th share video content contact download event event-wifi cross checkmark close xing wko-zahlen-daten-fakten wko-wirtschaftrecht-und-gewerberecht wko-verkehr-und-betriebsstandort wko-unternehmensfuehrung wko-umwelt-und-energie wko-steuern netzwerk wko-innovation-und-technologie wko-gruendung-und-nachfolge wko-bildung-und-lehre wko-aussenwirtschaft wko-arbeitsrecht-und-sozialrecht twitter search print pdf mail linkedin google-plus facebook whatsapp arrow-up arrow-right arrow-left arrow-down calendar user home
news.wko.at

Klimaschutz: Konsum als weit größerer CO2-Emissionstreiber als gedacht 

Industrie leistet wichtigen Beitrag zum Klimaschutz – Treibhausgase als globale Herausforderung erkennen

Stephan Schwarzer, Leiter der Umweltpolitischen Abteilung in der WKÖ, Robert Schmid, Umwelt- und Energiesprecher der Bundessparte Industrie, und Andreas Windsperger, Leiter des Instituts für Industrielle Ökologie (IIÖ)
© wkö/leithner Stephan Schwarzer, Leiter der Umweltpolitischen Abteilung in der WKÖ, Robert Schmid, Umwelt- und Energiesprecher der Bundessparte Industrie, und Andreas Windsperger, Leiter des Instituts für Industrielle Ökologie (IIÖ)

„Wer das Volumen von Treibhausgasen reell betrachten will, kommt nicht daran vorbei, die Herstellung der Handelsgüter mit einzubeziehen. Und hier zeigt sich, dass die Klimarelevanz des Konsums größer ist als gedacht“, betonte heute, Mittwoch, Andreas Windsperger, Leiter des Instituts für Industrielle Ökologie (IIÖ), in einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Robert Schmid, Umwelt- und Energiesprecher der Bundessparte Industrie und Stephan Schwarzer, Leiter der Umweltpolitischen Abteilung in der WKÖ. 

Die österreichische Wirtschaft leiste bereits jetzt wichtige Beiträge für den Klimaschutz und werde auch künftig ihre Verantwortung wahrnehmen, so Schwarzer. In Österreich hergestellte Produkte sind mit deutlich weniger CO2-Emissionen verbunden, als vergleichbare Produkte aus dem Ausland, so Schmid, der auf die Ergebnisse der aktuellen ClimAconsum-Studie verweist, die das IIÖ gemeinsam mit den Partnern JoanneumReseach und der Bundessparte Industrie der WKÖ und den Schweizer Partner Treeze und Soceco die Studie durchgeführt hat: Bei einer konsumbasierten Betrachtung hat Österreich 2013 130 Millionen Tonnen CO2 ausgestoßen, dieser Wert liegt damit in etwa 60 Prozent über der nationalen Treibhausgas-Inventur von rund 80 Millionen Tonnen. 

Produktherstellung besitzt größeren Hebel für Emissionsreduktionen als Konsum

Wie man zu diesem Wert kommt erläuterte Dr. Andreas Windsperger, Geschäftsführer des Institutes für Industrielle Ökologie: „Bei bisherigen Klimaschutzmaßnahmen stand die Reduktion der nutzungsbezogenen Treibhausgas-Emissionen (Verbrennung von Energieträgern, z.B. im Verkehr sowie bei Gebäuden) im Vordergrund. Wenn man aber den Außenhandel mitbetrachtet, zeigt sich jedoch, dass in erster Linie die Herstellung von Produkten mehr als 70% der gesamten THG-Emissionen des österreichischen Konsums verursacht – und nicht die Nutzungsphase. Bei einer Betrachtung der globalen Auswirkung des österreichischen Konsums besitzt somit die Produktherstellung den weitaus größeren Hebel für Emissionsreduktionen auf globaler Ebene. Dieses Ergebnis unterstreicht die Notwendigkeit einer detaillierten Betrachtung der Bereitstellungkette von Produkten, um die tatsächlichen Einflussfaktoren identifizieren bzw. konkrete Maßnahmen setzen zu können.“

Neben dem Fokus auf den Produkten wurde vor allem auch der technologische Standard in den jeweiligen Herstellländern über den länder- und branchenspezifische Energiemix betrachtet. Dabei zeigte sich folgendes Ergebnis: „Unsere importierten Produkte werden im Ausland größtenteils mit einer höheren Emissionsintensität hergestellt als dies in Österreich der Fall wäre. Dies untermauert die globale Vorreiterrolle der österreichischen Industrie hinsichtlich effizienter und emissionsschonender Produktion.“

Es bringe wenig, Emissionen dorthin zu verschieben, wo sie nicht mehr zu sehen seien, so Schmid. Wenn für die Herstellung eines Produktes in Europa ein Kilogramm CO2 emittiert werden, so ist es in Südostasien oft ein Vielfaches davon. „Es ist wohl das Naheliegendste, dass die Politik alles für eine starke heimische Produktion mit hoher Wertschöpfung und viel Beschäftigung tut“, so Schmid. Deshalb sei es so wichtig für die heimische Wirtschaft, dass keine Maßnahmen auf nationaler oder EU-Ebene gesetzt werden, die einerseits den Standort in Verlegenheit bringen und andererseits im Endeffekt sogar schlecht fürs Klima sind. 

„Wir benötigen kein Golden Plating, wir benötigen praktisch umsetzbare Regelungen, die dazu führen, dass die Produkte unserer modernen Industriebetriebe marktfähig bleiben und wir einen Beitrag zum Erreichen der Klimaschutzziele leisten“, so Schmid, der insgesamt drei anstehende Handlungsfelder sieht: Einerseits die Implementierung von Nachfolgetechnologien in der Produktion, an denen in den verschiedenen Branchen mit Hochdruck geforscht und gearbeitet werde. Nötig hierfür seien aber hohe Investitionen. Es gehe aber nicht nur um Technologie, sondern auch um die Produkte selbst. Am Beispiel von Dämmstoffen sei rasch ersichtlich, dass die Energieeinsparung während der Nutzungsdauer den Energieeinsatz bei der Produktion massiv überwiegt, das heißt, die Klimaamortisation ist schon nach kurzer Zeit erreicht. Und drittens, die Digitalisierung selber, die gerade in bisher ausgelagerten Produktionsbereichen dazu führen werde, dass Europa als Produktionsstandort eine Renaissance erleben könnte. „Mit dem Nebeneffekt, dass damit auch aktiver Klimaschutz betrieben wird. Deshalb gilt es, die Industrie insgesamt zu stärken. Ein starker Industriestandort Europa wird ausschlaggebend sein, um die anstehenden Herausforderungen besser zu meistern“, betonte Schmid. 

Rechtssicherheit für Investoren und Verfahrensbeschleunigung bei UVP notwendig, Mobilisierung von Investitionen zentral

„Die österreichische Wirtschaft leistet bereits wichtige Beiträge für den Klimaschutz und wird auch künftig ihre Verantwortung wahrnehmen“, ergänzt Schwarzer.

Dringend erforderlich seien jedoch Verbesserungen bei den Rahmenbedingungen. Schwarzer nannte als zentrales Thema die Rechtssicherheit für Investoren. „Derzeit kommt wegen unklarer steuerlicher Einordnungen das wichtige Projekt Energiespeicherung in Form von Wasserstoff und nichtfossilem Methan nicht in Gang. Für die Versorgungssicherheit benötigte Wasser- und Windkraftprojekte sowie Speicher- und Leitungsvorhaben stecken über viele Jahre in UVP-Verfahren fest, in denen sie „zu Tode geprüft“ werden“, erläuterte der WKÖ-Experte für Umweltpolitik.  „Hier braucht es ein klares Bekenntnis zur Verfahrensbeschleunigung“, unterstrich Schwarzer. In Hinblick auf Gebäudesanierungen seien langfristig stabile Förderincentives nötig. Die derzeit aufgelegten Programme würden mit März zu spät kommen, wären zu eng gefasst und würden eine zu geringe Haltbarkeit aufweisen. „Wir müssen aber auch das schwerfällige Energieeffizienzgesetz durchlüften, das viel Aufwand und wenige Nutzen erzeugt. Ohne massive Investitionen über einen langen Zeitraum können die hochgesteckten Energie- und Klimaziele nicht erfüllt werden - sie bedeuten aber auch große Chancen für Wachstum und Beschäftigung. Wichtigste Aufgabe der Politik ist es, diese Investitionen zu mobilisieren und zu ermöglichen“, so Schwarzer.

Hintergrund-Infos zur Studie climAconsum

In den vergangenen drei Jahren hat ein österreichisches Konsortium (Institut für industrielle Ökologie, Joanneum Research und Bundessparte Industrie der WKÖ) gemeinsam mit Partnern aus der Schweiz den CO2-Ausstoß des österreichischen Konsums genauer unter die Lupe genommen. In Österreich konsumierte Produkte wurden anhand einer Güterflussbilanz rückverfolgt und die gesamten Emissionen bei der Herstellung und Verwendung errechnet. Für rund 1.000 Produktgruppen konnten produktspezifische Lebenszyklusdaten recherchiert werden, wobei speziell der technologische Stand für die jeweiligen Herstellländer berücksichtigt wurde. Damit wird nun der CO2-Rucksack von Importprodukten transparenter.

Auf der anderen Seite werden in Österreich viele Güter und Waren für den Export hergestellt. Diese werden daher nicht vor Ort konsumiert. Die dahinterstehenden Emissionen wurden ebenfalls ermittelt und in der Bilanz abgezogen. 

Zusätzlich kann das Modell auch die CO2-Emissionen von Produkten aus heimischer Erzeugung mit jenen aus anderen Erdteilen vergleichen. Das Ergebnis: Österreichische Produkte schneiden durch die Bank deutlich besser ab. Mehr Produktion in Österreich (oder mit heimischen Standards) ist eindeutig positiv für das Klima. (PWK783/us)


Kurzfassung der Studie climAconsum

 Dieses Projekt wurde aus Mitteln des Klima- und Energiefonds gefördert und im Rahmen des Programms „Austrian Climate Research Programme“ durchgeführt.

Projektkonsortium: Andreas Windsperger, Bernhard Windsperger, Institut für Industrielle Ökologie (IIÖ); Neil Bird, Hannes Schwaiger, Gerfried Jungmeier, JOANNEUM RESEARCH Forschungsgesellschaft mbH.; Carsten Nathani, Rütter Soceco AG; Rolf Frischknecht, treeze Ltd.; Richard Guhsl, Andre Buchegger, Wirtschaftskammer Österreich – Sparte Industrie

Die Einbeziehung der Treibhausgasemissionen (THG) für die Herstellung der Handelsgüter würde die auf nationale Aktivitäten fokussierte THG-Bilanz auf die Klimarelevanz des österreichischen Konsums (=Produktion + Import - Export) erweitern. Für die Berechnung der konsumbasierten THG-Emissionen von Österreich wurde ein produkt- und technologiebezogener Ansatz gewählt, der auf einer physischen Güterflussbilanz hinter der Bereitstellung der in Österreich konsumierten Produkte beruht. Aus dieser Güterflussbilanz werden mit produktspezifischen Lebenszyklusdaten die Emissionen errechnet, wobei speziell der technologische Stand für die jeweiligen Herstellländer berücksichtigt wurde. Die Ergebnisse führen bei einer konsumbasierten Betrachtung zu THG-Emissionen von 130 Mio. Tonnen im Jahr 2013 und liegen in etwa 60% über der nationalen THG-Inventur. Damit wird die Bereitstellung der importierten Produkte zu einem wesentlichen Teil der THG-Emissionen hinter dem österreichischen Konsum. Dieses Projekt hat gezeigt, dass die Verwendung eines produkt- und technologiebezogenen Ansatzes die Identifikation der wesentlichen Emissionstreiber bei den Produkten ermöglicht, sowie etwaige Mehrbelastungen durch höhere Emissionsintensität der importierten gegenüber national hergestellten Produkten darstellt. Damit können mögliche Reduktionspotenziale und auch „carbon leakage“, aufgezeigt bzw. vermieden werden.

Die Studie hat dazu beigetragen, dass im Jahr 2016 die CCCA-Arbeitsgruppe „Consumption-based GHG accounts for Austria“ mit dem Ziel des Austausches und der Vernetzung der verschiedenen Ansätze zur konsumbasierten THG-Bilanzierung gegründet wurde, siehe: http://bit.ly/2yXNFT2

von

Das könnte Sie auch interessieren

  • Information und Consulting
Newsportal WKÖ-Immobilien: Neue Versicherung bietet umfassenden finanziellen Schutz aller Kunden 

WKÖ-Immobilien: Neue Versicherung bietet umfassenden finanziellen Schutz aller Kunden 

FV-Immobilientreuhänder präsentiert Vertrauensschadensversicherung für Immobilienverwalter: Beispielloses Sicherungssystem bietet verpflichtend Rundumschutz bei Vermögensschaden  mehr

  • Information und Consulting
Newsportal WKÖ-Bundessparte Information und Consulting begrüßt Rechtssicherheit bei Datenschutz 

WKÖ-Bundessparte Information und Consulting begrüßt Rechtssicherheit bei Datenschutz 

Obmann Bodenstein: "Betriebe müssen jetzt datenschutz-fit gemacht werden! " - Organisatorische Änderungen sind bis 2018 umzusetzen mehr

  • Tourismus und Freizeitwirtschaft
Newsportal Großes Kino für die heimische Wirtschaft: Über 10 Mio. Besucher seit Jahresbeginn 

Großes Kino für die heimische Wirtschaft: Über 10 Mio. Besucher seit Jahresbeginn 

Kinosprecher Dörfler: Kino ist wichtiger Impulsgeber für Ökonomie und Gesellschaft mehr