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Hotellerie fordert von neuer Bundesregierung Reparatur des Mehrwertsteuersatzes 

Egger: „Nur so bleibt Hotellerie international wettbewerbsfähig“ – Buchungslage für Sommer positiv – Branche braucht Lösungen bei Übernahme, Finanzierung und Arbeitszeit

Sigi Egger (Obmann des Fachverbandes Hotellerie) gemeinsam mit Fachverbands-Geschäftsführer Matthias Koch
© WKÖ/Leithner Sigi Egger (Obmann des Fachverbandes Hotellerie) gemeinsam mit Fachverbands-Geschäftsführer Matthias Koch

„Es freut mich natürlich, dass die Konjunktur langsam wieder Fahrt aufnimmt und positive Vorzeichen für die touristische Sommersaison gibt, ebenso wie die Nächtigungsrekorde im vergangenen Jahr. Das darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass wichtige Schritte zum Erhalt der Wettbewerbsfähigkeit der heimischen Hotel-Branche anstehen – denn nur dann werden wir weiter auf dem Erfolgsweg gehen“, betont Sigi Egger, Obmann des Fachverbandes Hotellerie in der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ), heute Donnerstag, in Wien. Allen voran fordert Egger die Senkung der Mehrwertsteuer auf Nächtigungen von 13 auf 10 Prozent. 

Denn während in Österreich die Mehrwertsteuer vor zwei Jahren auf 13 Prozent erhöht wurde, beträgt der Mehrwertsteuersatz für Logis in Deutschland sieben Prozent, in der Schweiz 3,8 Prozent, in Italien und in Frankreich 10 Prozent. Eine aktuelle Studie der HOTREC - des europäischen Dachverbandes für Hotels, Restaurants und Cafés – belegt ganz klar die positiven Auswirkungen reduzierter Mehrwertsteuersätze auf Arbeitsplätze und Wettbewerbsfähigkeit. „Eine solcher Schritt würde als positiver Katalysatoreffekt für die Schaffung neuer Beschäftigungsverhältnisse, mehr Investitionen und Wachstum und damit Stärkung der heimischen Wettbewerbsfähigkeit sorgen“, so der WKÖ-Branchensprecher. 

Tourismus auch in Krisenzeiten Garant für Stabilität

Um so erfreulich wertet Egger die positiven Signale seitens des Wirtschaftsministers Harald Mahrer, der eine Evaluierung der erhöhten Mehrwertsteuer angekündigt hat. „Wenn wir jetzt wieder ernsthaft über eine Mehrwertsteuer-Senkung diskutieren können oder der Haftungsrahmen für die Österreichische Hotel- und Tourismusbank erhöht wird, so zeigt mir das, dass unsere Anliegen ernstgenommen werden und unsere gesamte Branche wieder die Wertschätzung erhält, die sie verdient.“ Immerhin sei der Tourismus eine Österreichische Leitbranche, die sich auch in Krisenzeiten als Garant für Stabilität bewiesen habe, heuer erneut die Leistungsbilanz gerettet habe und Arbeitsplätze schaffe. 

Egger: Differenzierte Dienst- und Ruhezeitmodelle für die Hotellerie

Konkret haben Beherbergung und Gastronomie mit 208.144 Beschäftigten - ohne geringfügig Beschäftigte im Jahresdurchschnitt 2016 - wieder einen Beschäftigungsrekord erreicht. „Damit liefern wir 10 Prozent des gesamten Beschäftigungsplus Österreichs. Was wir allerdings benötigen, sind dringend flexiblere Rahmenbedingungen, etwa bei geteilten Diensten und der dadurch verkürzten Nachtruhe“, wünscht sich Egger differenzierte Dienst- und Ruhezeitmodelle. Der Bau von Mitarbeiterquartieren – mittlerweile ein Muss für die Branche – solle, so Egger, österreichweit gefördert werden. 

Was den Start in die Sommersaison betrifft, müsse man – nicht zuletzt aufgrund der Feiertagsverschiebungen - die Juni-Ergebnisse abwarten, um ein realistisches Bild zu erhalten, so der Branchen-Sprecher, der sich für den weiteren Sommersaisonverlauf durchaus optimistisch zeigt und mit einem ähnlich guten Ergebnis wie im Vorjahr rechnet: „Die Buchungslage ist österreichweit recht erfreulich und unsere Betriebe sind gut aufgestellt.“

Junge Generation durch Erleichterungen bei Übergabe halten

Als weiteren wesentlicher Punkt, der der Hotellerie unter den Nägeln brenne, nennt Egger die Nachfolge in der Familie, wo er sich klare Erleichterung erwartet, um die junge Generation zu halten – etwa vereinfachte Behördenverfahren, Übergang bestehender Bewilligungen auf den Rechtsnachfolger zur Erleichterung der Übergabe sowie steuerliche Entlastungen und wirtschaftlich zumutbare Fristen bei Auflagen. „Die betriebliche Existenzsicherung muss im Vordergrund stehen. Es sollten etwa Begünstigungen gelten wie bei Start Ups“, spricht sich Egger für eine Nachbildung der aws-Lohnnebenkostenförderung und der aws-Risikokapitalprämie für übernommene Arbeitsplätze aus.

Auch das Thema Finanzierung müsse von der neuen Regierung zügig angegangen werden, so Egger. „Wir müssen uns ständig neu erfinden und den neuesten Trends anpassen. Da führt kein Weg an Investitionen vorbei - damit wir auch für die Zukunft gut aufgestellt sind“, betont Egger und fordert etwa die Einführung eines Investitionsfreibetrages oder die Senkung der Abschreibungsdauer von Gebäuden.

Privatraumvermietung: „Gleiche Erleichterungen für alle“

Um die Schieflage bei der Privatraumvermietung (z.B. Airbnb) gegenüber der gewerblichen Beherbergung auszugleichen, pocht Egger auf „gleiche Rahmenbedingungen für gleiche Tätigkeiten“. Als erste konkrete Maßnahme erwartet sich der WKÖ-Branchen-Sprecher eine rasche Umsetzung der Ausweitung der Genehmigungsfreistellungsverordnung für Betriebe bis 30 Betten auf die Hotellerie.

Last but not least brauche es dringend Entlastungen für die Betriebe im Bereich der überbordenden Bürokratie, bekräftigt Egger abschließend die Forderung nach mehr Zeit und Raum für die Unternehmerinnen und Unternehmer, um sich ihrer Kernaufgabe widmen zu können – der Betreuung ihrer Gäste. (PWK598/ES)

Der Fachverband Hotellerie in der Wirtschaftskammer Österreich vertritt 17.000 Beherbergungsbetriebe mit 1,06 Millionen Betten. Mit über 41 Millionen Ankünften und knapp 141 Millionen Nächtigungen leistet die heimische Hotellerie einen wesentlichen Beitrag zur direkten und indirekten Wertschöpfung der Tourismus- und Freizeitwirtschaft.

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