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KV-Verhandlungen Metalltechnische Industrie: Gewerkschaften agieren unverantwortlich

Einseitiger Abbruch der Verhandlungen zeigt mangelnden Willen zur Kooperation; Inszenierung derzeit im Vordergrund

Metalltechnische Industrie, Metalltechnik, Industrie, Arbeiter
© Trumpf

Die aktuell stattfindenden Betriebsrätekonferenzen der Gewerkschaften werden vom Fachverband Metalltechnische Industrie kritisch beurteilt. Fachverbandsobmann Christian Knill: "Die zweite KV-Verhandlungsrunde wurde letzte Woche schon nach sehr kurzer Zeit einseitig von den Gewerkschaften abgebrochen, die Betriebsrätekonferenzen waren bereits zuvor geplant und organisiert. Dies zeigt, dass die Gewerkschaften im Grunde noch nicht an seriösen Verhandlungen interessiert sind. Für die kommenden Wochen sind offenbar bereits Betriebsversammlungen in Planung. Wir erwarten daher eine ähnliche Vorgangsweise in der dritten Runde am Donnerstag, also Inszenierung und Aktionismus statt seriöser Verhandlungen. Das ist schade, denn die Beschäftigten haben sich einen fairen und raschen Abschluss verdient.“

Das Verhandlungsteam der Metalltechnischen Industrie hat zuletzt auf Basis der wirtschaftlichen Realitäten erste Angebote in Varianten als Verhandlungsgrundlage vorgelegt, darunter eine Erhöhung der Löhne und Gehälter um bis zu 2,2 %, was deutlich über der zugrundeliegenden Inflation liegt. Außerdem wurde angeboten, die Zulagen für die 2. Schicht zu erhöhen; dies würde über die kommenden drei Jahre eine Steigerung von rund 60 % bedeuten. Zu den von den Gewerkschaften behaupteten Verschlechterungen bei der Arbeitszeit ist festzuhalten, dass die Vorschläge der Arbeitgeberseite vor allem auf mehr Flexibilität setzen. Das wäre angesichts der weltweiten Lieferkettenprobleme und Auftragsschwankungen gerade jetzt besonders wichtig. Falsch ist in jedem Fall die Darstellung der Gewerkschaften dazu, denn sämtliche Überstundenzuschläge blieben unverändert aufrecht, ebenso die Anzahl der zulässigen Überstunden.

"Wir hatten gerade erst den größten Umsatzeinbruch seit Jahrzehnten zu bewältigen. Die Betriebe sollten nun in Ruhe arbeiten können, denn nur so sichern wir Wettbewerbsfähigkeit und Arbeitsplätze. Für einen unvernünftig hohen Abschluss stehen wir allerdings nicht zur Verfügung, das wäre verantwortungslos“, so Christian Knill abschließend.

KV-Grundlagen: Wirtschaftliche Eckdaten in der MTI

  • Die Metalltechnischen Industrie gehört zu den bestzahlenden Branchen, das monatliche Durchschnittsgehalt beträgt 4.447 Euro, der Durchschnittslohn liegt bei 3.125 Euro. Die realen Löhne und Gehälter in der Branche liegen im Schnitt zwischen 11 % und 28 % über KV.
  • Im Jahr 2020 verzeichnete die Metalltechnische Industrie einen Rückgang in der Produktion von 10,6 %, das entspricht einem Produktionswert von rund 3,6 Milliarden Euro. Die Zahl der Beschäftigten verringerte sich weniger stark um rund 2 %. In den ersten fünf Monaten 2021 liegt die Produktion um rund 21 % im Plus, nach einem Minus von 18 % im Vergleichszeitraum 2020 ist das statistisch gesehen ein Ausgleich und in erster Linie durch Nachholeffekte begründet.
  • Laut einer aktuellen Umfrage unter den Mitgliedsbetrieben der Metalltechnischen Industrie rechnen diese für 2021 im Schnitt mit einem Wachstum von rund 9,3 %. Damit wäre noch immer nicht das Niveau von 2019, dem Jahr vor Beginn der Corona-Krise, erreicht. Gleichzeitig beurteilen 45 % der Betriebe ihre Margensituation als aktuell schwächer als im Durchschnitt der Vorkrisenjahre. Der Grund dafür liegt vor allem im schwierigen internationalen Marktumfeld. Die Rohstoffpreise, etwa für Stahl, sind in den letzten Monaten explodiert und viele Vormaterialien am Weltmarkt nur schwer und mit großen Verzögerungen lieferbar.
  • Mehr als 85 % der Betriebe sind Familienbetriebe und mittelständisch strukturiert. Entsprechend heterogen ist auch ihre wirtschaftliche Entwicklung.
  • Österreichs Gesamtwirtschaft verzeichnete 2020 einen historischen Einbruch beim Bruttoinlandsprodukt (BIP) von 6,7 Prozent. Für 2021 erwarten die Wirtschaftsforscher ein Wachstum von rund 4,4 %, der Einbruch ist somit noch nicht aufgeholt. Die Inflation lag in den zurückliegenden 12 Monaten bei durchschnittlich 1,9 %.

Über die Metalltechnische Industrie

Die Metalltechnische Industrie ist Österreichs stärkste Branche. Über 1.200 Unternehmen aus den Industriezweigen Maschinenbau, Anlagenbau, Stahlbau, Metallwaren und Gießerei bilden das Rückgrat der heimischen Industrie. Die exportorientierte Branche ist mittelständisch strukturiert, besteht zu mehr als 85 % aus Familienbetrieben und ist für ein Viertel aller österreichischen Exporte verantwortlich. Zahlreiche Betriebe sind Weltmarktführer und „Hidden Champions“.

Die Metalltechnische Industrie beschäftigt direkt mehr als 134.000 Menschen, davon über 7.100 Lehrlinge, und sichert damit indirekt an die 250.000 Arbeitsplätze in Österreich. Sie erwirtschaftete 2020 einen Produktionswert von rund 36 Milliarden Euro. Der Fachverband Metalltechnische Industrie, ein Zusammenschluss der ehemaligen Fachverbände Maschinen- und Metallwarenindustrie sowie Gießereiindustrie, zählt zu den größten Wirtschafts- und Arbeitgeberverbänden Österreichs und ist eine eigenständige Organisation im Rahmen der Wirtschaftskammer Österreich.

www.metalltechnischeindustrie.at


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