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Lehrlinge gesucht – trotz Corona-Krise

Die österreichischen KMU wollen Lehrlinge ausbilden, um Aufträge auch in Zukunft abarbeiten zu können und gestärkt aus der Coronakrise zu gehen. Doch es ist aktuell nicht für alle einfach, die passenden Lehrlinge zu finden.

Zimmerleute bei der Arbeit
© Meisterbau Aichinger

Bis zu 10.000 Lehrstellen könnten in diesem Jahr gefährdet sein. Holzbaumeister Harald Aichinger aus Markt Piesting in Niederösterreich dagegen ist einer, der seinen ersten Lehrlingsucht. "Ich würde sogar zwei aufnehmen", sagt Aichinger, der sich 2009 als Zimmerermeister selbständig gemacht hat und heute als Holzbaumeister (und Baumeister) in seinem Betrieb Meisterbau Aichinger fünf Mitarbeitern beschäftigt. "Ich möchte mir die Mitarbeiter so anlernen, wie ich es brauche", sagt Aichinger. Er lege sehr viel Wert auf Qualität, Genauigkeit und Freundlichkeit und "und wenn man das von Beginn an gelernt hat, fällt es leichter, meiner Arbeitsweise zu folgen." Die neuen Arbeitskräfte braucht er für seinen Betrieb, weil die Auftragsbücher voll sind. Trotz – oder vielleicht sogar wegen – Corona. 

Stärkere Nachfrage

"Die Anfragen sind mehr geworden", sagt der Chef, "ich bin mir nicht zu schade für kleine Projekte, und genau die machen es aus, dass wir breit aufgestellt sind." Während der Ausgeh-Beschränkungen und auch jetzt noch kamen und kommen laufend Anfragen für Zubauten, Neubauten und Aufstockungen oder etwa auch für eine Pergola oder einen Carport.

Baumeister Harald Aichinger
© Meisterbau Aichinger Baumeister Harald Aichinger

"Ich mache mir keine Sorgen, dass die Aufträge weniger werden", sagt Aichinger. Was die Kunden an seinem Betrieb schätzten, sei die Kostensicherheit. "Ich plane jedes Projekt im Detail in 3D am Computer. Das dauert länger, aber dafür hat man ein 99-prozentiges Angebot", sagt Aichinger. Die Sorge, dass ihm eine zweite Welle einen Strich durch die Lehrlingsausbildung machen könnte, hat Aichinger nicht: "Es gibt genug Dinge, die man auch dann lernen kann – in der Halle oder am Computer." Es könnte sogar eine Chance sein: "Man kann dann mehr ins Detail gehen."

"Homeoffice ist eine tolle Sache" 

Die Erfahrung, wie Lehre unter Corona-Beschränkungen gut funktioniert, haben die Wiener BLUESAVE Ingenieure und Baumeister bereits gemacht. Als die Maßnahmen im März in Kraft traten, waren die 20 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter innerhalb von zwei Stunden im Homeoffice – die damals drei Lehrlinge inklusive. "Wir haben unsere Lehrlinge täglich betreut", sagt Elisabeth Schmid-Schmidsfelden, als Geschäftsführerin verantwortlich für Ausbildung, Forschung und Finanzen. "Durch tägliche Zoom-Meetings hat jeder gewusst, was zu tun ist, aber es hat auch jeder erfahren, was der andere macht." Auf der internen Plattform BLUEWORKS konnte man die eigenen Aufgaben "abholen", und die Workflows waren für alle transparent. 

Lehrlings-Bonus für neuen Lehrling

BLUESAVE-Gründerin Doris Wirth stellt der Zeit sogar ein äußerst positives Zeugnis aus: Bei den internen ZOOM-Meetings seien alle sehr fokussiert gewesen, um die Herausforderungen in den Projekten gut zu meistern. "Gerade die Lehrlinge konnten so das Unternehmen und die Tätigkeitsfelder besser kennenlernen und auch an ihrer Selbstorganisation arbeiten. Viele Mitarbeiter wählen auch für die Zukunft einen oder mehrere Tage fix als Homeoffice, und wir wissen nun, dass das ausgezeichnet funktioniert."

Bluesave bei der Auszeichnung zum TOP-Lerbetrieb
© Bluesave BLUESAVE ist als Top-Lehrbetrieb ausgezeichnet

Auch während der Krise nimmt BLUESAVE einen Lehrling auf, einen jungen Mann aus Syrien. Wirth: "Er ist derzeit noch Praktikant, sehr tüchtig und eine Freude. Am 1. Juli beginnt er bei uns seine Lehre als bautechnischer Zeichner." Erfreulich sei auch der Lehrlings-Bonus in der Höhe von 2.000 Euro, mit dem Unternehmen gefördert werden, die zwischen 16. März und 31. Oktober 2020 Lehrlinge aufnehmen.

Lehrling-Bonus für Unternehmen

  • Mehr Informationen zum 2.000 Euro Lehrlings-Bonus für ausbildende Betriebe finden Sie hier.

Ausbildungsverantwortung auch in der Krise

"Wir als UnternehmerInnen haben einen gesellschaftlichen Auftrag zur beruflichen Ausbildung junger Menschen", sagt Wirth. "Und sie sind eine Investition in die Zukunft. In der Regel übernehmen wir unsere Lehrlinge in ein unbefristetes Dienstverhältnis", sagt Wirth. Weiterbildung ist bei BLUESAVE wichtig: "Von den zehn Lehrlingen, die wir bereits ausgebildet haben, hat der Großteil danach berufsbegleitend die HTL-Matura oder sogar ein Studium absolviert." Wegen des hohen Frauenanteils unter den technischen Lehrlingen wurde das Unternehmen 2019 mit dem Amazone-Award ausgezeichnet und führt außerdem das WKO-Siegel "Top-Lehrbetrieb".  

Lehrlingsaufnahme scheitert nicht am Betrieb

Mädchen lernen auch bei Neudoerfler Büromöbel, dem burgenländischen Traditionsbetrieb. Im September beginnt eine junge Frau dort ihre Tischlerlehre, zusammen mit einem Burschen. Bereits im August beginnt ein junger Mann seine Lehre als Industriekaufmann. "Wir hätten gern noch ein oder zwei für die Tischlerlehre dazu", sagt Kathrin Pelzmann, Human Ressource Management bei der Neudoerfler Office Systems GmbH. Jedes Jahr nähme Neudoerfler mindestens fünf Lehrlinge auf.

Lehrlinge bei Neudoerfler Büromöbel
© Neuoerfler Büromöbel Lehrlinge bei Neudoerfler Büromöbel

Obwohl bei Neudoerfler wegen der Corona-Beschränkungen Kurzarbeit angesagt ist, war schnell klar, dass man dennoch Lehrlinge einstellen wolle: "Das sind die Fachkräfte von morgen. Wir nehmen Lehrlinge mit dem Ziel auf, damit sie bei uns bleiben." Lehrlinge seien die Zukunft: "Ein Lehrling wird ausgebildet, kennt das Unternehmen, die Arbeitsweise und die Personen", sagt Pelzmann.

Kaum Auswirkungen auf die Lehre

Lehrlinge zu finden, gestaltete sich heuer wegen der Coronakrise schwieriger als sonst für Neudoerfler. Einen Erstkontakt mit dem Unternehmen bieten in "normalen Jahren" die berufspraktischen Tage, bei denen Jugendliche in verschiedene Lehrberufe schnuppern können. "Wegen der Maßnahmen mussten wir einige berufspraktische Tage verschieben oder sogar absagen", sagt Pelzmann, "und einige Eltern haben gebremst aus Angst vor Corona." Noch ein paar Wochen können Interessierte ihre Bewerbung an Neudoerfler richten. Dass sich die Lehrzeit lohnt, ist garantiert. "Bei uns hatten die Maßnahmen kaum Auswirkungen auf die Lehrlinge, außer in der Berufsschule, hier gab es Fernunterricht", sagt Pelzmann, "die Produktion wurde ja nicht gestoppt, und die Meister haben auf die Abstands- und Hygieneregeln geschaut."

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