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"Der rasante technologische Fortschritt eröffnet uns viele Möglichkeiten"

Top-Ökonom Gabriel Felbermayr im Interview über Auswirkungen von Handelsabkommen und Chancen von Handelskonflikten.

Der internationale anerkannte Ökonom Gabriel Felbermayr wird im Rahmen der 12. Sitzung des Wirtschaftsparlaments am 28. November die Keynote zum Thema "Globale Veränderungen und Österreichs Chancen - Gute Ausgangssituation nutzen, um Herausforderungen zu meistern" halten. Im Vorfeld stand er uns für ein Interview zur Verfügung.
IfW-Präsident Gabriel Felbermayr
© (c) IfW Kiel/Michael Stefan IfW-Präsident Gabriel Felbermayr

Herr Felbermayr, Sie sind einer der weltweit führenden Ökonomen und beschäftigen sich intensiv mit Auswirkungen von Handelsabkommen. Was bringen Handelsabkommen?

Gabriel Felbermayer: Empirisch sind hier die Befunde eindeutig: Sinkende Handelsbarrieren durch solche Abkommen steigern gesamtwirtschaftlich den Wohlstand in den beteiligten Ländern. Der weltweite Wohlstandszuwachs der vergangenen Jahrzehnte wäre ohne die Liberalisierung des Handels und den steigenden weltweiten Güteraustausch nicht denkbar gewesen. Auch gerade in Deutschland und Österreich haben wir davon besonders profitiert. Es gibt allerdings auch gesellschaftliche Gruppen, die durch offene Handelsgrenzen verlieren. Die Idee ist, dass dann ein Ausgleich stattfindet und die Verlierer durch die an anderer Stelle entstandenen Gewinne kompensiert werden. Das ist uns leider selten ausreichend gelungen, und deshalb gibt es Unzufriedene, die lieber wieder Handelsbarrieren errichten wollen.  

Klimaschutz und Nachhaltigkeit bestimmen derzeit die öffentliche Debatte, nicht nur in Österreich. Können Sie uns Ihre Ideen für ein nachhaltigeres Wirtschaftssystem schildern?

Es wird ja verschiedentlich unser gesamtes Wachstumsmodell infrage gestellt. Davon halte ich nichts. Wir müssen zwischen nachhaltigem und nicht-nachhaltigem Wachstum unterscheiden und sollten uns auf Ersteres konzentrieren.  In den vergangenen Jahrzehnten haben neue Produkte und Prozesse deutlich mehr zum Wachstum beigetragen als der zusätzliche Einsatz von Rohstoffen oder Boden. Ein nachhaltiges Wirtschaftssystem steigert permanent die Produktivität seiner Ressourcen und kann deshalb auch wachsen, wenn der Ressourceneinsatz sinkt. Der rasante technologische Fortschritt eröffnet uns dafür viele Möglichkeiten. Das ist ein viel größerer – und erfolgsversprechender! – Hebel, als wenn wir versuchen Nachhaltigkeit nur durch Verhaltensänderungen der Menschen oder Rückführung unseres Lebensstandards zu erreichen.

Für ein wirklich nachhaltiges Wirtschaftssystem ist zwingend erforderlich, dass umweltschädliches Verhalten einen Preis hat und damit unattraktiv wird. Für den Klimaschutz kann das etwa durch einen Preis auf CO2-Emissionen erreicht werden.

Die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen China und den USA bleiben auch nach monatelangen Verhandlungen angespannt. Wie realistisch ist eine Einigung im Handelsstreit überhaupt? Oder muss sich die Wirtschaft an die Ungewissheit gewöhnen und anpassen?

Es gibt in jüngster Zeit Anzeichen für eine gewisse Entspannung. Der Handelskonflikt der beiden Schwergewichte hat offenbar den Zenit überschritten und ein Abkommen – zumindest ein kleineres – ist in Reichweite. Dass es zu einer nachhaltigen Entspannung kommt, erwarte ich aber nicht. Es geht hier ja nicht nur um einen Handelsstreit, sondern um die weltweite politische und wirtschaftliche Vormacht. Die Amerikaner – nicht nur das Trump-Lager! – sehen hier China als größten Rivalen. In den Versuchen, China kleinzuhalten, dürften sich die jetzige und künftige US-Regierungen nur in der Wahl der Mittel unterscheiden und nicht im Ziel. Unternehmen werden sich auf einen Dauerkonflikt einstellen müssen, der mal anschwillt, mal abschwillt.

Es heißt, Europa würde zwischen den USA und dem aufsteigenden China in die Mangel genommen. Was können wir dagegen tun? Wie könnte eine gesamteuropäische Strategie aussehen?

Unser größtes Pfund als Europäer ist der Europäische Binnenmarkt. Amerikaner wie Chinesen haben großes Interesse, Zugang zu diesem Markt mit hunderten Millionen kaufkräftiger Europäer zu haben. Wichtig ist also, dass wir die Einheit dieses Binnenmarktes wahren und ihn wo möglich vergrößern. Dazu gehört auch, die Briten nach einem Brexit möglichst eng an die EU und den Binnenmarkt anzukoppeln. Wenn wir als Europäer geschlossen auftreten, haben wir auch Verhandlungsmacht gegenüber den USA und China. Dann können wir verhindern, dass wir gezwungen werden, uns in dem Streit zwischen China und den USA auf eine Seite zu schlagen. Als neutrale Dritte können wir von ihrem Streit sogar profitieren. Voraussetzung dafür ist aber, dass wir in unsere technologische, ökonomische und militärische Souveränität investieren. Wir brauchen beispielsweise eine wirksamere EU-Strategie für die Förderung von Forschung und Entwicklung und die Bereitstellung von Risikokapital. Wenn wir in digitalen Technologien nicht zurückfallen wollen, sind das notwendige Grundlagen.

Trump hat seine Entscheidung über EU-Autozölle ein weiteres Mal verschoben. Werden die USA den Konflikt mit Europa solange hintanstellen, bis die Beziehungen mit China neu geregelt sind? Oder sollten wir uns darauf nicht verlassen?

Verlassen können wir uns derzeit auf wenig, wenn wir in Richtung der USA schauen. Donald Trump setzt Unsicherheit als strategische Waffe ein, und deshalb wird sie bestehen bleiben, solange er regiert. Es wird der Wirtschaft nicht viel anderes übrig bleiben, als sich an diese neuen Realitäten anzupassen. Die Unternehmen müssen überlegen, ob sie permanent mit der Zoll-Unsicherheit leben wollen oder ob sie mehr in den USA produzieren. Es ist auch schon zu beobachten, dass das passiert. In dieser Hinsicht wirkt Trumps Politik also, auch wenn sie in vielerlei anderer Hinsicht zum Schaden der USA ist.

Zum Abschluss ein Gedankenspiel, das die derzeitige politische Situation außer Acht lässt: Wäre für Sie eine Integration der Europäischen Union und der Eurasischen Wirtschaftsunion eine realistische Möglichkeit, um die Position Europas langfristig zu stärken?

Das wäre sie. Dass es nicht zu einer Verständigung mit den östlichen Nachbarn der EU kommt, ist eine strategisch gefährliche Situation. Schließlich liegen die Länder der Eurasischen Wirtschaftsunion vor unserer Haustür. Wir müssen Interesse daran haben, dass sie sich stabil entwickeln und wirtschaftlich prosperieren. Aber die EU steckt hier in einem Dilemma, weil das autoritäre und raumgreifende Verhalten Russlands eine Annäherung sehr schwierig macht. Umso wichtiger ist es, dass wir informelle Kanäle der Verständigung aufrechterhalten.

Zur Person: Prof. Gabriel Felbermayr, Ph.D.

Der 1976 in Steyr geborene Gabriel Felbermayr ist Präsident des Institus für Weltwirtschaft in Kiel und Professor für Volkswirtschaftslehre, insbesondere Weltwirtschaftspolitik, an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel. Zuvor leitete er von 2010 bis 2019 das ifo Zentrum für internationale Wirtschaft an der Universität München, wo er auch als ordentlicher Professor für Internationale Wirtschaft tätig war.  

Seine Forschungs- und Beratungstätigkeit konzentriert sich auf Fragen der ökonomischen Global Governance, der europäischen Wirtschaftsintegration und der deutschen Wirtschaftspolitik. Er hat eine Vielzahl von Artikeln in internationalen wissenschaftlichen Zeitschriften, in Policy Briefs und in Zeitungen veröffentlicht. Seine Forschung wurde mit verschiedenen Preisen ausgezeichnet.

(fs, pmd)

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