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Österreichische Holzindustrie mit 4-Punkte-Programm für Stabilität, Wertschöpfung und Arbeitsplätze

Herbert Jöbstl, neuer Obmann des Fachverbands der Holzindustrie: "Wir leisten einen starken Beitrag zur Stabilität in schwierigen Zeiten. Damit das so bleibt, braucht es aber auch zukunftsfähige Rahmenbedingungen."

4-Punkte-Programm der Holzindustrie als klares Signal und Appell an heimische Politik; Holzindustrie, als kräftiger Hebel für heimische Wertschöpfung und Beschäftigung, sichert rund 300.000 Arbeitsplätze innerhalb der Wertschöpfungskette Forst- und Holzwirtschaft
Holz
© WKÖ

Inmitten der zweiten Welle der Covid-Krise tritt Herbert Jöbstl, der neue Obmann des Fachverbands der österreichischen Holzindustrie, seine Funktionsperiode mit einem umfassenden 4-Punkte-Programm an. Das Programm verfolgt klare Zielsetzungen und beinhaltet überdies konkrete Forderungen an politische Entscheidungsträger, die künftig Arbeitsplätze und Wertschöpfung im Land sichern sollen. Auch die Bewältigung der Klimakrise soll dabei nicht zu kurz kommen.

Stabile Holzindustrie benötigt zukunftsfähige Rahmenbedingungen

Laut einer Umfrage unter den Mitgliedern des Fachverbands der Holzindustrie hat sich die Branche bis jetzt wirtschaftlich gut gehalten und zeigt sich als recht stabile Industrie im österreichweiten Vergleich. Vor allem in strukturschwachen Regionen Österreichs sichert die Holzindustrie Arbeitsplätze und leistet so einen wichtigen Beitrag zur Stabilität in einem von Corona gebeutelten Arbeitsmarkt. "Natürlich geht die Covid-Krise auch nicht spurlos an der Holzindustrie vorüber. Die zweite Welle birgt erneut Gefahren für Teile unserer Branche. Deswegen ist es jetzt so wichtig, die Holzindustrie weiter zu stärken, damit ihre Leistungsfähigkeit erhalten bleibt. Gerade in diesen Zeiten müssen wir an jeden einzelnen Arbeitsplatz denken", so Jöbstl. "Neben der Wirtschaftskrise dürfen wir aber nicht auf die Klimakrise vergessen. Gerade weil wir mit unseren Green-Jobs und unserem nachwachsenden, natürlichen Rohstoff ein nachhaltiger Wirtschaftszweig sind und damit ein Teil der Lösung des Klimaproblems, bleiben wir in unserer Substanz stark und zukunftssicher", ergänzt Jöbstl.

"Unsere starke und nachhaltig agierende Industrie möchte, kann und wird auch weiterhin ihren Beitrag zur Wertschöpfung sowie zum Erhalt von Arbeitsplätzen, Innovation und Klimaschutz leisten. Im Gegenzug braucht es aber genau für diese Bereiche zukunftsfähige Rahmenbedingungen. Wir haben diese in ein 4-Punkte-Programm gegossen – zur Umsetzung brauchen wir aber auch die Unterstützung der Politik", betont Jöbstl und appelliert an die politischen Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträger.

4-Punkte-Programm für die Holzindustrie Österreichs:

1. Sicherung der Rohstoffversorgung

Ohne Rohstoff, keine Industrie. Eine kontinuierliche Versorgungssicherheit ist daher essentiell für eine nachhaltige Holzindustrie. Für die damit verbundenen zentralen Anforderungen fordert die Holzindustrie maßgebliche Unterstützung:

  • Die zeitnahe Bereitstellung von Informationen und ein schneller Datenaustausch über das Schadensausmaß im Wald, sind zur Bewältigung kurzfristiger Herausforderungen – insbesondere Käferkalamitäten – wesentlich. Dadurch ist eine Planbarkeit und Steuerung rascher Aufnahmekapazitäten in Holzindustriebetrieben bei der Bekämpfung des Borkenkäfers möglich. Hier ist der Wille zur Umsetzung ebenso gefordert, wie die finanzielle Unterstützung für den Einsatz moderner technischer Analysetools.
  • Eine effiziente Steuerung des Transports aus dem Wald in die Industrie zur Verarbeitung ist in weiterer Folge wichtig, um Schadholz rasch aus dem Wald zu bringen und Schäden zu minimieren. Hier müssen bürokratische Hürden, die den Transport zwischen den Bundesländern erschweren, beseitigt werden.
  • Wirkungsvolle Lenkungsmaßnahmen zur Förderung des heimischen Einschlags. Damit eine Holzversorgung in ausreichenden Mengen und Qualitäten gesichert wird, benötigt es eine nachhaltige Bewirtschaftung der heimischen Wälder durch aktive Waldbesitzer. Allem voran benötigt es hier geeignete Anreizmodelle für Kleinwaldbesitzer.

2. Nachhaltige Rahmenbedingungen für den Kampf gegen den Klimawandel

Die heimische Holzindustrie definiert sich durch den Einsatz des nachwachsenden Rohstoffs Holz und seiner enormen CO2-Speicherung als Teil der Lösung des Klimaproblems. Auch in der Verarbeitung von Holz liefert sie wesentliche Klimaleistungen und ist Vorreiter nach dem Zero-Waste-Prinzip, etwa bei der Wärmeversorgung ihrer Betriebe. Zudem unterstützt die Holzindustrie eine nachhaltige Waldbewirtschaftung, die die Sicherheit und Beständigkeit unserer Wälder garantiert. Der Erhalt der natürlichen Rohstoff-Ressource Holz muss oberste politische Prämisse sein, es braucht hier langfristige und zukunftsfähige Konzepte, wie etwa:

  • Eine nachhaltige österreichische Gesamtstrategie zur Bewältigung der Klimaschäden.
  • Nationale und mitteleuropäische Initiativen zur langfristig wirksamen Bekämpfung des Borkenkäfers.
  • Die Forschung zum Erhalt der Fichte in Österreich muss außerdem fortgesetzt und intensiv gefördert werden.
  • Eine ökologisch und ökonomisch ausgewogene Justierung der nationalen Biodiversitätsstrategie sehen wir zwingend erforderlich. Die darin geplante Außer-Nutzung-Stellung und damit Flächenstilllegung großer Waldgebiete gefährdet Arbeitsplätze einer nachhaltig arbeitenden Industrie und vernachlässigt die Tatsache, dass es gerade die nachhaltige Bewirtschaftung unserer Wälder ist, die für Stabilität und Naturschutz sorgt.

3. Investitionen in Ausbildung für eine nachhaltige Wirtschaftsleistung

Als wichtiger Arbeitgeber, auch in strukturschwachen Regionen, beschäftigt die Holzindustrie zum Großteil gut ausgebildete Facharbeiter. Diese sind das Rückgrat dieses nachhaltigen Industriezweigs. Damit dies so bleibt, bedarf es eines vermehrten politischen Engagements und verstärkter Investitionen in die Lehrlings- und Fachkräfteausbildung. Als High-Tech- und Zukunftsindustrie brauchen wir Fachkräfte, die in einer digitalisierten Welt bestehen sowie auch die ökologischen Chancen sehen und begreifen. Vor diesem Hintergrund fordern wir:

  • Eine Verstärkung digitaler wie auch ökologischer Schwerpunkte im Bereich Bildung.
  • Mehr Holzausbildung im universitären Bereich.
  • Maßnahmen für ein positives Image von Lehrlingen und ein Entgegenwirken des Lehrlings- und Fachkräftemangels in der Industrie.

Damit hilft die Politik nicht nur bei der Sicherung von heimischen Arbeitsplätzen und folglich heimischer Wertschöpfung, sondern auch dabei Klimaschützer von morgen auszubilden und zu beschäftigen.

4. Rahmenbedingungen für den Einsatz innovativer, ökologischer Holzprodukte

Die heimische Holzindustrie ist für ihre Innovationen international hoch angesehen. Sie produziert rund 60 % des europäischen Brettsperrholzes und baut auf der ganzen Welt mit führenden Architekten bahnbrechende Bauwerke aus Holz. Hierfür werden nicht nur Holzprodukte, sondern auch Engineering, wertvolles Know-how und Standards exportiert. Diese Innovationskraft ist ein wesentlicher Faktor für die internationale Wettbewerbsfähigkeit unserer Industrie. International findet der Baustoff Holz aufgrund seiner Leichtigkeit, seines hohen Vorfertigungsgrades und der kurzen Bauzeiten bereits große Beachtung als Zukunftsmaterial für Städteverdichtung. In Österreich hingegen verkomplizieren etwa die regional unterschiedlichen Bauordnungen die Planung und Ausführung. Hier gilt es – gerade als Holzland – nicht nur mit heimischen Leuchtturmprojekten nachzuziehen, sondern hierzulande klimagerechtes Bauen und damit den Klimaschutz und eine nachhaltige Stadtentwicklung zu fördern. Dafür braucht es seitens der Politik normative, gesetzliche und wirtschaftliche Rahmenbedingen:

  • Lenkungsmaßnahmen für mehr Holznutzung im öffentlichen und privaten Bereich
  • Eine Beschleunigung der Vereinheitlichung der Bauordnungen in Österreich und die Beseitigung baurechtlicher Hemmnisse.
  • Die Forcierung der Holz(bau)‐Offensive im Rahmen des Waldfondgesetzes leistet hier einen wichtigen Beitrag.
  • Anwendungsorientierte Normungen und harmonisierte technische Regelwerke müssen schon auf europäischer Ebene geschaffen werden.

Holzindustrie – nachhaltig und zukunftsfähig

Herbert Jöbstl abschließend: "Wir werden in den nächsten Monaten unser 4-Punkte-Progamm allen relevanten politischen Entscheidungsträgern präsentieren und sind überzeugt, auf positive Resonanz zu stoßen. Mit diesen Maßnahmenpaketen kann uns auch weiterhin eine langfristige Standortsicherung gelingen und damit verbunden der Erhalt von regionaler Wertschöpfung und von Arbeitsplätzen. Derzeit erlebt Österreich neben den Herausforderungen des Klimawandels die größte Wirtschaftskrise und Arbeitslosigkeit seit Jahrzehnten. Gerade vor diesem Hintergrund ist es mir ein wichtiges Anliegen, die Bedeutung unserer Branche und unseres Rohstoffs hervorzuheben."

Schlüsselsektor der Wertschöpfungskette Forst-Holz-Papier

Die Holzindustrie ist seit Jahrzehnten nachhaltiger Schlüsselsektor der Wertschöpfungskette mit starken Hebeleffekten in die gesamte heimische Wertschöpfung. Dies bestätigt auch eine aktuelle Studie des Wirtschaftsforschungsinstituts Economica. So schafft die Holzindustrie inkl. Vorleistungen mit jedem Euro nahezu einen weiteren Euro Wertschöpfung in anderen Sektoren und damit eine Verdoppelung der Wertschöpfung. Höher noch sind die Effekte auf den Arbeitsmarkt, wo letztlich rd. 300.000 Arbeitsplätze in der Wertschöpfungskette durch die Holzindustrie gesichert werden.

Zur Person Herbert Jöbstl

Mag. Herbert Jöbstl (56) ist seit Juni 2018 SVP Head of Operations Wood Product bei Stora Enso. In dieser Position ist er für die operative Leitung aller Wood Products Standorte des finnisch-schwedischen Konzerns verantwortlich.

Davor Vorsitzender der österreichischen Sägeindustrie, übernahm er im November 2020 die Funktion des Obmanns des Fachverbands der Holzindustrie Österreichs. Seit 2016 vertritt er Österreich im Vorstand des Europäischen Sägeverbandes (EOS).

Jöbstl blickt auf eine außergewöhnliche Karriere zurück: Seine berufliche Laufbahn begann 1979 mit einer Lehre zum Säger, 1988 wurde er zum Produktionsleiter der Sägehalle und später zum Betriebsleiter des Stora Enso-Werks Bad St. Leonhard befördert. 1996 schloss er zudem ein berufsbegleitendes Magisterstudium an der Universität Hagen (DE) ab. Von 2005 bis 2018 war Jöbstl Leiter der Stora Enso Wood Products Werke in Mitteleuropa. In Folge seiner wirtschaftlichen Beiträge wurde ihm 2019 der Berufstitel Kommerzialrat verliehen.



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