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Nachhaltigkeit und Qualität im Gesundheitswesen sichern: Wie der Balanceakt gelingen kann 

WKÖ, AK NÖ und Patienten- und Pflegeanwaltschaft präsentieren Lösungsansätze für das Gesundheitswesen von morgen – „Knackpunkt“ bei chronischen Erkrankungen

v.l.: Bernhard Rupp (Leiter der Abteilung Gesundheitswesen/AK NÖ), Martin Gleitsmann (Leiter der Abteilung Sozialpolitik und Gesundheit/WKÖ) und Gerald Bachinger (Sprecher der Patienten- und Pflegeanwaltschaft)
© wkö/leithner v.l.: Bernhard Rupp (Leiter der Abteilung Gesundheitswesen/AK NÖ), Martin Gleitsmann (Leiter der Abteilung Sozialpolitik und Gesundheit/WKÖ) und Gerald Bachinger (Sprecher der Patienten- und Pflegeanwaltschaft)

Das Gesundheitssystem steht vor großen Herausforderungen: Steigende Behandlungskosten, steigendes Lebensalter der Bevölkerung sowie der Trend von akuten zu chronischen Erkrankungen werfen die Frage auf, wie eine medizinische Versorgung auch künftig für alle bei verbesserter Qualität sichergestellt werden kann. Lösungsansätze dazu skizzierten Martin Gleitsmann, Leiter der Abteilung Sozialpolitik und Gesundheit in der WKÖ, Gerald Bachinger, Sprecher der Patienten- und Pflegeanwaltschaft, und Bernhard Rupp, Leiter der Abteilung Gesundheitswesen in der AK NÖ, am Montag in einem Hintergrundgespräch zum gemeinsam entwickelten Konzept „Gesundheit 2020 - Patienten im Mittelpunkt“.  

Bachinger: Sensibilisierung für Überversorgung – Verschwendung reduzieren

Der Schwerpunkt liegt für Patientenanwalt Bachinger klar darauf, ein Mehr an Qualität zu erzielen und sich auf die nachgewiesene Wirksamkeit von Diagnosen, Therapien und Medikamenten zu konzentrieren. Eine Studie der Bertelsmann Stiftung ergab beispielsweise, dass allein 2015 über sechs Millionen Röntgen-, CT- und MRT-Aufnahmen bei Rückenleiden gemacht wurden. Dabei gelten 85% der akuten Rückenschmerzen als medizinisch unkompliziert. Studien zeigen die Lücke zwischen Qualität und Quantität: Trotz der höchsten Dichte an CT- und MRT-Geräten haben wir in Österreich dennoch die höchsten Wartezeiten auf diese Untersuchungen.

„Ein sparsamer Umgang mit den beschränkten Ressourcen ist sinnvoll und notwendig, damit Verschwendung vermieden werden kann. Das ist qualitätsvolle Gesundheitsökonomie“, so Bachinger. „Es gibt nämlich auch ein ‚Zuviel des Guten‘, und umgekehrt kann gerade in der Gesundheitsversorgung weniger besser sein als mehr.“ Sensibilisierung für Überversorgung kann helfen, vor allem jene Untersuchungs- und Therapiemethoden anzuwenden, die durch Evidenz gestützt sind und den Patienten tatsächlich nützen. „Es geht nicht um ein Mehr, sondern es geht um die richtigen Versorgungsleistungen. Was nicht hilft, das schadet allen“.

Rupp: Neue Kompetenzverteilung für Gesundheitsberufe 

Für Gesundheitsökonom Rupp steht eine breit aufgestellte Basisversorgung im Mittelpunkt. „Eine sinnvolle Kompetenzverteilung und der verstärkte Einsatz unterschiedlicher Gesundheitsberufe sind zentral für eine ausgewogene Primärversorgung. Hier muss der Fokus auf chronisch erkrankten Patienten liegen. Wenn wir über Nachhaltigkeit reden, liegt der Knackpunkt in dieser Patientengruppe“, führt Rupp aus.  

80 Prozent der direkten Krankheitskosten werden von chronisch Kranken verursacht. Die Kompetenz zur Verbesserung der Lebensqualität sowie zur Steigerung der – oft nur sehr niedrigen - Therapietreue ist für chronisch Kranke häufig bei Expertinnen der Pflegeberufe oder bei Psychologinnen zu finden. „Die derzeitige österreichische Kompetenzverteilung ist hier noch viel zu konservativ und den aktuellen Patientinnenbedürfnissen nicht angepasst“, ergänzt Rupp. „Substitution und Supplementarität sind hier die Stichworte. Viele Berufsgruppen im Gesundheitswesen könnten die Leistungen der Ärzte in vielen Bereichen ausgezeichnet ergänzen“.

Gleitsmann: Lösungen für chronisch erkrankte Patienten finden 

Chronische Erkrankungen sind heute schon die Todesursache für 86 Prozent der EU-Bevölkerung, Tendenz steigend. Für ein Zehntel dieser Patienten wird daher aufgrund der schwerwiegenden Erkrankungen 65 Prozent des Gesundheitsbudgets verwendet. „Für diese wachsende Gruppe müssen daher verbesserte Behandlungen zugänglich gemacht sowie Modelle zur stärkeren Teilnahme am Sozial- und Erwerbsleben gefunden werden - und zwar so rasch wie möglich“, betont WKÖ-Experte Gleitsmann. 

In diesem Zusammenhang ist die per Juli erfolgte Einführung der Wiedereingliederungsteilzeit nach langem Krankenstand ein Erfolg. „Dieses Modell der Re-Integration in den Job ist für viele chronisch Erkrankte eine Hilfe, das auch schon sehr gut angenommen wird“, so Gleitsmann. Schritte in diese Richtung sind unabdingbar, denn „gerade im Hinblick auf den immer schärfer werdenden Fachkräftemangel ist es sehr problematisch, wenn Personen mit ausgezeichnetem Know-how dem Arbeitsmarkt gar nicht zur Verfügung stehen können und dürfen“.

Prävention in den Fokus 

Beim Thema Nachhaltigkeit steht Prävention ebenfalls ganz oben auf der Liste. „Viele Krankheiten sind vermeidbar, trotzdem hören wir oft erst auf unseren Körper, wenn es zu spät ist“, so Gleitsmann. Wichtig ist es daher, schon bei den Jüngsten anzusetzen: Früherkennungsprogramme, Sportinitiativen oder der SVA-Gesundheitscheck Junior (eine kostenlose Vorsorgeuntersuchung für Kinder und Jugendliche ab 6 Jahren) sind gute Ansätze. Ebenso wichtig wäre ein erweiterter Mutter-Kind-Pass für Kinder ab dem 5. Lebensjahr zu einem „Eltern-Kind-Pass“.    

Die drei Experten schlagen die Einführung eines „Experimentier-Paragrafen“ vor, der es ermöglicht, für bestimmte Projekte zeitlich und räumlich limitiert, Regulierungen außer Kraft zu setzen, dass ein Experimentieren möglich ist.

Auch befristete Gesetze - verbunden mit einer verpflichtenden, laufenden Evaluierung - wären eine sinnvolle Lösung. (PWK774/PM)

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