strengen Auflagen zu verlagern. Für sie muss eine entsprechende Gratiszuteilung weiterhin gewährleistet bleiben, um Klima- und Industriepolitik in Einklang zu bringen.

Vorrang für den Weg zur Bioraffinerie

Auch 2017 hat der Weg in Richtung Bioraffinerie Priorität für die Papierindustrie. Denn neben den herkömmlichen Einsatzgebieten bietet die Faser viele neue Anwendungsmöglichkeiten, die teilweise gerade erst erforscht werden. Schon lange etabliert ist die Herstellung von Viskose, Tallöl oder Säuren. Nun rücken aber auch ganz neuartige Produkte in den Fokus, wie Formteile aus Biopolymeren, Bauelemente aus faserverstärktem Kunststoff oder flüssige Spaltprodukte der Zellstofflauge. Ganz im Zeichen der Faser und ihrer Bedeutung für die Papierindustrie steht deshalb der neue Branchenbericht 2016/17. (PWK325/ES)

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