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Generation Sicherheit: Fleißig, aber feig

Warum die Ideen der Jungen wichtig für die Wirtschaft sind und wie sie motiviert werden können.

Jugendforscherin Beate Großegger über die heimische Jugend, ihre niedrigen Leistungsziele, unrealistischen Sehnsüchte und ihr Bedürfnis nach Feedback.

Jugendforscherin Beate Großegger
© Vreni Arbes Fotografie Jugendforscherin Beate Großegger

Frau Großegger, Sie haben unlängst eine Studie publiziert mit dem Titel "Wie leistungsorientiert ist Österreichs Jugend?". Dazu haben Sie bei 400 repräsentativ ausgewählten Jugendlichen im Alter von 14 bis 18 Jahren nachgefragt. Wie leistungsorientiert ist denn jetzt die heimische Jugend?

Beate Großegger: Die österreichische Jugend ist sehr leistungsmotiviert, aber sie orientiert sich an moderaten Leistungszielen. Das heißt, Jugendliche sind bereit, zu performen, legen die Latte für ihre Leistungen allerdings bewusst nicht zu hoch, aus Angst davor, ihre Ziele nicht zu erreichen.

Woran liegt das?

Das ist vor allem ein Problem des österreichischen Bildungssystems, das nicht richtig auf die Anforderungen eingestellt ist. Konkret lernen die Jugendlichen nicht, zu scheitern. Deswegen orientieren sie sich an dem, was erreichbar ist. Auch überambitionierte Eltern, die Bildung als Investition in die Zukunft der Kinder sehen, können ein Problem darstellen. Der Nachwuchs wird schon in jungen Jahren gleichsam zu Tode gefördert. Die Kinder verlieren den Spaß am Lernen und gleichzeitig wächst die Angst, zu versagen. Gerade am Anfang einer Ausbildung ist es aber wichtig, kleine Fehler machen zu können, um daraus lernen zu können. Gibt es diese Möglichkeit nicht, bauen sich schnell Versagensängste auf. Unternehmerisches Denken, das eben auch Mut zum Risiko und Visionen voraussetzt, bleibt so sehr leicht auf der Strecke.

Welche Konsequenzen hat das für die heimische Wirtschaft?

Wenn Österreich konkurrenzfähig bleiben will, müssen junge Menschen und ihre Ideen in die Wirtschaft. Kommt der Wirtschaft dieses Innovationspotenzial abhanden, fehlt ein extrem wichtiger Ideengeber. Aktuell herrscht bei den Jugendlichen oft ein Sicherheitsdenken vor. Sie sind fleißig, passen sich gerne den Anforderungen an, die an sie gestellt werden, wollen aber nicht mehr in neue Welten aufbrechen, wie das vorangegangene Generationen getan haben.

Das heißt, sie suchen lieber die Sicherheit als das Risiko des Neuen?

Ja, genau das. In unserer Studie zeigt sich, dass sich die Mentalität der heutigen Jugendlichen aus drei Aspekten zusammensetzt: Einerseits ist es eine Generation Sicherheit, die fleißig und anpassungsbereit ist, aber Angst davor hat, Fehler zu machen. Ein weiterer Aspekt ist die Generation Sehnsucht. Hier sehen wir, dass die Befragten vor allem im privaten Bereich große Hoffnungen und Träume haben, die aber nur wenig mit der Realität zu tun haben. Und schließlich gibt es die Generation Feedback.

Was meinen Sie damit?

Noch nie war eine Generation derart darauf aus, beurteilt zu werden. Jugendliche fordern in hohem Maß Feedback zu ihrer Leistung ein. Allerdings geht es ihnen dabei nicht um die Beurteilung der inhaltlichen Qualität der Arbeit. In erster Linie soll die Performance, also die Art der Präsentation des Geleisteten beurteilt werden. Egal, ob wir das gut finden oder nicht, unser Feedback muss das berücksichtigen. Die Leistungsorientierten unter den Jungen, immerhin mehr als zwei Drittel, suchen eine Bühne und wollen wissen, wie sie performt haben. Feedback, das nur auf die Qualität der Arbeit abzielt, verpufft zu großen Teilen. Um die Ohren für die Kritik an der Arbeit zu öffnen, muss das berücksichtigt werden.

Wie können Eltern, Lehrer oder Arbeitgeber das am besten machen?

Dafür gibt es leider kein Patentrezept. Hier gilt es ganz zielgruppenorientiert nach Lösungen zu suchen, die für die Betroffenen passen. Man muss sich ansehen, was für ganz konkrete Jugendliche in einem ganz konkreten Setting zum Erfolg führen kann. Ein guter Ansatz ist sicher, viel und vor allem möglichst klar mit den Jungen zu kommunizieren und ihnen Sicherheit zu geben. Das stützt die Leistungsmotivation.

Lassen Sie uns noch über die Generation Sehnsucht sprechen.

Während frühere Generationen sich in umfassenden Visionen und gesellschaftlichen Utopien verloren, haben die heutigen Jugendlichen vor allem private Sehnsüchte. Sie sehen, dass sozialer Aufstieg über berufliches Engagement nur schwer möglich ist. Das Sicherheitsdenken ist also auch eine Art Selbstschutz. Permanent prasseln neue Eindrücke auf sie ein, alles verändert sich. Es herrscht ein Pluralismus der Werte und Chancen, es ist so viel mehr möglich als früher. Sie sind hin- und hergerissen in einem Umfeld, das immer komplexer wird. Darauf reagieren sie mit einem Rückzug ins Vertraute.

Was kann man tun, um hier Sicherheit zu geben?

Wichtig ist, den Realitätssinn zu stärken, zu zeigen, was möglich und erreichbar ist. Das geht über gutes Feedback, welches Zuwendung und Anerkennung signalisiert. Und dort, wo uns Jugendliche noch als Vorbilder sehen vorbildlich zu agieren. Im Bereich Digitalisierung und Neuen Medien sehen sich Jugendliche als die Experten, aber bei Themen wie Finanzplanung, Prioritätensetzung und Timing suchen sie geradezu nach Vorbildern.

ZUR PERSON: Dr. Beate Großegger

Die promovierte Kommunikationswissenschafterin Beate Großegger ist Mitbegründerin und stv. Vorsitzende des Instituts für Jugendkulturforschunbg. Sie leitet seit 2001 die Forschungsabteilung des Instituts und betreut zudem das 2016 gegründete generationlab. Darüber hinaus ist sie als Lektorin in der akademischen Lehre tätig. 2011 wurde Beate Großegger für gendersensitive Jugendforschung mit dem Käthe-Leichter-Preis für Frauenforschung, Geschlechterforschung und Gleichstellung in der Arbeitswelt ausgezeichnet.

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