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Krisenresilienz der österreichischen Unternehmen

Analyse der Abteilung Wirtschafts- und Handelspolitik der WKÖ

Das Wichtigste in Kürze:

Die Kostenstruktur und Eigenkapitalausstattung von Unternehmen sind ausschlaggebend für deren Krisenfestigkeit. Empfohlen wird eine Eigenkapitalquote von zumindest 30 Prozent. Außerdem gilt: Je höher der Anteil der Fixkosten an der Betriebsleistung ist, umso größer ist das Risiko, dass Umsatzrückgänge zu Liquiditätsschwierigkeiten führen. Die Kombination von einem hohen Fixkostenanteil und einer niedrigen Eigenkapitalquote macht es besonders schwierig, Umsatzausfälle zu verkraften. Im Bereich Tourismus und Freizeitwirtschaft sind viele Unternehmen unter genau diesen Bedingungen in die Covid-19-Krise gestartet. Liquiditätsstärkende Maßnahmen sind hier besonders wichtig. 

Sujet Investitionsradar
© WKÖ

Der Ausbruch der Covid-19-Pandemie und die damit verbundenen Lockdowns und Reisebeschränkungen haben bei vielen Unternehmen Umsatzausfälle hervorgerufen. Die Kostenstruktur sowie die Eigenkapitalausstattung von Unternehmen sind ausschlaggebend für deren Widerstandsfähigkeit während Krisen.

Die vermutlich wichtigste Kennzahl zur Beurteilung der Krisenfestigkeit von Unternehmen ist die Eigenkapitalquote. Je höher der Anteil an Eigenkapital am Gesamtkapital ist, umso höher ist auch die finanzielle Stabilität eines Unternehmens. Aus betriebswirtschaftlicher Sicht wird empfohlen, dass Unternehmen eine Eigenkapitalquote von mindestens dreißig Prozent aufweisen. Umsatzausfälle führen bei einer niedrigen Eigenkapitalquote eher zu Zahlungsschwierigkeiten und Insolvenzen als bei einer ausreichend hohen Eigenkapitalausstattung.

Die Kostenstruktur ist eine weitere wichtige Determinante für die Robustheit von Unternehmen in Krisen. Während sich variable Kosten bei einem Rückgang der Betriebsleistung reduzieren lassen, sind Fixkosten auch bei einem Stillstand des Betriebs zu tragen. Je höher der Anteil der Fixkosten an der Betriebsleistung ist, umso stärker ist ein Unternehmen von regelmäßigen Umsätzen abhängig. Außerdem steigt durch hohe Fixkosten das Risiko, bei krisenbedingten Umsatzeinbußen in Liquiditätsschwierigkeiten zu geraten oder gar zahlungsunfähig zu werden.

Branchenunterschiede bei der Krisenfestigkeit

Unternehmen aus dem Bereich Tourismus und Freizeitwirtschaft erlebten im Jahr 2020 besonders starke Umsatzausfälle und Wertschöpfungseinbrüche. Gleichzeitig lag die Eigenkapitalquote in diesen Branchen bereits vor dem Ausbruch der Krise deutlich unter jener der anderen Branchen. Während die Ausstattung mit Eigenkapital bei KMU aus dem Bereich Tourismus und Freizeitwirtschaft einen Medianwert von 14 Prozent des Gesamtkapitals aufwies, lag die durchschnittliche Eigenkapitalquote der gewerblichen Wirtschaft bei dem deutlich höheren Wert von 26 Prozent. 

KMU aus dem Bereich Transport und Verkehr hatten im Zeitraum 2018/2019 die zweitniedrigste Eigenkapitalquote im Branchenvergleich. Im Gegensatz dazu zeichnen sich KMU aus dem Bereich Information und Consulting mit einer Eigenkapitalquote von 36 Prozent durch den höchsten Wert im Branchenvergleich aus - gefolgt von der Industrie.

Während die Eigenkapitalquote im Bereich Tourismus und Freizeitwirtschaft bei 14 Prozent des Gesamtkapitals liegt, beträgt sie 26 Prozent im Durchschnitt der gewerblichen Wirtschaft. KMU aus dem Bereich Transport und Verkehr haben die zweitniedrigste Eigenkapitalquote mit 23 Prozent.
Rund ein Drittel der KMU im Bereich Tourismus und Freizeitwirtschaft haben eine negative Eigenkapitalquote. In der Industrie sind es zum Vergleich nur 9 Prozent der KMU. Zu erwähnen ist jedoch auch, dass viele Tourismusbetriebe im Beherbergungswesen Immobilien zur Besicherung des Fremdkapitals verwenden, wobei der in der Bilanz ausgewiesene Buchwert häufig deutlich unter dem Verkehrswert liegt.

Rund ein Drittel der KMU im Bereich Tourismus und Freizeitwirtschaft haben eine negative Eigenkapitalquote.

Im Jahr 2020 wurde die Robustheit der Unternehmen wahrlich auf die Probe gestellt. Die Beherbergung und Gastronomie war jener Wirtschaftsbereich, der in den ersten drei Quartalen des Jahres 2020 den höchsten Wertschöpfungsrückgang im Vergleich zum Vorjahr verkraften musste. Auch für die Branche "Sonstige wirtschaftliche Dienstleistungen", der unter anderem Reisebüros und Sicherheitsdienste zugeordnet sind, sowie für den Verkehrssektor und die Herstellung von Waren brachten die ersten drei Quartale beträchtliche Wertschöpfungseinbußen von 11 bis 13 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Die Beherbergung und Gastronomie musste in den ersten drei Quartalen 2020 den größten Wertschöpfungsrückgang aller Wirtschaftsbereiche im Vergleich zum Vorjahr hinnehmen.

Bei Umsatzrückgängen reduziert sich ein Teil der Kosten automatisch, da weniger Güter oder Dienstleistungen produziert werden. Fixkosten können jedoch zumindest kurzfristig nicht reduziert werden. Der Anteil der Fixkosten an der Betriebsleistung ist bei Unternehmen aus dem Bereich Transport und Verkehr besonders hoch, knapp gefolgt vom Bereich Tourismus und Freizeitwirtschaft. Aufgrund der betriebswirtschaftlichen Ausgangslage ist daher zu vermuten, dass der Fixkostenzuschuss für diese Bereiche von besonders hoher Bedeutung war bzw. ist.

Eine niedrige Eigenkapitalquote gepaart mit einem hohen Fixkostenanteil in Prozent der Betriebsleistung deutet auf eine höhere Gefährdung hin, bei Umsatzrückgängen in Zahlungsschwierigkeiten zu gelangen. Die Unternehmen aus dem Bereich Tourismus und Freizeitwirtschaft sind nach diesem Raster die Verwundbarsten in der Corona-Krise. Ungünstig ist, dass ausgerechnet die Unternehmen aus diesem Bereich bislang am längsten durch Lockdowns in ihrer Wirtschaftstätigkeit beschränkt waren. Der bis zu 80-prozentige Umsatzersatz für die Beherbergung und Gastronomie während des zweiten Lockdowns ist im Lichte dieser Ausgangslage zu sehen.

Eigenkapitalquote und Fixkostenbelastung von KMU nach Wirtschaftsbereichen

Eigenkapitalquote und Fixkostenbelastung von KMU nach Wirtschaftsbereichen
© WKÖ/WHP

Eine niedrige Eigenkapitalquote gepaart mit einem hohen Fixkostenanteil senkt die Krisenfestigkeit. Unternehmen aus dem Bereich Tourismus und Freizeitwirtschaft sind nach diesem Raster die Verwundbarsten, gefolgt von Unternehmen aus dem Bereich Transport und Verkehr.

Ein weiterer Indikator, welcher die Krisenresilienz beeinflusst, ist die Höhe der Verschuldung bei Banken als Anteil an der Bilanzsumme. Auch hier gibt es starke sektorale Unterschiede. Die Bankverschuldungsquote (Bankverbindlichkeiten in Prozent der Bilanzsumme) liegt in der Beherbergung und Gastronomie mit 52 Prozent der Bilanzsumme weit über den Werten anderer Branchen. Im Handel, in der Herstellung von Waren, im Bereich Verkehr und Lagerei sowie im Bau ist die Bankverschuldungsquote nicht einmal halb so hoch wie in der Beherbergung und Gastronomie. Für die Beherbergung und Gastronomie sind die staatlichen Kreditgarantien damit ein besonders wichtiges Hilfsinstrument, um Kreditausfälle und Insolvenzen zu vermeiden.

Durch den Ausbruch der Corona-Pandemie ist die Kapazitätsauslastung der Betriebe plötzlich gesunken. Auch den Personalkosten stehen in Krisenzeiten oft keine ausreichend hohen Umsätze gegenüber. Der Anteil der Personalkosten in Relation zum Umsatz variiert jedoch deutlich zwischen den Branchen. Im Gewerbe und Handwerk sowie im Bereich Tourismus und Freizeitwirtschaft ist der Personalkostenanteil überdurchschnittlich hoch, im Handel hingegen relativ klein im Branchenvergleich. Nicht nur in Branchen, in welchen die Personalkosten in Relation zum Umsatz hoch sind, wird die Kurzarbeit von den Unternehmen als Instrument geschätzt. Auch in der Herstellung von Waren wird die Kurzarbeit typischerweise als ein sehr wichtiges Krisenüberbrückungsinstrument angesehen, obwohl hier die Personalkosten anteilsmäßig am Umsatz niedriger sind als in anderen Branchen.

Kurzarbeit federt die Fixkostenbelastung ab, die durch Personalkosten während einer temporären und unvorhersehbaren Unterauslastung, etwa während der Covid-Krise, entstehen. Durch Kurzarbeit kann der Personalstock auch bei einer zeitweiligen Kapazitätsunterauslastung eher gehalten werden.

Bankverschuldungsquote (in % der Bilanzsumme) und Personalkosten (in % des Umsatzes), Medianwert nach Wirtschaftsbereichen

Grafik
© WKÖ/WHP
Nach Bundesländern betrachtet ist die durchschnittliche Eigenkapitalquote in Wien am höchsten mit einem Wert von 29,6 Prozent. Das Burgenland bildet das Schlusslicht mit einer Eigenkapitalquote von 20,8 Prozent. Die Branchenstruktur dürfte einen maßgeblichen Einfluss auf die Bundesländerreihung haben.

Vor dem Ausbruch der Covid-Pandemie sah die Entwicklung der Eigenkapitalquote erfreulich aus. In der Beherbergung und Gastronomie stieg die Eigenkapitalquote etwa von 6 Prozent im Jahr 2013 auf 13 Prozent im Jahr 2018 an. Auch im Handel gab es in demselben Zeitraum einen Anstieg von 21 auf 25 Prozent. In der Herstellung von Waren legte die Eigenkapitalquote von 25 auf 30 Prozent zu und entsprach dann – im Median - der empfohlenen Mindesthöhe. Bei den Informations- und Kommunikationsdienstleistungen lag die Eigenkapitalquote zuletzt sogar bei 34 Prozent. Die positive Entwicklung dieser Kennzahl wird durch Covid-19 einen Rücksetzer erfahren haben, der allerdings erst verzögert in den Bilanzkennzahlen erkennbar werden wird.


Vor dem Ausbruch der Covid-Pandemie stieg die Eigenkapitalquote der Unternehmen an. In der Herstellung von Waren legte die Eigenkapitalquote etwa zwischen den Jahren 2013 und 2018 von 25 auf 30 Prozent zu.

Die Covid-Krise war und ist ein realer Stresstest für die Robustheit der Unternehmen. Liquiditätsstärkende Maßnahmen sind von besonderer Wichtigkeit, damit krisenbedingte Umsatzausfälle nicht Liquiditätsengpässe und Insolvenzen hervorrufen, die ohne die Corona-Pandemie nicht entstanden wären. Die meisten Hilfsmaßnahmen der Regierung haben eine liquiditätserhöhende Wirkung. Die Instrumente im Corona-Hilfspaket, etwa der Lockdown-Umsatzersatz, der Verlustersatz, der Ausfallsbonus, der Corona-Hilfsfonds, der Fixkostenzuschuss sowie der Härtefallfonds heben die Liquidität der betroffenen Unternehmen direkt an. Die Kreditgarantien im Rahmen der Covid-Krise erhöhen die Liquidität auch direkt, allerdings nur für jene Unternehmen, die ein ausreichend hohes Kreditvolumen zugesagt bekommen haben. Die Kurzarbeitsregelung wirkt auf indirekte Weise liquiditätserhöhend, da ein Teil des Lohns bzw. Gehalts der Beschäftigten aufgrund der Unterauslastung des Betriebs vom Staat übernommen wird, wodurch die Fixkosten des Betriebs gesenkt werden. Die liquiditätserhöhenden Unterstützungsmaßnahmen sind wichtig, um bislang gesunde Unternehmen vor krisenbedingten Insolvenzen zu bewahren.

Zusammenfassung

Die Covid-19-Pandemie sowie die in diesem Zusammenhang verordneten Lockdowns und Reisebeschränkungen in Österreich und bei unseren Handelspartnern haben jene Branchen besonders stark getroffen, die bereits vor der Covid-Pandemie weniger krisenfest aufgestellt waren, etwa wegen einer unterdurchschnittlichen Eigenkapitalausstattung. Dies gilt insbesondere für die Unternehmen aus dem Bereich Tourismus und Freizeitwirtschaft, in geringerem Ausmaß aber auch für die Unternehmen aus dem Bereich Transport und Verkehr. Die liquiditätserhöhenden Unterstützungsmaßnahmen der Regierung haben hier eine besonders hohe Bedeutung, um krisenbedingte Insolvenzen zu verhindern.


[1] Die betriebswirtschaftlichen Kennzahlen beruhen auf Auswertungen der Bilanzdatenbank von KMU Forschung Austria. Datenbasis sind rund 65.000 Jahresabschlüsse von KMU. Die Kennzahlen basieren auf buchmäßigen Werten, es wurden keine kalkulatorischen Kosten angesetzt.

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